
Geck testet das neue Läufer-Betriebssystem Runner 2.0. Der Bericht des Beta Testers. Investigativ und schonungslos wie gewohnt.
Er ist so glücklich. Er wurde ausgewählt. Nicht irgendwo für irgendwas von Irgendwem. Nein! Er, der Prototyp des Freizeitläufers, soll das neue Release des Läufer-Betriebssystems testen - das „Runner 2.0“. Der ultimative Lebensbegleiter.
Kurz nimmt er das Handbuch zu Hand, um sich mit den ersten Schritten vertraut zu machen. Wichtig ist das Kapitel mit der Installation. Das soll schließlich reibungslos funktionieren. Alles andere würde sich automatisch im Test ergeben. Daher zieht er sich zurück, um bei diesem Schritt nicht gestört zu werden. Der Packungsinhalt ist schon viel versprechend. Eine dunkle Brille ist beigefügt. Eine Art Sonnenbrille. Und er liest, dass in dieser alle Meldungen und Hinweise für ihn erscheinen. Was brauchte er für die Installation? Seinen eigenen „Vibrator“, das EMS, welches ihm schon so gute Dienste geleistet hatte.
1. Schritt:
„Mit Hilfe der beiliegenden CD können Sie das neue Betriebssystem auf Ihr EMS-Gerät übertragen.“
OK. Das scheint einfach zu sein. Also schaltet er schnell seinen Rechner an, verbindet das EMS Gerät mittels eines Adapters mit der USB Schnittstelle und schon läuft die Installation.
Nun muss der 2. Schritt erfolgen. Hierzu heißt es im Handbuch:
„Schließen Sie das eine Elektrodenpaar an die rechte Wade und das andere an die linke Wade an. Führen Sie anschließend beide Hände und beide Füße zusammen und drücken Sie die Enter-Taste. Bitte beachten Sie, dass die Installation etwa 2 Stunden dauern kann. Sollte das System zwischendurch stehen bleiben, starten Sie bitte neu.“
Super. Gut das er auf seine Kamasatura Kenntnisse zurückgreifen kann. Und so geht es los. Nach knapp 3 Stunden und nur einem Neustart ist es endlich geschafft. Dies vermerkt er fein säuberlich in sein Testtagebuch mit den Worten: „Installation noch etwas unkomfortabel“.
Dann endlich setzt er die Brille auf und das Startmenü erscheint. Hier gilt es zur erstmaligen Konfiguration seine persönlichen Daten wie Größe, Alter, Gewicht usw. einzugeben. Außerdem ist ein Fingeradapter für einen USB Anschluss dabei, um die perfekte Synchronisierung mit seinem Kalender und anderen Anwendungen, wie dem Virenscanner vorzunehmen.
Geschafft. Nun kann es endlich losgehen. Dachte er. Und schon erscheint die erste Meldung im Brillendisplay.
„Heute ist Lauftag! In Anbetracht Ihres Gewichtes sollten Sie darauf nicht verzichten.“
Hallo? Was soll das denn. Die Antwortmöglichkeit, die auf diese Spitzfindigkeit nicht einging, kennt er zum Glück aus anderen Anwendungen:
„Ja, ich laufe jetzt“ und „Erinnere mich später noch einmal“. Da es früh am Morgen ist, wählt er die 2. Variante und fährt ins Büro.
Die Leute gucken zwar ein wenig verwirrt, als er im Büro mit seiner Sonnenbrille sitzt. Aber als echter Läufer muss man über solchen Befindlichkeiten stehen. Und ohne weitere Komplikationen (wenn man diese Laufansage, die sich alle 10 Minuten wiederholte, außer Acht ließ) erreicht er das Mittagessen und bestellt munter in der Kantine sein Essen. Schon kommt die nächste Meldung:
„Achtung, Ihr Fettgehalt erreicht durch das Essen eine kritische Höhe. Im Zusammenhang mit Ihrer Herzklappenscharnierstiftverrostung könnte eine Situation eintreten, die mit dem Leben nicht vereinbar ist. Wollen Sie das wirklich und wohl möglich an Verfettung sterben?“ blinkte es ihm entgegen. Er tippt kurz an seine Brille, um die Antwortmöglichkeit auszuwählen. Blöder weise deutet die Dame in der Kantine dies völlig falsch und als er nach einigen Minuten wieder zu sich kommt, ist seine Wange rot und arg geschwollen.
„Mist!“ denkt er. „Die Menüführung und die Auswahl sind noch zu optimieren“.
Am Abend ist es dann soweit. Nun soll das Betriebssystem seine wahren Stärken zeigen und bei der Erinnerungsfrage wählt er nun entschlossen „Ja, ich laufe jetzt“ aus. Also zieht er sich schnell um und passt seine Laufschuhe geschmeidig den Füßen an. Und schon leuchtet die nächste Meldung auf: „Neue Hardware gefunden. Die notwendigen Treiber werden jetzt installiert“. Super – direkt mit Treibern. Das sollte das Laufen noch einfacher machen. Nach der Abschlussmeldung „Die Treiber wurden installiert und die neue Hardware kann nun verwendet werden“ kann es losgehen. Das denkt er zumindest. Doch zunächst folgt ein weiterer Hinweis: „Das System muss kalibriert werden. Laufen Sie 1.000 Meter, um die Kalibrierung erfolgreich abzuschließen.“ Da er auf die Vorgaben hört – schließlich ist er lange genug verheiratet – wird auch dies ohne Murren ausgeführt. „Aber jetzt“, denkt er „kann es losgehen.“
Wieder zu schnell gedacht. Schon meldet sich sein Betriebssystem wieder. „Wie weit wollen Sie laufen? 10 Kilometer, 20 Kilometer, Koma.“ Abgesehen davon, dass die Auswahl etwas kleinteiliger sein sollte, stutzt er bei dem Wort „Koma“. Aber da er ja Betatester ist, gilt es diese Funktion auszuprobieren. Und so beginnt er nach der entsprechenden Auswahl.
Zwischendurch kommen immer warnende Hinweistexte in der Art „Wenn Sie in diesem Tempo weiterlaufen, bekommen die Schnecken auf der Strecke vor Lachen einen Herzinfarkt.“ Der Programmierer scheint ja ein ambitionierter Läufer zu sein.
Aber das Programm läuft tadellos und so verliert er nach 7 Stunden und 32 Minuten tatsächlich das Bewusstsein. Er wird wach, als die freundliche Krankenschwester gerade seinen Blutbeutel wechselt. Gott sei Dank hat er seine Brille noch auf. Und schon die nächste Meldung: „Neue Hardware gefunden. Die notwendigen Treiber werden jetzt installiert.“ Er überlegt noch, was das System meint, als er schmerzhaft Muskeln an Stellen spürt, wo er bisher meinte, dass er keine Zieh- und Drückelemente hätte. Nun merkt er, dass der Begriff „Hardware“ für unterschiedliche Bereiche verwandt wird.
Dies wird durch den Brillentest abends im Bett bestätigt. Als Fazit kann er dem Hersteller nur mitteilen. „Der Ansatz ist gut und nicht nur beim Laufen hilfreich. Leichte Optimierungen sind lediglich in der Menüführung erforderlich“.
Betatest – gibt es etwas Schöneres? „Runner 2.0“ – das Produkt der Zukunft!!