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Laufberichte

Auf Du und Du in Dudenhofen

 

Diesmal gibt es Medaillen auch für sterbliche Läufer, denn der Rodgau Ultra wird zum 20. Mal ausgetragen. Bei der Erstaustragung im Jahr 2000 erreichten von 86 Startern gerade man 68 das Ziel. Die Finisherquote ist all die Jahre ähnlich geblieben, denn so mancher Starter will am Jahresanfang nur seine Fitness testen, ohne gleich 50 Kilometer laufen zu müssen. Wer früher aussteigt, erhält sogar eine Urkunde.  Das ist offenbar so verlockend, dass 35 % der Starter in der Wertung hinter mir liegen.

Benedikt Hoffmann, der letztes Jahr neuen Streckenrekord lief, verlässt sich auf sein Training, das er auch bei schwierigen Wetterbedingungen und aufgeweichten Strecken absolviert. Das sagte er mir noch vor ein paar Tagen, wird dann Vater und tritt nicht an. Ingo tritt auch nicht an, er möchte seiner Freundin die Oxcytoxinproduktion ankurbeln, denn sie hätten eine neue Küche geliefert bekommen. 100 Läufer von über 900 treten nicht an. Florian Reus tritt an, der Weltmeister (264 km), mehrfacher Europameister und mehrfacher Deutscher Meister im 24-Stundenlauf, kommt hierher, weil dieser Lauf wie ein jährliches Klassentreffen ist. Eigenverpflegung braucht er auf dieser Kurzstrecke nicht. Ein Brötchen mit Honig am Morgen reicht ihm.

Es gibt eine wesentliche Neuerung: Gabi, genannt Frau Werwolf, moderiert nicht mehr. Elf Mal hat sie diesen Job von ihrem beheizten Van aus gemacht. Angefangen hat sie, nachdem sie einen Bänderriss hatte und nach 15 Kilometern aussteigen musste. Sie wollte aber die Ultragemeinschaft nicht allein lassen, denn sie kennt Gott und die Unterwelt, pardon Ultrawelt. Jo Höschi ist der einzige Läufer, der alle bisherigen Rodgau Ultras gefinisht hat, wie sie mir erzählt. Ein anderer Jo, der neue Moderator Jochen Heringhaus, macht heute seine 3.023. Moderation. Die Laufgemeinde ist ihm von seinen Moderationen von diversen Marathon- und Ultraläufen bestens bekannt. 31 Jahre moderiert Jochen nun, der selbst gerne läuft. Noch eine Neuerung gibt es: Den Frühstart um 9 Uhr für die älteren Herrschaften. Sigrid hat das wohl letztes Jahr angeregt und heute starten schon ein Dutzend Läufer frühzeitig.

 

 

Außereuropäische Läufer kommen aus des USA, Mexico und dem Iran. Carole kommt aus Benin, Emile aus Burundi. Emile werde ich nicht sehen, dafür die Trainercrew von Carole kurz vor der Verpflegungsstation. Alexander läuft unter ukrainischer Flagge, ob er mit seinem Landsmann Evgenii Glyva, den mehrfachen Rodgaugewinner gleichziehen kann? Ich kenne Evgenii vom Oman Desert Race, wo er sehr aktiv für uns Spitzenläufer Feuerholz sammelte.  

Feuerholz könnten wir jetzt auch gebrauchen, als wir vor dem Clubheim des Tennisclubs Blau-Weiß kurz Schlange stehen, um die Startunterlagen abzuholen.

Für mich ist es heute letzter Test für  meinen Lauf in den Weiten Russlands nächstes Wochenende. Die Organisation hat sich im Deutschen versucht: „Wärmesahne“ gehöre jetzt zur Pflichtausrüstung. Ich hab da was bei Amorelie gefunden und werde das mal auftragen.  

Den Weg zur Gänsbrüh (so heißt der Startort) sollte man frühzeitig antreten. Er überquert die B45, es ist die alte Reichsstraße zwischen der Messe Frankfurt und der Messe Leipzig. Sie wurde im Mittelalter bis nach Moskau weitergebaut. Dahin fliege ich in ein paar Tagen, dann weiter mit der Transsib zum Mad Fox Ultra. Minus 22 Grad hat es dort.  

Schnell durchs Wäldchen auf die andere Seite, wo die Verpflegungsstelle ist. Dort kann  man seine Eigenverpflegung deponieren. Die ist zwar nicht nötig, denn es gibt alles und reichlich, aber Läufer sind abergläubig, so wird auch mal ein Schmatzriegel und ein Getränk, das nach mittlerem Morgenstrahl aussieht, hier deponiert.

Am Gänseteich, der Gänsbrüh genannt wird, tobten sich einst glückliche Gänse aus. Alle sieben Wochen wurden sie gerupft. Die Federn waren in Dudenhofen sehr begehrt, denn ein Dudenhofener Vater wäre seine Tochter nie ohne Bettzeug als Mitgift losgeworden. Heute müsste mir so ein Vater für seine Dorftochter schon mehr als eine Daunendecke bieten! Gut, dass ich die Wärmesahne dabei habe.

 

 

Wir laufen los, 10 Meter hinter dem Start stehen die Dixihäuschen, die augenblicklich belagert werden. Meine Erfahrung sagt mir, dass man den Harndrang erstmal ignorieren sollte. Ich lege gleich ein ambitioniertes Tempo vor, später wird man mich dafür kritisieren, aber ich bin halt so. Nach 1:04 Stunde habe ich die 10 Kilometer der Strecke hinter mir, die so interessant ist, wie die Beziehung zwischen Sheldon und Amy.

Spätestens vor der Lieferantenausfahrt der Gärtnerei Fischer, wo das Begegnungsstück ist, wird es interessant, denn jetzt gilt es, seine Platzierung gegenüber den anderen Luschen abzuchecken. Leider bleibt mir nichts anderes mehr übrig, als mich mit langsameren Läufern zu messen. Manche Läufer halten sich mit der rechten Hand am Biertisch an der Wendemarke fest,  manche meistern die Fliehkraft ohne Festhalten, jedenfalls ist dieser Wendepunkt ein Highlight auf dieser sagenhaften 5km-Strecke. Die ersten Runden kann man ja noch mitzählen, aber bei einem Ultralauf, so haben „Experten“ festgestellt, sinkt der Intelligenzquotient um 10 Punkte, bei mir also auf etwa 140. Das Zählen wird schwieriger.  

 

 

Ein hoher Zaun im Wald grenzt das Opel Testgelände ein. Anfang der 1960er Jahre wählte Opel Dudenhofen als Standort für ihr Prüfzentrum aus. 4,8 Kilometer lang ist die Hochgeschwindigkeits-Rundstrecke mit Crashtesteinrichtung, dazu gibt es noch eine 7 Kilometer lange Teststrecke mit allen erdenklichen Straßentypen für Langzeittests.

Opel wollte ursprünglich nicht nach Rodgau-Dudenhofen, sondern nach Dudenhofen bei Speyer. Der verantwortliche Amerikaner bei Opel sendete das Bewerbungsschreiben an die falsche Gemeinde. Als die Verwechslung aufgedeckt wurde, waren die Planungen für die Teststrecke in Rodgau-Dudenhofen schon so weit fortgeschritten, dass man sich für dieses Dudenhofen endschied. Unser Vorteil: Wir haben eine gerade Strecke entlang des Zaunes. Micha fragt, ob hier ein Außenparkplatz des Frankfurter Flughafens wäre. Patrouillen-Autos haben auf der anderen Seite Spuren durch den Schnee gezogen. Ist es so wichtig, was Opel entwickelt und testet?

 

 

Jetzt müssen wir den grausamsten Anstieg der Strecke absolvieren, vielleicht beträgt die Steigung ein paar Meter, noch schaffen wir das laufend, aber bald schon gibt es erste Wanderer. Dann folgt mein Lieblingsstück: Der Lauf hinunter zur Gänsbrüh, wo die Zeitmessmatte liegt. Jetzt kann man richtig Gas geben, die Kiefernnadeln auf der vereisten Strecke geben Halt. Jochen Heringhaus: „ Da kommt Joe, der einzig wahre Ultraläufer, in allen Wüsten der Welt unterwegs!“ Nicht nur ich muss grinsen. Was ist mit Jan, Stefan, Frank und Michael, die sich hinter das Führungsfahrrad klemmen? Sind die keine Ultraläufer?

Traditionell schwächel ich zwischen Kilometer 15 und 35, um dann doch noch Gas zu geben. Sogar auf meiner letzten Runde ist die Strecke noch belebt. Mehr als sonst, denke ich. Die coolen Tänzerinnen beim DJ am Begegnungsstück tanzen jetzt wohl in der Halle, der DJ legt aber immer noch die beste Laufmusik auf: „ Keep on running.“ Ich finde diesen Lauf super, man kann abschätzen, wie langsam man im Laufe der Jahre geworden ist. Entweder ich fange jetzt mit dem Training an, oder ich nehme auch dieses Asthmaspray.

Die letzte Runde muss vor 16 Uhr angetreten werden. Schwer ok sind diejenigen Läufer, die trotzdem weiterlaufen, um diesen Lauf mit persönlicher Wertung zu finishen. Die gehören definitiv auch zu unserer Ultrafamilie! Keep on Running!

 

Siegerliste

 

Männer
1    Kerkmann, Jan    3:01:45       
2    Merrbach, Frank    3:03:35 
3    Fritz, Stefan    3:13:52    

 

Frauen

1   Gölz, Susanne    3:42:36    11
2   Müller, Annette 3:45:10    
3   Pfäffle, Malin 3:47:45    17

 

533 Finisher

 

Informationen: Ultramarathon Rodgau
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