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Laufberichte

Marathon ''de Lux(e)'' - der Marathon in Luxemburg

11.06.11

Die Party geht weiter - zurück in der Altstadt

 

Auf dem Boulevard F.D. Roosevelt folgen wir auf der Altstadtseite erst einmal dem Verlauf des Petrusse-Tals. Vorbei an der Cathedrale Notre Dame geht es zur Place de la Constitution, jenem Ort, von dessen Feiertauglichkeit wir schon im Tal einen Vorgeschmack bekommen konnten. Einmal dürfen wir ihn umrunden. Vornehmlich Jugendliche haben den Platz als ihr Feierrevier auserkoren und lassen alkoholenthemmt so richtig “die Sau raus”.

   

Von hier geht es für uns nun wieder direkt hinein in die winkeligen Gassen der Altstadt, diesmal auch vorbei am großherzöglichen Palais, der Stadtresidenz der großherzöglichen Familie. Und was ich hier - abermals - erleben darf, ist schwer in Worte zu fassen. Die ganze Altstadt scheint in eine einzige Party-Zone verwandelt zu sein. Ich kann kaum glauben, wie viele Menschen am Streckenrand harren, nur um jeden Läufer. persönlich anzufeuern. Diese Emotion, diese Euphorie  - selten habe ich so etwas erlebt, nie flogen mir die Worte “allez Klaus” so oft in die Ohren. Auch bei mir zeigt das Wirkung. Gerne lasse ich mich davon anstecken, vergesse meine schweren Beine und lasse mich durch die Gassen tragen, mache übermütig jede Menge Fotos, obwohl sie in der Dunkelheit alle unscharf werden..Wie im Flug vergehen die Minuten, viel zu schnell. Kurz wird es am Rande der Altstadt, am Stadtpark entlang, etwas ruhiger, dann, wie ein letzter Paukenschklag, tobt die Party noch einmal am Place Robert Schumann, tanzen spärlich bekleidete Mädels einer brasilianischen Tanzgruppe hell erleuchtet auf dem offenen Oberdeck eines Busses, schallt wildes Sambagetrommel durch die Nacht und verklingt langsam im Hintergrund, als wir bei km 37 auf die “Rote Brücke” zur finalen Geraden durch Kirchberg einlaufen.

5 km liegen noch vor uns, nur 5 km, und doch habe ich selten so schwere Kilometer erlebt. Es ist Nacht, es ist einsam, auf der Straße, an der Straße - und es geht aufwärts, nicht allzu sehr, aber unerbittlich. Jenseits der Brücke fällt mir eine kleine Gruppe Läufer auf, die noch langsamer als ich dahin schleicht. Erst kurz bevor ich sie erreiche, weiß ich, wen ich vor mir habe: Es ist Fauja Singh mit seiner Entourage, darunter Joey Kelly, die mit ernster Miene und wortlos durch die Nacht ziehen. Ich überhole, blicke mich um, versuche die Miene dieses Fauja Singh zu ergründen. Aber diese verrät nichts, rein gar nichts. Schweigend trabt er in gleichmäßigen Schritten ohne jede Regung dahin. Was mag in ihm vorgehen? Ich kann es mir nicht verkneifen, ein Bild von der Gruppe zu schießen, komme mir allerdings gleichzeitig ziemlich respektlos vor.

Ich ziehe weiter, wieder allein im Kampf mit den letzten Kilometern. Nein, wirklich Spaß macht das Laufen nicht mehr, da hilft auch kein Sambagetrommel in finsteren Nacht.. Von der Avenue John F. Kennedy zweigen wir ab auf den Boulevard Pierre Frieden, jene Straße, auf der unserer Marathon begann und wo die Einsamkeit noch ein wenig größer wird.

Wie eine Erlösung ist es, als am Horizont die Lichter des Messegeländes auftauchen und langsam näher rücken. Das zunächst schwache Wummern in der Ferne wird zunehmend lauter. Dann die letzten Kurven. Ich biege ein in eine eingezäunte, mit Öllampen illuminierte Passage. Noch eine Biegung und vor mir liegt mystisch leuchtend der Zugang zur Messehalle.   

 
Lichtorgie zum Gand Finale

 

Ich passiere das Tor. Das einzige, was ich zunächst warhnehme, sind grelle Scheinwerfer am Streckenrand und ein den Raum zur Gänze füllendes tiefes Blau. Donnernder Lärm schlägt mir entgegen, eine Melange aus Geklatsche, Gejohle, Musik. Erst jetzt, in der Schlusskurve durch die Halle erkenne ich weitere Details: Bunte, rotierende Scheinwerfer, Kunstnebel, Fahnen, dicht gedrängte Menschen, wohin man schaut, ein Trupp Cheerleader vor dem Zieleinlaufbogen, eine große Leinwand mit Liveübertragung aus dem Zielbereich dahinter. Der Empfang ist begeisternd, persönlich werden die Ankömmlinge vom Zielsprecher begrüßt, wie im Rausch erreiche ich das Ziel. Wow! Was für ein Finale.

   

Ich komme mir vor wie in einer Riesen-Disko. Es wird gefeiert. getrunken, gegessen. Es ist 22:30 Uhr und die Halle ist knallvoll. Die efolgreichen Ankömmlinge mischen sich unter die Zuschauer. Dann auf einmal Riesenjubel: Fauja Singh “Superstar” erreicht das Ziel. Ein Konfettiregen ergießt sich über ihn, Blitzlichtgewitter schlägt ihm entgegen. Ich glaube, dem armen Mann ist das alles ein bisschen zu viel. Zumindest entschwindet er schon bald in einem Nebenausgang.

Ich bleibe noch ein bisschen, denn ich weiß: So ein mitreißendes Marathonfinale nach einem nicht minder mitreißenden Marathonlauf werde ich wohl so schnell nicht wieder erleben. 

Marathonsieger

Männer

1 Bacha, Teferi (ETH)     02:15:42
2 Rono, Stanley (KEN)    02:15:47
3 Kimaiyo, Edwin (KEN)   02:15:48

Frauen

1 Kiyara, Rael (KEN)    02:34:28
2 Tsegaye, Abebech (ETH)   02:35:45
3 Hashim, Merima (ETH)   02:38:17

1188 Finisher

 
 

Informationen: ING Night Marathon Luxemburg
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