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Laufberichte

Beirut Marathon: Get-together des Country Marathon Club

11.11.18 Special Event
 

Am Gate B62 in Frankfurt beim Boarding in den Lufthansa Airbus A321-200 winkt mir Lichu Sloan aus den USA von weitem zu, sie ist ebenso mit ihrem Ehemann auf dem Wege in die libanesische Hauptstadt wie Rico Bogacz, der mit einer Jacke des 100 MC DEU auffällt.

Wie es der Zufall so mit sich bringt, sitzen Rico und ich in einer Reihe, so vergehen die angesetzten 3:50 h Flugzeit beim Marathon-Smalltalk wirklich kurzweilig. Als wir dann bei der Einreise in der Warteschlange stehen, wird klar, dass im Flieger gleich mehrere Dutzend Läuferinnen und Läufer gesessen sind. Deborah Lazerson, eine Amerikanerin aus LA, erzählt, dass sie leider nur für das Wochenende frei bekommen hat, sonst wäre sie gerne den Sonntag darauf in Kuwait an den Start gegangen. Und eine hübsche junge Frau, aus München angereist, schaltet sich ins Gespräch ein und ergänzt, dass sie hier übermorgen ihren 35. Marathon insgesamt bestreiten wird und sich schon sehr darauf freut. Rico bringt es heuer schon auf 51 Rennen, ich habe Beirut für meinen 42. Marathon in diesem Jahr ausgesucht.

Jetzt um 18 Uhr ist es draußen schon Nacht geworden, im Libanon gehen die Uhren um eine Stunde vor. Überall am Flughafen bzw. an strategischen Stellen stehen bewaffnete Militärs. Man könnte annehmen, dass sich das nur 10.452 km² große und ca. 6, 5 Mio. Einwohner zählende, im Norden und Osten an Syrien sowie im Süden an Israel grenzende Land, das einst als die „Schweiz des Nahen Ostens“ bezeichnet wurde, nach wie vor in einer Art Kriegszustand befindet. Der 20 Jahre andauernde Bürgerkrieg von 1970 bis 1990 unter Beteiligung der PLO sowie Israels, der die Hauptstadt schwer zerstörte und das Land in ein Chaos stürzte, die Bombenanschläge der Hisbollah von 2004 bis 2008 und der Syrienkrieg in der jüngsten Vergangenheit, der Hundertausende Flüchtlinge auch in den Libanon vertrieb, sind für eine gewisse nachwirkende staatliche und politische Instabilität der gesamten Region verantwortlich. Saudi Arabien gilt als Verbündeter der libanesischen Regierung, auch Frankreich unterhält traditionelle politische Beziehungen zum Libanon. Das Verhältnis zu Israel hingegen ist von Konflikten und Kriegshandlungen geprägt.

Wir beheben am Bankomaten libanesische Pfund – für einen Euro bekommt man ca. 1.700 LBP. Aber USD sind hier zumindest ein inoffiziell anerkanntes Zahlungsmittel. Ich habe für drei Nächte das Hotel Mayflower im Hamra-Viertel gebucht. Bereits beim Einchecken merke ich, dass meine Wahl diesmal ziemlich danebengegangen ist – der Standard ist niedriger als beschrieben. Ich grüble beim Abendessen, wie ich den morgigen Samstag effizient gestalten werde. Fest steht, dass ich mir die Fixpunkte des Marathons vorher ansehen will, nämlich den laut Plan ca. 1,5 km vom Start beim Jachthafen entfernten Zielbereich am Märtyrerplatz in der Innenstadt von Beirut und anschließend zur Expo beim Alten Bahnhof im Stadtteil Mar Mikhael gelangen muss, um die Startunterlagen abzuholen.

 

Sightseeing-Walk am Marathonkurs

 

Entlang der morgen am Anfang des Marathons zu laufenden Strecke direkt am Meer sind neben der libanesischen Fahne an Masten viele auffallende Markierungen, Skulpturen und Plakate angebracht, die das Rennen bewerben und auch animierend sind – bei dem schönen Wetter mit spürbaren 20 Grad C heute bereits um 10 Uhr vormittags könnte man auch einen Gusto für ein Sonnenbad bekommen. Doch die Küste ist hier auf diesem Abschnitt felsig, einen Sandstrand gibt es an der Corniche auch. Dutzende Einheimische verbringen den Tag beim Fischen. Ich gehe an vielen teuren Autos vorbei, deutsche Marken sind im Libanon besonders. Die zu meiner Rechten befindliche Amerikanische Universität (AUB) ist mit ca. 7.000 Studenten einer der wichtigsten akademischen Bildungseinrichtungen im Nahen Osten – ein Aufenthalt in den USA zwecks Fortsetzung des Studiums ist somit möglich und begehrt.

Der Weg zum Märtyrerplatz führt mich an den Beirut Souks vorbei – es handelt sich nicht wie im traditionellen Sinne um einen orientalischen Markt mit den üblichen, fast schon klischeehaften Angeboten von Obst, über Fleisch bis hin zu Textilien und Schmuck, sondern um eine hypermodernes Einkaufszentrum mit zahlreichen internationalen Labels, auch Swarovski ist in Beirut ansässig. Fotomotive gibt es genug, viele Touristen sind unterwegs. Die libanesische Fahne mit der Zeder in der Mitte ist auf Regierungsgebäuden angebracht. Dieser immergrüne Baum kann Wuchshöhen von 30 m erreichen und Hunderte Jahre alt werden kann. In der Antike wurde die Zeder zum Schiffsbau genutzt.

 

 

Restaurierte christlich-orthodoxe Kirchen, auch muslimische sakrale Bauten resp. Moscheen sind hier inmitten moderne Gebäude anzutreffen. Die Kathedrale Sankt Georg ist das älteste noch bestehende Kirchengebäude Beiruts und Sitz des Metropoliten. Unterhalb der Kirche befindet sich ein archäologisches Museum. Die sunnitische Mohammed-al-Amin-Moschee befindet sich am Platz der Märtyrer, unmittelbar neben der griechisch-orthodoxen St.-Georgs-Kathedrale. Diese Freitagsmoschee erinnert an die Hagia Sophia in Istanbul, ihre blaue Kuppel ist 42 Meter hoch, ihre vier Minarette ragen 72 m in die Höhe. Morgen wird sie den imposanten Hintergrund für ein Zielfoto bilden.

Der ebenfalls oft fotografierte Uhrenturm ist ein Wahrzeichen in der Innenstadt von Beirut. Er befindet sich auf dem Sternplatz in direkter Nachbarschaft zur libanesischen Nationalversammlung und zur Kathedrale St. Georg.
Ich gehe am Gehsteig der heute noch stark befahrenen, ca. 500 m vom Meer entfernten Durchzugsstraße weiter. Genau hier werden wir morgen auch laufen, ich erkunde also die Laufstrecke. Aber wieder dauert es ca. fast eine Stunde,  bis ich nach mühsamen Durchfragens (niemand kennt den aufgelassenen Bahnhof im Viertel Mar Mikhaël) endlich zur Expo komme. Am Weg entlang bin ich an etlichen ausländischen Handelsvertretungen vorbei gekommen, vor allem auch namhafte deutsche Autofirmen sind in Beirut zentral präsent. Ein geparkter, 40 Jahre alter, arg zerbeulter hellblauer VW-Käfer erinnert mich daran, dass  Volkswagen ein Sponsor des Beirut Marathons ist.

 

Startnummerausgabe ohne viel Trara


Die Expo wird auch heute wieder bis 22 Uhr offen sein, das ist ein lobenswerter Service, denn Teilnehmer aus Übersee kommen zumeist erst am Abend in Beirut an. Auf einem Leuchtschirm ist die Marathonstrecke übersichtlich angezeigt – ich zähle fünf U-Turns,  auf solchen 180 Grad Wendepunkten wird es zu Begegnungen kommen. Bei einem Stand des Pyramidenmarathons von Kairo bleibe ich stehen – nur ist der 15. Februar 2019 bei mir schon verplant. Der am 11. Januar stattfindende Marathon in Luxor wäre auch interessant.

Inzwischen sind fast alle Ländersammler, die sich angesagt haben, eingetrudelt. Ein Unbeteiligter wird gebeten, hintereinander mit den ihm gereichten Smartphones und Digicams Gruppenfotos zu machen. Inzwischen hat es draußen zu regnen begonnen, viele der Ankommenden sind durchnässt. Um 17 Uhr ist es schlagartig dunkel geworden. Ich warte nicht auf die um 18 Uhr beginnende Pastaparty, für die es einen Bon im Umschlag gibt. Mit zwei klapprigen Minibussen fahre zum Preis von je 1.000 LBP (60 Cents) in Etappen nach Hamra ins Mayflower zurück.

 

 

 

Mein Renntag

 

Ein Angestellter des Hotels chauffiert mich um vereinbarte 13 USD zum Start – ab 6 Uhr werden alle Straßen gesperrt sein, auf denen gelaufen wird. Es ist um diese Uhrzeit noch stockfinster, doch der Zustrom zum Startbereich von allen Richtungen ist nicht zu übersehen. Ich unterhalte mich mit Unto, der mit 66 noch berufstätig ist und inzwischen 83 Länder verbucht. Die Countrysammler sind eine eigene Species, das ist mir inzwischen aufgefallen. Ich selbst bin erst seit zwei Jahren dabei und habe mein Kontingent auf mittlerweile 63 Länder (alleine über 10 neue in diesem Jahr) ausgebaut. Die Kollegen leben für ihr Ziel, „live for your visions“. Das ist auch ein Wahlspruch des Beirut Marathons, der seit 2003 und bereits zum 11. Male stattfindet. Zahlreiche akkreditierte Botschafter und Diplomaten nehmen auch heuer wieder daran teil – in den letzten Jahren waren prominente Sportlerinnen und Sportler wie Sebastian Coe, Paula Radcliffe, Haile Gebrselassie, Edwin Moses, Tega Laroupe oder Paul Tergat die Ehrengäste.

Nun wird im abgesperrten Areal aufgewärmt, auf der Bühne werden die Pacer vorgestellt – auch einer für 5 h ist dabei. Bei ca. 300 Höhenmetern und einem leicht welligen Kurs wäre ich mit einer Finisherzeit auch knapp darüber eigentlich zufrieden. Die Rollstuhlsportler über die Marathondistanz starten 10 Minuten vor uns, Punkt 6 Uhr 30 (nach MEZ noch eine Stunde früher) geht es für die Läuferinnen und Läufer einschließlich der Staffelläufer los. Die Rennen auf den kürzeren Distanzen starten auf z.T. unterschiedlichen Strecken später – der Halbmarathon bspw. ist für 7 Uhr angesetzt.

 

 

Ich nehme das Rennen aus einem Startplatz im Mittelfeld auf. Die nach Westen führende Strecke bin ich gestern entlangspaziert. Nach US-amerikanischem Vorbild sind einige Healthcare-Stationen aufgebaut, auch das libanesische Rote Kreuz ist vertreten. Die ersten 3 km auf dem Paris Boulevard bis zum Leuchtturm sind im Nu geschafft. Die Wende wird schon 100 m vorher angezeigt. Unto liegt wie die anderen finnischen Kollegen etwas zurück, Doris sehe ich vor mir. Ich schließe zu ihr auf, wir laufen bis zur ersten Labe zusammen – Wasser (in Miniflaschen) wird laut Plan alle 2.5 km ausgegeben. Die jugendlichen Staffelläuferinnen und -läufer legen sich besonders ins Zeug.

Nach ca. 6 km kommen wir in die Nähe des Startbereiches, der Kurs dreht dann in Richtung Innenstadt. Der leichte Anstieg in die Downtown von Beirut, wo sich auch das Regierungsviertel befindet, ist gut zu erkennen. Gegenüber vom Märtyrerplatz werden 7 km erreicht, wir laufen beim Zielareal, wo sich nun zwei Dutzend Zelte befinden, vorbei. Wie gestern beim Spazieren und Inspizieren kommen wir so zum Mar Mikhaël, inzwischen ein trendiger Stadtteil von Beirut. An der Aquafina Waterstation gibt es auch Bananen und Gatorade – es fällt einem positiv auf, dass der Versorgung bei diesem Marathon seitens der Veranstalter eine besondere Aufmerksamkeit gilt.

 

 

Hinter uns nähert sich ein Einsatzfahrzeug mit Hupsignal, die schnellen Halbmarathonis werden eskortiert. Inzwischen ist auch der 4:30er-Pacer mit zwei Dutzend im Schlepptau nachgekommen. Ich bleibe einen Kilometer an der Gruppe dran. Knapp vor dem Anstieg auf eine Brücke über den an dieser Stelle zugemauerten Beirut-River hole ich Doris wieder ein. Der nun anschließende Abschnitt in einer wirtschaftlich genutzten Zone mit Verladestationen und Industrieanlagen zählt sicher nicht zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Doch einen Vorteil hat die Kursführung: Wieder haben wir eine Begegnungszone – uns kommen die Schnellen aus der Marathonelitegruppe entgegen, und auch manche aus dem um eine halbe Stunde später gestarteten Halbmarathon.

Bei der 14 km-Marke ändert sich der Kursverlauf: Während die Marathonis ihren Lauf in der städtischen Einöde geradeaus fortsetzen und erst einen Kilometer später wenden, drehen die „Halben“ bereits hier um. Rico zischt uns auf der anderen Straßenseite entgegen. Noch vor der 18 km-Anzeige sind die Halbmarathonläufer zurück in Richtung Ziel am Märtyrerplatz abgebogen, nun hat sich das Feld gelichtet. Ich erreiche die Halbdistanz laut Garmin in 2:17 h, da ist noch einiges drinnen. Erneut geht es in östliche Richtung, durch Wohngebiet mit Betonbauten und einigen kleinen Läden, fernab von irgendwelchen touristischen oder baulichen Highlights. Hier sind auch keine Armeeangehörige zur Bewachung postiert, die Menschen nehmen am Marathongeschehen keinen Anteil. Mario kommt uns auf der anderen Seite entgegen, er liegt wohl schon vier oder fünf Kilometer vor mir und ist wie gewohnt auch heute wieder super unterwegs.

Esa und Jorma blödeln beim Laufen, sie fotografieren sich gegenseitig. So komme ich ihnen immer wieder nach. Nach der 26 km-Anzeige wird erneut gewendet, es geht auf der Begegnungsstrecke, auf der immer noch Nachzügler unterwegs sind, wieder stadteinwärts. Im Stadtteil Jal el Dib leben fast ausschließlich Christen, wie überhaupt die religiöse Vielfalt und Toleranz im Libanon stark ausgeprägt ist. Zwischen den Vororten Jdeideh und Bouchrieh befindet sich die 30 km-Tafel.

 

 

Im vorwiegend von Armeniern bewohnten Stadtteil Bourj Hammoud hat man das Gefühl, als interessiere der Marathon hier niemand. Menschen kommen uns auf der Laufstrecke entgegen, Geschäftsleute sitzen auf den Stufen und warten wegen der vorbildlich eingehaltenen Straßensperre wohl noch einige Stunden auf Kundschaft. Der Marathonkurs führt hier auch durch Stadtbereiche mit verfallenen, einsturzgefährdeten Häusern, in denen aber Menschen leben. Von Slums zu sprechen, wäre vielleicht etwas überspitzt, Elendsviertel daher das geeignetere Wort. In den Seitengassen türmen sich die Abfälle.

Ich verliere den Anschluss an die Finnen, mir macht die Hitze zu schaffen. Ich leere eine Flasche Wasser über meinen Kopf, das kühlt. Zum zweiten Male geht es auf eine Brücke über den sehr wenig Wasser führenden Beirut River, nun kann man das völlig zubetonierte Flussbett gut ausmachen. Der Marathonkurs dreht nach Süden. Auf der anderen Seite kommen uns die rund 5 km vor uns liegenden Läuferinnen und Läufer entgegen. Die Strecke ist hier relativ flach, der Asphalt in gutem Zustand. Das beflügelt mich.

Wir kommen an einem überdachten orientalischen Markt vorbei, an den Ständen hinter den Mauern herrscht viel Betrieb. Ein Kontrast dazu bietet das Beirut Art Center,  wo zeitgenössische Kunst ausgestellt wird. Timo brüllt zu mir rüber, sein Vorsprung beträgt gut zwei Kilometer. Zu meiner Rechten sehe ich auch Doris und die für die andere Laufrichtung geltende 37 km-Anzeige. Nächsten Sonntag werden beide in Kuwait antreten.

Es geht nun nach Westen in Richtung Märtyrerplatz – vorbei beim hippen, alternativen Stadtteil Mar Mikhaël auf einem ziemlich ansteigenden Abschnitt. 40 km in 4:26 zeigt die Uhr, aber aufwärts kann ich nur schnell gehen wie etliche vor mir, die ich einhole. Es zieht sich wieder einmal alles in die Länge, die verbliebenen 2.195 m scheinen kein Ende zu haben. Ein junger Mann will mich anspornen, als er im Vorbeilaufen schreit: „You can do it!“  Von dem gehe ich jedes Mal bei einem Marathonstart aus, aber in diesem Jahr zumeist auf Kosten einer besseren Laufzeit.

 

 

In Anbetracht des welligen Kurses mit 300 Höhenmetern könnte man meine 5:12 h als altersadäquate Leistung bewerten. Das Zielareal ist weitläufig abgesperrt, die Medaille aus Messing ist richtig schwer, auf die Wärmefolie verzichte ich. Meinen Kleiderbeutel bekomme ich rasch ausgehändigt, obwohl ich beim Laufen den Aufkleber verloren habe. Ein kleines Säckchen mit einigen Utensilien – auch eine Wasserflasche ist enthalten – nehme ich gerne entgegen. In den Zelten herrscht reger Betrieb: Massage, Catering, Get-to-gether in Gruppen ist im Gange.

Ich bin bereits um 14 Uhr wieder im Hotel, ich habe ein Schlafdefizit und möchte mich ausruhen. Als ich am Abend wieder in Tonys Lokal um die Ecke esse, fragt er, ob ich Erster geworden bin. Die „Live Results“ sind bereits am Nachmittag auf der Website zu finden, das ist ein weiterer toller Service.

 

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Was spricht für eine Teilnahme am Beirut Marathon?

Die internationale Ausrichtung dieses Laufspektakels an der Levanteküste hat im Sinne der Veranstalter zu einer Zunahme der Teilnehmerzahlen geführt. Die Laufbegeisterung in einer vom Verkehr geplagten und Abgasen eingehüllten Großstadt wie Beirut mit wenig Trainingsmöglichkeiten (abgesehen vom breiten Gehweg entlang der Corniche) war an diesem Wochenende erkennbar, im Marathon Village und bei den vielen Helfern auf der Strecke. Viele Jugendliche sind inzwischen vom Laufvirus angesteckt worden, Mädchen können sich auf diese Weise etwas von den ortsüblichen gesellschaftlichen und traditionellen Lebensformen und Zwängen lossagen, Sport ermöglicht Eigenständigkeit und Emanzipation. Bewundernswert war das Durchhaltvermögen vieler Libanesen, die sich an den Marathon wagten und Marathon- und Ländersammlern wie mir im Hinblick auf die Finisherzeiten Paroli boten.

Goodies und Service auf der Laufstrecke kompensieren das Startgeld hinlänglich – das schöne Funktionsshirt, der Bon für die Pastaparty, die vielen Versorgungstationen in kurzen Abständen, offiziell alle 2.5 km , wo Wasser, Iso, Bananenstücke und Datteln ausgegeben wurden, all das ist im Nachhinein positiv hervorzuheben.

Sportlich gesehen ist der mit mehreren Begegnungszonen erlebbare Lauf aus meiner Sicht eher nur beschränkt bestzeitentauglich – es sind vielleicht weniger die 300 Höhenmeter auf dem welligen Kurs, sondern die nach drei Stunden aufkommende Wärme. Als die Sonne bei Kilometer 30 so richtig rauskam, haben viele einen Leistungseinbruch erlebt.

Wer in der kalten Jahreszeit in einer wärmeren Region einen Marathon laufen möchte, findet in Beirut eine empfehlenswerte und nicht alltägliche Alternative. Ländersammler haben sowieso einen Grund, in Beirut einmal zu laufen.

 

Siegerliste Männer:

1. Sergeant (S/c) Mohamed Reda El Aaraby (MAR) – 02:10:41    
2. Felix Chemonges (UGA) – 02:11:54
3. Deresa Geleta Ulfata (ETH) –  02:29:30    

 

Ranking bei den Frauen:

1. Medine Deme Armino (ETH) –  02:29:30
2. Nazret Weldu Gebrehiwet (ERI) –  02:29:48
3.  Selamawit Getnet Tsegaw (ETH) –  02:31:40

916 Finisher beim Einzelmarathon (669 Männer, 247 Frauen)

 

 

 

 


 

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