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Laufberichte

Es gibt nur Sieger

25.10.09

Wenige Meter weiter höre ich, dass der amtierende Mister Schweiz ebenfalls diese Stelle passiert hat. Beim Überholen muss ich ihn vorher übersehen haben. Ich warte deshalb einen Moment, bis ich ihn sehe und vor den Sucher bekomme. Obwohl von den Strapazen gezeichnet, vermag er noch ein Lächeln aufzusetzen. Ob er es auch schon ausgerechnet hat? Wenn er das Tempo halten kann, schafft er auf dem Halbmarathon die angestrebte Zeit mit einer Eins vorne.

Auf der Seebrücke scheint es noch mehr Zuschauer zu haben als vorher und davon, dass der Schweizerhofquai eigentlich eine Riesenbaustelle ist, bekommt man fast nichts mit. Die Behörden und die beauftragten Baufirmen haben auf den heutigen Tag hin perfekte Arbeit geleistet.

Wie immer auf Begegnungsstrecken, halte ich Ausschau nach bekannten Gesichtern. Dabei entdecke ich Nationalrätin Hildegard Fässler, die in der Parlamentarierstaffete den Sozialdemokraten den zweiten Zwischenrang hält, obwohl sie zu ihrer Etappe hinzu noch kurzfristig für einen ausgefallenen Kollegen einspringen muss.

Nach dem Wendepunkt bin ich damit beschäftigt, all die dem Ziel zuströmenden Halbmarathonis zu beobachten und zwischen ihnen die Startnummern mit blauer Applikation auszumachen, die wie ich nochmals das Vergnügen haben.

Zweite Runde bis Horw

Ganz unerwartet treffe ich unter den Zuschauern meine Nichte. „Was machst du denn hier?“, frage ich und erhalte die zutreffende Antwort: „Ich feure an“. Da sie nicht in der Gegend wohnt und sie mir nicht als Marathonfanatikerin bekannt ist, versuche ich meine Schlüsse zu ziehen. Ich lasse mir meine Party aber nicht entgehen, verschiebe eine weitere Nachfrage auf später und stürze mich wieder hinein ins Laufvergnügen.

Mittlerweile kommt mir alles bekannt vor, was die Sache keineswegs schlechter macht. Nach dem KKL kommt mir schon der Führende, René Hauser, entgegen, der daran ist, den Streckenrekord um vier Minuten zu verbessern. Das ausgedünnte Feld auf der zweiten Runde macht das Laufen noch entspannter, was aber nicht bedeutet, dass weniger los wäre. Das Stimmungsbarometer zeigt immer noch Hochdruck an, einzig gewissen Blechbläsern ist der Schnauf ausgegangen und sie machen gerade Pause.

Wegen des blöden Schnupfens war meine erste Runde ziemlich defensiv; sie war aber auch mein Wunderelixier. Zwar muss ich die Straßenränder der Horwer Halbinsel immer wieder als Freiluft-Taschentuch missbrauchen, trotzdem, ich muss aufpassen, dass die Pferde nicht mit mir durchgehen. Was immer es ist, ich fühle mich, wie wenn ein Energierückgewinnungssystem aktiviert wäre. Fast komme ich mir schäbig vor, wie ich an der Steigung lockeren Schrittes an anderen vorbeilaufe. Ich hoffe ehrlich, dass sie sich dadurch nicht entmutigen lassen und wünsche ihnen innerlich, dass die Kilometer an ihnen so vorbeifliegen wie an mir.

Im Zentrum von Horw mache ich einen kurzen Halt, um das Epizentrum der Animation zu fotografieren. Der Speaker denkt: „Wenn der Zeit zum Fotografieren hat, hat er sicher auch Zeit für ein kurzes Interview“. Richtig, habe ich, und ich gebe auch gerne Auskunft über meine bisherigen Eindrücke. Natürlich ist es ein Leichtes, wenn man nur Positives zu berichten hat, doch die Zuschauer freut es. Selbstverständlich nutze ich die Gunst der Stunde und weise darauf hin, dass Gesagtes und Fotografiertes bald auf unserer Website nachgelesen und angeschaut werden kann.

Horw bis Ziel

Ich laufe weiter, was mir aber mehr wie ein Schweben oder gar Fliegen vorkommt. Ist mir das sonst auch schon passiert (außer dann, als die Tafeln falsch aufgestellt waren), dass auf dem Schild eine höhere Kilometerzahl angegeben war, als ich meinte draufstehen zu müssen? Den Zaungästen, die mit ihrem Hund immer noch am gleichen Ort ausharren, rufe ich zu, dass ich den Hund beim nächsten Mal mit auf eine Gassirunde nehme.

Mir läuft es wie von alleine. Ich kann es selber fast nicht glauben und nehme deshalb meine Uhr zu Hilfe, die bis jetzt mehr oder weniger unbeachtet vor sich hintickte. Ich täusche mich nicht, die Kilometerzeiten sind so tief wie bei meiner Bestzeit, trotzdem sauge ich ganz wach alle möglichen Eindrücke ein.  An der Haldenstrasse, sehe und lese ich an einer Kirche ein Plakat, das bei mir ein Schmunzeln hervorruft.

In Luzern wurde der Aushang der Plakate der Schweizer Freidenker mit dem Slogan „Da ist wahrscheinlich kein Gott – also sorg dich nicht, genieß das Leben“ nicht gestattet, da diese Kampagne die religiösen oder sittlichen Gefühle der Bürgerinnen und Bürger verletzen würde. Wohl eher von unerwarteter Seite haben die Freidenker dann aber unter anderem seitens der Kirchen Unterstützung erhalten: Jeder solle auch in religiösen Dingen seine Meinung äußern können, solange er andere nicht angreife. Nun sehe ich ein im gleichen Stil gehaltenes Plakat mit dem Slogan „Da ist bestimmt ein Gott. Also sorg dich nicht. Er sorgt für dich.“ Ich überlege mir, ob es nicht eben dieser tolerante Umgang miteinander und der Sinn für Humor ist, der die Luzerner miteinander einen solchen Anlass wie den Lucerne Marathon erfolgreich über die Bühne bringen lässt?

Viel Zeit zum Philosophieren bleibt mir nicht, denn der Lärmpegel und der Schriftzug des Verkehrshauses künden das nahe Ziel an. An einer Tribüne vorbei geht es durch den Haupteingang hinein in die Arena, wo entlang des roten Teppichs Massen von Zuschauern die Gladiatoren erwarten. Vollends von der Rolle bin ich in dem Moment, wo ich die Ziellinie überquere, einen Blumenstrauß überreicht erhalte, die Medaille umgehängt bekomme und als Sieger gefeiert werde! Ich bin einer von drei zufällig ausgelosten Teilnehmern, die stellvertretend für alle für ihren persönlichen Sieg ausgezeichnet werden. Das ist wirklich die Sahne auf der Torte – und die Kirsche obendrauf.

Sicher gibt es auch Teilnehmer mit anderer Gefühlslage, für welche die Strapazen zu groß waren, die aufgeben mussten. Dass sie nicht wie ich auf Wolke sieben schweben, ist unschwer nachzuvollziehen. Trotzdem dürfen sie sich als Gewinner betrachten, im Gegensatz zu denen, die einer solchen Herausforderung aus dem Weg gehen.

Deshalb behaupte ich, dass es in Luzern nur Sieger gibt. Die Pechvögel und die Finisher. Aber auch alle anderen, die in irgendeiner Form Teil dieses Marathons sind. Die Organisatoren und Helfer, weil sie sehen können, welche positive Wirkung ihr Schaffen und ihr Einsatz haben. Die Zuschauer, welche mit dem Marathon einen schönen Rahmen fürs gesellige Beisammensein geboten erhalten und den Sportlern so viel Unterstützung bei ihrer beachtenswerten Leistung geben.

Die Behörden, stellvertretend für die Stadt als Ganzes, dürfen sich auch als Sieger sehen. Es ist nicht der Verdienst eines Tourismusdirektors, dass ich mit einem besseren Bild von Luzern nachhause gehe. Geformt hat dieses Bild der Lucerne Marathon. So enthusiastisch wie ich die Bevölkerung erlebt habe, glaube ich, dass es möglich sein sollte, die Strecke noch ein bisschen länger offen zu lassen, damit noch mehr Breitensportler in die schöne Stadt kommen und mit den gleichen Eindrücken heimfahren können. Heiß geduscht, nota bene.

Marathonsieger
Männer

1. Hauser René, 1972, Ennetbürgen                  2:27.38,7 
2. Jeanneret Patrick, 1971, Corminboeuf            2:30.48,0
3. Stauffer Christophe, 1971, Corcelles NE         2:30.57,0

Frauen

1. Rauch Helga, 1974, I-Seiser Alm (BZ)            2:56.56,1  
2. Stockhecke Mona, 1983, Zürich                   3:02.52,3   
3. Beffa Heidi, 1964, Puplinge                     3:04.51,4

 
 

Informationen: SwissCityMarathon Lucerne
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