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Laufberichte

Jedermann-Marathon

06.05.12
Autor: Klaus Duwe

Dann das Highlight, das 1613 vom  Fürsterzbischof Markus Sittikus  erbaute Schloss Hellbrunn. Standesgemäß auf rotem Teppich laufen wir  auf das Portal des Schlosses zu, das Sommerresidenz und Lustschloss der früheren Salzburger Erzbischöfe war.  Wegen der Wasserspiele ist es bis heute weltberühmt.

Gleich im Anschluss kommt eine große Verpflegungsstelle. Wasser, Iso und Obst gibt es reichlich. Trommler treiben uns weiter. Ein leichter Anstieg wartet, dann sind wir auf einem gemütlichen Weg mit sagenhaften Ausblicken auf den Untersberg,  auf das Hagen- und Tennengebirge und den Hohen Göll in den Berchtesgadener Alpen. Berglauf ohne Anstieg, herrlich.

Der Untersberg liegt teils auf Berchtesgadener, teils auf Salzburger Gebiet. Sein Name (der Bayer meint mit „Untern“ die Mittagszeit) weist ihn als Mittagsberg aus, als einen Berg also, über dem zur Mittagszeit die Sonne steht.

Wenn ich nicht aufhöre mit Fotografieren und schaue,  dass ich weiter komme, ist es Mittag und ich kann mich davon überzeugen. Ich quatsche zwei Mädels an, die eine trägt ein Charity-Shirt, wie ich kürzlich in London hunderte gesehen habe. Richtig, die Girls kommen aus England. Ich gebe damit an, dass ich beim London Marathon war. Die Zwei flippen richtig aus. „Great!“ rufen sie mehrfach aus. Sie selber sind noch echte Rookies, Angela macht ihren ersten Lauf überhaupt, Nicole ihren zweiten. Aber ihr Traum ist der Marathon in London. Sie haben sich davon schon erzählen lassen und wollen auch von mir noch dies und das wissen. Da hab‘ ich mich auf was eingelassen.  Drei Sätze bring ich noch zusammen, dann mach ich das, was ich immer noch etwas besser kann als englisch: Laufen!

Wir haben den Eichenwald erreicht und laufen schnurgerade, bis sich beim Kneissl-Moor die Laufrichtung ändert  und es nordwärts in Richtung der Stadt geht. Wald und Wiesen, einsame Bauernhöfe, ein paar Zuschauer, dann bei km 9 die Ortstafel „Salzburg“ und die ersten Häuser.  Wir laufen links in Richtung Schloss Leopoldskron und die Strecke bleibt, was sie ist: landschaftlich wunderschön mit sagenhaften Ausblicken (km 10).

Salzburgs Wahrzeichen, die Festung Hohensalzberg, grüßt von Weitem. Es ist größte und am besten erhaltene Burganlage in Europa. 1077 wurde mit dem Bau begonnen. Ständig wurde nachgerüstet und weitere Türme, Mauern und Schanzen errichtet. Rund eine Million Menschen besuchen sie  jedes Jahr. Damit ist die Hohensalzburg die bestbesuchte Sehenswürdigkeit in Österreich - außerhalb Wiens. Die Burg wurde nie eingenommen, jedoch einmal, während er napoleonischen Kriege, den Franzosen kampflos übergeben.

Dazu passt die Geschichte vom Salzburger Stier. Als die Stadt einmal belagert war und die Bevölkerung zu verhungern drohte, zeigte  man auf der Stadtmauer dem Feind den letzten Stier, ein geflecktes wohlgenährtes Tier. An den nächsten Tag  ließ man den gleichen Stier, aber zuerst mit weiß, dann mit schwarz angestrichenem Fell, wieder auf der Stadtmauer sehen. Da glaubten die  Belagerer, die Salzburger hätten noch monatelang gut zu essen und zogen ab.  Die Bürger feierten ein großes Fest und wuschen dem Stier in der Salzach die Farbe ab. Der Seifenschaum verbreitete sich kilometerweit auf dem Fluss. Seither nennt man die Salzburger auch Stierwascher. Ein Schimpfwort ist das nicht.

Die nächste Verpflegungsstelle kommt wie gerufen und gleich darauf ein weiterer optischer Leckerbissen, Schloss Leopoldskron und der gleichnamige Weiher. Das Schloss wurde um 1736 erbaut und blieb über 100 Jahr im Besitz der Adels-Familie Firmian. Dann wechselten die Besitzer und schließlich kaufte es 1918 Max Reinhardt, der das Schloss zum gesellschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt Salzburgs machte. Es gilt als Geburtshaus der Salzburger Festspiele, denn zusammen mit Hugo v. Hofmannsthal und Richard Strauß entwickelte Reinhardt hier das Konzept. Am 22.08.1920 hatten die Festspiele mit der Uraufführung des „Jedermann“  ihre Premiere.

Zunächst schaut man über das ruhige Wasser des Sees und sieht in der Ferne die noch schneebedeckten Berge, man läuft auf den Meierhof zu, dann links auf dem Uferweg weiter. Jetzt hat man den Blick auf das Schloss und sieht im Hintergrund die Festung. Einfach herrlich.

Wir folgen den grünen Pfeilen und Fußspuren auf dem Asphalt und nähern uns der Stadt. Waas, schon  15 gelaufen? Unglaublich, aber die Zeit vergeht auf einem schönen Kurs wie diesem wie im Flug. Da kann man jetzt die „Durststrecke“  durch weniger attraktive Wohngegenden leicht verkraften, vor allem, wenn hin und wieder Zuschauer und Musiker für Abwechslung und Motivation sorgen.

Ungefähr bei km 18 überrundet mich der führende Kenianer. Beeindruckend sein Tempo, obwohl er mit seiner Siegerzeit (2:16) deutlich über der internationalen Olympianorm bleibt. Wollte er eine Chance haben, für sein Land zu starten, müsste er mind. 11 Minuten schneller laufen. Utopisch … Aber trotzdem noch eine andere Liga als das, was derzeit bei uns so abgeliefert wird. In Österreich sieht’s ähnlich aus. Für die Staatsmeisterschaft reichen Karl Aumayr 2:23

Über die Lehener Brücke geht es über die Salzach. Ein paar Kurven weiter sind  am Salzburg Congress und  Mirabellplatz, links die Kirche St. Andrä, rechts das Schloss mit dem berühmten Barockgarten.  Ihr glaubt nicht, wie schwer es manchmal ist eine Kirche zu knipsen. Zuerst ist kein Läufer da. Wie langweilig. Dann kommen welche und als sie genau vor der Kirche sind, versperrt ein Bus die Sicht. Wollt Ihr so was sehen? Also warte ich auf die nächste Gruppe. Ich erwähne das nur, falls jemand auf die Idee kommt, in der Ergebnisliste nach meiner Zeit zu schauen und sich dann kaputt lacht.

Ich sagte es schon, hier soll nächstes Jahr das Veranstaltungszentrum mit Start und Ziel sein. Da kann man keine Einwände haben.

Zum Schloss gehört ein großer Garten und zu dem gehört der Zwergerlgarten. Von wegen, die Gartenzwerge seien typisch deutsch. Die ersten Marmorzwerge für den Schlossgarten entstanden nachweislich um 1690. Da gab es sowas bei uns noch nicht. Schaut mal in meinem Laufbericht von 2006, da gibt es viele Bilder von den Urahnen unserer Gartenzwerge.

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Wenn man auf dem letzten Kilometer über die Staatsbrücke in die Altstadt läuft,  hat man die weltberühmte Silhouette von Salzburg  vor sich, mit der mächtigen Burg, den Türmen von Dom, Rathaus und Kirchen. Die Griesgasse laufen jetzt entgegengesetzt der Startrichtung direkt auf den Mönchsberg zu. Trommler und etliche Zuschauer begleiten uns hinauf zum Herbert-v-Karajan-Platz.  An der Pferdeschwemme vorbei geht es auf die Zielgerade, jetzt angefeuert von jeder Menge Zuschauer, die jeden Finisher ins Ziel brüllen.

Ach so, sorry. Zuerst die zweite Runde noch, über den Alten Markt, Residenz- und Mozartplatz und dann auf die schon bekannte Strecke. 

Ich will heute wirklich nicht wissen, wie lange ich für 42 km brauche.

 

Ergebnisse

 

Salzburg Marathon
Männer

1. Martin Kiprugut-Kosgei (KEN) – 2:16:36 Stunden
2. James Munyi Maregu (KEN) – 2:16:44 Stunden
3. Julius Mbugua (KEN) – 2:16:49 Stunden

Frauen

1. Joan Rotich (KEN) – 2:36:08 Stunden
2. Risper Kimaiyo (KEN) – 2:39:15 Stunden
3. Karin Freitag (AUT) – 2:47:14 Stunden

Staatsmeisterschaften im Marathonlauf
Männer

1. Karl Aumayr (CLUB LaufImPuls Salzburg) – 2:23:25 Stunden
2. Robert Gruber (LC ASKÖ Henndorf) – 2:28:06 Stunden
3. Marius Bock (LC ASKÖ Breitenau) – 2:32:26 Stunden

Frauen

1. Karin Freitag (Kolland Topsport) – 2:47:14 Stunden
2. Claudia Kaiser (Plussport Saalfelden) – 3:01:15 Stunden
3. Natalia Steiger (LBM) – 3:02:37 Stunden

  

Impressionen

 

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Informationen: Salzburg Marathon
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