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Laufberichte

Antons Kyffhäuser Biermarathon

 

 

Noch 14 Kilometer

 

Am Dreiforststein mündet die Halbmarathonstrecke in unseren Kurs ein. Die Halben sind mittlerweile längst auf und davon. Wer noch ein paar Körner aufgespart hat, kann es jetzt laufen lassen. Der Weg ist bestens, die Tendenz ist leicht bergab. Noch 14 Kilometer heißt es auf einem Schild. Fast drei Stunden bin ich jetzt unterwegs. Und es macht Spaß und ich gebe Gas. Ein Streckenfahrzeug, wohl der Lumpensammler, wirbelt mächtig Staub auf. 

 

 

Wir sind jetzt wieder auf dem Rennweg. Auf Höhe des Reisegedenksteines können wir bei einem Blick nach links das Kyffhäuserdenkmal betrachten. Ab Seebersbrunnen (mit Bier für den Bayer) nehmen die Gefälleprozente zu, der Kurs dreht auf südliche Richtung. Wir verlassen den Wald und laufen bergab durch Streuobstwiesen Richtung Udersleben. Der Feldweg wird wieder ruppiger und ist von Regen ausgewaschen. Hinunterbrettern sollte man hier nicht. Der Untergrund wird am Ortseingang von Udersleben nur gering besser. Zumindest hat man in den letzten Jahren das grobschlächtige Kopfsteinpflaster ausgebessert.

An einem großen Gebäude hocken Männer vor einer Bierkiste. Ich lese an einem handgefertigten Schild „Mockelplatz“, kann aber mit dem Wort Mockel nichts anfangen. Sollte wohl eher Gockelplatz heißen. Auf der anderen Seite sitzen die Frauen. Nach meiner Restlogik ist das dann  der Hennenplatz. Kurz danach darf ich mir nochmal ein Bier holen. Wasser, Cola und Iso ist für die anderen. Wir verlassen Udersleben auf dem Zubringerweg zum Flugplatz. Ein Wegweiser zeigt den Stadtpark in fünf Kilometer Entfernung an.

 

 

„Hurry up!“

 

An der übelsten Steigung kurz nach dem Dorfende hat man einem Harry eine Motivationshilfe hingestellt. Hurry up, lese ich. Er möge sich beeilen. „Eine Kurve noch bis ins Ziel“ steht bei einer Harzer Hexe auf dem Shirt. Da laufe ich schnell vorbei, nicht dass ich eins mit dem Wanderstecken übergezogen bekommen.

Heute haben wir Glück mit dem Wind, denn meist kommt er hier von vorne. Es ist windstill, man schwitzt wie ein Bär und könnte sich überflüssiger Kleidung entledigen. Ich schiebe die langen Ärmel zurück. Am Flugplatz endet die Teerstraße, ein zunächst holpriger Feldweg schließt sich an.

 

 

Auslaufen, so meine Devise für die letzten vier Kilometer. Wir laufen in den Stadtwald. Hans Niehoff bietet mir einen Schluck aus seiner letzten Halbe im Rucksack an. Wir lachen beide und ich laufe weiter. Ich sehe einige Blumennester im Stadtwald. Zu Überholmanövern kommt es jetzt nicht mehr. Dann verlassen wir den Stadtwald. Der Untergrund wird wieder grasiger. Das Panoramamuseum am Schlachtberg ist schon zu sehen. 

Letzte Tränke, nochmals ein Bier. Henriette Bauer-Baudis traut sich kein Bier zu nehmen und labt sich am Wasser. Weiter. Wir verlassen den Schlachtberg (271 Meter), dem Ort, wo am 15. Mai 1525 die letzte Schlacht des Bauernkrieges in Mitteldeutschland stattfand. Die Bauern unter der Führung von Thomas Müntzer wurden vernichtend geschlagen. Ein monumentales Panoramabild des Malers Werner Tübke über den Bauernkrieg kann im Museum besichtigt werden. Nun geht es steil die Blutrinne hinunter. Tempo herausnehmen.

In der Stadt laufen wir am Hausmannsturm (aus dem 12. Jahrhundert) vorbei, einer Burg an einem winzigen Bergsporn. Wohnstraßen bringen uns immer weiter in die Stadt hinunter. Fast zum Ende laufen wir auf die Oberkirche zu, die das Stadtbild mit dem schiefen Turm prägt. Durch Gips- und Salzauslaugungen hat der Untergrund so  nachgegeben, dass der 56 Meter hohe Kirchturm mehr als vier Meter Überhang zur Seite hat. Damit ist er schiefer als das berühmte Pendant in Pisa.

Ein kurzer Schlenker im Kurpark bringt mich endlich auf den Schlossplatz, wo ich nach einer Rechtskurve um das Bierzelt unter dem Zieltransparent austrudele. Geschafft. Unter 4.20 Stunden zeigt die Uhr. Passt.

 

 

Zielimpressionen

 

Ich bekomme die Medaille umgehängt und lasse mich beglückwünschen. Gleich daneben können wir uns an der Zielverpflegung laben: Mehrere Sorten Isogetränke, Tee, Kuchen, Salzgebäck. In der Feldküche werden Grillwürste, Steaks und Gulaschsuppe zubereitet. Weizen, Bier und Pils sind im Ausschank. Ja, man mag es hier schon deftig.

 

 

Henriette ist natürlich längst im Ziel, sie konnte im letzten Teil ihrer Strecke einige starke Männer einholen und wurde nur von den führenden Marathonis überholt. „Da kommen wir wieder gerne, und vielleicht können wir noch weitere Läufer aus unserer Region mitbringen“. So ihr Fazit.  Am Abend hotten wir beim Sportlerball ab, dem drohenden Muskelkater wird mit leichten Schrittfolgen begegnet. Dazu gibt es noch ein paar schwarze Biere.

Plätze sind auf jeden Fall bei dieser sehr lohnenden Veranstaltung noch frei, denn 268 Marathonis und 301 Halbmarathonis sind nicht das Ende der Fahnenstangen, auch wenn heute der Teilnehmerrekord gering übertroffen wurde. EinTest für den Rennsteiglauf ist e allemal. Und wer Glück hat, kann sogar mit den Olympiasiegern Waldemar Cierpinski und Nils Schumann plaudern.

Bleibt noch der  Titel dieses Berichtes aufzuklären. Am 23.04.2016 wird gefeiert, 500 Jahre Deutsches Reinheitsgebot und dazu passend der „Tag des Deutschen Bieres“. Vor genau 500 Jahren wurde eine Verordnung erlassen, wonach nur Gerste, Hopfen und Wasser zum Brauen verwendet werden darf.  Die bayerischen Herzöge Wilhelm IV und Ludwig X haben dieses Gesetz in Ingolstadt erlassen und verkündet. Fragt mal eure Freunde beim nächsten Biergenuss nach dem Besonderheit des Jahres 1516, damit die auch wieder mal was lernen.

 

 

Wer ein verlängertes Wochenende in Bad Frankenhausen verbringen will, dem empfehle ich eine Stadtbesichtigung mit Stadtführer (immer sonntags um 10.00 Uhr), einen Besuch des Kyffhäuserdenkmal, der Barbarossahöhle, des Stadtmuseums oder eine Stadterkundung auf eigene Faust. Es lohnt sich.

 

Einen weiteren Laufbericht mit vielen Bildern
gibt es hier auf Trailrunning.de 

 

Marathonsieger


1. Tobias Henkel, USV Erfurt, 2.59.52
2. Renè Große, Rennsteiglaufverein, 3.02.07
3. Holger Müller, Braunschweig, 3.07.43

 

Marathonsiegerinnen

 

1. Christina Fischer, LG eXa Leipzig, 3.30.37
2. Sabine Casimir, AS Neukirchen – Vluyn, 3.49.57
3. Claudia Bräunig, ESV Lok Beucha, 3.54.49

 

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Informationen: Kyffhäuser Bergmarathon
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