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Jede Krise ist eine Chance

20.12.08
Quelle: Klaus Duwe

2008 wird als Krisenjahr in die Geschichte eingehen  - nur übertroffen von 2009, wenn die Prognosen stimmen.

Ich kann mich nicht erinnern, dass schon einmal schlechte Nachrichten so zahlreich und negative Prognosen so ausschließlich und unverhohlen verbreitet wurden. Dabei hat noch nie eine Vorhersage oder Einschätzung der sogenannten Weisen gestimmt. Sie taugen bestenfalls dazu, den letzten Funken Optimismus zu vertreiben. Kaum einmal ist die Rede von den Chancen, die jede Krise in sich trägt.

Ich will euch ein kleines Beispiel erzählen von einem, den ihr vielleicht kennt:
52 Jahre war er schon alt, als er mit dem Laufen überhaupt erst einmal anfing. Sein erster Wettkampf war gleich ein Marathon. Wow! Die Schmerzen und der Einbruch auf der zweiten Streckenhälfte waren schnell vergessen. Beim Zweiten wurde alles besser und dann fiel auch schon die 4-Stunden-Marke. Mehr war für den Spätberufenen nicht drin. Das heißt schneller war nicht möglich, mehr schon. Mehr Marathon. Bald war er jede Woche auf der Strecke, manchmal Samstag und Sonntag und manchmal durften es auch mehr als 42 Kilometer sein.

Obwohl er bisher nie als Schreiber oder Fotograf in Erscheinung trat, hielt er künftig seine Eindrücke und Wort und Bild fest und veröffentlichte sie auf seiner Website: marathon4you.de

Das neue Laufportal wurde schnell populär und viele der neu beim Laufen gewonnenen Freunde steuerten ihre Laufberichte bei.  Die Inhalte wuchsen sprunghaft an und marathon4you wurde zur unverzichtbaren Informationsquelle der Marathonis weit über die Grenzen des deutschsprachigen Raumes hinaus.

Alles in seinem Leben drehte sich fortan um’s Laufen, Schreiben und Fotografieren. Ein Wochenende ohne Marathon war ein verlorenes. 150 Marathon- und Ultraläufe hatte er bis 2007 erfolgreich absolviert. Obwohl das Jahr 2008 noch jung war, war er am 30.03. in Eschollbrücken bereits zum neunten Mal am Start. Herrlicher Sonnenschein versprach erneut ungetrübten Laufgenuss. Die Schmerzen im Sprunggelenk ignorierte er. „Schmerz kommt, Schmerz geht“, dachte er. Diesmal nicht. Er musste aus dem Rennen. Das erste Mal in seiner Laufbahn musste er aufgeben. Den Rest des Rennens verfolgte er vom Streckenrand mit der Kamera.

„Schienbeinkanten-Syndrom und zu befürchtender Ermüdungsbruch“, so die Diagnose. „Ist das eine langwierige Geschichte?“ „Eine sehr langwierige“, antwortete der Arzt, von der Ungeduld des Patienten unbeeindruckt. Für unseren Dauerläufer brach eine Welt zusammen. An alles Mögliche hatte er gedacht, nur nicht daran, dass ihn eine Verletzung längere Zeit außer Gefecht setzen könnte. Er war so sehr auf seinen Sport fixiert, ein Plan B existierte nicht. Er war immun. Nie musste er einen Lauf wegen Krankheit ausfallen lassen. Überlastung? Er doch nicht.

Warum gerade jetzt? Die großen Frühjahrsmarathons standen an. Jede Woche waren ein Lauf und ein Bericht geplant. Was jetzt? Da hatte er sie, seine persönliche Lebens- und Wirtschaftskrise.

Immer noch ohne Plan B setzte er sich an den nächsten Wochenenden ins Auto und fuhr zu den Marathons – ohne Laufschuhe, dafür mit schwerer Kamera, manchmal auch das Fahrrad im Gepäck. Zunächst fiel ihm das Zuschauen schwer, er war ja Läufer. Trotzdem, er gehörte dazu. Dieses Gefühl vermittelten ihm die vielen Freunde und Bekannte auf der Strecke. Er gewann neue Eindrücke, Einblicke und Perspektiven und verarbeitete diese in seinen Berichten, Bildgalerien und DiaShows. Da war er, der Plan B. Nein, es war mehr, es war das Konzept 1.1

Als dann im Sommer nach den ersten Laufversuchen wieder eine Verletzung auftrat (diesmal war es der Meniskus), die erneut eine lange Laufpause erforderte, warf das unseren immer mehr in  seinem neuen Konzept aufgehenden Läufer a.D. schon nicht mehr aus der Bahn. „Dann mach ich halt erst mal so weiter,“ war seine Reaktion.

Nie im Leben hatte er daran gedacht, einmal ein Buch zu schreiben. Auch nicht, als ihn vor längerer Zeit einmal ein Laufkamerad (Profi-Journalist und selbst Buchautor) dazu ermuntern wollte. Wenn nicht jetzt, wann dann? Schnell war ein Verlag gefunden, dem die Idee, die Laufberichte eines Jahres als Buch zu veröffentlichen, gefiel. Da das meiste schon geschrieben war, konnte „42 mal 42“ schon im September erscheinen.

Wie sieht seine Bilanz vor dem Jahreswechsel aus? „Ich habe unheimlich viel erlebt, gesehen und gelernt. Ich möchte dieses Krisenjahr nicht missen. Es hat mich entscheidend weiter gebracht.“

Ihr wisst es längst, es ist meine Geschichte. Sie geht weiter. Zurzeit beginne ich wieder mit leichtem Lauftraining. Vielleicht schaffe ich es und laufe im Frühjahr einen Marathon. Wenn nicht, fotografiere ich ihn. Nichts wird mehr so sein, wie es war. Denn selbst wenn ich wieder ganz fit bin – ich werde nicht mehr jeden Marathon laufen müssen. Ich bin nicht mehr ohne Alternative. Mir geht es gut, ich bin frei. Ich habe die Chance genutzt, die mir die Krise bot.

Ich danke allen Freunden und Bekannten – sie haben mich unterstützt, sind noch mehr gelaufen und haben noch mehr geschrieben. Sie haben dazu beigetragen, dass marathon4you.de zu einem der beliebtesten Laufportale geworden ist.

Herzlichen Dank.

Klaus Duwe

Die m4y-Jahresbilanz 2008 in Zahlen:

1,5 Mio. Besucher - 8,5 Mio. Seitenansichten - 231 Laufberichte - 30.000 Fotos und  524 Meldungen und Beiträge

Meine persönlichen Fotos des Jahres:

 
Würzburg Marathon
© marathon4you.de 10 Bilder

 
 

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