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Laufberichte

30 anni di grande emozioni e di successi

 

Die Französin mit der Tricolore im Gesicht sehe ich bei der Labe stehen und nach Keksen greifen, weit kam sie also nicht. Ich bin mit 2:31:12 bei 25 km immer noch im Plansoll, auf den folgenden 5 Kilometern um den Bahnhof herum in die Nähe des Stadio Communale, wo sich auch die Expo befindet, möchte ich unter 3:05 bleiben. Der Strecke ist als Rundkurs  im Bereich des Campo di Marte angelegt, wir laufen sozusagen im Kreis. Wie bei jedem größeren Marathon befinden sich bereits Hunderte auf „Wanderschaft“, sie gehen, traben, bleiben stehen – wir sind aber erst bei Kilometer 30. Ich bin inzwischen 4 Minuten über meiner Sollzeit, mit den angezeigten 3:04 Stunden aber zufrieden.

Jetzt geht es wieder, wenn auch auf Umwegen, in die Stadt zurück. Zuerst muss der kurze Anstieg auf  die Eisenbahnbrücke bei Km 32 gemeistert werden, der vielen schwerfällt. Ich denke in dem Moment daran, wie oft man eigentlich gewissen Läufern seines Leistungsniveaus während eines Marathons begegnet, man kennt sich dann einfach, ohne vielleicht je ein Wort miteinander gesprochen zu haben. So könnte man problemlos an eine attraktive Läuferin anbandeln, was ja auch vorkommt. Eine Italienerin fällt mit auf, das x-te Mal liegt sie inzwischen vor mir, aber nun auf der via della Colonna scheint sie müde geworden zu sein.
Ich beginne wie bei jedem Marathon wieder zu rechnen: Wenn ich die 35 km-Distanz mit 3:40 erreiche, sollte sich eine Laufzeit knapp unter 4:30 Stunden noch ausgehen. Doch vor den Abschnitten auf Kopfsteinpflaster im Zentrum habe ich großen Respekt. Ich passe da stets auf, nicht an einem vorstehenden Stein hängenzubleiben, daher verliere ich da immer ein paar Minuten. In Rom führt der Marathon noch länger als in Florenz über dieses Terrain. Über die via Ricasolli geht es vorbei an der weltberühmten Kathedrale Santa Maria del Fiore, kurz „Dom“ genannt. Seine gewaltige, weltbekannte Kuppel, das Hauptwerk Filippo Brunelleschis, gilt als technische Meisterleistung der frühen Renaissance.

Es geht weiter durch die Florentiner Innenstadt entlang enger Gassen schließlich über die Borgo Ognissanti bis in die Nähe der Piazzale di Porta al Prato, dann in einer 180 Grad-Wende wieder zurück. Bis zum Ponte S. Trinita, der über den Arno in den südlichen Teil von Florenz führt, sind es noch ca. 2 Kilometer. Am Lungarno Amerigo Vespucci wird die Anzahl der nur mehr dahinschleichenden Läufer größer. Es gehört zu einer guten Marathontaktik, nicht über seine Verhältnisse zu laufen, sondern mit den Kräften hauszuhalten.

Auf einem Sightseeing-Bus spielt eine Band, ein Mann mit Altersbäuchlein tanzt an der linken Seite der Amerigo Vespucci zum Rhythmus der Musik. Die Stimmung ist gut, auch fühle mich in guter Form. Ernst hat mit unlängst zu verstehen gegeben, dass meine kurzen Fotostopps einen Erholungseffekt haben und ich mich schwer tun würde, in einem durchzulaufen. Darauf werde ich es beim Indoor-Marathon ankommen lassen. Die Kamera bleibt in der Bauchtasche, weil 20 Runden in der gleichen Messehalle kaum neue Motive bieten werden.

Nun geht es endlich über die berühmte Brücke, auf der ich in den letzten 20 Jahren oft stand, um in den Schmuckgeschäften etwas Passendes für Frau und Tochter zu finden. Der Ponte Vecchio wurde im Auftrage Cosimos I. de’ Medici von Giorgio Vasari 1565 als eine Art Übergang über den Arno gebaut, der den Palazzo Vecchio mit dem Palazzo Pitti verbindet. Beim Rückzug der deutschen Truppen aus Florenz im Zweiten Weltkrieg wurde der Ponte Vecchio als einzige Brücke der Stadt nicht zerstört.

Die Kilometeranzeige 39 befindet sich am Ende der Brücke, noch 3 Kilometer liegen vor mir. Ich habe genug Kraft, an den vielen langsamer Läufern vorbeizukommen, zwar längst nicht mehr in einer 6er-Zeit, sondern mit einem Tempo von 8 km/h. Zum zweiten Male geht es am Dom vorbei, auch vorbei an vielen Zuschauern, die hinter der Absperrung stehen.

Als ich gerade dabei bin, mein Tempo zu erhöhen, damit sich eine Finisherzeit knapp unter 4:30 ausgeht, bekomme ich auf der via Ghibellina eine Krampf im linken Oberschenkel. Ich muss kurz stehenbleiben, das kostet mich 2 Minuten. In meinen Anfangsjahren ab 2001 habe ich so mehrmals sehr knapp die unter-4-Stunden-Finsiherzeit verpasst, eben auch 2001 in Florenz. So laufe ich dann sehr langsam weiter, passiere den Startbereich bei der viale Giovine Italia, auf dem letzten Kilometer führt der Kurs vorbei an Hunderten Finishern, die ihren Kleiderbeutel aus einem der Busse abholen und mitunter eine Wortspende für die einlaufenden Marathonis übrig haben, wie das bekannte „dai, dai“ oder ein nicht ernst gemeintes „Bravo“.  Die Zieluhr zeigt 4:35:26 an, als ich an der Piazza S. Croce einlaufe, laut meiner Garmin bleibe ich mit 4:32:28 leider um 2 Minuten über die heuer schon oft verfehlten sub 4:30. Die 4:07 Stunden in Chorzow sind daher Laufbestzeit geblieben.

Die gediegene Finsihermedaille mit den wichtigsten Bauwerken auf der Rückseite, die zu Ehren des 30-Jahresjubiläums gestaltet und geprägt wurde, passt mit ihrem rot-weißen Band sehr gut zu meinem neuen Club-Lauftrikot in eben diesen Farben. Ich bin nach dem Marathon keinesfalls erschöpft, denke daran, dass ich die Kraft hätte, noch einen Zehner oder auch mehr dranzuhängen. Nach dem üblichen Zielfoto – ich ersuche einfach irgendjemandem im Nahbereich, mich abzulichten – spaziere ich inmitten Hunderter in weiße Alufolien gehüllter, z.T. sichtlich erschöpfter Finisher zum Arno runter. Dort genieße ich auf der Mauer sitzend die Sonnenstrahlen, knipse auf dem Rückweg ins  Hotel Roma noch ein wenig. Viele Läufer passieren jetzt erst den Ponte Veccchio und werden wohl mit 5:30 Stunden oder darüber finishen.

Ich bin froh, dass ich mich doch noch, einige Wochen vor dem Renntag, für eine Teilnahme am 30. Florenzmarathon entschieden habe. Das Wetter hat gepasst, die Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke werten den Marathon auf, die Medaille ist ein absolutes Unikat, sie wird jedes Jahr neu gestaltet. Würde man im Programm bzw. auf der homepage noch anführen, welche öffentlichen Verkehrsmittel zur Expo fahren, wäre das Prädikat „super“ noch gefestigter, selbst wenn heuer offenbar keine Enervit-Gelpäckchen ab Kilometer 35 ausgegeben wurden.

Sieger bei den Herren:
Oleksandr Sitkovsky (UKR): 2:09:14
Geoffrey Gikuni Ndungu (KEN): 2:12:18
Kiprop Limo (KEN): 2:12:55

Reihung bei den Damen:
Tekulu Abeba Gebremeskel (ETH): 02:30:37
Hanane Janat (MAR): 2:36:01
Lemlem Berha Yachem (ETH): 02:38:48

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Informationen: Firenze Marathon
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