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Laufberichte

Knysna Forest Marathon: Sehnsucht nach dem Fichtelgebirge

07.07.18 Special Event
 

Wenn man als Marathontourist seit zwei Wochen im südlichen Afrika unterwegs ist, sollte man das eine oder andere auch ungewollte Erlebnis einkalkulieren.

Zunächst sind nach dem Finish in Victoria Falls drei Tage in Kapstadt eingeplant. Gleich am ersten Sightseeing-Tag wird mir in der Long Street mitten im Zentrum aus dem Rucksack geschickt und nur durch einen kurzen Stoß vielleicht im Nachhinein nachvollziehbar das Smartphone gestohlen.

Am Folgetag löse ich mein Versprechen gegenüber einer Läuferin aus Johannesburg, mit der ich mich beim Hinflug nach Zimbabwe über den von ihr heuer geplanten Berlin Marathon unterhalten habe, ein und nehme die schwierigste „Wanderroute“ auf den Tafelberg hinauf, um der Ehre eines Läufers  gerecht zu werden und auf die bequeme Seilbahn zu verzichten. Gute zwei Stunden Anstieg über Felsblöcke im steilen Gelände und weitere eineinhalb beim Abstieg sind so kräfteraubend, dass ich am nächsten Tag Schmerzen in den Oberschenkeln beim Gehen habe. Am dritten Tag vergesse ich meine Laufjacke im Hop-on, Hop-off-Bus – die ich mir erst heuer gekauft habe. Aber solche Kleinigkeiten steckt man wie die nächtliche Kälte nur wenige Grade über null im nicht beheizten Viersternhotel Capetown Lodge weg – schließlich bin ich ja primär wegen eines weiteren Marathons nach Südafrika gekommen, der am 7. Juli in Knysna stattfinden wird.

Mit einem Bus fahre ich am 5. Juli ab 6 Uhr früh die ca. 600 km über Westcape und die Garden Route, eines der touristischen Highlights von Südafrika, nach Knysna. Im strengen Sinne verläuft diese Panoramaroute nur ca. 200 km entlang der Küste von Mossel Bay bis zur Mündung des Storm River. Ihren Namen verdankt die zum Nationalpark erhobene Region der vielfältigen und schönen Landschaft, durch die sie führt. Malerische Bergketten, steile Felsen, Seen, lange, weite Sandstrände und eine tlw. üppige Vegetation am Meer kennzeichnen diese Naturkulisse. Zu den Hauptattraktionen zählen u.a. der Tsitsikamma Nationalpark, die Straußenfarmen nahe Oudtshoom und die Lagunen von Knysna. Beliebte Ferienorte sind George, Mossel Bay und Plettenberg Bay.

 

 

Mit einer Verspätung von einer guten Stunde treffe ich in Knysna ein, das an einer rund 21 Quadratkilometer großen Lagune liegt, wo Fische und Austern gezüchtet werden. Durch eine schmale felsige Einfahrt, den Knysna Heads, ist die ca. 50.000 Einwohner zählende Stadt mit dem Indischen Ozean verbunden. Von hier aus kann man zahlreiche Ausflüge unternehmen wie Wale und Delphine beobachten, die einstigen Goldminen von Millwood oder den in allen Reiseführern erwähnten berühmten Knysna Forest aufsuchen. Das (einst!) von dichten Wäldern bedeckte Gebiet zwischen Knysna und Plettenberg ist das größte dieser Art in Südafrika. Hier ist die Heimat des Hartholzbaums Yellowwood, der bis zu 60 m Höhe erreichen kann und dessen nur mehr wenige Bestände teils 700 Jahre alt sind. Auf Wanderungen und Bike-Touren lassen sich die Wälder von Knysna mit ihren verbliebenen Urwaldriesen, Schlingpflanzen und Farnen gut erschließen. Früher sollen in den Wäldern auch Elefanten gelebt haben  – heute kann man kleine Herden im Knysna Elefant Park gefahrlos aufsuchen und sogar mit ihnen auf den Walks entlang spazieren.

Das Knysna Inn, an dem ich vom Busbahnhof kommend vorbei gehe, ist ein schönes, in edler Holzbauweise konstruiertes Hotel – nur  habe ich mich geirrt und stattdessen das auf denselben Namen geführte Guesthouse in der Mainroad gebucht. Das ebenerdige Zimmer mit Kochgelegenheit ist schon beim Betreten so kalt, dass ich an meine Bundesheerzeit als Gebirgsjäger bei Nächtigungen im Freien erinnert werde. Was nimmt man nicht alles in Kauf, um … zu den harten Männern zu gehören?

Der 35. Momentum Knysna Marathon ist Teil des Pick n Pay Knysna Oyster Festival (2.6.- 8.7.2018), zu dem alljährlich Tausende aus Nah und Fern strömen und das den Tourismus im West- und Eastcape fördert. In den internationalen Laufkalendern findet man diesen Bewerb eher nicht, dank eines südafrikanischen Läufers, mit dem ich heuer in Bahrein beim Marathon ins Gespräch kam, wurde ich auf diesen Lauf aufmerksam. Mit 130 Rand (1 Euro = ca. 15 Rand) ist das Startgeld so gering wie bei uns vor 20 Jahren. Ein Long Sleeve wird für 190 Rand zum Kauf angeboten.

Auf dem Rugby-Gelände in Knysna ist buntes Treiben im Gange, es wird getrunken und gegessen, gechillt – und überall dominiert die weiße Gesellschaft. Farbige Südafrikaner scheinen zumindest bei der Startnummernausgabe nicht die Mehrheit wie sonst ganz deutlich bevölkerungsmäßig im gesamten Staatsgebiet mit 1.2 Mio. km² und 56 Mio. Einwohnern zu bilden. Aus allen Teilen des Kaplandes sind die Weißen, vor dem Ende der Apartheitpolitik über Jahrhunderte die dominierende Oberschichte, zum Fest gekommen. Im Lokal Olden’s in Knysna hielt sich gestern Abend beim Match Belgien gegen Brasilien kein einziger Farbiger auf.

Beim Marathon ist eine Cut-Off-Zeit von 5 ½ h (für die Halbdistanz 3 ½ h) vorgesehen. Ich bekomme an einem Stand um 270 Rand ein Kurzarmshirt in den Farben der Flagge des Landes, das ich bei einem meiner nächsten Marathons einweihen möchte. Südafrika ist weit weg von Europa, zwar ist heute fast jede Destination in der Welt verkehrstechnisch erreichbar, doch man reist eher in die USA oder nach Asien als auf die andere Seite des Globus. Leider geht dem Land auch der Ruf voraus, nicht sicher zu sein. Der Uber-Fahrer warnte mich und eine Mitfahrerin aus Bolivien, dass wir in Kapstadt nicht des Nachts uns vom Hotel wegbewegen sollen – selbst im Zentrum sei man nicht sicher vor Diebstahl und einem bewaffneten Raubüberfall.

 

Mein Renntag

 

Ich habe genau dieses Problem am Renntag, um an den Start zu kommen. Bis 6 Uhr früh sollte man im Loeri-Park sein, der von meiner Unterkunft ca. 3-4 km entfernt ist. Ein Shuttle-Bus wird nicht angeboten, weil alle (einheimischen) Teilnehmer mit dem eigenen PKW dorthin kommen. So mache ich mich um 5 Uhr auf dem Wege durch das nächtliche Knysna. Wie schon in Johannesburg und Kapstadt wahrgenommen, sind stets irgendwelche dunkle Gestalten unterwegs anzutreffen – es gibt welche, die in einer Nische notdürftig einen Schlafplatz aufgebaut haben, andere wiederum schleichen durch die Gegend auf Ausschau nach irgendetwas Brauchbarem.

Auf der linken Seite der beleuchteten Ausfahrtstraße zur N2 sind um diese Uhrzeit ununterbrochen Autos unterwegs. Das gibt mir Sicherheit. Als ich mir dann zwei weiße Nachtschwärmer mit Bierdosen in der Hand entgegenkommen und sich vor mir erschrecken, weiß ich, dass ich heil ankommen werde.

Die Veranstalter haben alle verfügbaren Minibusse als Sammeltaxis gechartert, die uns Läufer nun vom Loeri-Park weg in den Knysna Forest bringen. Es ist um 6 Uhr früh nicht nur stockfinster gemäß den umgekehrten Jahreszeiten auf der Südhalbkugel, sondern auch eiskalt – die  Scheiben der parkenden Autos sind mit Raureif beschlagen wie bei uns im Winter. Meine Hände fühlen sich an, als seien sie eben gefroren. Zehn Personen passen in so einen Minibus.  Der Fahrer hat das Radio so laut aufgedreht, dass mir in der vordersten Reihe sitzend bald die Ohren dröhnen. Wir fahren durch finstere Vororte mit tlw. Favela-artigen Siedlungen wie ich sie 2005 in Rio de Janeiro gesehen habe.

 

 

Nach einer gutem Viertelstunde Fahrt kommen wir im Startbereich an – an die ersten 2000 werden dicke, rot gefärbte Decken gegen die Kälte verteilt, die nachher wieder eingesammelt und an Bedürftige verteilt werden sollen.  Bis zum eigentlichen Startbereich sind noch einige Hundert Meter zurückzulegen – dank der Stirnlampen einiger Läufer kommen wir gut voran.

Der Start des Marathons ist für 7 Uhr festgesetzt, eine Stunde später wird es für die Halbmarathonläufer losgehen. Ich probiere mit und ohne Blitzlicht zu fotografieren – ein paar Fotos müssen sein.  Marianne hat mich gestern aufmerksam gemacht, dass der Marathon auf den ersten 10 km immer aufwärts führen, man aber den Anstieg abschnittsweise gar nicht bemerken würde.  Erwähnt hat sie auch, dass fast die gesamten 42 km auf Schotterstraßen und befestigten Waldwegen verlaufen würden.

Seitwärts am Streckenrand haben sich einige Farbige, zumeist Jugendliche, postiert, die darauf warten, dass die Läuferinnen und Läufer Wärmedecken, Jacken, verwertbare Kleidungsstücke wegwerfen, sobald ihnen infolge der körperlichen Anstrengung warm geworden ist. Hier fällt für die Kleidersammler bestimmt einiges ab.

Ich spüre den Anstieg sehr wohl, doch infolge der Kälte dauert es bei mir viel länger, bis ich sozusagen auftaue. Daher kann ich das eher langsame Tempo des Hauptfeldes gut mithalten, ohne mich schon auf den ersten  Kilometern anstrengen zu müssen. In der Dunkelheit sieht man fast nichts, doch der Sonnenaufgang hat schon eingesetzt. Der Himmel hoch über den Bäumen erscheint in einem zarten Graublau, die Strahlen der insgesamt tief stehenden Wintersonne  werden auch zu Mittag nicht in den Wald vordringen. Marianne hat angekündigt, dass die Marathonläuferinnen und -läufer im Knysna Forest „only pure nature“ zu Gesicht bekommen werden – einstweilen sieht es danach aus.

Die Kilometeranzeigen in Form von Tafeln sind links der Strecke aufgestellt – bei Kilometer 39 denke ich mir, dass wir dann auf einer möglichen zweiten Runde  eine zum Tempobolzen geeignete Strecke haben werden. Aber eine Kollegin, mit der ich ein wenig plaudere, schafft Klarheit: der Knysna-Marathon wird in einer großen Runde mit vielen Anstiegen dgelaufen, die Kilometerzählung erfolgt absteigend, d.h. man beginnt bei Kilometer 42 und weist jeden noch verbliebenen Folgekilometer aus. Das ist gewöhnungsbedürftig, wird aber auch in unseren Breiten gelegentlich so gehandhabt.

Sobald es ein wenig flacher wird, versuchen alle Tempo zu machen – Schotterstraßen sind meine Sache nicht, aber ich kann gut mithalten. Wir haben zwei Startnummern erhalten, eine sollte hinten am Shirt befestigt werden – dem bin ich nicht nachgekommen. Bei anderen hingegen erkennt man so, in welcher Altersgruppe jemand läuft.

Ein 60er zieht mit seinem Partner an mir vorbei – ich bleibe dran. Nach einer Weile klopfe ich ihm auf die Schulter und sage mit Bezug zu seiner roten Startnummer 275: „You’d better slow down, your pulse rate seems to be too high …“ Der kleine Gag kommt gut an – aber bevor ich durchschnaufen kann, legen die beiden wieder los.

An den Labestellen wird Wasser,  eingeschweißt in Plastikbeuteln,  ausgegeben.  Iso und Cola hingegen wird in Bechern angeboten. Noch nicht erwähnt habe ich, dass während des Marathons in Victoria Falls Affen über den Balkon in mein Zimmer eindrangen und Schaden anrichteten – so haben sie meine Gels ausgelutscht, Zahnpasta verspeist, meine Perskindol-Tube weggebracht, eine Jacke zerrissen und leider auch Fäkalien zurückgelassen.  Aber bei der Expo in Knysna konnte man GU-Gels kaufen, so habe ich heute für den Notfall drei Päckchen in der Bauchtasche dabei.

Nach 5 km zeigt meine Uhr bereits verstrichene 34 Minuten an – die Aufwärtspassagen bremsen, damit muss man rechnen. Eine Läuferin erzählt, dass sie heute ihren erst dritten Marathon laufe, ihr Gatte aber sehr schnell unterwegs sei und eine Zeit um 3:30 anstrebe. Sie könne wegen der beiden Kleinkinder nicht so viel trainieren. Ich sage, dass ich auch nicht dazukomme und beschleunige das Tempo, sie fällt zurück.

 

 

Als es nach einer Stunde deutlich heller wird, bemerkt man, dass der als Urwald gepriesene Knysna Forest gewaltige Forstschäden aufweist – hervorgerufen durch Stürme, Brände, zumeist aber nach brutaler Rodung ohne Aufforstung. Ganze Berghänge sind durch Kahlschlag abgeholzt worden, das ist mir schon bei der Busfahrt nach Knysna aufgefallen. Wie majestätisch schön ist im Vergleich  doch das Fichtelgebirge – das sage ich als österreichischer Älpler.

Nach mehr als 12 km kommen uns auf der linken Seite die zu diesem Zeitpunkt voranliegenden Läuferinnen und Läufer entgegen. Bis zur Wende sind noch 1 ½ km zurückzulegen.  Eigentlich beachtlich, wie viele der geschätzt ca. 1000 Starter vor mir liegen – und das nach eineinhalb Stunden Laufzeit. Nachdem auch ich gewendet habe, kommt mir die junge Mutter von zwei Kleinkindern entgegen – wir winken uns zu. Ob sie die Cut-off-Zeit von 5:30 h schaffen wird? 27 km sind laut Tafel noch zu laufen.

Nun folgt eine längere Laufstrecke, auf der ich ordentlich aufholen kann – es geht ziemlich steil bergab. Manche, die leichtfüßig eben noch Tempo machten, krebsen nun übervorsichtig auf diesem auch steinigen Kurs hinunter. So hole ich viele wieder ein, die eigentlich schon über alle Berge sein sollten. Die Tafel zeigt 25 km – schön wär’s, wenn es andersrum wäre – ich habe aber erst 17 km geschafft, noch nicht mal den Halben. Bis es dann soweit ist, folgen noch einige steile Abschnitte, die alle in der Runde nur im Gehen bewältigen. 2:31 h zeigt die Uhr nach 21,1 km an, ein paar Hundert Läufer sollten noch hinter mir liegen.

Nach 22 km kommen wir auf eine komplett abgeholzte großflächige Waldlichtung. Der blaue Himmel ohne eine einzige Wolke am Horizont scheint nahtlos in die grünbraune Landschaft überzugehen, die Morgensonne schafft eine Atmosphäre der Ruhe. Hier ist ja Winter, die Natur ruht. Erneut bin ich entsetzt, wie hier Forstwirtschaft verstanden und betrieben wird – da ich aus einer waldreichen Gegend komme, bin ich schon als Kind dank meines Vaters mit der Holzwirtschaft konfrontiert worden.  Hier im Knyna Forest werden viele Versäumnisse in Kauf genommen – vielleicht steckt auch Bodenspekulation dahinter und man setzt auf Bauland in Erwartung.

Die Tafel zeigt 18 km an – jetzt passt es mir, denn 24 km haben wir schon geschafft. Ein Kollege in meiner Altersgruppe kündigt ein längeres Teilstück an, auf dem wir abwärts laufen werden. Ich sehe nun wieder meine Stunde gekommen und werde diese Passage,  so schnell ich kann, in Angriff nehmen. Ein schönes Gefühl, wenn man wieder alle einholt, die  bereits deutlich Kilometer vorne lagen – darunter auch die hübsche Kollegin mit der bunten langen Lauftight im Blumenmuster. 15 km liegen noch vor uns – und es geht weiter auf Schotter und wegen der Unebenheiten nicht zu unterschätzenden Laufstrecke nach unten. Gerade vorhin bin ich gestolpert und konnte nur durch eine schnelle ausgleichende Vorwärtsbewegung einen Sturz verhindern.

 

 

Als dann der Kurs wieder ansteigt, schließt die Meute tlw. wieder auf – aber nur ein kleiner Teil kommt nach, die meisten sind zurückgefallen. Es folgt eine lange Gerade auf einem abgeholzten Bergkamm, der links und rechts vom Sträuchern und Buschwerk bedeckt ist. Zwei M-50er versuchen sich an mir dranzuhängen. Ich kann sie abwehren – da der Kurs bald wieder ein leichtes Abwärtsgefälle bekommt. 13 km liegen noch vor uns, aber immer wieder wird der Marathon durch relativ steile Anstiege auf Forststraßen erschwert, auf denen man die eben gewonnene Zeit von ein oder zwei Minuten bald wieder verliert.

Wir treffen auf schwer bepackte Wanderer, auch eine Bikerin ist unterwegs. Es folgt eine Abwärtspassage und ich kann wieder das Lauftempo erhöhen.  Kaum unten angelangt, marschieren wieder alle den Berg hinauf. Die GPS-Uhr zeigt nach 32,5 km 3:51 h an. Meine Richtzeit für eine sub 5 Finisherzeit sind max. 4:10 h nach 35 km. Diese wird sich heute nicht mehr ausgehen.

Beim Simola-Golfclub ist der höchste Punkt erreicht, die Aussicht von hier oben ist so weitläufig und schön wie bei uns der Blick von einer Anhöhe an einem klaren Herbsttag hinunter ins Tal. Auf den letzten 7 km wird es – wie man aus der Ferne erkennen kann – zunächst talabwärts gehen und dann entlang einer asphaltierten Durchzugstraße zum Zielbereich in Knysna.  Die beiden M-50er, die mich vor einer Stunde schon überlaufen wollten, sind wieder nahe an mich herangekommen. Noch kann ich sie abwehren, aber nach der Labestation legen sie jenes Tempo vor, das geübte Ultraläufer so beherrschen – ein konstante 6er-Zeit am Ende eines Marathons. Sie sind einfach zu schnell für mich. Zwar komme ich auch selbst an mehreren nur mehr auf Gehen ausgerichtete Kollegen vorbei, aber auch bei mir ist die Luft inzwischen ziemlich draußen. Ein anderer M-60er will sich auf den letzten 4 km mit mir messen – diesen Wettkampf unter Altersgenossen nehme ich gerne an. Auf meiner Uhr sind 41 km schon erreicht, wir kommen zur letzten Labe offiziell 2 km vor dem Ziel.

Ich bleibe immer dicht hinter dem Kollegen, 500 m vor dem Ziel lege ich einen Sprint ein, dem er nichts entgegenzusetzen hat. Zum Fotografieren bin ich dadurch nicht gekommen, das werde ich hier im Ziel nun nachholen.

Es gibt angeblich drei Arten von Medaillen beim Knysna Forest Marathon:  Die goldene für die Schnellen, dahinter Silber und Bronze. Doch trotz meine 5:12 h bekomme ich auch die goldene ausgehändigt. Vielleicht will man mir als Ausländer eine Freude machen. Zwar gibt es Cola in Dosen im Ziel, auch Wasser in kleinen 0,3 l Flaschen, aber eine üppige Verköstigung ist bei einem Startgeld von 10 Euro nicht zu erwarten. Daher nutzen viele das Grill-Angebot von Pick n Pay und essen an diesem festzeltartigen Stand. Ich hingegen eile zum Knysna Inn, um mich zu duschen – und komme dann gegen 13 Uhr 30 wieder zurück, um vom 35. Knysna Forest Marathon noch einig Impressionen mitzunehmen.

 

Mein Fazit:

Für Läufer, die (auch) aufs Ländersammeln aus sind, ist der Knysna Forest Marathon bestimmt interessant. Sportlich gesehen haben andere Läufe hier eine weitaus größere Bedeutung und internationale Wertschätzung wie bspw. der Kapstadt-Marathon im September oder der Comrades-Ultramarathon über ca. 90 km je nach Start (in Durban oder Pietermaritzburg) im Juni (M4Y-Kollegin Birgit Fender hat hier schon mehrmals teilgenommen und darüber berichtet). Knysna ist dennoch eine attraktive touristisch gut erschlossene Region, die man auf der Garden Route nicht auslassen sollte.

Der Marathonkurs gleicht  abschnittsweise einem Trail und ist m.E. deutlich schwieriger als z.B. letzte Woche der Lauf in Victoria Falls. Doch man sieht auf der Strecke außer rudimentären und abgeholzten Waldstücken wenig – erst auf der Anhöhe vor der Stadt hat man einen traumhaften Blick auf die umliegenden Erhebungen und ins Tal. Die es sich leisten können, lassen sich auf den abgeholzten Anhöhen ihre Villen bauen – Knysna, ein Natursymbiose mit wenigen Urwaldresten und vielen modernen Villen, die laut Travelguide wunderbar zueinander passen – oder doch nicht?

Ich setze meine Marathonreise demnächst fort – es geht wieder in nördlichere Breitengrade.

Siegerliste Männer:
1. John April – 02:34:48  
2. Andre Ketchem  – 02:35:43
3. Mzolisi Makhanda – 02:36:22

Frauenwertung:
1. Alex Tasker –  02:46:45
2. Adele Broodryk – 03:14:33
3. Claire Horner – 03:18:04

726 Finisher beim Marathon (der letzte benötigte 06:05:14),
5.269 Finisher (!) beim Halbmarathon

 


 

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