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Laufberichte

Es gibt nur Sieger

25.10.09

Auf dem blauen Sponsorenteppich und an vielen Zuschauern vorbei geht es um diesen imposanten Bau herum, immer in der Nähe des Sees, weiter in Richtung Tribschen. An dieser Stelle und unter dem lauschigen Blätterdach des Alpenquais in seiner herbstlichen Farbe wird es ein bisschen eng. Bei einer weiteren Vergrößerung des Feldes müsste über eine Verlängerung der Abstände zwischen den einzelnen Blöcken nachgedacht werden.

Einfach fallen sollte das Denken den Gymnasiasten der hiesigen Kantonsschule. Mit Blick auf den See, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Strandbad und Parkanlage, können sie sich in der sicherlich am schönsten gelegenen Bildungsinstitution dieser Art in der Schweiz für die intellektuellen Herausforderungen ihrer Zukunft rüsten.

In Tribschen geht es auch musisch zu, ist doch in diesem Quartier das Richard Wagner Museum zu finden. Für eine Besichtigung reicht es jetzt nicht, zudem ist der Teil des Museums, welcher mich am meisten interessiert, eben nach Willisau umgezogen. Dem Namen gemäß widmet sich das Museum in Zukunft seinem Kerngeschäft und hat die Sammlung historischer Musikinstrumente ausgegliedert.

Musikalisch wird uns so viel geboten, dass ich bereits den Überblick verloren habe, an wie vielen Formationen wir schon vorbeigekommen sind. Die Klänge sind jeweils eher rustikal aber ungekünstelt und sie kommen von Herzen.

Mittlerweile sind die Zugläufer schon ein Stück vor mir, also muss ich einen Zacken zulegen und etwas Vorsprung herauslaufen, bevor ich wieder ausgiebige Fotostopps einlegen kann. Überholen ist kein Problem, der Engpass ist schon vorbei und etwas zu Trinken gibt es auch schon bald. Schon von weitem sind die Schilder zu sehen, die den Weg zur richtigen Zapfsäule weisen. Nach vier Kilometern wird auf beiden Straßenseiten nebst Wasser bereits Iso angeboten. Hier und bei allen folgenden Verpflegungsposten wird am Schluss nochmals Wasser abgegeben, was ich jeweils sehr schätze. Für mich ist hier gesorgt, wer aber weiter gehende Verpflegungsbedürfnisse hat, kommt auch auf seine Rechnung. In der nach Hause geschickten Teilnehmerzeitung ist genau vermerkt, wann und wo am Verpflegungsposten es was genau gibt. Bananen, Riegel und Gel Wasser ergänzen das flüssige Angebot von offizieller Seite, an mehreren von Zuschauern initiierten Posten wird zudem Wasser, Cola und wer-weiß-was-noch gereicht.

Für einige Halbmarathonis kommt nach fünf Kilometern die erste Bewährungsprobe, ein Aufstieg. Einige sind wohl zu forsch gestartet und müssen schon zum Gehen wechseln. Es sind aber vor allem motivierte, strahlende Gesichter zu sehen. Auffallend ist auch der hohe Anteil Frauen, die vor allem auf der Halbmarathonstrecke eine starke Präsenz zeigen.

Nach der Strecke durch das Außenquartier der Stadt geht es auf der Seestraße weiter um die Horwer Halbinsel herum. Gepflegte Anwesen und Grünflächen wechseln sich ab, mal ist der See näher, mal weiter von uns entfernt, mal schauen wir auf ihn herunter, dann sind wir wieder auf fast gleicher Höhe. Egal, ob ich nach vorne südwärts schaue oder links in östliche Richtung, es sind Berge, die diesem Bild den Rahmen geben. Und immer wieder sind Zuschauer da, die mir das Gefühl geben, sie seien nur gekommen, um mich – und vielleicht ein paar vor und ein paar hinter mir – anzufeuern. Ich habe den Eindruck, dass auch diejenigen, die sich allenfalls zufällig an die Strecke verirrt haben, von der Stimmung anstecken lassen und die Wellen mitmachen, die über uns branden.

Horw bis Wendepunkt

Vereins- und Veranstaltungsaufschriften auf den Laufshirts sind gute Anknüpfungspunkte für Gespräche mit anderen Teilnehmern. Manch einer hat eine weite Anreise auf sich genommen, um dabei zu sein, und immer wieder werden die Atmosphäre, die Stimmung und die Strecke gelobt.

Nach Kastanienbaum ist die Strecke praktisch eben und grenzt teilweise direkt ans Ufer. Ein Blick nach hinten bietet das Panorama, das zusammen mit dem Laufen den Aktiv-Kurzurlaub in diesem Herbst vervollständigt.

Gut macht das Wetter mit und zeigt die sonnige Seite des Herbstes. Sonst hätte ich meine Zweifel, ob die Uhren in der vergangenen Nacht wirklich nur eine Stunde zurück- und nicht zwei Monate vorgestellt wurden. Der Grund dafür heißt Dieter und taucht vor mir als Weihnachtsmann auf. Er trägt nicht den in der Zentralschweiz üblichen Bischofsornat des heiligen Nikolaus, nicht den Kapuzenmantel des Nikolaus aus dem Schwarzwald, der uns als Kinder anständig werden ließ, aber mit seiner roten Hose, der Jacke, der Mütze und dem Glöckchen in der Hand wird er vom Publikum sofort als „Samichlaus“ erkannt, tituliert und gefeiert.

Ich laufe eine Weile mit dem Scherzkeks mit, halte unterwegs aber an, um ein auf den ersten Blick unscheinbares Holzhaus zu fotografieren, das schon zweimal Schweizer Briefmarken zierte. Es ist ein stilreines, 1763 in Blockbauweise über einem Mauersockel gezimmertes Bauernhaus. Vor 210 Jahren wurde das Haus umgenutzt und beherbergte die erste öffentliche Schule von Horw. Heute ist Sonntag und die Kinder gehen nicht zur Schule. Ich habe aber keine Zweifel, dass die Horwer ihren Schülern schulfrei geben würden, wenn der Marathon an einem Wochentag stattfinden würde.

Das erneute leichte Ansteigen der Strecke ist unter dem Applaus der Zuschauer kaum zu spüren. Im Zentrum von Horw – die Eingeborenen sagen Horb – ist das Ziel des Schnuppermarathons und des einen von beiden Maratholinos. Letztere stehen allen Kindern mit Jahrgang 2003 und jünger offen und das Startgeld wird vom Presenting Partner übernommen. Startnummern gibt es wie für die Großen, und abgesehen davon, dass es keine Rang-, sondern eine alphabetische Finisherliste gibt, ist alles wie beim richtigen Marathon. Einfach die ersten 42 Kilometer der Strecke werden weggelassen.

Links und rechts ist der Bär los. Was an der Fasnacht funktioniert, geht auch jetzt. Vielleicht mit dem Unterschied, dass heute weniger versumpfen…  (Damit meine ich nicht den Sumpf, der schon vor der Gründung der Eidgenossenschaft diesem Ort den Namen gegeben hat: Horwe, Horwa, Horow bedeutet nämlich sumpfige Gegend.)

Beim Armee-Ausbildungs-Zentrum auf der Luzerner Allmen war ich noch nie in meinem Leben so beschwingt wie heute. Der Kontrast zu heute könnte auch kaum größer sein. Damals hieß das Gebäude noch Kaserne, war noch grauer, und ich in seinem Bannkreis im kratzigen, grünen Gewand damit beschäftigt, auf den unsichtbaren bösen Feind dissuasiv einzuwirken. Nur, wer mir vor bald drei Jahrzehnten erzählt hätte, dass ich dereinst vor dem Haupteingang bei der wehenden Fahne von Kilometer 15 vorbeilaufe und mich darauf freue, dass noch fast zwei Drittel der Strecke vor mir liegen, den hätte ich ausgelacht.

Jetzt kommen wir wieder in die Stadt Luzern hinein und ich stelle fest, dass es in Sachen Unterstützung am Streckenrand, Musik und Verpflegung weitergeht wie gehabt. Ich überhole immer mehr Halbmarathonis und beobachte, wie viele von ihnen kämpfen und alles daran setzen, keine Zeit zu verlieren und das Ziel unter zwei Stunden zu erreichen. Ich bewundere diese Leistung und verkneife mir deshalb zu bemerken, dass sie die verbleibenden Kilometer noch so richtig genießen sollen, weil für sie das ganze Erlebnis schon bald zu Ende ist. Dabei meine ich das so. Ich bin echt froh, dass ich diese Runde als Zugabe nochmals laufen darf.

Ungefähr dreieinhalb Kilometer vor dem Wendepunk kommen wir zurück auf die Begegnungsstrecke. Es sind nicht wenige, die mir zügig entgegenkommen. Auf dem edlen Teppich beim KKL steht Viktor Röthlin und feuert individuell an. Da braucht es kein Hokus-Pokus-Motivationsseminar. Wem diese herzliche, ehrliche Aufmunterung der Marathon-Kapazität schlechthin nichts bringt, der braucht anderweitig Hilfe…

 
 

Informationen: SwissCityMarathon Lucerne
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