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Laufberichte

Der lange (An-)Lauf

26.01.13

Runde sechs bis neun

 

Wesentlich mehr Zeit nimmt sich das gemeine Volk bei der Verpflegungsaufnahme. Man bleibt stehen, wechselt ein paar Worte mit den Helfern, schaut sich das Leckerste aus und greift dann zu. Durch die Kälte lassen sich die harten Riegel nur schlecht schlucken. Mit einem Warmgetränk, so sagt der Bayer, „schwommas obe“.

Dann gegen Ende der sechsten Runde kommt mir ein Araber ins Blickfeld. Der „Ali“  ist unser Joe. Er lacht lautstark los und lädt mich für den Abend noch zu einem Whisky-Aufguss in einer Sauna ein. Wie ich den kenne, wird das wieder ausarten und vielleicht braucht man noch Personal zum Löscheinsatz. Unter 5.30 Stunden will der Joe laufen und es auch schaffen, wenn …

Ja, wenn es auf dem Laufkurs an den Stellen im Bereich des Wendepunkts, zwischen beiden Wäldern und am Opelgelände nicht immer tiefer werden würde. Gerade am Wendepunkt kratzen die Helfer den lockeren Schnee weg, werfen Splitt drüber und fangen nach zehn umgekehrten Läufern wieder von vorne mit dem Scharren an.

Das viele Teegesaufe hat Folgen und für ein kleines Geschäft schlägt es mich in die Büsche. So kann ich ein wenig ausschnaufen. Ganz anders schaute das kürzlich aus auf meinem Trip rund um die Annapurna in Nepal. Da musste ich mitten in der Nacht auf 4800 Meter Höhe im Thorong High Camp auf die Pippibox, die 30 Meter weg vom Zimmer lag. Nach dem schnellen Rückmarsch und dem Kampf mit Schlafsack, Innenschlafsack und Decke lag ich 15 Minuten schnaufend wie ein Ackergaul auf der Pritsche.

 

Wen’s interessiert, hier gibt es Bilder vom Annapurna Circuit

Die Führenden setzen jetzt zum Endspurt an und holen das Letzte raus. Mit einem bekannten Unterfranken halte ich in Runde acht ein kurzes Schwätzchen an der V-Stelle. Alex Morschhäuser schickt mich dann weiter, denn er ist eine Runde zurück.

 

Jetzt schläg's Ultra

 

Am Marathonpunkt, der ist hier gekennzeichnet, ist ein kurzer Stopp für meine Arbeit fällig. Ab jetzt schlägt's dreizehn, äääh Ultra. Während die vergangenen Runden eine halbe Stunde dauerten, will ich die zehnte noch mal mit Gas angehen. Es wartet nämlich noch ein Fotomotiv: Torsten Deuter, vielleicht 300 Meter voraus, läuft mit einem bayerischen Outfit. Es scheint, dass ich noch auflaufen kann. Aber der Schein trügt, auch er hat sich Kraft für eine flotte Schlussrunde aufgespart.

Mein Abschiedsgruß an die Helfer an der Verpflegung und am Wendepunkt verhallt nicht ungehört. „Bis nächstes Jahr,“ heißt es da freundlich zurück. Und Schulterklopfen („gut gemacht!“) gibt es auch. Ja, man kennt seine Laufkundschaft. Für eine Handvoll Bilder reicht es in der letzten Runde und wenn auch ein paar im Lauf verwackelt sind, egal. Zumindest haben die Kamera und die Bedienerpranken durchgehalten, wobei bei letzteren das sogenannte Fingerspitzengefühl zum Ende hin sehr gelitten hat. Für meine Zeit, a...knapp unter 4.45 Stunden musste ich mich noch auf den letzten fünf Kilometern lang machen. Aber es hat gereicht.

 

Im Ziel

 

Im Ziel werde ich dann Augenzeuge, wie eines von drei Geburtstagskindern einläuft. Carola Frenzel hat sich an ihrem Tag ein besonderes Geschenk mit dem Ultra gemacht. Sie läuft zwar hinter mir ein, aber in der Nettozeit ist sie vor mir. Ich lasse ihr gern den Vortritt.

Gleich danach packe ich mich mit den trockenen Klamotten ein. An der Zielverpflegung, unterm Dach der seitlich offenen Waldhütte, gibt es nichts zu Maulen, denn die Auswahl ist groß. Warmer Tee und kaltes Bier steht auf meiner Wunschliste.

Gerade verpflegt, sehe ich weitere Bekannte: Michaela Schwarz, die weitgereiste vom Donau-Alb-Marathon, Roland Blumensaat und Anton Luber, das Nürnberger Gespann, wo der eine auf den anderen angewiesen ist. Gemeinsam ist man stark.

Was genau sagt die Ergebnisliste: 4.44.25 Stunden, Gesamtplatz 143 bei 449 Finishern über 50 Kilometern, passt. Die Duschen im Sportzentrum haben mollig warmes Wasser. In der Turnhalle läuft gerade die Siegerehrung.

Mein Fazit: Ein langer Anlauf mit Schwung am Ende, familiär organisiert und kurzweilig. Wer seine Form zeitig im Jahr testen will, einen langen Lauf in sein Pensum einbauen will oder mal sich auf der Ultradistanz versuchen will, hier ist der Läufer grad richtig.

  

Ergebnisse 50 km

Männer

1 Neuschwander, Florian Trierer Stadtlauf e.V. 3:08:48
2 Holovnytskyy, SC Kovel 1975 m 3:15:57
3 Stegner, Carsten Skivereinigung Amberg 3:17:44

Frauen

1 Etter, Franziska www.mega-joule.ch 4:02:13
2 Staubach, Astrid LG Vogelsberg 4:03:50
3 Werthmüller, Gabriele LG Derendingen 4:11:26

449 Finisher

 

123
 
 

Informationen: Ultramarathon Rodgau
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