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Laufberichte

Marathon ''de Lux(e)'' - der Marathon in Luxemburg

11.06.11

Gleichmäßige Qualität bieten jedoch stets die Versorgungsstationen, die etwa alle 2,5 km eingerichtet sind und im Wechsel nur Getränke (Wasser, Energy-Drink, später auch Cola) und ein um Bananen, Zitrusfrüchte und Energieriegelstücke erweitertes Programm, gereicht von zuvorkommenden Helfern, bieten: Damit lassen sich auch läuferische Durchhänger gut überbrücken.

Etwa bei km 20 feiern wir ein weiteres Mal Wiedersehen mit dem Stadtpark. Allerdings nur, um uns sogleich zum nächsten Vorortausflug zu verabschieden: Merl und Hollerich sind es nun, die von den Läufern heimgesucht werden. Wobei Heimsuchung angesichts des ausgedünnten Läuferbandes etwas übertrieben erscheint und allenfalls von manchem blockierten Autofahrern so empfunden werden dürfte. Erneut werden wir im wilden Zickzack durch die Gegend gelotst. Jegliche Orientierung geht mir dabei verloren. Andererseits: Der  stetige Wechel der Laufrichtung hat durchaus seinen Reiz und erscheint mir allemal spannender als endlose Geraden. Eine willkommene Abwechslung bietet der hübsche, mit kleinem See im Zentrum  angelegte Parc de Merl bei km 25.

Das Ende unserer Vorortodyssee naht. Kurz nach km 27 blicken wir erstmals ins Tal der Petrusse, wenig später taucht am Horizont die Pont Adolphe auf.

 

Tief hinab ins Tal der Petrusse


Die Querung der Pont Adolphe bei km 28 läutet ein neues Kapitel unseres Laufs durch Luxemburg ein. Im Zeitpunkt ihrer Erbauung vor 110 Jahren galt sie gar als weltgrößte Steinbogenbrücke. Auf einer Länge von 153 Metern überspannt sie in 42 m Höhe das tief eingeschnittene Petrusse-Tal und verbindet die Altstadt mit dem Bahnhofsviertel.

   

Toll ist das Panorama von der Brücke hinab in den dschungelartig zugewuchert erscheinenden Talgrund, auf die steil daraus aufsteigenden, zum Teil mauerbefestigten Felswände und die in deren Verlängerung spitzhaubig empor ragenden Türme der barocken Cathedrale Notre Dame (Liebfrauenkathedrale). Kaum erahnen lässt sich das Innenleben, das sich hinter den Felswänden verbirgt. Spanier, Franzosen und vor allem Österreicher hatten im 17. und 18. Jahrhundert als Teil der Stadtbefestigung ein 23 km langes, mehrstöckiges  System aus Tunneln und Räumen mit zahlreichen “Fenstern” in den Fels geschlagen.  Auch wenn von der übrigen, einst mächtigen Stadtbefestigung heute nicht mehr viel erhalten ist: Das als Kasematten bekannte Tunnelsystem kann man auch heute noch in großen Teilen bestaunen.

Die jenseitige Brückenseite wird überragt vom monumentalen Gründerzeitbau der Staatssparkasse und dessen mächtigen, im letzten Sonnenlicht rot leuchtenden Rundturm. An der Sparkasse vorbei drehen wir noch eine kleine Runde um einen Straßenblock, ehe sich unser Weg unter der Pont Adolphe hindurch am Abhang entlang erst sanft, zuletzt steil in das dichte Grün hinab senkt. Wider Erwarten ist unser Weg breit und gut ausgebaut und auch der Dschungel erweist sich kultivierter als vermutet.

Hoch über den Baumkronen taucht bei km 29,5 die  “Passerelle” als weitere innerstädtische Brückenverbindung zwischen Altstadt und Gare auf. Als Viadukt mit 24 Bögen aus Stein gestaltet überwindet sie 45 Meter über uns, wie aus einer anderen Welt stammend, das Tal. Nur als Punkte nehme ich die Menschen wahr, die von der Brüstung hinab blicken. Erst aus der Talperspektive bekommt man einen Eindruck davon, wie mächtig diese Brücke eigentlich ist. Wir tauchen unter der Passerelle hindurch und erreichen kurz darauf erstmals die Petrusse und damit auch den Wendepunkt unserer Talpassage.

Der Petrusse im Talgrund, nun in entgegen gesetzter Richtung folgend, setzen wir unseren Ausflug durch die Luxemburger “Unterwelt” fort. Einfach wundervoll ist der Blick durch die üppige Naturszenerie im Tal und nach oben aus dem Tal heraus. Es ist kaum zu glauben: Wir sind hier mitten in der Stadt und doch so fern jeglichen städtischen Lebens. Von hoch oben, von der Place de la Constitucion, die sich wie ein überdimensionaler Balkon in das Tal schiebt, schwappt zwar die Feststimmung akustisch zu uns herab, und doch erscheint mir diese Welt so weit entfernt. Ohne Zweifel: Für mich ist dieses Teilstück eines der absoluten Highlights des Marathons. Auch wenn sich ein leicht mulmiges Gefühl bei dem Gedanken nicht verhehlen lässt, all das auch wieder empor klettern zu müssen .....

Aber: Der Ausstieg aus der Schlucht ist letztlich halb so wild. Unter dem Sandsteinkoloss der Pont Adolphe hindurch folgen wir auf einem schmalen Naturweg dem weiteren Talverlauf und gewinnen dabei moderat, aber stetig an Höhe. Zuletzt ein kurzer Wegeslalom und schon stehen wir bei km 32 an der Place Merckels.und damit am Rande des Bahnhofsviertels “Gare”.

Eine 2,5 km-Runde durch dieses Viertel, quasi das innerstädtische Gegenstück zur Altstadt auf der anderen Seite des Petrusse-Tals, steht nun an. Während die Straßen drüben eng und verwinkelt sind, die Häuser sich dicht an dicht reihen, herrscht hier großbürgerliche Großzügigkeit: die Boulevards sind breit, die reich verzierten Jahrhundertwendehäuser wuchtig, teilweise geradezu protzig. Neben dem bereits passierten Gebäude der Staatssparkasse sticht der Verwaltungssitz von Arcelor/Mittal, seines Zeichen größter Stahlproduzent der Welt, ins Auge. Der über dem Haupteingang nach wie vor prangende Name ARBED ist eine Reminiszenz an das einst größte Luxemburger Industrieunternehmen. das durch Fusionierung aber letztlich der Globalisierung zum Opfer gefallen ist. So manchen Luxemburger dürfte es schmerzen, dass hier nun mit Lakshmi Mittal ein Inder primär das Sagen hat.

Auch in Gare werden die Läufer bereits zuschauerseits erwartet. Vor allem in Bahnhofsnähe nimmt der Lärmpegel und die Stimmung am Streckerand beträchtlich zu. An das  Hexenkesselfeeling in der Altstadt kommt das aber nicht heran. Gleich hier, bei km 33,3 ist zudem der letzte Wechselpunkt der Teammarathonläufer eingerichtet. Ein ganzes Rudel wartet noch erwartungsfroh auf die Ab- und Erlösung, nur von Fauja Singh ist keine Spur. Hat er es sich anders überlegt? Oder ist er schon weg?.Vergeblich halte ich nach ihm Ausschau.

Am Ende unserer Runde durch Gare erreichen wir bei km 34,5 wieder die “Passerelle”, nur eben nun auf der Oberseite. Fast schon ein wenig wehmütig blicke ich tief nach unten, hinab in das von hier aus so unberührt wirkende, in der Dunkelheit versinkende Idyll, in diese Gegenwelt Luxemburgs.

Zum ersten Mal wird mir hier bewusst, dass sich die Nacht nun endgültig über die Stadt senkt, dass das Tageslicht durch das Kunstlicht tausender Lampen verdrängt wird. Es ist ein schönes Bild der Altstadt, das sich mir im letzten Tageslicht beim Überlaufen der Brücke bietet.

 
 

Informationen: ING Night Marathon Luxemburg
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