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Laufberichte

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Auf den Luzerner City Marathon freue ich mich dieses Jahr besonders. Dieser Marathon gehört für mich zu den schönsten City-Läufen überhaupt und er beschließt für mich ein Jahr voller besonderer Höhepunkte. Außerdem wird Laura dabei sein, die schon auf dem Halbmarathon die komplette Strecke erleben wird, denn der Marathon wird auf zwei gleichen Runden gelaufen.

Wir nutzen das attraktive Swiss Ticket, das im Startgeld inbegriffen ist und reisen mit dem Zug an. Unser Hotel liegt diesmal fußläufig zum Startgelände am Verkehrshaus. Zur Startnummernausgabe am Samstag im 5Sterne Hotel Schweizerhof bringt uns der Linienbus. Im gediegenen Ambiente von Stuck und Säulen kann man über die Marathonmesse schlendern und dann direkt seine Startnummern abholen. Die Pasta, die ebenfalls im Preis inbegriffen ist, wird im Nebensaal ausgegeben. Es gibt Nudeln oder Rösti. Auf der Bühne werden besondere Teilnehmer vorgestellt oder Musik gemacht.

Luzern liegt am Abfluss der Reuss aus dem Vierwaldstättersee. Mit 60 000 Einwohnern ist es die acht größte Stadt der Schweiz und Hauptstadt des Kantons Luzern. Wegen der Lage am See wurden hier schon früh vier große Brücken gebaut. Die Hofbrücke entstand um 1250, wurde jedoch 1834 abgerissen. Die Kapellbrücke stammt aus dem Jahr 1300 und war damals Bestandteil der Befestigungsanlage. Die Spreuer Brücke hat ihren Namen vom Laub und Spreu, das nur hier in die Reuss geschüttet werden durfte. Die Reussbrücke schließlich war der älteste Flussübergang. Nur so konnte die Stadt in ihren Ausdehnungen überhaupt entstehen. Mittlerweile sind inklusive der Autobahnbrücke noch 5 neuere Brücken hinzugekommen.

 

 

Wir verbringen den Abend in der Altstadt. Trotz Regen und kaltem Wind sind die Lokale voll. Allerdings scheinen hauptsächlich Touristen unterwegs zu sein.

Der Start am Sonntag erfolgt ab 9 Uhr in der Haldenstraße, eine der großen Verkehrsachsen im Stadtzentrum. Ein Schiffshuttle übernimmt den Transport von Läufern und Gästen über den See. Gepäckabgabe gibt es nur für die 10km Läufer, die in Horw starten. Die übrigen lassen ihre Taschen einfach in der nahen Squashhalle für die Damen und in einem Zelt bei der Schule für die Herren. Dort sind auch die jeweiligen Umkleiden und Duschen. Wertsachen können gesondert abgegeben werden.

Wir werden ziemlich hinten starten, non Norbert hatten wir uns schon vorher verabschiedet. Weil ich noch Bilder mache, finde ich mich plötzlich in der ersten Reihe des Startblocks mit Startzeit 9 Uhr 26 wieder. Dies ist der vorletzte Startblock mit den Pacern für 2h Halbmarathon. Die ersten hundert Meter geht das noch gut, dann wird es mir aber zu schnell, und so lasse ich mich langsam nach hinten durchreichen. Im dichten Feld geht es geradeaus. Bereits kurz hinter dem Start erwartet uns die erste Live Musik. Ich bin im Flow.

 

 

Schnell erreichen wir das langgezogene Casineum, einem bekannten Club mit Casino, während gegenüber die Fassade der Markuskirche einen attraktiven Kontrast bildet. Die Mädels von der Guggenmusik in ihren goldenen Kostümen geben einen beschwingten Laufrhythmus vor. Nahtlos übernimmt nach ein paar hundert Metern die nächste Band die musikalische Unterhaltung. Wir biegen auf den Schwanenplatz ein. Am Vortag herrschte hier noch Verkehrsgetümmel,  nun steppt der Bär mit Musik und Jubel der Zuschauer. Rechts liegt das bereits erwähnte Hotel Schweizerhof.

Es geht im weiten Bogen auf die Seebrücke zu. Rechts liegt als Blickfang ein Turm, der zum „Haus zur Gilgen“ gehört. Das mächtige Privathaus wurde 1510 errichtet und gehörte früher zur Stadtbefestigung. Beim Passieren der langen Seebrücke kann man, da das Feld mittlerweile etwas auseinander gezogen ist, rechts die parallel verlaufende Kapellbrücke bewundern.

 

 

Vor dem Bahnhof werden wir links geleitet. Das moderne Gebäude, mit Shopping Mall im Untergeschoss, wurde 2001 neu eröffnet, nachdem der historische Bahnhof einem großen Brand zum Opfer gefallen war. Einzig das große Eingangsportal von 1896 erinnert an den vergangenen Glanz. Dieses Portal schmückt übrigens die Finishermedaille des Luzern Marathon 2018. Weil wir hier gegen Ende der Runde wieder vorbeikommen, haben sich schon jetzt viele Zuschauer eingefunden. Natürlich spielt auch hier eine Kapelle.

Während die Straße nach rechts abbiegt, gelangen wir über einen Holzsteg geradeaus auf den Europaplatz vor dem KKL, dem Kultur- und Kongresszentrum. Ursprünglich sollte das Gebäude direkt ins Wasser gebaut werden, was aber den baulichen Auflagen nicht entsprochen hätte. So integrierte der Architekt kurzerhand das Wasser in Form von Kanälen und Brunnen in seine Pläne, was der exponierten Lage an der Bucht des Sees natürlich entgegen kam. So ist nicht nur eine exzellente Konzerthalle entstanden, sondern auch ein architektonisches Juwel das Luzern, als Weltstadt, weit über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt macht.

Vielstimmiges Alphorngebläse empfängt uns in der Werftstraße. Zwischen den Gebäuden von Hochschule, Hotels und Gastronomie scheint es ein Echo zu geben. Mittlerweile habe ich ein angemessenes Tempo gefunden und werde nicht mehr so häufig überholt.

Hinter dem Eissportzentrum geht es ein Stück bergauf; hier falle ich kurz ins Gehen. Auf der anderen Seite führt die Straße erneut bergab. Von oben hat man eine tolle Aussicht über die imposanten Läufermassen vor uns. Im Stadtteil Wartegg / Schönbühl haben die Helfer an der VP alle Hände voll zu tun. Nach knapp 5 Kilometern sind die Getränke bereits heiß begehrt. Die Guggenmusik Rotseemöwen steht unterm Dach eines Einkaufszentrums und unterhält von dort mit flotten Rhythmen.

 

 

Die nächste Steigung ist bereits in Sicht. Hier steht die Guggenmusik „Nölli Grötze Lozärn“ kurz vor dem Gipfel und zieht die Läufer unwiderstehlich hinauf. Dahinter hat sich in Uniform eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr von Horw postiert und klatscht was das Zeug hält. Oben zeigt eine hohe Fahne km 5.

Wir sind nun oberhalb, ganz nah am See, leider verhindern ein Zaun und hohe Bäume den direkten Blick. Die Berge am gegenüberliegenden Seeufer sind jedoch zum Greifen nah. Unter den tiefhängenden Wolken kann man tatsächlich den ersten Schnee erkennen. Rechts direkt an der Strecke grasen Kühe auf abschüssiger Weide. Es geht wieder bergab, und ich lasse es laufen.

Pünktlich, wie bereits vom Wetterbericht angekündigt, beginnt es zu regnen. Aus dem Regen wird schnell ein fieser Schauer. Ist nicht auch feiner Graupel dabei? Schnell wird es kalt. Ich hatte auf der letzten Steigung beide Buffs weggepackt. Auch einen Regenschutz hätte ich dabei. Soll ich das jetzt auspacken? Nein, mir ist warm und vielleicht hört es ja bald wieder auf.

Bei km 7 laufen wir komplett im Grünen mit dem Luzerner Hausberg Pilatus im Hintergrund. Der Gipfel ist, wie gesagt, in Wolken, auf halber Höhe liegt schon Schnee. Vom See ab führt die steilste Zahnradbahn der Welt auf 2.132 m Höhe. In dieser wunderbaren Natur, direkt an der Strecke spielen Musiker unter einem Partyzelt. Wir ignorieren den Regen und geben Applaus.

 

 

 

Es geht nun etwas länger hinauf und ungefähr auf halber Strecke bieten Privatpersonen Obst und viel Applaus. Bei schönem Wetter wird dieser Service sicher besser angenommen. Eben überholt mich der Pacer für Marathon 4h30 mit einer großen Gruppe. Trotzdem läuft es bei mir gut. Oben liegt die zweite VP. Wir haben mittlerweile bereits 8 sehr kurzweilige Kilometer hinter uns gebracht. Welch ein Zufall! Gerade will ich weiterlaufen, da erkenne ich bekannte Gesichter: Norbert und Klaus sind gemeinsam unterwegs.

Es geht nun hinunter nach Kastanienbaum. Der Ortsname geht auf das große Kastanienvorkommen auf der Luzerner Halbinsel zurück. Diese Frucht war in früherer Zeit ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Heute findet man nur noch vereinzelt kleinere Bestände. Eine Band unter einem weißen Zeltdach spielt uns auf während ich das Gefälle zur kleinen Sprinteinlage nutze.

Wir laufen auf der Seestraße direkt am See entlang. In Deutschland wäre hier sicher ein Geländer, hier aber stehen alle paar Meter Streckenposten.

Norbert und Klaus laufen durchs Bild. Der See liegt glatt und ruhig da. Nur eine paar Enten, Blässhühner und Schwäne machen Wellen. Hinter km 9 ist eine Gruppe am Feiern. Mit gefüllten Gläsern stehen sie Spalier und prosten den vorbei kommenden Läufern zu.

Dicht am See geht es weiter. Bei km 10 teilen Helfer Wasser aus. Ich nehme zum ersten Mal auch einen Becher. Bei diesem Wetter brauche ich nicht so viel zu trinken. Hinter km 11 erreichen wir das Ortschaft  Horw. Eine Kapelle musiziert aufs Vortrefflichste. Hier ist sowieso einiges geboten. Das ganze Dorf scheint auf den Beinen zu sein und bei km 12 stehen gleich zwei Marathontore auf der Hauptstraße. „Pippa“ ein lila Nilpferd und „Jamadu“ eine Art Bär mit Löwenmähne feuern mich an, der Moderator begrüßt die Läufer. Die Außengastronomie platzt aus allen Nähten und jeder applaudiert für die Läufer. Livemusik rundet das Bild ab. Etwas weiter setzen eine Gruppe Alphornbläser mit ihren dunklen Tönen einen reizvollen Kontrast.

Die Helfer an der VP haben alle Hände voll zu tun. Es geht jetzt durch eine Schrebergartenkolonie des Familiengärtnervereins Luzern. Anschließend folgt ein Stück an den Bahngleisen entlang. Wir biegen scharf rechts in die Sportanlagen ein. Ein Marathontor steht schon zur Begrüßung da. Rechts wird Rugby oder American Football gespielt; so genau kenne ich den Unterschied nicht.

Hinter dem Sportgelände leiten uns Helfer über einen Parkplatz zur Swissportarena Luzern. Ehe ich  mich versehe, bin ich bereits im Stadion gelandet. Die Zuschauer auf den Rängen feuern uns an und auf der großen Videoleinwand kann man seinen Lauf beobachten. An der gegenüberliegenden Ecke des Stadions befinden sich der Ausgang und schon die nächste VP.

Luzerner Vorortstraßen sind unser nächstes Ziel begleitet von Musik und Publikum. Plötzlich kommt das Führungsfahrzeug und etliche Fahrräder von hinten und bitten die Läufer sich rechts zu halten. Sie kündigen den führenden Marathonläufer an. Mit langen Schritten und hochkonzentriert flitzt der Frauenfelder Elias Gemperli an mir vorbei. Der Zweite und Dritte folgen mit recht großem Abstand, ohne Begleitfahrzeug. Da wir gerade auf breiten Straßen unterwegs sind, ist das kein Problem. Die VP bei km 16 wartet mit Getränken und großer Big Band auf. Hier ist mächtig Stimmung.

Gerade biegen wir auf einen schmalen Radweg am Bahnhof ein und dann ein Stück zwischen Industriegebäuden hindurch. Es geht links durch das Parkhaus der SUVA, der Schweizer Unfallversicherungsgesellschaft, hindurch. Hier ist es schön trocken. Nochmals links und wir befinden uns auf der Werftstraße.

Diese Straße ist jetzt in der Mitte geteilt. Auf der anderen Spur kommen schon die schnelleren Läufer entgegen, die die Wende bei km 21 bereits hinter sich haben und sich nun auf der zweiten Runde befinden. Den Alphörnern läuft das Wasser in die Trichter, denn nur die Spieler stehen unter einem kleinen Dächlein. Das scheint den Instrumenten allerdings nichts auszumachen. Sie geben unentwegt ihre wunderbaren Töne von sich.

Am KKL biegt unser Weg unverhofft scharf links in einen abgesperrten Bereich. Ah, der Gang ist überdacht. Pfeile weisen uns direkt in das Gebäude hinein. Drinnen ist es fast völlig dunkel. Bunte Lichter, Nebelschwaden und laute Musik erinnern an eine Diskothek. Die Zuschauer hinter den Absperrgittern veranstalten dabei einen Höllenlärm. Wer hier emotionslos durchläuft, ist selber schuld. Draußen warten noch mehr Zuschauer und noch mehr Applaus. Kurz geht es an den uns wieder entgegen kommenden schnelleren Läufern am Bahnhof vorbei. Dann trennt sich erneut die Strecke.

 

 

Am Hauptpostamt geht es, die Seebrücke rechts liegen lassend, geradeaus Richtung Altstadt. Die Kapellbrücke mit dem markanten achteckigen Wasserturm liegt jetzt direkt vor uns. Der Turm ist vom Grund ab 34,5 m hoch und diente lange Jahre als Gefängnis. Heute ist er sicher das am meisten fotografierte Gebäude der Stadt.

Hinter dem Rathaussteg auf der gegenüberliegenden Seite der Reuss dominiert die Fassade des Rathauses aus der Renaissance. Zum italienischen Flair der Außenmauern harmoniert ausgezeichnet das ausladende Schweizerische Walmdach, das in seinen Arkaden auch heute noch den Wochenmarkt und eine urige Brauerei beherbergt. Das Bier konnten wir gestern Abend testen, ich kann es nur empfehlen. Überragt wird das Gebäude vom Turm mit Uhr und alter Turmlaterne, der früher als Wachtturm diente.

Ein gemischter Chor gibt hier Schweizer Liedgut zum Besten. Was für eine nette Geste. Es geht an der Jesuitenkirche vorbei. Ihre schöne Fassade mit den aufwändig gestalteten Türmen liegen zur Reuss hin. Sie ist eine der ältesten barocken Kirchen der Schweiz. Der Platz davor ist mit Steinen gepflastert. An einem bleibe ich hängen und wäre fast gestürzt. Ich muss mich besser konzentrieren.

In der nächsten Kurve stehen Zuschauer, die uns mit Applaus auf den vor uns liegenden Reusssteg geleiten. Der Sponsor Coop hat den Steg in Orange Schwarz dekoriert. Einer der vielen Fotografen hat hier Stellung bezogen und bringt so manchen Läufer zum Luftsprung. Leider pfeift hier ein kalter Wind und weht mir den Regen ins Gesicht.

In der schmalen Gasse der Altstadt reihen sich die Schaufenster der Nobelmarken aneinander. Wir laufen nun zwischen den schönen alten Häusern parallel zur Reuss richtungsmäßig wieder zurück. Der Weinmarkt, das frühere Stadtzentrum, ist mit Blumen geschmückt. Für die Läufer wurde extra ein Weg abgesperrt.

Früher war auf diesem Platz der Fischmarkt, bis Mitte des 16. Jahrhunderts die Markthalle abgerissen wurde. Das auffällig buntbemalte Haus aus dem Jahre 1530 war damals die Apotheke. Der Brunnen davor stammt aus dem Jahr 1481, ist aber nur eine Kopie. Der Originalbrunnen kann im Historischen Museum der Stadt besichtigt werden.

Ein paar Meter später erreichen wir den Kornmarkt. Hier dominiert der gewaltige Uhrenturm des Rathauses den Platz. Wir sehen das Rathaus von hinten. Die alte Kornschütte unter dem Rathausdach ist heute Konzert- und Ausstellungsraum. Die Alphörner passen perfekt hierher. Jetzt kommt noch der Kapellplatz mit der gotischen Kapellkirche oder auch Peterskirche. Sie ist die älteste Kirche von Luzern. Wir laufen an dem großen Relief vorbei, das Jesus am Ölberg zeigt. Von dieser Kirche hier hat die schon mehrfach erwähnte Kapellbrücke ihren Namen.

Im Augenwinkel kann ich bereits die nächsten Alphornbläser in einem überdachten Hauseingang stehen sehen. Ihr Spiel ist natürlich nicht zu überhören. Ist das für die Halbmarathonläufer nicht das perfekte Ambiente, um die letzten zwei Kilometer in Angriff zu nehmen?

Ein Marathontor bringt uns aus der Altstadt hinaus erneut auf den Schwanenplatz. Sehr viele Zuschauer sind an dieser strategisch günstigen Stelle, wo wir wieder auf entgegenkommende Läufer treffen.  Ab jetzt kennen wir die Strecke aus der Gegenrichtung. Die Aussicht ist aber eine ganz andere: wir laufen direkt auf die Hofkirche zu. Das imposante Bauwerk aus der Spätrenaissance ist ein Postkartenmotiv schlechthin und in seiner Symmetrie auch von weitem eine Augenweide.

Wir laufen an der Hofkirche vorbei. Die Halbmarathonläufer rüsten zum Endspurt, wer noch kann, gibt jetzt Gas, die anderen fallen, in der Gewissheit es gleich geschafft zu haben, ins Gehen. Norbert und Klaus kommen mir am Beginn ihrer zweiten Runde entgegen. Sie sind mir scheinbar nur wenig voraus.

Der Startbogen ist verschwunden, stattdessen gibt ein Schild Auskunft über den weiteren Streckenverlauf: Halbmarathonis links ins Ziel, Marathonis rechts. Rugbyspieler stehen in der Mitte und applaudieren. Laura ist auf der Zielgeraden, wir winken uns zu. Dann mache ich eine Pause an der VP.  Die  Wende müssen Marathonläufer um 12.00 Uhr passiert haben. Zielschluss für alle Läufe ist um 15 Uhr.

Nun geht es auf die zweite Runde. Die entgegenkommenden Marathon- und Halbmarathonläufer und die scheinbar immer noch nicht müden Guggenmusiker machen die Strecke bis zum Schwanenplatz kurzweilig. Ab der großen breiten Brücke wird es dann aber wesentlich ruhiger. Der Regen hat aufgehört. Ich sehe vereinzelte Läufer vor mir, hinter mir sind aber auch welche. Natürlich sind auch noch Zuschauer an der Strecke. Es sind unentwegte Marathonenthusiasten, die die Namen der Läufer von der Startnummer ablesen und jeden einzelnen persönlich anfeuern. Das motiviert ungemein.

Unter einem Partyzelt wird gefeiert und jeder Läufer mit einer Welle gepuscht. „Gibt es bei Euch Bier?“, rufe ich.  Ja klar, sofort wird mir ein Glas eingeschenkt. Es kommt aus dem Fass und ist scheinbar selber gebraut. Was für ein Glück ich habe.

Auch die Musikkapellen spielen immer noch, was vor allem an den Steigungen sehr hilfreich ist. Schon die ganze Zeit freue ich mich auf das lange Gefälle nach Kastanienbaum hinunter. Gerade in diesem tollen Abschnitt schlägt gnadenlos ein Krampf in meinem linken Oberschenkel zu. Ich muss tatsächlich genau vor einer Streckenpostin stehen bleiben. Sie bietet Hilfe an, aber das muss ich selber regeln. Ein vorsichtiges Anlaufen zeigt, dass es langsam weiter gehen kann. Vermutlich habe ich doch zu wenig getrunken, das muss ich von nun an besser machen.

 

 

 

Eine ausgelassene Feiergemeinde will wohl die hier fehlenden Zuschauer wettmachen. Mit allerlei Tröten und Glocken veranstalten sie einen Höllenlärm und klatschen begeistert ab. An der VP ist man ebenfalls guter Stimmung und ich wage ein Tänzchen mit dem Helfer, natürlich erst, nachdem ich meine Wasserration getrunken habe. Wir sind uns einig, dass man einen Marathon auch genießen kann.

Am Ortseingang von Horw gibt es erneut eine LaOla-Welle. Die Leute wissen, wie man müde Läufer aufmuntert. Auch etwas weiter sind noch einige Zuschauer am Straßenrand. Als ich auf die Hauptstraße einbiege, sehe ich bereits die 10 km Läufer, die hier gestartet sind, auf unsere Laufstrecke einbiegen. Sofort bin ich mitten im Pulk. Aber die Zuschauer können unterscheiden, wer Marathonläufer ist. Sobald ich ankomme, werde ich frenetisch angefeuert. Sogar der Moderator an den beiden Marathontoren stellt mich ausführlich vor. Da kann man einfach nicht langsamer werden.

An der VP versuche ich erneut die Riegel, die hier in läuferfreundliche, kleine Portionen geschnitten sind. Dazu noch Banane auf die Hand. Durch die Kleingartenanlage lasse ich mich von den Kurzstrecklern ziehen. Irgendwie werden meine Mitstreiter nun immer langsamer. Mittlerweile bin ich selbst ständig am Überholen, obwohl die 10 km Läufer erst 3 km hinter sich haben.

Voller Entzücken betreten die Kurzstreckler die Luzern Arena und genießen die tolle Atmosphäre. Ein Moderator begrüßt jeden Einzelnen. Wenn ich vorher befürchtet hätte, dass die zweite Runde öde werden könnte, so bin ich wirklich positiv überrascht. Jetzt sind fast mehr Läufer auf der Strecke als vorhin.  Und das Beste ist, sie sind langsamer als ich. Auch die Zuschauer scheinen nur für mich zu klatschen. Ich flirte mit die Mannen (es sind auch Damen dabei) der CH-Guggger Ammerbrock, die immer noch genauso aufspielen, wie vor Stunden.

Wir biegen ins KKL ein. Hier ist immer noch Disko. Nein, eigentlich ist jetzt mehr los als bei der ersten Runde. Die Läufer sind begeistert und feiern zusammen mit den Zuschauern. Große Glocken werden geläutet, wenn ein Läufer vorbeikommt. Draußen ist ein Sprecher unterwegs, der das Publikum motiviert.

Bei km 39 bestimmt eine Blaskapelle den Takt. Ohne Regen ist das Laufen über den Reusssteg viel angenehmer. Nun kann ich das wunderbare Stadtpanorama genießen. Weil die Straßen in der Altstadt so eng sind, ist das Publikum näher gerückt. Ich überhole zwei Läuferinnen aus Südafrika und feuere sie an. Der Schwanenplatz ist erreicht. Percussions machen mir Beine. Das letzte Stück ist Genuss pur. Ich fliege buchstäblich dem Ziel entgegen.

Die Musiker geben nochmal ihr Bestes und die Helfer sparen nicht mit Applaus. Immer wieder kommen mir gefinishte Läufer entgegen, die mich nochmals anfeuern. Diesmal geht es Richtung Verkehrsmuseum. Das runde Gebäude ist das Ziel des Laufs.

Vor mir tauchen die Männer der Trinklergruppe Jänzigrat aus Stalden mit ihren Trinkeln oder Treicheln auf. Die großen, aus Blech gehämmerten Kuhglocken, erzeugen monotone, auf Dauer Ohren betäubende Töne. Ich steuere absichtlich genau auf sie zu. Tatsächlich, sie öffnen ihre Formation und lassen mich zwischen ihren Reihen hindurch! Unglaublich, wie das Geläut der Glocken vibriert. Diese kleine Szene ist für mich der Höhepunkt des heutigen Laufs.

 

 

Es geht in den Zielkanal, gesäumt von Menschen. Ich erreiche den Eingang zum Museum und darf hinein. Drinnen ist der Vorraum in blaues Licht getaucht und die Zuschauer trommeln wie wild auf die Bande. Das macht einen Höllenlärm. Schnell bin ich wieder draußen im Innenhof des Museums. Hier beginnt der rote Teppich, an dessen Ende das Ziel auf mich wartet. Die Moderatorin begrüßt mich als Marathonfinisher. Die Menge tobt. Ein stimmungsvoller Zieleinlauf, wie er Seinesgleichen sucht.

Im Ziel werden die Marathonläufer nach links geleitet. Hier gibt es zunächst Glückwünsche und die große schwere Medaille sowie ein Schlauchtuch. Am Ausgang erhalten alle eine gefüllte Flasche des Sponsors mit einem Sportgetränk. Sofort werden mir Bananen und Äpfel angeboten. Um die Ecke gibt es herrlich warme Bouillon.

Ich wende mich zum Innenhof, wo der Zielkanal abgesperrt ist. Der Platz quillt fast über von Läufern und ihren Begleitern. Ich löse meinen Gutschein für das Zielbier ein und genieße die lockere Stimmung. Langsam wird mir kalt und ich holen noch schnell das hochwertige Finisherpräsent in Form eines Poloshirts. Immer noch kommen Läufer ins Ziel.

Der Moderator kündigt jetzt den Zielschluss in 7 Minuten an. Ich begebe mich nach draußen vor das Verkehrshaus, um die letzten Läufer ankommen zu sehen. Die Trinklergruppe kommt bereits anmarschiert. Gespannt feuern wir die letzten Läufer an, die noch vorher das Verkehrshaus erreichen. Dann kommen die Besenradler und abschließend betreten die Trinkler das Foyer. Kein Läufer darf nun mehr hinein.

 

Fazit:

Was für eine tolle Veranstaltung. Inmitten einer einmaligen Stadtkulisse ist der ganze Lauf perfekt organisiert, die Verpflegung für einen Stadtmarathon super. Es wird neben Wasser immer Iso, einmal Cola und oft Bananen, Gel und Riegel angeboten. Das einmalige Luzerner Publikum bereitet jedem Läufer ein unvergessliches Erlebnis. Die vielen Highlights, die auch zweimal gelaufen keine Langeweile aufkommen lassen, kann ich gar nicht alle aufzählen. Das schöne Ambiente für die Startnummernausgabe im Hotel Schweizerhof, wo es zwar immer brechend voll ist, empfinde ich als etwas ganz Besonderes.

Auch das Ziel im Verkehrshaus ist unvergleichlich. Wann kann man schon auf rotem Teppich im Schatten eines großen Verkehrsflugzeugs ins Ziel einlaufen? Laura plant den ganzen Luzern Marathon bereits fürs nächste Jahr.

 

Informationen: SwissCityMarathon Lucerne
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