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Laufberichte

Man lernt nie aus ...

11.09.11

Und schon war ich wieder in Ernsbach, ca. 15km/1:39h unterwegs und befand mich plötzlich mitten in der Läuferschar der Halbmarathonis. Richtig erfrischend war das, wieder im Feld zu laufen und gar den einen oder die andere zu überholen. Aber es waren noch 12 km/1:21h bis zur Durchgangszeit, ich durfte nicht übermütig werden, aber auch nicht nachlassen! Angelika hatte sich schon einige 100m weit nach vorne abgesetzt und auch meine zwei Marathondebütanten hatten mich im Stich gelassen und waren weit vor mir. Aber ich hatte ja genügend vom Halbmarathon um mich herum, so dass ich mich nicht einsam fühlte.

Der Rückweg verlief ab hier anders, man lief auf einem asphaltiertem Feldweg, hatte noch mehr Grün um sich herum, ab und zu sogar kurze Schattenabschnitte, aber die Hitze hatte natürlich zugenommen. Ich war langsamer geworden, die Uhr und die Kilometerschilder aber zeigten unerbittlich, dass ich nicht nachlassen durfte. Nun, bis zur Zwischenzeit würde ich das schaffen und danach konnte ich ja langsamer tun. Also strengte ich mich an, machte Druck, kam aber nicht mehr ganz auf mein Anfangstempo. Da ich auf den ersten 10 Kilometern aber schneller war als notwendig, müsste es reichen.

An VP 2, der jetzt auf dem Rückweg VP 6 war, kreuzten wir die L1045, liefen eine Schleife durch Forchtenberg, vorbei an einer weiteren Trommlergruppe, die sich, Schutz vor der Sonne suchend, in ein Wartehäuschen zurück gezogen hatten und uns dort aus dem Schatten heraus beflügelten. Nun kam ein schöner Abschnitt, teilweise dicht am Fluss entlang, bis nach weiteren 5,5 Kilometern Niederhall vor uns lag.

Noch ein Schlenker durch den Ort und schon war ich im Start- und Zielbereich, wo die Halbmarathonis bei ihrem Endspurt auf der Zielgeraden von vielen hundert begeisterten Zuschauern empfangen wurden. Wir Marathonis wurden ganz elegant in einem extra „Kanal“ parallel zum Zieleinlauf ungestört am Getümmel vorbei geführt – gut gemacht! Mit nur ein paar Sekunden Zeitüberschreitung lief ich ein und selbstverständlich ließ man mich durch, wie auch alle deutlich hinter mir Liegenden. Klar, beim ebm wird man nicht herausgenommen, die Sache mit der Zwischenzeit war wohl ein Versehen, und nur ich Trottel musste das ernst nehmen und mich dafür übernehmen.

Denn übernommen hatte ich mich tatsächlich, mir war schlecht und so kamen die Dixis gerade recht für eine Sitzung. Danach schmuggelte ich mich an den Erdinger-Stand, nahm einen Becher Bier und machte mich damit auf den langen Weg bis Künzelsau und zurück. Die Rollis warteten bereits auf ihren Start in 10 Minuten, während ich mich unwillig weiter bewegte.

Noch 15 Kilometer! Das konnte ich mir nicht vorstellen. Mein Kreislauf rebellierte, sobald ich ganz langsam joggte war mein Puls viel zu hoch, ich beneidete jeden Einzelnen, der mir entgegen kam und hatte ganz niederträchtige Gedanken. Aber das durfte nicht sein! Noch nie habe ich einen Marathon vorzeitig beendet und hier hatte ich ja noch 2,5 Stunden für lächerliche 15 Kilometer. „Also auf Eberhard, ertrag es wie ein Held!“ Gedacht, getan, ich war dabei!

Wenn nur mein Gelenk am großen Zeh nicht so geschmerzt hätte. Gehen konnte ich damit nicht, da wurde der Zeh beim Abrollen so stark gebogen, dass es teuflisch schmerzte, joggen wäre ok gewesen, das aber konnte ich nur kurze Abschnitte, dann musste ich den Puls wieder nach unten bringen, also gehen. Eine echte Zwickmühle und vor allem Quälerei, die Hitze wurde mehr, Schatten gab es nur jeweils ganz kurze Abschnitte und ich wurde von den Wenigen, die noch hinter mir lagen, eingeholt und überholt. Nun ja, ein „Held“ erträgt auch das.
Viele kamen mir noch entgegen, jeden Einzelnen beneidete ich, nur den Einen nicht, der links am Wegrand lag und vom Rot Kreuz betreut wurde. Zum Glück gab es an jeder weiteren Verpflegungs-stelle Cola und so rettete ich mich damit von VP zu VP. Armin kam mir entgegen, der 3:30 h Tempomacher, hatte aber seine Mitläufer verloren, die vermutlich alle zurück gefallen waren. Heute war eindeutig kein Wetter für gute Zeiten. Armin aber kam mit 3:29:29 ins Ziel, wie es von ihm verlangt wurde.

Ab und zu sprachen mich Spaziergänger an und bewunderten mich dafür, dass ich einen Marathon laufen würde. Kurz baute mich das jeweils auf, half aber auch nicht auf Dauer. Auch die Fahrradpulks, die die Strecke jetzt bevölkerten, ärgerten mich nicht. Warum auch sollten die wegen eines schleichenden alten Mannes woanders fahren?

Aber ich überholte Victoria, die genauso ermattet war wie ich und ebenfalls nur noch gehen wollte! Der Vater schob ihr Fahrrad und schmeichelte in allen Tönen – aber sie stieg nicht auf. Wenn es nicht so klein gewesen wäre, hätte ich mich ja angeboten, ihr Fahrrad zu fahren.

Noch auf dem Hinweg nach Künzelsau kam mir Eugen entgegen, ein alter Lauffreund, dem ebm-Marathon genauso zugeneigt wie ich und ein tüchtiger Ultraläufer. Aber auch er klagte über die Temperaturen, sah schon ein wenig zerknittert aus und machte gerne eine kurze Unterhaltung mit mir. Kathrin begegnete mir, Hannes und Angelika, alle schon lange auf ihrem Heimweg und alle miteinander gut aussehend.

Ich will es kurz machen, die Schleife in Künzelsau erreichte ich noch gut in der Zeit, lief verächtlich am Biergarten vorbei, machte mich mürrisch auf den Rückweg und tatsächlich – einer kam mir noch entgegen. Der aber sah gut aus, lachte sogar und hatte sicher keine Probleme, ins Ziel zu kommen.

Was war das? Victoria und Vater radelten an mir vorbei: „Nach dem Essen geht es ihr wieder gut!“ Wenigstens sie hat sich also erholt. Ein paar Kilometer weiter saßen dann beide auf einer Bank, schauten mir interessiert und freundlich zu und bedankten sich für das Bild, das ich von ihnen machte.

Da, was war das etwa 200m vor mir? Ein Läufer! Ob ich den wohl noch einholen konnte? Nach 20 Minuten war es geschafft. „Keine Kraft mehr in den Oberschenkeln“, meinte er. Der hatte es gut, dem fehlte nur die Kraft!

Einen Kilometer vor dem Ziel aber begann er zu joggen und nahm mir tatsächlich noch zwei Minuten ab. Aber auch ich kam ins Ziel – 5:25:39 h, 40 Minuten später als geplant - Angelika gab mir ein Erdinger Hefe Weizen alkoholfrei und nach knapp zwei Stunden im Schatten liegend war ich wieder zu gebrauchen.
Nun, da hatte ich an diesem Tag doch tatsächlich wieder etwas über meinen Körper gelernt.

Eine rundum gelungene Veranstaltung, eine schöne, abwechslungsreiche Strecke, ordentliche Verpflegung. Wenn der Veranstalter wieder das unsinnige Zeitlimit bei km 27 raus nimmt, ist dieser kurzweilige Marathon auch bestens geeignet für langsame Läufer bis zu 5:30h und auch drüber.

Zeitnahme
Champion-Chip, Zwischenzeiten an beiden Wendepunkten, jeder Kilometer ist angezeigt

Weitere Veranstaltunge
Halbmarathon, 10 km, verschiedene Läufe für Kinder und Jugendliche (420m, 2,1km, 4,2km), Rollis 42 km, Inliner 25km (diesmal nur 23km); am Vortag Walker 7 oder 12 km

Auszeichnung
Medaille, Urkunde, Funktionsshirt und das alles für

Kosten
nur 20 Euro (Nachmeldung 30 Euro)

Verpflegung
Insgesamt acht Verpflegungsstellen: Iso, Wasser, Bananen, ab km 20 auch Cola

Finisher
Marathon 152, 
Duo-Marathon (27+15km) 53
Halmarathon 1.097,
10 km 1.122
174 insgesamt bei den Kinderläufen
Rollis 31
Inliner 261

Zuschauer
Im Start- und Zielbereich viele hundert, wenn nicht mehr als tausend, unterwegs immer viele in den Orten, insgesamt eine schöne Mischung aus Trubel, aber auch viel Ruhe in grüner Natur.

 

Marathonsieger

 

Männer

1  Müller, Kay-Uwe  DEU TSG Heilbronn/Ilshofen  2:37:04
2  Bothmann, Thomas  DEU -/Heilbronn  3:04:49
3  Stellner, Udo  DEU TSV Michelbach/Bilz/Michelb  3:04:52

Frauen

1  Braemer, Therese  DEU -/Forchtenberg  3:31:45
2  Bogun, Gisela  DEU Berner Sports Team/Künzelsa   3:36:20
3  Brockhausen-Halder, Maria  DEU Duale Hochschule Mosbach/S  3:46:48

152 Finisher

12
 
 

Informationen: ebm-papst Marathon
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