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Laufberichte

Jeder kommt auf seine Kosten

15.05.11
Autor: Klaus Duwe

Wer schon einmal auf der Festung war, dem ist vielleicht das merkwürde Wappen aufgefallen, das einem überall begegnet. Statt heroischer Symbole wie Schwert, Schild, Rüstung oder ähnlichem zeigt es nämlich eine Rübe. Natürlich gibt es dazu eine Geschichte und selbstverständlich habe ich sie ausgegraben:

Der junge Leonhard von Keutschach war zu Besuch bei seinem Onkel, der ihm auf einem Spaziergang kräftig die Leviten las, weil seine Schulleistungen mehr als dürftig waren. Dem Leonhard ging das, heute würde man sagen, „am Arsch vorbei“, machte freche Bemerkungen und sich über den Onkel lustig. Gerade gingen sie an einem Rübenfeld vorbei, der Onkel zog ein besonders großes Exemplar aus dem Boden und warf damit nach dem flüchtenden Neffen. Dabei stieß er die Drohung aus: „Wenn Du Dich nicht endlich besserst, kommst Du mir nicht mehr unter die Augen.“ Das saß, denn ohne es jemals gezeigt oder zugegeben zu haben, Leonhard mochte seinen Onkel sehr. Er wurde ein fleißiger und guter Schüler, später Erzbischof und Landesfürst von Salzburg. Aus Dankbarkeit nahm er die Rübe in sein Wappen auf. 

Gleich müssen wir uns der anderen Straßenseite zuwenden, denn Schloss Leopoldskron wird erreicht,  das als „Geburtshaus der Salzburger Festspiele“ gilt. 1918 kaufte  Max Reinhardt das Schloss, der einmal sagte, er habe es  „immer feiertäglich geliebt, niemals alltäglich.“ Zusammen mit Hugo v. Hofmannsthal und Richard Strauss entwickelte er das Konzept der Salzburger Festspiele, die am 22.08.1920 mit der Uraufführung des „Jedermann“  ihre Premiere hatten.

Sogar an trüben Tagen wie heute übt der Leopoldkroner Weiher mit dem sich darin spiegelnden Schloss und der Festung im Hintergrund einen unbeschreiblichen Reiz aus. Auch wenn bei den schlechten Lichtverhältnissen kaum ein gutes Foto gelingt, probiere ich es immer wieder.Dann muss ich doch weiter.

Der Zwieselweg ist eine gute Wohngegend mit schönen Villen, direkt am Wald. Schön wohnen kann man auch in den modernen Wohnblocks in der Moosstraße, die durch ihre Architektur und Farbe sofort auffallen. Das Besondere ist die durchgängige Glasfassade, hinter der sich Balkone und Auf- und Eingänge befinden. Wer sagt, dass Zweckbauten langweilig sein müssen? 

Ein weiteres Bauwerk rückt ins Blickfeld. Ein Gewerbebau muss es sein, mitten auf der grünen Wiese, die Salzburger Berge schemenhaft im Hintergrund. Der Anton würde es riechen, es ist eine Brauerei, die größte private  in ganz Österreich. Von der ursprünglichen Brauerei führte eine kleine Stiege zu einem  Kanal. Deshalb heißt sie bis heute Stiegl  Bräu. Auf einen Ausschank hier an der Strecke wird verzichtet. Das ganze Freibierkontingent des Sponsors wird erst im Ziel ausgeschenkt. Stattdessen gibt es  500 Meter weiter braune Zuckerbrause, Iso, Wasser und Obst, dazu  heiße Live-Rhythmen. 

Die nächsten Kilometer sind nicht so prickelnd, aber trotzdem spannend – der Führende im Marathon wird angekündigt. Hoppla, nicht Günther Weidlinger liegt vorne, sondern der erst 19jährige Kenianer Viktor Bushendich, der bisher in keinem Wettkampf mehr als 5000 m gelaufen ist. Ich denke, der Günter ist ausgestiegen, denn der Kenianer liegt in etwa auf Kurs 2:14. Er hatte einen Ausstieg angekündigt, falls die Qualifikationszeit außer Reichweite gerät. Dann taucht er aber doch noch auf. Ich schaue zur Uhr – nein, das wird nichts mehr. 1500 m ist die Strecke heute zu lang. Krämpfe hätten ihn ausgebremst, meinte er später. Dann habe er sich aber doch dazu entschieden, locker  zu Ende zu laufen. Für den zweiten Platz reicht es trotzdem. Jetzt konzentriert er sich ganz auf den Frankfurt Marathon, dort will er sich endgültig für die Olympischen Spiele in London qualifizieren. 

Über die Lehener Brücke geht es über die Salzach. Die Rockband hat unter der Bahnunterführung einen trockenen Platz gefunden und gibt ihr Repertoire zum Besten.  Wenig später sind wir auf der Rainerstraße und dem Mirabellplatz, rechts das gleichnamige Schloss mit dem berühmten Barockgarten. 1606 ließ es der Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau außerhalb der damaligen Stadtmauern bauen -  für seine Geliebte Salome Alt und seine 15 Kinder. Er nannte es Schloss Altenau. Wegen Meinungsverschiedenheiten in Wirtschafts- und Glaubensfragen wurde er gestürzt. Sein Nachfolger Markus Sittikus (schon wieder der!) sperrte ihn auf der Hohensalzburg ein. Das Schloss benannte er in Mirabell um.

Noch einen Kilometer, dann ist die erste Runde mit vielen Höhenpunkten beendet. Wenn man aber jetzt von der Staatsbrücke in die Altstadt läuft und den Blick auf die Skyline von Salzburg hat mit der mächtigen Burg, den Türmen von Dom, Rathaus und Kirchen, stellt das alles bisher Dagewesene in den Schatten.  Die Griesgasse laufen jetzt entgegengesetzt der Startrichtung direkt auf den Mönchsberg zu. Trommler begleiten uns hinauf zum Herbert-v-Karajan-Platz. 

Links geht es auf die zweite Runde über den Alten Markt, Residenz- und Mozartplatz.  Ich laufe  geradeaus  - ins Ziel. Ich könnte jetzt tausend Gründe dafür nennen und beim Wetter anfangen. Ich kann aber auch sagen wie es ist: Ich hatte nie etwas Anderes vor.  Ich will nicht so lange und so weit laufen, bis gar nichts mehr geht. Nächste Woche ist wieder Marathon.

Dass unterwegs zuschauermäßig nicht viel geboten ist, ist bestimmt dem schlechten Wetter geschuldet. Im Ziel allerdings wird den Läuferinnen und Läufer ein begeisterter Empfang bereitet. Jeder holt das Letzte aus sich raus, wenn er auf dem roten Teppich auf die imposante Altstadtkulisse zuläuft.

Absolut keine Überraschung ist für mich angesichts der perfekten Organisation und attraktiven Strecke, dass man auch dieses Jahr wieder einen neuen Teilnehmerrekord (5860 Anmeldungen) verzeichnet. Dass man auf der Strecke gute Zeiten laufen kann beweisen die diesjährigen Zeiten. Die Siegerzeit des jungen Kenianers von 2:14:49 und Günther Weidlingers 2:17:59 liegen unter dem alten Streckenrekord. Und so schnell wie Risper Kimayo (2:35:05) lief vor ihr in Salzburg keine andere Frau.

Also,  egal mit welchen Ambitionen man in Salzburg an den Start geht, man kommt auf seine Kosten. 

Marathonsieger

Männer

1  Chelokoi Victor-Bushendich KEN Amref 2:14:49 
2  Weidlinger Günther  AUT Sportunion Neuhofen/Krems 2:17:59 
3  Kemboi Micah  KEN CLUB LaufImPuls  2:21:36 

Frauen

1  Kimaiyo Risper KEN Amref  2:35:05   
2  Hofer Sabine, Dr.  AUT LAC Salzburg  3:00:37  
3  Nesta Tiziana, Laurea  ITA Atletica Anzio  3:03:07

535 Finisher

123
 
 

Informationen: Salzburg Marathon
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