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Laufberichte

Bassd scho!

 

Der 4-Stunden-Express

 

Die zweite Hälfte der ersten Runde führt uns nun in den Ortsteil Unterfarrnbach, wo wir an einer Verpflegungsstelle mit Wimpeln, toller Stimmung, Graffiti auf dem Teer und Musik empfangen werden. „Ihr schafft das“, lese ich. Ein überdimensionales Kleeblatt haben Kinder auf den Boden gemalt. Elf Kilometer liegen hinter mir. Die Laufzeit beträgt 1.05 Stunden, vielleicht eine Idee zu langsam, denn der Pacer befindet sich rund 200 Meter voran.

Eine kurzes Urteil zur Streckenführung: Sie ist kurzweilig und du siehst nie lange, langweilige Geraden. Durch vielen Ecken und kleine Anstiege, die erst am Ende sich bemerkbar machen, kannst du natürlich kaum Bestzeiten laufen. Aber ich schätze, dass es fast allen hier um den Genuss beim Laufen geht. Auch die Versorgung ist klasse, denn du findest hier alle zwei Kilometer eine Tankstelle. So gibt’s dann nix zu „gwengsn“.

An der Würzburger Brücke, auf der wir den Europakanal und die Südwesttangente (Bundesstraße 8) überqueren, wartet Norbert Wilhelmi auf interessante Motive. Ich auch. Mal schaun, ob ich ihn wieder auf seiner Wambm liegen sehe bei seinem Paparazzi-Job. Späßle gmacht, Norbert. An seinem Standort hat er eine schöne Aussicht, zumal wir nach einer kurzen Schleife an den Kanal heran laufen.

Nach einem kurzen Wendepunktkurs, der Hinweg auf der Straße, der Rückweg auf dem parallelen Radweg, überqueren wir wieder den Kanal und die Tangente. Gerhard Wally habe ich kurz auf der anderen Seite gesehen, geschätzte 800 Meter vor mir. Der lässt es krachen. Noch vor Unterfürberg sind einige auf der 4-Stunden-Gruppe an einem Zaun beim „Schdrullern“. Und dann darf der Leader of the Pack wieder hinterher springen. Im Stadtteil Hardhöhe feuern uns die Fürther Kleeblätter mit ihrer Musik an, eine Gruppe mit zwei Männern. Auf den aufgebauten Bierbänken und -tischen ist Platz Mangelware. Einige haben sich schon ein Zirndorfer Landbier einschenken lassen. Und was macht der Oberbayer? Oder besser, was macht er nicht? Er unterlässt seine Bettelei nach Bier!

Die Uferpromenade an der Rednitz bringt uns schließlich in die Nähe der Altstadt, ein Kilometer noch, dann ist die erste Runde geschafft. Ein „Saxndi“ würde es einem Oberpfälzer entlocken, wenn er die Saxerei hören könnte, eine Band, in der Saxophone die Richtung vorgeben. Dann nach einigen Metern eine ungewöhnliche Beobachtung: Zwei Postboten, ihre gelben Räder sind überladen, beim Austragen der Post. Wahrscheinlich ist wegen des Streiks die Lagerkapazität ausgeschöpft. Später werde ich erfahren, dass mit sanften Druck und einer Köderprämie von 100 EUR einige Postler an die Arbeit gerufen wurden.

Nach ein paar Kurven laufen wir am Rathaus vorbei. Beim Anblick denkt man, man sei in Florenz vor dem Palazzo Vecchio. Zwischen 1840 und 1850 wurde das Rathaus nach Plänen von Georg Friedrich Christian Bürklein erbaut.

Noch eine Linkskurve, dann heißt es Streckentrennung. Die letzten Läufer des 10-Kilometer-Bewerbes werden links geleitet, wir halten uns rechts. Der Zuschauerzuspruch ist hier enorm, eine Mordsstimmung. Es geht in den Startkanal, 22 Kilometer und einige Minuten über der Zwei-Stunden-Marke liegen hinter uns, dann beginne ich die erste der zwei Runden. Mein Urteil bisher lautet ganz einfach: Basst scho!

 

Auf in die zweite Runde (Kilometer 22 bis 32)

 

So, jetzt sind noch zwei identische Runden von zehn Kilometer zu rennen, eine passende Streckeneinteilung, die nicht so viele Helfer auf der Strecke erfordert und die auch für die Läufer nicht langweilig wird. Eine zum Schnuppern und die letzte zum Gas geben, „wer mecherd“. Bernd van Trill, der über alles wacht, steht am Mikrophon und hat mich als laufenden Reporter längst erkannt. Im letzten Jahr hat er mich noch mit unseren Chefredakteur verwechselt. Wir haben zwar annähernd das gleiche „volle“ Haupthaar, doch beim BMI geht es ein „wengerla“ auseinander.

An der Eisenbahnunterführung kommt mir der 3.45er-Pacer entgegen. Er hat einige Läufer hinter sich geschart. An der St.-Pauls-Kirche hält der Pfarrer gerade seine Predigt. Seine Schäfchen sind ganz Ohr, während ein paar Meter das wahre Marathonleben pulsiert.

Trotz der kühlen Witterung, es nieselt immer wieder, halten uns die Fans und Zuschauer die Treue. Auf dem Südstadtpark sind nun mehr Besucher zu sehen. Viele haben jetzt ausgeschlafen, kicken auf dem Rasen oder lassen ihre Kinder sich in der Hüpfburg austoben.

Wieder an der Unterführung kommt mir Alex Morschhäuser, der Mann für die 4.15 Stunden, entgegen, mutterseelenallein. Keiner braucht ihn als Zeitläufer. Komisch. Armin Siebert als Zugläufer macht seine Sache hervorragend. Es sind zwar nicht mehr so viele Mitläufer wie am Anfang, doch die 15 haben immer noch das Ziel „sub vier“ vor den Augen. Ich löse mich nun und versuche, das Tempo ein wenig zu erhöhen. Mir gelingt das ohne großen Aufwand.

Mittlerweile laufen die Staffeln von hinten auf, die 30 Minuten nach uns gestartet sind. Die meisten der 123 Staffeln gehören zur Deutschen Bahn. Haben die eine interne Wertung ausgeschrieben? Und dann höre ich ein Geklapper, wie wenn eine Frau mit Stöckelschuhen auf dem Parkett stolziert. Eine Frau ist es, aber in Jesusklapperln. Sie lässt mich stehen, ouwaihälä.

Die Volkslaufrunde über 10,5 Kilometer führt bis auf etwa einen Kilometer auf den bisher bekannten Wegen und Straßen. Lediglich im Nordwesten der Altstadt laufen wir ein Stückchen auf einem Uferweg neben der Rednitz. Unsere Strecke mündet dann in die Königstraße ein, wo von rechts nun die Halbmarathonläufer daherkommen.

Kilometer 30 liegt hinter uns, das Laufvolk dicht an dicht. Kurz vor dem Zieldurchlauf laufe ich auf ein Engerla auf, die Susanne Singer sammelt heute wieder Spenden für den Laufclub 21. Es geht unter dem Zielbogen durch und dann...

 

S bressiad wia'd Sau (Endspurt)

 

Eine heute bekannte Rückenansicht, aha, der Gerhard Wally. Geht dem der Saft aus oder liegt es an mir? Eine klaane Ratscherei, dann muss ich weiter. Mit dem Grillmeister an der St. Pauls-Kirche treibe ich Schabernack. Ob sie während der Kirche von den gegrillten „Broudwoschd“ probiert haben, will ich wissen.

Mittlerweile ist es etwas einsam auf der Runde. Von hinten kommen nur wenige Staffelläufer. Kilometer 35, meine Zeit geht nun deutlich in Richtung unter vier Stunden. Ich bin fast dauernd am Überholen. Kilometer 39, mit mir läuft Lars Michalke, der Botschafter für den Seenland Marathon. An der vorletzten Tankstelle bleibt er zum Trinken stehen, ich mache mich vom Acker und renne weiter.

Kilometer 41, die Betreiber der letzten Tanke jubeln, als ich einen Schrei loslasse. Ein Mädel will sogar noch mitrennen, muss aber nach einigen Metern aufgeben. Gleich ist es erledigt, nur noch einmal ums Eck. Und dann laufe ich nach 3.51 Stunden unter dem Zielbanner durch.

 

Zielimpressionen

 

In den folgenden fünf Minuten kommen einige, die ich in der letzten Runde überholt habe. Die Sanitäter haben einen ruhigen Tag, denn viel Arbeit haben wir ihnen wegen der kühlen Witterung nicht verursacht.

Alex Morschhäuser erzählt von seinem Erlebnis: Seine fünf Mitstreiter wollten ein Bier und sind eingekehrt. Er also auch, musste aber wieder auf die Strecke, der Auftrag rief. Da die anderen noch ein zweites Seidla wollten, war er alleine und hat seine Zielvorgabe 4.15 Stunden auch noch unterboten.

Im abgesperrten Bereich gibt es wieder das bekannte Monsterbufett: Apfel- und Kirschstreuselkuchen, Obst, Cola und Bier. Und Sprudelwasser auf Traubenbasis gegen absackenden Blutdruck. Soforturkunden können mitgenommen werden. Massagen sind im Angebot und zum Duschen werden wir mittels Shuttles in eine nahe Sporthalle chauffiert.

Ein sportliches Wochenende. „Basst scho“, mein kurzes und knappes Fazit. Bernd lädt heute schon für den 11./12.06.2016 ein. Dann wird die zehnte Aufführung stattfinden, ein Jubiläum. Ich komme gerne wieder nach Franken, wo die Hasen Hoosn und die Hosen Huusn hassn. Jou werkli.

 

Marathonsieger

 

Männer

1. Siegler, Markus - Kristan 1980 TB 1888 Erlangen 2:36:03
2. Liebelt, Peter BSG Neuburg-Herrenwörth 2:39:19
3. Jakob, Christian FC Deutsche Post 2:46:53

Frauen

1. Hoffmann, Sigrid  2:58:43
2. Kenkenberg, Gabriele Deutsche Bahn 3:15:11
3. Schindler, Eva 3:23:33

377 Finisher

 

12
 
 

Informationen: Metropol Marathon Fürth
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