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Laufberichte

Im Revier läuft es wieder

12.05.13

Auch wenn es immer heftiger regnet, müssen wir uns auf den Weg zur Startbox machen. Da die Marathonläufer als erste um 9 Uhr starten werden, kann ich mich vorne aufstellen. Die Eliteläufer dürfen natürlich ganz nach vorne. Ich erkenne die Trikots fast aller örtlichen Sportvereine. Für viele ist es eine Ehrensache, hier dabei zu sein.

Hinter uns stellen sich die Staffelläufer auf. Es gibt eine Jedermann-, eine Firmen- und Schulstaffel mit jeweils eigener Wertung. Sie werden dann um 9:20 Uhr starten. Die Schüler teilen sich Streckenabschnitte zwischen 6 und 7 Kilometer. Für sie ist die Teilnahme übrigens kostenlos. Fast 100 Schulen machen von diesem Angebot Gebrauch.

Um 9:30 werden dann noch die Halbmarathonläufer folgen. Für sie gelten 3 Stunden als Sollzeit. Die Marathonläufer haben bis zu 6 Stunden Zeit.

Wir legen zuerst noch eine Schweigeminute für die Opfer von Boston ein. Im Vorfeld wurden hunderte weißer Luftballons an die Läufer verteilt und steigen jetzt als Zeichen der Verbundenheit mit den Opfern in den Himmel.

Um bewusst einen Startschuss zu vermeiden, werden zusammen die letzen 10 Sekunden heruntergezählt und dann erfolgt der Start im Konfettiregen.

In der Starteuphorie sind bald die trüben Gedanken verflogen und wir machen uns unter dem Jubel der Zuschauer auf unseren langen Weg durchs Revier. Zuerst geht es durch die Gelsenkirchener Altstadt und bei Kilometer 3 erreichen wir bereits die Stadtgrenze Essen. Die Stadtteile Katernberg und Stoppenberg wecken bei mir unangenehme Erinnerungen. Bei den früheren Veranstaltungen waren hier immer noch unangenehme Steigungen zu bewältigen. Aber damals befand man sich bereits im letzten Drittel des Marathonlaufes und dann sind Anstiege immer besonders schwierig.

Heute fällt mir die Strecke auf jeden Fall leichter und mit der Zeche Zollverein haben wir bei Kilometer 5 bereits einen touristischen Höhepunkt erreicht. Die Zeche Zollverein gehört zum Weltkulturerbe und bildet mit seinem Förderturm eines der Wahrzeichen dieser Region. Sie war früher die größte Steinkohlenzeche der Welt. Heute ist dieses beeindruckende Industriedenkmal ein Museum, in dem man die Geschichte des Ruhrgebietes nacherleben kann.

Vorbei geht es auch an der alten Kokerei, welche natürlich auch die größte Zentralkokerei Europas war. Hier hat man auch einen der sechs Fanpoints eingerichtet. Ein Rahmenprogramm lockt mit Musik, Moderation und Catering viele Zuschauer an, die jetzt ihre Läufer feiern.

Danach erreichen wir den Abzweig der Halbmarathonstrecke aber für uns geht es über Stoppenberg in die Essener Innenstadt. Wir kommen am Kennedyplatz schon zum nächsten Fanpoint und es wird besonders laut. Bei Kilometer 12 sind wir am Porscheplatz und laufen durch die Essener Rathausgalerie. Hier befinden sich in einem überdachten Einkaufszentrum über 80 Geschäfte und zahlreiche Gastronomiebetriebe. Was für ein Gegensatz zum gerade durchlaufenen Industriegebiet. Hier unterstreicht die Stadt Essen immer noch auf ihren Ruf als DIE Einkaufsstadt im Revier.

Bald verlassen wir die Innenstadt und die Umgebung wird wieder mehr durch  Industrie geprägt. Bei Kilometer 19 gibt es erneut Musik und die Cheerleadergruppe Silver Stars aus Oberhausen bietet zusammen mit einer Sambagruppe etwas fürs Auge.

Seit einiger Zeit laufe ich schon mit Matthias zusammen. Er kommt ebenfalls aus Oberhausen und ist ein begeisterter Triathlet. Er will im nächsten Monat einen doppelten Ironman absolvieren. Au Backe, da ist das heute für ihn nur eine Trainingseinheit. Er hat keine Angst vor der Herausforderung, denn er hat auch bereits einmal die dreifache Distanz in Lehnsan geschafft. Respekt!

Vorbei am riesigen ThyssenKrupp-Gelände geht es über Bergeborbeck  nach Bottrop. Hier erreichen wir die Halbmarathonmarke und überqueren dann mit der A42 den Emscherschnellweg und damit eine der Hauptverkehrsadern des Ruhrgebietes. Da wir über eine Brücke laufen, kann der Verkehrsfluss ungehindert weiter fließen.
Im Vorfeld gab es wohl einige Unruhe unter den Bewohnern einer Wohnsiedlung, die sich durch Absperrungen für den Marathonlauf plötzlich von der Umwelt abgeschnitten sah. Da war sogar von einer Marathondiktatur die Rede. Ja, geht es denn noch?  Nachdem dann durch die Entfernung einiger Poller der Anschluss an die Welt wieder gefunden wurde, legte sich der Sturm der Entrüstung auch ganz schnell. Dafür ist für uns der Wind nun auf der Strecke leider ziemlich böig und erschwert uns das Laufen.

An der Ecke Wellheimer Mark/ Ecke Binsenkamp gibt es den nächsten Fanpoint.
Nun überqueren wir mit dem Rhein-Herne-Kanal die wichtigste Wasserstraße des Reviers. Auf 45,4 Kilometer verbindet er den Rhein mit dem Dortmund-Ems-Kanal.

Weiter geht es zum nächsten Industriepunkt der Kokerei Prosper. Sie ist eine der drei heute noch in Betrieb befindlichen Kokereien. In den 60er Jahren waren es noch 30. Die gewaltigen Dampfwolken geben einen guten Eindruck, wie es früher mal im gesamten Ruhrgebiet ausgesehen haben muss. Mit dem Ende des Steinkohlenbergbaues wird auch dieser Anblick bald nur noch Geschichte sein.

Einen Blick in die mögliche Zukunft können wir in Welheim-Gartenstadt als Teil von „Innovation City“ machen. Im Rahmen eines großen Projektes arbeitet Bottrop daran, zum Vorreiter klimafreundlicher Innovation zu werden. Innerhalb von 10 Jahren will man hier den CO2 Ausstoß für 69.000 Einwohner halbieren. Dafür muss unter anderem die Energieerzeugung und die Heizanlagen auf einen modernen und klimafreundlichen Stand gebracht werden. Das Konzept hierfür steht bereits.

Jetzt geht es auf eine kurze Pendelstrecke und ich entdecke meinen Autorenkollegen Klaus. Noch liegt er hinter mir, aber schon bald wird er an mir vorbeiziehen.

Bei Kilometer 28 sehe ich in der Ferne den Tetraeder. Von einer Halde grüßt eine weithin sichtbare dreiseitige Pyramide. Diese Landmarke ist ein frei begehbarer Aussichtsturm, von dem aus man eine herrliche Aussicht auf das Revier hat.

Wieder geht es mit Gladbeck in eine neue Stadt. An der Heringstraße/Ecke Horsterstraße hat Gladbeck seinen Fanpoint eingerichtet. Bei der flotten Musik werden die müden Beine wieder automatisch schneller auch wenn der Regen jetzt wieder heftiger wird.

Bei Kilometer 33 haben wir den nördlichsten Punkt der Strecke erreicht und treffen mit dem Stadtteil Horst wieder in Gelsenkirchen ein. Richtung Süden laufen wir bald in den Nordsternpark. Dieser teilt sich in einen Gewerbe- und Landschaftspark. Hier verbindet sich wieder Industriekultur mit –geschichte. Vom Nordsternturm grüßt eine 18 Meter hohe und 23 Tonnen schwere Monumentalstatue des kraftstrotzenden Götterlieblings Herkules als Mahnung für die Aufgaben welche auf das Ruhrgebiet im 21. Jahrhundert zukommen werden.

Kraftstrotzend sind im Moment allerdings die wenigsten Läufer hier bei Kilometer 38. Immer mehr Teilnehmer werden jetzt zu kurzeitigen Walkern, da der Untergrund hier aus Split und Kopfsteinpflaster besteht. Gut, dass nun wieder eine Verpflegungsstelle kommt. Da kann man nochmals Kraft für die letzten Kilometer sammeln.

Jetzt kommen wir an der Hauptverwaltung des Hauptsponsors Vivawest vorbei. Mit 130.000 Wohnungen im Bestand  ist es das drittgrößte Wohnungsunternehmen Deutschlands. Der Name passt ja ganz wunderbar zu diesem Marathon. Über die Hans-Böckler-Allee laufen wir die letzten Kilometer wieder mitten durch das Gelsenkirchener Wohngebiet über die Florastraße direkt ins Ziel.

Ich werde durch meine Bergheide Fans lautstark begrüßt und nach 4:24:50 habe ich es geschafft und belege damit Platz 9 in meiner Altersklasse. Ich erhalte meine Finishermedaille und im Zielbereich erwartet mich eine umfangreiche Verpflegungsmeile. Fleischwurstringe, Schnittkuchenbleche, Müsliriegel werden neben diversen Getränken angeboten. Auch alkoholfreies Erdinger wird jetzt natürlich gerne getrunken. Schade, dass es hier keine Sitzgelegenheiten für die erschöpften Läufer gibt.

Bald entdecke ich auch meine Fans und sie erzählen mir von den Erfolgen meiner Vereinsfreunde. Bernd hat in seiner Altersklasse M75 gesiegt und Dieter kann sich über Platz 3 in der M70 freuen. Auch die übrigen haben sich gut geschlagen und sind mit ihren Leistungen zufrieden. Wichtig war doch auch für alle bei dieser Veranstaltung vor der Haustüre dabei zu sein. Im Sportpark erhalte ich schnell meine Wechselkleidung zurück. Auf das Duschen verzichte ich erst einmal.

Mit der S-Bahn geht es wieder zur Arena und von dort über die Autobahn nach Hause. Da kommen wir gerade zum WDR Marathonbericht noch rechtzeitig zurück, und ich bin sogar kurz zu sehen. Anschließend kann ich bereits meine Urkunde online ausdrucken.

 

Fazit:


Der VIVAWEST-Marathon hat seine Bewährungsprobe bestanden. Das neue Konzept ist gut und die Strecke zeigt eine Menge Revier. Hier gibt es eine gute Mischung aus City- und Landschaftslauf. Neben großen Straßen führt der Lauf auch über Feld- und Waldwege sowie stillgelegte Bahntrassen.  Das macht Lust, die einzelnen Höhepunkte nochmals in Ruhe zu besuchen und so das Ruhrgebiet zwischen gestern und morgen zu entdecken. Der Lauf ist gut organisiert und die Strecke nicht langweilig. Die zahlreichen Zuschauer an den Fanpoints sorgen immer wieder im richtigen Moment für einen Motivationsschub. Die Verpflegungsmeile im Ziel lädt zum Verweilen ein.

 

Marathonsieger

 

Männer

1 Neuschwander, Florian (GER) Trierer Stadtlauf e.V. 02:25:57
2 Bröring, Christian (GER) TuS Blau Weiß Lohne 02:41:24
3 Loos, Patrick (GER) LG Mülheim an der Ruhr 02:43:01

Frauen

1 aus der Fünten, Karen (GER) SV schlau.com Saar 05 03:04:53
2 Mordas, Claudia (GER) TUSEM Essen 03:09:00
3 Buß, Cornelia (GER) SG Borken 03:16:56

1195 Finisher

12
 
 

Informationen: Vivawest-Marathon
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