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Laufberichte

Rock und Barock

13.05.12

Nach Gründung der unabhängigen Tschechoslowakei im Jahr 1918 wurde sie in „Brücke der Legionen“ umbenannt, nach den Einheiten, die im Ausland gegen Österreich-Ungarn gekämpft hatten. Während der deutschen Besatzung in den Jahren 1938-45 wurde sie erneut umbenannt, diesmal nach dem Komponisten Bedřich Smetana. Nach 1945 hieß sie dann „Most 1. Máje“ (Brücke des 1. Mai). Nach dem Fall des kommunistischen Regimes im Jahr 1990 erhielt sie dann wieder ihren Namen Brücke der Legionen.

Nach dieser kleinen Brückenkunde laufen wir nun parallel zur Moldau am ältesten Kai entlang, erbaut 1841. Auf dem Kreuzherrenplatz treffen sich Gotik und Barock. Es ist faszinierend, durch Orte der Vergangenheit zu laufen. Wir erreichen die Kreuzherrengasse. Den Weg, den wir hier laufen, ist einer, den schon Kafka gegangen sein muss. Kafka sagte über Prag: „…und dieses Mütterchen hat Krallen“. Ob der berühmte Prager damit das Kopfsteinpflaster meinte, das sich Stein für Stein immer gnadenloser unter meinen Gummisohlen bemerkbar macht? Die Füße leiden in dem Gefängnis der Schuhe. Wir überholen eine Läuferin mit den sogenannten Zehenschuhen.

Schon beim bloßen Anblick schmerzt mein Körper.

Kilometer 32 ist erreicht und wir sind auf dem Náměstí Jana Palacha (Jan Palach-Platz). Dieser Platz wurde nach Jan Palachs Selbstverbrennung 1969 benannt. Nach einem kurzen Stück an der Uferpromenade überqueren wir die Mánesův most zum zweiten Mal und die Strecke verläuft identisch zum ersten Streckenabschnitt.

Auf der Libeňský most wissen wir, dass die letzte Brücke überquert ist und uns nur noch 5 Kilometer bis an unser Ziel trennen. Die jungen Bands sind absolut Marathontauglich. Zu unserem Erstaunen unterstützen sie die Läufer noch immer auf ihren Weg zum Ziel. Nur zwei Straßenblocks weiter wohnte im Hause „Zum Schiff“ Franz Kafka. Heute befindet sich an dieser Stelle das Hotel InterContinental, in dem auch Michael Jackson nächtigte. Ein letztes Mal führt die Strecke durch die Nobel Einkaufsstraße und der Altstädter Ring kommt immer näher.

Keinen roten, dafür aber einen blauen Teppich samt großem Auftritt bietet sich uns auf den letzten Metern bis ins Ziel. Auch Ales Tvrdy bekommt nach 5 Stunden und 20 Minuten die Medaille umgehängt. 

 

Ein paar Stunden später:


Der blaue Teppich ist eingerollt, der Zielbogen und die Tribüne sind abgebaut. Der Marathon ist vorbei. Die Sonne ist untergegangen. An ihrer Stelle erhellt mattes, gelbliches Licht von hunderten Gaslaternen die Stadt. Sie strahlen den Krönungsweg entlang noch bis in den hintersten Teil des Burgviertels. Mit ihrer besonderen Beleuchtung unterstreichen sie schummrig schön die mittelalterliche Atmosphäre der Stadt. Wir sitzen mittendrin in der Postkartenkulisse und genießen unsere letzten Stunden in Prag.

RESÜMEE:  Es gibt Läufe, die brennen sich ins Gedächtnis ein. Der Prag Marathon ist so einer. Er ist die sportlichste, schnellste und beste Möglichkeit, diese historische Stadt zu erkunden.

Es gibt aber auch noch eine andere Art, die prall gefüllte historische Fundgrube Prags zu entdecken. Denn mehr als achtzig Museen und über einhundert Kunstgalerien warten darauf, besichtigt zu werden.

 
 

Informationen: Prague Marathon
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