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Laufberichte

Goldener Oktober in Elbflorenz

 

Sei’s drum, denn ihn verliere ich bei der V-Stelle bei Kilometer 32, wo ich im Vorbeilaufen einen Becher Tee greife. Auf der Fetscherstraße sind die Gruppen und Cheerleader weiterhin aktiv und werden besonders eifrig, wenn du als Marathoni die Hand hebst und winkst. Mir fällt auch die Helferin an einer Straßenabzweigung auf, die jetzt immer noch mit ihrer Hand auf die Winkerkelle klopft.

Kilometer 37, an der letzten Tankstelle mit Vollverpflegung schnappe ich mir den ersten und letzten Becher Cola. Die Kohlensäure sorgt für ein lautes Entlüftungsgeräusch im Rachen. Als ich die Elbe auf der Carolabrücke überquere, zähle ich mittlerweile jeden Kilometer bis zum Ziel. Noch vier.

Auf den Elbwiesen lasse ich die letzte Wasserstelle aus, es hilft ja jetzt doch nicht mehr und Aqua für die Kühlung der Birne brauche ich nicht. Wieso müssen die zwei Walkerinnen im Kurveninneren laufen, frage ich mich. Bei Kilometer 40 pausiert gerade die Kapelle. Auf mein „Musik“ kommt ein „gleich“. Zumindest lassen die Sambas nach dem Laubenweg hoch zur Großen Meißner Straße nichts anbrennen. Auf einer Kirchenuhr ist es jetzt kurz vor eins. Oder ist der große Zeiger schon nach zwölf, frage ich mich im nächsten Augenblick. Egal, es wird eine gute Zeit.

Kilometer 41, zum letzten Mal geht es auf der Augustusbrücke über die Elbe. Die leichte Steigung auf dem Kopfsteinpflaster fordert die letzten Körner. Was ist leichter? Zwischen den Straßenbahnschienen laufen oder auf dem groben Pflaster daneben. Ich finde keine Antwort. Bin jedoch froh, als ich am Südufer die Stimme von Jochen Heringhaus vernehme. Dessen Ankündigung („ich seid auf dem letzten Kilometer“) sorgt für den letzten Ansporn.

Dann sehe ich im letzten Augenblick Klaus, wie er mir zuruft und seine Kamera hochreißt. Ich  verlasse die Uferstraße und biege nach links ab. Erdinger Powerzone: Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob da noch moderiert wird oder nur Musik gespielt wird. Sind das die Erscheinungen eines Endorphinrausches? Noch 400 Meter.

Und dann biege ich zum letzten Mal rechts auf das Ostra-Ufer ab und sehe den Zielbogen vor mir. Merkwürdig, da ist das Tor und gut zehn Meter dahinter sind die roten Matten. Also nicht vorher stehen bleiben und durchziehen. Nach den ersten zwei, drei Sauerstoffversorgungszügen drehe ich mich um, die Uhr springt gerade auf 3.08 Stunden. Super, Jahresbestzeit aus Lindau unterboten und die von 2010 auch noch gleich.

Mich zieht es sofort zu meinen bayerischen Landsleuten: Die aus Erding haben wieder genug Hopfenkaltschale mitgebracht. Übrigens, wisst Ihr dass Bier das beste Löschmittel ist? Es bietet den geforderten 3fach Schutz, nämlich Wasser, Schaum und CO2.

Als weitere Verpflegung warten Iso, Tee, Obst, Rosinenbrot und Knabbergebäck. Zum Kleiderdepot in den Garagen ist es nur ein kleiner Sprung.

Nach einer halben Bier hole ich mein Gepäck aus der Garage und will noch ein paar Bilder im Zielbereich machen. Klaus kommt aus der Laufrichtung und lobt: „Hasch gut gmacht!“ Das gebe ich an Peter Eckstein, den Helfern und Zuschauern weiter. Das habt ich gut hingekriegt.

Nach der Dusche (zehn Minuten zu gehen) will ich natürlich mein Ergebnis sehen. 3.07.36 Stunden auf Klassenplatz acht, das ist besser, als ich mir errechnet habe. Vielleicht haben die Kompressionsstrümpfe doch ein wenig geholfen - und wenn’s nur für den Kopf gut war.

Die Siegerehrung findet in der Feuerwache Übigau statt. Die Dresdner Floriansjünger sind pfiffig und haben diese gleich in ihr Herbstfest integriert. Führungen, Ausstellungen, Feuerwerk sind geboten. Bei der Siegerehrung lande ich Rang zwei in der Klasse M50/59. Überhaupt haben sich die Zeiten bei diesen Meisterschaften deutlich verbessert, als bei den vergangenen in Großbottwar, Fürth oder Oberbrechen. Eins würde mich noch interessieren: Ob Klaus einer Nebenbeschäftigung als DJ nachgeht, denn ein (Vor)Namensgleicher legt bei den Feuerwehrkameraden am Abend Platten auf.

Fazit:

Wem es nicht nur ums Laufen geht, sondern auch noch kulturell interessiert ist, für den ist der Dresden Marathon eine erste Adresse. Aber da sollte man schon einen oder zwei weitere Tage für eine Besichtigung einplanen. Es lohnt sich!

 

Marathonsieger

 

Männer

1 Cheruiyot, Isaac (KEN) MH   02:21:47
2 Schmidt, Paul (GER) MH   02:22:03
3 Torotich, Charles (KEN) MH   02:22:23

Frauen

1 Bonsa, Ayisha (ETH) WH   02:43:36
2 Kiprono, Prisca (KEN) WH   02:48:26
3 Kuta, Krystyna (POL) W40 02:49:30

6. Deutsche Feuerwehrmeisterschaften im Marathon

Männer:

1. Zoltan Senczyszyn, BF Cottbus, 2.37.49
2. Jens Spärlich, Kfv Hohenmölsen, 2.48.50
3. Uli Lorenzen, Fw Marbach, 2.49.17
11. Anton Lautner, FF Joshofen, 3.07.36

Frauen:

1. Silja Rohlfing, BF Hamburg, 3.23.47

 
 

Informationen: Dresden Marathon
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