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Laufberichte

Der lange (An-)Lauf

26.01.13

 

Auf in die erste Runde

 

Startschuss, auf in die erste Runde: Ohne Hektik, denn gewertet wird die Nettozeit, geht es über die blauen Matten der Zeitmessanlage. Nur einige Sekunden, dann habe ich die Startlinie überschritten. Nach einem kurzen, leichten Gefälle biegen wir am Waldrand scharf rechts ab. Ein wenig aufpassen sollte man hier, denn Schneereste liegen im Kurveninneren und kurz danach könnte man in eine Wasserlache tappen.    Am Waldrand steigt die Strecke unmerklich an. Kurz danach laufen wir an der Verpflegungsstelle vorbei. Die Helfer können jetzt noch applaudieren, später werden sie mit Einschenken, Nachfüllen und Portionieren gut zu tun haben. Jetzt greift hier natürlich noch keiner zu.

Unsere Laufrichtung dreht ein wenig nach links auf die freien Felder. Kilometer eins ist rechts markiert. Hier könnte ein Ostwind uns im Tempo bremsen, doch erst nach der folgenden rechts-winkeligen Richtungsänderung spüren wir den Gesellen leicht von vorne. Die Sanis haben sich in ihren Krankenwagen verzogen, aber dennoch alles unter Kontrolle.

Hoffentlich wenig tun wollen auch die Kollegen aus meiner Heimatstadt, denn genau heute findet in Neuburg das Winterschwimmen statt. Mich würd's interessieren, ob unser Herr Landrat die vier Kilometer ohne Bergung durch die Wasserwacht geschafft hat. Denn letztes Jahr war der Neopren eine Spur zu groß und das durchfließende Wasser in der Schutzkleidung zog ihn die Wärme aus dem Leib. Aber ein Politiker muss schon einiges aushalten können (und wenn es später ein wenig Spott ist).

Der Asphalt endet am Waldrand und es beginnt die Schneefahrbahn. Wie vom Veranstalter informiert, wurde der Waldweg geräumt und gesplittet, doch das Tempo geht schon ein wenig herunter. Links am Wegesrand sehen wir frische Spuren von Wildsäuen, die haben in der Erde gewühlt und wahrscheinlich auch was zum Fressen gefunden.

Wir biegen dann später links ab, das bekannte Pendelstück. Da kannst du deine Verfolger beobachten und den Führenden hinterher schauen. Ein wenig eng ist es auf diesem Stück, denn auf der anderen Seite kommen die Schnellen schon zurück. Darunter ist auch Patrick, mit dem ich letztes Jahr das Parpaner Rothorn im Laufschritt bezwungen habe. Schaun mer mal, welchen Berg wir dieses Jahr belaufen werden.

Am Wendepunkt stehen zwei Helfer, bewaffnet mit Schaufel, Besen und Streugut. „Tempo herausnehmen“, höre ich, denn just an der Stelle am Biertisch als Wende, ist es rutschig. Zurück!

Am Ende des Gegenverkehrsbereiches sehe ich Massen von rechts kommen. Zu unserer Unterhaltung hat man einen Pavillon und eine Musikanlage aufgebaut. Oldies und Rocksongs werden gespielt. Bereits drei  Kilometer sind wir gerannt, als es aus dem Wald hinausgeht. Etwa einen halben Kilometer laufen wir über Felder, dann führt die Strecke wieder in den Wald.

Hier hören wir Motorengeräusch aus dem Testgelände von Opel. Ein Mitläufer meint, dass heute BMW testet, denn Opel könne sich das in ihrem wirtschaftlichen Dilemma nicht mehr leisten. Ach ja, 1966 wurde die 6,7 Kilometer lange Strecke fertiggestellt. Eigentlich hätte dieses Versuchsgelände in Dudenhofen in Rheinland-Pfalz errichtet werden sollen, doch ein Opelaner hatte die Unterlagen falsch verschickt, nämlich an das Dudenhofen bei Rodgau. Hier wurde dann sogleich die Planung angegangen, so dass nach dem Bemerken des Fehlers die Investitionen schon zu weit fortgeschritten waren.

Im Bereich des Zaunes zum Versuchsgelände sind zwei kleine Wellen vorhanden, die man jetzt fast nicht spürt. Aber wie wird das in zwei, drei Stunden ausschauen? Der eine oder andere Fluch wird da zu hören sein. Nach einer kleinen Rechtskurve führt die Strecke etwa 500 Meter gefällig zur Freizeitanlage. Und der Untergrund, zwar auch schneebedeckt, ist gut zu belaufen. Links sehen wir einen kleinen Spielplatz und einen zugefrorenen Weiher. Gabi Gründling ist schon eine Zeit vorher über Lautsprecher zu hören. Sie moderiert fachkundig und hat für viele Läufer ein nettes Wort auf Lager.

Als ich mich nach meinem ersten Durchlauf umdrehe, sehe ich eine 27 auf der Uhr. Passt, denke ich, denn langsamer werde ich schon noch werden. Allerdings habe ich auch schon fast 20 Bilder im Kasten.

 

Runde zwei bis fünf

 

Die nächste Runde wartet. Wer jetzt meint, die ganze Runden-Rennerei sei öde, den lade ich persönlich ein.  Das Rennen ist kurzweilig, es gibt immer was Neues zu sehen, und die Landschaft ändert sich fortlaufend.  An der Verpflegungsstelle greife ich zum süßen, angewärmten Tee. Ich sehe noch Cola, Wasser und Isogetränke. An fester Nahrung werden Nüsse, Riegel, Obst, Salzstangerl, Schokolade und andere leckere Sachen abgegeben. Es stehen sogar zwei Behälter mit Salz auf dem Tisch. Verhungern und Verdursten braucht keiner. Unmittelbar vor der offiziellen V-Stelle kann die Privatverpflegung deponiert werden.

Mein bisheriges Tempo will ich nicht erhöhen, weil sich die Streckenverhältnisse nach meiner Ansicht verschlechtern sollten. Meine Kraft werde ich noch brauchen Denn die Schneedecke wird durch die vielen Läufer lockerer und sulziger werden. So 26, 27 Minuten rechne ich mir auf den nächsten Runden aus.

Doch dann zu Beginn der dritten Runde, ich habe gerade den V-Bereich verlassen, da kommt der Führungsradler mit dem ersten Mann im Schlepp. Mann, ist der schnell. Ich habe zehn, elf Kilometer im Haben und der ist schon fünfe weiter, Wahnsinn.

Rechts steht der Herr Chefredakteur bei seinem Spaziergang im Acker und fotografiert. Ja, so ist das Volontärsleben: Die Oberen schaffen an und die kleinen müssen laufen und buckeln. Wenigstens friert es mich nicht in die Finger. „Wie ist das bei dir, Klaus?“, möchte ich ihm zurufen. 1.20 Stunden lese ich nach der dritten Runde auf dem Zeiteisen.

In der vierten Runde kann ich auch überholen. Zuerst nur wenige, dann werden es mehr Sportler, darunter unsere Angelika. Wo ist denn der Eberhard? Den sehe ich nicht. Dafür kommt wieder der Führende von hinten.

Wie soll denn das halbe Hundert gerannt werden, fragen mich Vereinskollegen. Nun, nicht so aggressiv wie ein Marathon. Denn wenn dich da der Schweinehund bei Kilometer 35 heimsucht, hast du nur noch einige Kilometer, bis du daheim bist. Also gleichmäßig und laaaangsam anfangen. Dann fällt das starke Nachlassen später nicht so gravierend aus. Einfach nicht?

2.15 Stunden zeigt die Uhr beim fünften Durchlaufen an. Diese Zeit einfach verdoppeln, wird nicht ganz reichen, denn die Wege im Bereich des Wendepunkts und am Opelgelände werden immer tiefer. Da rutschst du mit jedem Schritt ein wenig zurück. Ich wünsche mir Spikes an den Sohlen.

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Informationen: Ultramarathon Rodgau
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