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Gegen die Trainingslehre?

25.02.13
Quelle: Red. m4y

Von der Marathonstrecke zur Deutschen Meisterschaft auf der Tartanbahn!

In der Leichtathletik-Ausbildung läuft es in aller Regel nach folgendem Schema ab: Zunächst konzentriert man sich auf die Technikschulung sowie Laufausbildung im Sprint und auf den kurzen Distanzen. Später folgen bei Eignung und Interesse Mittel- und Langstrecke. Und irgendwann versucht sich der eine oder andere auch auf der ganz langen Strecke, dem Marathon.

Sofern die Grundschnelligkeit in der Jugend ordentlich geschult wurde bzw. schon vorhanden war, sind mit dem richtigen Training auch hier die gesteckten Ziele erreichbar. Grundschnelligkeit ist laut herrschender Meinung nur bis zu einem gewissen Punkt, einem bestimmten Alter, antrainierbar, danach kann eine Steigerung der Zeiten meist nur durch höhere Umfänge erfolgen. Und ist man erstmal auf den Zug "Marathon" aufgesprungen und hat ein bestimmtes Sportleralter erreicht, gibt es eigentlich keinen Weg mehr "zurück" auf die Bahn, auf die kurzen Strecken. Eigentlich... Ausnahmen bestätigen jedoch auch hier, wie immer, die Regel.

 
Heiko Spitzhorn
© privat

So im Falle des ehemaligen Fußballers Heiko Spitzhorn, der mit Anfang 30 das Laufen für sich entdeckte. Schnell im wahrsten Sinne des Wortes zeigte sich sein Talent mit Zeiten um 36 Minuten auf 10 Kilometer. Als der erste Marathon 2002 mit 34 Jahren in 3:04 h und ein Jahr später der erste Ironman gefinisht wurde, hatte Spitzhorn seine sportliche Heimat beim Triathlon bzw. auf der Langstrecke gefunden. Im Laufe der Jahre gelang es ihm mit enormem Trainingsfleiß, die Marathonbestzeit auf 2:35 h in Kandel zu steigern und seinen 5. Ironman beendete er 2009 in Roth nach 9:15 h.

Danach legte Spitzhorn sein Hauptaugenmerk auf die Nachwuchsarbeit in seinem Verein, der RSG Montabaur. Bis zu fünfmal trainiert er die Tri-Kids in der Woche. Das Lauftraining paßt sich hier den Wettkampfanforderungen der unterschiedlichen Altersklassen an, wobei die Schulung von Technik und Schnelligkeitsentwicklung im Vordergrund stehen. Woche für Woche wird hier also gesprintet und gehüpft. Spitzhorn ist im Lauftraining immer dabei - auch aktiv; macht alle Spielchen, Technikübungen und die kurzen, schnellen Intervalle mit.

Im Herbst 2012 waren die Nachwuchstriathleten dann wieder einmal auf einem Sportfest. Spitzhorn nahm, mehr zum Spaß, seine Spikes mit und versuchte sich das erste Mal überhaupt auf der Tartanbahn über 800 Meter: Bereits nach 2:06,70 min war das "Abenteuer" für den mittlerweile 44-jährigen vorbei. Ein Blick in die Bestenlisten ermunterte ihn dann, es auf dieser Strecke weiter zu versuchen. Mit seinem zweiten Start wurde er in 2:05,31 min. Westdeutscher Meister 2013 in der Halle. Spätestens jetzt hatte er „Blut geleckt“ und wollte noch mehr.

Am 23.2.2013 standen die Deutschen Hallenmeisterschaften in Düsseldorf an. In einem eher taktisch geprägten, zunächst langsamen Rennen hielt er sich 400 Meter lang im Feld an fünfter Position auf, um dann mit einer deutlich schnelleren zweiten Hälfte und einer letzten Runde von unter 30 Sekunden in einer Zeit von 2:06,41 min klar den Titel zu gewinnen. Die Überraschung war perfekt: Der Langdistanztriathlet, der Marathonläufer, ist Deutscher Meister bei den Spezialisten über 800 Meter!

Offenbar sind also - eine gewisse Grundschnelligkeit vorausgesetzt - auch im Seniorenbereich bei entsprechendem Training noch Steigerungen, zumindest über die Mittelstrecken, möglich. Und diese schnelleren Zeiten auf den kurzen Strecken sollten dann eigentlich auch noch einmal über die längeren Distanzen (10 km bis Marathon) hilfreich sein. "Das Training für die 800 Meter ist kein Kindergeburtstag, es ist sehr harte Arbeit", so Spitzhorn im m4y-Interview. "Dennoch tut es sicherlich jedem Sportler gut, über den Tellerrand zu schauen und zu beobachten, was andere tun. Stillstand ist Rückschritt. Ich werde so lange wie möglich versuchen, mit unseren Jüngsten zu trainieren, um meine Grundschnelligkeit zu erhalten. Ich muss hier jedoch im Gegensatz zu den Kindern etwas sorgsamer mit meinem ‚alten‘ Körper umgehen, was Aufwärmen, Regeneration bzw. Belastungssteuerung angeht. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass ich noch schneller laufen kann. Dies werde ich in diesem Jahr versuchen und hoffentlich auch unter Beweis stellen können.“

 
 

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