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Laufberichte

Wetterunabhängig

28.02.10

Dass die Strecke nicht nur so aussah wie in Sondershausen, sondern auch genauso wellig war, bekam man gleich von Anfang an mit. Es ging hoch und runter, nach links, nach rechts und nach etwa 800 Metern sah man links diejenigen vorbeilaufen, die bereits kurz vor dem Rundenende waren. Hier ging nach rechts weg und schon lief man an den Toiletten vorbei. „Aha, gut zu wissen!“ In Sondershausen muss man in solchen Fällen einen dunklen Nebengang „bemühen“.

Wer mich und meine Berichte kennt, weiß, dass ich mich oft nicht mehr genau an die Strecke erinnere. Wenn man aber eine Strecke 13 Mal durchläuft, kann das nicht sein, da sitzt jedes Detail im Kopf, man kennt sozusagen jeden Stein an der Strecke! Täuschung! so sehr ich mir auch vorgenommen habe, alles zu merken und auch immer wieder Bilder gemacht habe, beim besten Willen, ich kann mich nicht mehr genau an den Streckenverlauf erinnern! Tja, wenn man ins Pensionsalter kommt nimmt alles ab, nicht nur die Geschwindigkeit!

Ganz sicher aber ging es weiter mit dem Auf und Ab und den Kurven, bis dann etwa zur Mitte der Runde eine Verpflegungsstelle kam. „Wasser oder Cola“? war hier die Frage und man bekam das Gewünschte dann auch sofort gereicht. Bananen gab es übrigens auch, vielleicht auch noch mehr, aber hier blieb ich jeweils nur kurz stehen und trank einen Becher Wasser.

Noch etwa 50 Meter weiter, dann ging es nach rechts weg und schon war man auf der langen Geraden, bei der ich erst nach etwa 6 Runden sicher war, dass es nicht eben, sondern leicht bergauf ging. Vielleicht 700 m lang ging es also ganz sanft hoch, das Ende kündigte sich an, sobald man die Loren und die elektrische Lokomotive sah. Dann ging es nach links weg, sofort steil bergab und schon war man wieder an der Begegnungsstelle, diesmal aber auf der „besseren“ Seite, denn es waren nur noch etwa 600 m bis man wieder eine Runde geschafft hatte.
Zuvor aber kam noch der Wendepunkt und danach die ganz scharfe Rechtskurve, bei der man ein paar Meter abkürzen konnte. Jetzt nur noch bergab und schon sah man das grünleuchtende „Maul“ des „Großbunkers“. Hinein ohne Furcht, links weg und man lief die etwa 100 m in dieser großen Halle, vorbei an den Klettereinrichtungen, den Strandkörben und den elektronischen Rundenzählern. Unmittelbar danach konnte man seine Daten auf einer Projektionswand sehen - super gemacht! Man muss sich also keinerlei Sorgen machen, dass man eine Runde zuviel läuft, das wird alles exakt automatisch erfasst.

Weiter ging es bis an’s Ende der Halle und in die nächste Runde, links weg und wieder hinein in die dämmrige Unterwelt. Aber Halt! Stop! Hier war ja eine Verpflegungsstelle – und was für eine! Mindestens fünf Schmalzbrote habe ich hier im Laufe der Runden mitgenommen, nicht zu vergessen die Salzgürkchen, Bananen, Riegel und was weiß ich noch und bei jeder Runde natürlich einen Becher Wasser. Wer bei diesem Marathon irgendetwas an Verpflegung vermisste, kann nur ein notorischer Querulant sein. Zwei Verpflegungsstellen auf 3,25 km, so gut ausgestattet, wo findet man das?

Insgesamt 750 Höhenmeter soll der Marathon haben, pro Runde also nicht ganz 60 Meter rauf und 60 Meter runter. Hört sich nach nicht viel an, ist auch nicht viel, auch sind die Steigungen nicht so steil, dass man sie nicht alle joggen könnte. Ich natürlich nicht, vor sieben Jahren vielleicht, heute nicht mehr. Verglichen mit Sondershausen aber, ist dieser Marathon sehr viel leichter zu laufen, die Steigungen deutlich kürzer und weniger steil, die lange Gerade ebenfalls und die Runden sind abwechslungsreicher, weil die Ereignisse – Begegnungsstelle, Verpflegungsstelle, lange Gerade, Wendepunkt – dicht aufeinander folgen.

Da man in Merkers nur auf 500 m Tiefe läuft, 200 weniger als Sondershausen, hat man hier auch angenehmere Temperaturen; 21 Grad werden behauptet und das stimmt sicher. Vor allem ist diese Temperatur überall und nicht so schwankend, wie in Sondershausen. Die Luft ist prima und nicht stickig wie manche ängstliche Zeitgenossen vermuten.

Trotz der leichteren Bedingungen gibt es beim Kristallmarathon dasselbe Zeitlimit wie in Sondershausen: Wer die Runde sieben nicht nach 2:45 h beendet hat, wird aus dem Rennen genommen und für den Halbmarathon gewertet. Aber im Gegensatz zu Sondershausen können selbst so langsame Läufer wie ich das Limit problemlos schaffen und tatsächlich hatte ich nach Runde sieben ein Zeitpolster von 10 Minuten. Danach aber wurde ich kontinuierlich langsamer, die Gehpausen länger und entsprechend auch meine Rundenzeiten. Aber manch Anderen ging das genauso und so konnte ich tatsächlich noch drei Läufer überholen. Darunter auch Didi, der bekannte blinde Läufer, mit Georg, seinem Begleiter. Didi hatte sein Training vernachlässigt, seit November weder einen Marathon noch lange Läufe mehr gemacht und war froh, dass er doch noch ordentlich ins Ziel kam, verlangte aber dann nach Ruhe und einem Bett.

Nachdem ich diesen Lauf nun kenne, ist mir absolut rätselhaft, warum hier so wenig Marathonis laufen. Verglichen mit Sondershausen, wo etwa 350 Teilnehmer beim Marathon dabei sind, waren es in Merkers im Vorjahr 78 und dieses Jahr 86 Marathonis und 150 10-km-Läufer. Das ist viel zu wenig! Die Strecke ist nicht so anspruchsvoll, also auch für langsamere Marathonis bestens geeignet, dafür aber kurzweiliger, weil abwechslungsreicher. Sie bietet dieselben Einblicke und Erlebnisse, hat sehr angenehme klimatische Bedingungen, liegt zeitlich konkurrenzlos günstig im Jahr, es gibt eine super Verpflegung, die Veranstaltung ist perfekt organisiert und die Infrastruktur erlaubt problemlos eine Verdoppelung der Teilnehmerzahlen. Allerbeste Voraussetzungen also für ein großes Teilnehmerfeld, es muss nur noch bekannt gemacht werden, dass es im südlichen Thüringen, bei Bad Salzungen einen tollen Marathonlauf mit hohem Erlebniswert gibt.

Ach ja, das muss ich noch erzählen. Wenn man ein T-Shirt mit dem Aufdruck marathon4you.de trägt, wird man immer wieder angesprochen und erhält dann auch viel Lob über die Seiten von Klaus Duwe. Aber auch die Autoren werden sehr wohl sehr genau unterschieden. „Bei euch läuft doch auch ein Schreiberling mit, ach wie heißt er denn gleich?“ wurde ich bei der Fahrt auf dem Kleinlastwagen gefragt. Natürlich Kopfschütteln bei mir. „Doch, doch, das ist der, der eine halbe Stunde vor dem Marathon in Dingsda noch eine Ente gegessen hat, der Durchgeknallte!“ Sofort war allen um uns herum klar, wer gemeint war, ich sagte den Namen und er wurde auch sofort bestätigt. Übrigens waren die Beiden, die unseren hochgeachteten m4y-Autor als „durchgeknallt“ bezeichnet hatten, am Vortag den Marathon in Kiel gelaufen und heute schon wieder auf der Strecke – auch nicht ganz normal ;-), vielleicht gar „durchgeknallt“?. Vor allem aber haben sie mich dann auch noch drei Mal überrundet, was schon an absichtliche Demütigung grenzt!

Auch das Problem, wie die Kleinlastwagen, mit denen wir transportiert wurden, nach unten gekommen sind, konnte ich klären. Man hängt die einfach senkrecht unten an den Förderkorb des Aufzugs! Nur die noch größeren Geräte müssen in Teile zerlegt und unten wieder montiert werden.

Streckenbeschreibung
13 Runden je 3,25 km, ca. +/- 60 Höhenpeter pro Runde, insgesamt etwa 750 Höhenmeter.

Kosten
42 bis 45 Euro bei Voranmeldung, Nachmelder zahlen 50 Euro; 15 Euro vom Startgeld gehen an den Bergwerkbetreiber

Teilnehmer
86 Finisher beim Marathon, 7 gaben beim Halbmarathon auf, 150 Finisher beim 10-km-Lauf.

Zeitnahme
Transponder der Fa. Sportident werden kostenlos gestellt

Auszeichnung
Jeder Teilnehmer erhielt einen Kristall, eingeschmolzen in einen Plexiglasquader.

Verpflegung
Eine Verpflegunsstelle kurz nach dem Start, ausgestattet mit allem, was man sich wünscht, auch Cola und eine zweite Station etwa in Rundenmitte

Weitere Veranstaltungen
10-km-Lauf

Zuschauer
Wenige Begleiter im Zielbereich, immer wieder Besucher des Bergwerks, vor allem im Bereich des Wendepunktes.

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Informationen: Merkerser Kristallmarathon
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