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Laufberichte

Sachsen-Franken-Express, 2. Halt Bad Staffelstein

 

Kloster Banz - Wolfsdorf

 

Steil führt der Schotterweg auf Kloster Banz hinunter. Die im Barock erbaute Klosterkirche hat einen wuchtigen, überwältigenden Eindruck. Ein Besuch oder eine Führung würde sich lohnen. Das Marathonfeld reißt hier auseinander. Dafür ist der Blick in das Maintal und auf die Anhöhen jenseits des Gewässers herrlich.

Das lange Gefälle endet unten im Ort Hausen an einem Fabrikgelände. Die Gruppe der Vier-Stunden-Läufer sind schon ein Stück vor mir. Ich müsste mich sputen, um da aufzuschließen. An einem Wehr laufen wir wieder über den Main.

An den Reundorfer Seen finden sich schöne Ausblicke auf Kloster Banz. Eigentlich könnte man sich niederlassen, um die Natur und die Landschaft genießen. Doch mit der Ruhe ist es vorbei, lauter Applaus ist zu hören. Der gilt jedoch nicht uns, sondern den Halbmarathonis, die aus Reundorf herauslaufen und dann Richtung Vierzehnheiligen abbiegen.

Schönbrunn, schon am Ortsbeginn werde ich von drei Kindern am Feuerwehrhaus begrüßt. Was auffällt ist die Begeisterung der Helfer. Rund 800 Helfer von Feuerwehr, Roten Kreuz, Polizei und Sportvereinen hat Karl-Heinz Drossel verpflichtet. Nein, es ist keine Pflicht, sondern die kommen von selbst und fragen nach, wo sie sich nützlich machen können, verriet mir der OK-Chef tags zuvor.

Kurzzeitig verläuft der Kurs für uns und die Halben gleich, doch an der folgenden V-Stelle biegen wir links ab, Richtung Wolfsdorf. Nicht gerade mein Geschmack ist das hier feilgebotene Iso: Giftgrün schaut's aus und auf Nachfrage mit Waldmeistergeschmack. Grüß Gott, heißt es am Ortsbeginn von Wolfsdorf. Der Ort hat sich fein herausgeputzt, Büsche sind mit Ostereiern verziert und der Brunnen ist ebenfalls geschmückt.

 

Vierzehnheiligen

 

Zuerst steigt ein Feldweg leicht in Richtung Vierzehnheiligen an, dann biegen wir auf die Teerstraße, auf der sich Autos zum Parkplatz hinauf plagen. Der weitere Weg zum Gotteshaus ist nun gesperrt, wir haben genug Platz. Das Lauftempo geht stark zurück, einige sind schon im Wallfahrertempo unterwegs. Je näher wir der Kirche kommen, desto ärger wird die Steigung. Dem einen oder anderen wird da ein unchristliches Wort auskommen, eine Absolution könnte man sich im Vorbeilaufen abholen.

Die vierzehn Nothelfer haben der Kirche den Namen gegeben. Drei Ritter, drei Bischöfe, drei Jungfrauen, drei Jünglinge, ein Abt und Christophorus, das sind die vierzehn. Wenn Ihr die Namen wissen wollt, dann aufgepasst: Achatius, Ägidius, Barbara, Blasius, Christophorus, Cyriakus, Dionysius, Erasmus, Eustachius, Georg, Katharina, Margareta, Pantaleon und Vitus (Veit) sind die Helfer in allen Notlagen.

Baumeister Balthasar Neumann blieb es bis zu seinem Tod im Jahr 1753 vorbehalten, den Bau voranzutreiben. Wer am Vortag früh genug dran ist, der kann einen ökumenischen Marathon-Gottesdienst mit einem Orgelkonzert besuchen. Die Predigt hielt Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick, selbst ein begeisterter Läufer.

An der Brauerei Trunk, nur einen Steinwurf vom Hauptportal der Kirche entfernt, fließt der dunkle Nothelfer-Trunk bereits in Strömen. Am Ausschank hat sich jetzt um 10.00 Uhr schon eine Schlange Leute gebildet. Das nächste Mal werde ich hier als durstiger Pilger zum Betteln gehen.

Kurz danach endet die 200 Höhenmeter andauernde Steigung, die uns auf das Höhenplateau bringt. Eine etwa drei bis vier Kilometer lange Begegnungsstrecke bringt uns dem Staffelberg immer näher. An einer Tanke hockt ein Fotograf auf einer Leiter und ich höre noch von einem Reporter des Bayerischen Rundfunks „da bleiben wieder wertvolle Hundertstel Sekunden auf der Strecke.“ Mittlerweile kommt uns die Spitze entgegen.

 

Auf dem Staffelberg

 

Die Steigung auf den Staffelberg hat es in sich, die meisten müssen marschieren. Diejenigen, die ihre Gipfelrunde schon beendet haben, springen wie die Gemsen herunter.

539 Meter hoch ist der vorgelagertr Zeugenberg, der bereits vor mehr als 5000 Jahren immer wieder besiedelt wurde. Die 1653 errichtete Adelgundiskapelle und die Staffelbergklause sind das Ziel für die zahlreichen Pilger, Wanderer und Touristen. Auf den Bierbänken unter einem Kastanienbaum werden schon Brotzeiten ausgepackt.

Wir dürfen eine 500 Meter lange Runde drehen und müssen aufpassen, denn zahlreiche Löcher und Steine stellen sich uns in den Weg. Die 18jährige Anika Köck lässt sich dann auf ein Bild mit mir ein, denn ein Wanderer wird gleich als Fotograf eingespannt. Trotz der Fotopause holt das Maderl den ersten Platz in ihrer Klasse. 4.13 Stunden auf dieser Strecke, da muss ich meinen Hut ziehen.

Jetzt geht es den gleichen Weg zurück, zu Beginn noch steil bergab, später lasse ich es auf dem welligen Weg rollen. Unten kommt mir der Zeitläufer von 4.15 entgegen. Es dauert eine Zeitlang, bist ich wieder auf Anika aufgeschlossen habe.

 

Hinunter nach Loffeld

 

Etwa bei Kilometer 25 biegen wir in das Gossental ab. Die gefällige Strecke gibt uns die hart erarbeiteten Höhenmeter zurück. Ich lasse es hinunterrollen. Uetzing, der erste Ort, gehört schon zu Bad Staffelstein. Acht verschiedene „Brünnla“ kann man da sehen. Mit viel Nadelgrün, Blumenschalen und Ostereiern sind sie geschmückt. Gegenüber der Trinkstelle, die hier ein paar Rot-Kreuzler betreiben, teilt der Dorfbach die Straße.

Stublang, Loffeld und Horsdorf sind die nächsten kleinen Orte, die wir durchlaufen. Auf den Feldern steht der Raps schon in voller Blüte. Peter Haider, der gleich um die Ecke wohnt und sonst immer den Halben läuft, will heute den Ganzen und ist am kämpfen. „Ich will und werde es schaffen,“ sagt er entschlossen. Er wird es auch packen, denn wir sind schon deutlich jenseits Kilometer 30.

 

Auf der Jagd nach vier Stunden

 

Vor Eichelsee unterqueren wir die B173 und es schließt sich einer der wenigen Gegenanstiege an. Doch dann sehe ich in einiger Entfernung eine kleine Gruppe. Einer muss ein neonfarbenes Oberteil anhaben. Ist das Erwin mit seiner Gruppe?

Relativ schnell kann ich auflaufen, ja es sind die Vier-Stunden-Läufer. „Wir sind gut in der Zeit“, so Erwin, „ich werde das Tempo etwas herausnehmen, dann kann jeder dranbleiben.“ Nach einem kurzen Small-Talk gehe ich vorbei und nach vorne. An der Tanke in Unterzettlich macht die Dorfjugend eine Party mit Musik und betreut uns nebenbei.

Durch die Auwaldsiedlung führt unser Weg weiter. Kurzzeitig laufen wir parallel zur Eisenbahn. Ein Vergleich mit Biel auf den letzten Kilometern ist angebracht. Mittlerweile habe ich auf vier Stunden einen Vorsprung von ein paar Minuten herausgelaufen. Aus lauter Jux steckt sich der Autor eine gelbe Blume ist lockige Haar, der alte Narr.

Den letzten Trank kurz vor dem Riedsee schlage ich aus, denn meinen Bierwunsch kann man nicht erfüllen. „Den vollen Bierkrug kriegst du gleich im Ziel,“ entgegnet die Helferin. Am Riedsee pfeift kurzzeitig der Gegenwind. Das Kilometerschild 41 kommt mir früh daher.

Dann laufen wir noch ein Stückchen durch den Auwald, bevor es erst in den Kurpark geht. Am Gradierwerk und am Brunnen laufe ich wieder hinaus, unter der Bahnlinie hindurch und dann folgt die Kür: Der Einlauf im Stadion. Der letzte Kilometer zieht sich ganz lang dahin.

Im Zielkanal höre ich Jochen Brosig brüllen, verstehe aber nichts. Vom Moderator kommt ein „vier Stunden“ und dann nach einen Augenblick nach meinem Zieleinlauf, „der war noch grad so unterhalb von vier Stunden“.

 

Im Ziel

 

Ein Mädel hängt mir die Medaille um und dann hat es lange gedauert, bis ich am Hopfenelixier schlecken kann. Toll. Eine Minute später kommt Erwin ins Ziel. Jochen schenkt sich nach und könnte beim Oktoberfest am Ausschank anfangen. Drei Zentimeter Bier, der Rest Schaum. Wer sich so was einschenkt, der kann das auch auslöffeln, hahaha.

Ja, das war jetzt das Wochenende des Sachsen-Franken-Express. Eine Generalprobe für mich, ich habe nämlich wieder mal was vor. Ihr dürft gespannt sein.


Streckenbeschreibung:
Landschaftsmarathon rund 700 Höhenmetern. Zwei lange Anstiege (Kloster Banz und auf die Hochfläche), ein kleinerer auf den Staffelberg. Zweite Marathonhälfte bei defensiver Renneinteilung problemlos schneller zu laufen als die erste Hälfte.

Rahmenprogramm:
Kleine Sportausstellung. Preiswerte Verpflegung bei der Siegerehrung.

Auszeichnung:
Medaille, Funktionsshirt, gefüllter Bierhumpen, Urkunde aus dem Internet. Gratiseintritt in die Obermain-Therme.

Logistik:
Parkplätze in unmittelbarer Nähe sind genügend vorhanden. Bahnhof in Gehweite.

Verpflegung:
Im Abstand von drei bis vier Kilometer mit Leitungs-, Mineralwasser, Iso, Tee, Cola, Riegel, Obst.

Zuschauer:
Aufgrund der Strecke nur in den Ortschaften und bei den V-Stellen vorhanden. Am Zielgelände und im Kurpark viele Zuschauer.

Es bleibt nur eine angenehme Erinnerung, wobei die familiäre Stimmung, die gute Ausschilderung und die gute Organisation herausstechen. Die Strecke rund um Bad Staffelstein bietet Genuss für das Auge und den Geist.

Ergebnisse:
Männer:
1. Felix Mayerhöfer, DJK Dasswang 2.48.00
2. Christoph Lauterbach, SGB Stadtsteinach 2.49.35
3. Stephan Gunzelmann, LAC Quelle Fürth 2.55.31

Frauen:
1. Sandra Spörl, FT Naila 3.17.29
2. Meike Diewel, o.V. 3.33.15
3. Natasche Noever, TV Goldbach 3.36.23

280 Finisher Marathon.

 

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Informationen: Obermain-Marathon
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