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Die Therapie der bunten Klebebänder

22.08.12
Quelle: Dr. Barbara Seidel

Kinesiotape – Meditape – Physiotape

 

Blaue Klebestreifen am Knie, orangen-schwarze Fächer über der Schulter, grünes Tape am Unterarm – immer häufiger bei Sportlern aller Leistungsklassen zu sehen. Balotelli bei der Fußball-Europameisterschaft oder ein Großteil der olympischen Leichtathleten haben die Tapes weiter bekannt gemacht. Was steckt dahinter ?

 

Wie wirken diese Tapes ?

 

Die Tapes wurden bereits in den 70er Jahren in Japan entwickelt. Es sind schlichte, dehnbare Baumwollbänder, die auf der einen Seite mit einem wellenförmigen Kleber versehen sind.

Durch diese spezielle Struktur wird die Durchblutung in dem darunter liegenden Hautareal bis hin zur tieferen muskulären Ebene gesteigert. Grob kann die Wirkung mit der des Schröpfen verglichen werden. Die Wirkung ist somit rein mechanisch, die Tapes enthalten keinerlei Wirkstoff. Die verschiedenen Farben sind lediglich Optik und für farbtherapeutisch Orientierte von Belang. Durch die Dehnbarkeit bleibt die Beweglichkeit erhalten. Anders als bei dem bekannten Leukotape z.B. wird der Muskel oder das Gelenk nicht ruhig gestellt. Im Gegenteil verbessert sich die Wirkung der elastischen Tapes, wenn das darunter liegende Haut- und Muskelareal arbeiten kann.

 
Getapter m4y-Reporter beim Allgäu Panorama Marathon
© marathon4you.de

Muskuläre Funktion und Fehlfunktion hängt eng mit dem Auftreten von Schmerzen, Schmerzsyndromen und Bewegungseinschränkungen zusammen und genau darin liegt der Therapieerfolg mit den „Klebebändern“ begründet. Außerdem gelingt der Abbau von Entzündungsprozessen schneller: durch die bessere Durchblutung und den vermehrten Abfluss der Lymphflüssigkeit werden entzündliche „Abfallprodukte“ entfernt.

Unsere Muskulatur ist unser dynamischer wie auch statischer Halteapparat. Vereinfacht gesagt wird jedes unserer Gelenke von einem Muskel und seinem Gegenspieler versorgt. Zieht einer von beiden – durch Überbeanspruchung oder Verkürzung – zu sehr an dem Gelenk, wird dieses aus seiner ursprünglichen „gerade Achse“ gezogen, kann sich „verkanten“. Störungen in der Beweglichkeit führen zu Ungleichgewichten und fehlender Balance, Verspannungen führen zu Fehlstellungen und -belastungen, diese wiederum zu Schonhaltungen und erneuten Verspannungen und damit zu Schmerzen. Ein Teufelskreis also.

 

Wann kann ich zum Tape greifen?

 

Hier können die Tapes eingesetzt werden. Der besser durchblutete Muskel kann entspannen, Verspannungen lösen sich, die Beweglichkeit bleibt dabei weitgehend erhalten und somit wird einer weiteren Schon- bzw. Fehlhaltung entgegen gewirkt.

Bei jeder Bewegung wird das Tape mit der Haut bewegt und somit eine Art tiefenwirksame Massage über einen langen Zeitraum aufrecht erhalten.

Allerdings sollte der Schmerz als Warnsignal unseres Körpers nicht unterschätzt werden. Es ist nicht sinnvoll, jeden Schmerz „wegtapen“ zu wollen. Aber bei bekannten Problemen oder wiederkehrenden Überlastungen ist es durchaus positiv, sich seinen Sport, seinen Lauf oder seine Radausfahrt angenehmer und schmerzfreier zu gestalten.

Nicht tapen darf man ohne vorherige Abklärung bei neu auftretenden Schmerzen, akuten Entzündungen oder Verletzungen und natürlich nicht bei offenen Wunden. Wer Zweifel hat, sollte vorher den Arzt oder Physiotherapeuten seines Vertrauens fragen und abklären lassen, ob dem Schmerz mehr als ein muskuläres Problem zugrunde liegt.

Wenn nein, kann ein Tape keinesfalls schaden.

Da die Tapes aber keine Nebenwirkungen haben, lässt sich fast alles ausprobieren. Man kann wenig falsch machen, im schlechtesten Fall helfen sie nicht richtig und sind in Sekundenschnelle wieder entfernt.

 

Die häufigsten Tapes für Läufer

 

Bei unseren Einsätzen auf Laufmessen lassen sich vor allem drei Tapes hervorheben: Knie, Sprunggelenk und Achillessehne.

 
Getaptes Knie des m4y-Reporters
© marathon4you.de

Knieprobleme sind sehr häufig und ergeben sich oft aus Verspannungen oder Überlastungen der inneren, äußeren oder vorderen Oberschenkelmuskulatur. Im Gegensatz zu den oft eingesetzten Kniebandagen ist das Tape leichter und besonders bei warmen Temperaturen viel angenehmer zu tragen.

Das Sprunggelenkstape setzen wir bei alten zurückliegenden Verletzungen der Bänder ein, um das Gelenk zu stabilisieren. Aber auch vorbeugend bei langen und schwereren Trailläufen.

Achillessehnentapes sind mit etwas Vorsicht und Zurückhaltung zu genießen. Sie sind sehr wirkungsvoll, können aber einen Riss der Sehne nicht verhindern. Bei Problemen an der Achillessehne gilt ganz besonders: abklären lassen und im Zweifelsfall Laufpause.

 

Kann ich mich selber tapen ?

 

Selbstverständlich ist das mit etwas Geschick und Verständnis möglich, da sich wirklich wenig falsch machen lässt. Das Handling mit den Tapes erfordert etwas Übung, kann aber von allen, die nicht gerade die berühmten zwei linken Hände haben, gut erlernt werden. Ein wenig Verständnis für den Verlauf und die grobe Funktion der Muskulatur ist für einen Therapieerfolg wichtig. Nur von der Selbstbehandlung der Wirbelsäule raten wir ab, zumal eine Eigenbehandlung hier auch recht schwierig ist. Die Statik der Wirbelsäule benötigt oft eine zusätzliche manuelle Behandlung oder Korrektur.

Unter www.tapebar.de lassen sich weitere Informationen zum Tapen finden, sowie auch einige Schritt-für-Schritt-Anleitungen für das Anlegen z.B. von einem Knie- oder Sprunggelenkstape.

Aber ist das Tapen ein Allheilmittel oder eine Wundertherapie ? Nein. Viele der erwähnten Beschwerden können langfristig mit gezieltem Muskelaufbau oder einem guten Dehnprogramm behoben werden. Aber bis dahin kann ein Tape sehr gut helfen. Es gilt: ausprobieren und eigene Erfahrungen machen !

tape|bar
Barbara Seidel & Andreas Weiser
info@tapebar.de
www.tapebar.de

 

 
 

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