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Marathonläufer stoppen Güterzug

24.09.13
Quelle: Klaus Duwe

Start zum Baden-Marathon bei herrlichem Wetter und toller Stimmung. Bei einigen ist nach etwa einer Stunden bei km 15/16 die gute Laune beim Teufel, sie rennen auf einen Bahnübergang zu, die Schranken sind geschlossen. Es geht um Sekunden und Minuten, also Augen zu und nichts wie rüber.

Mit 70 km/h nähert sich ein Güterzug, der Lokführer sieht Menschen auf Gleisen, macht eine Notbremsung und bleibt mitten auf dem Bahnübergang stehen. Weitere Läuferinnen und Läufer wollen nun zwischen den Waggons die Gleise zu überqueren. Helfer, Polizei und Passanten versuchen, sie zurückzuhalten. Erst als die Sicherheit wieder hergestellt ist, fährt der Zug nach ungefähr 8 Minuten weiter.

Dass es 8 Minuten wurden statt 30, max. 60 Sekunden, haben weder Bahn noch Veranstalter zu vertreten. Das haben den wartenden Läufern die ungeduldigen Sportsfreunde eingebrockt, die verbotenerweise die Gleise überquerten und den Zug zur Notbremsung zwangen. Etliche Läufer haben auf den restlichen 26 km keine Möglichkeit, ihren Frust abzubauen und machen im Ziel mächtig Randale. Natürlich bekommen ausgerechnet die ihr Fett weg, die den Sonntag dafür opfern, diesen Sportlern einen schönen Tag zu bereiten.

Die Bahn sagt, der Zug fuhr planmäßig. Der Veranstalter sagt, er habe bereits im März die Bahn vom Lauf informiert. Stimmt, sagt die Bahn, aber das Zeitfenster war nicht bekannt. Wir wollen nicht klären, wessen Versäumnis Ursache dieser „Panne“ war. Keiner hat das gewollt und alle sind daran interessiert, dass so etwas künftig nicht wieder vorkommt.

 
Geschlossene Schranke beim Fidelitas Nachtlauf
© marathon4you.de

Tatsache ist, das mag Aktive und Verantwortliche trösten, dass Läufer bei einem Rennen vor geschlossenen Bahnschranken stehen, ist keine Seltenheit. Alleine in meinem bescheidenen Läuferleben habe ich das mehrfach erlebt. Auch schon in Karlsruhe, beim Fidelitas Nachtlauf. Beim Swissalpine im Bahnhof Wiesen wurden sogar einmal die Eliteläufer gestoppt. Eine Panne war das keine, es war der Fahrplan der Bahn. Wenn man beim  Zermatt Marathon die Bahngleise hinüber zur Riffelalp überquert, muss man warten, wenn gerade eine Bahn einfährt. Egal wie man heißt und welche Startnummer man trägt. Bei großen Ultra- oder Etappenläufen wird disqualifiziert, wer sich nicht an die Verkehrsordnung hält. Ist auch richtig, denn neben der eigenen und der Gefährdung anderer verschafft er sich ja einen Vorteil gegenüber denen, die sich an die Regeln halten.

 
Gleisüberquerung beim Zermatt Marathon
© marathon4you.de

Ist es nicht normal, dass ich meine Ambitionen zurückstelle, wenn es auf der Strecke einen Notfall gibt, egal, ob ich selber helfe, oder ob ich wegen der Rettungsfahrzeuge aufgehalten werde?

„Geh weg, Du Idiot“, habe ich einen Läufer brüllen hören, als ein Zuschauer die Absperrung ignorierte und die Laufstrecke überquerte. Was ist dann der Läufer, der eine geschlossene Schranke missachtet?

Kann ein Läufer bei einem Straßenlauf tatsächlich davon ausgehen, dass er blind über die Strecke rennen kann und man ihm alle Hindernisse aus dem Weg räumt? Kann das ein Veranstalter überhaupt gewährleisten? Muss ich als Autofahrer nicht auch in einer Einbahnstraße damit rechnen, dass mir ein anderes Fahrzeug entgegenkommt? Warum glaubt ein Läufer, dass, wenn er eine Startnummer vorm Bauch und einen Chip am Schuh hat, alles anders ist?

Hier ein paar Veranstaltungstipps für alle „Bahnschranken-Allergiker“:

10.11.2013 Indoor Marathon
16.11.2013 Untertage Marathon
18.01.2014 Hallenmarathon

 
 

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