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Laufberichte

Viel Solar, die Vernunft siegt

03.04.11
Autor: Joe Kelbel

Am Schwabentor, das wir jetzt durchlaufen, wird die Wassermenge durch eine Schleuse reguliert. So wird das Wasser in der Altstadt alle 8 Minuten komplett erneuert. Auf dem Schwabentor ein großes Bild vom heiligen Georg, den Drachentöter. Die Flagge der Stadt Freiburg zeigt das Georgskreuz, ein rotes durchgehendes Kreuz auf weißem Grund. Sie ist identisch mit der Flagge Englands, dessen Schutzpatron wie in Freiburg der heilige Georg ist.

Einst wollte ein Schwabe die Stadt Freiburg kaufen. Als er mit zwei Fässern voll Geld durch das nach ihm benannte Schwabentor nach Freiburg kam, wurde er fürchterlich ausgelacht. Er öffnete die Fässer und wurde noch mehr ausgelacht, denn seine Frau hatte das Geld gegen Sand ausgetauscht.

Wunderbar ist die Streckenführung unter dem frischen Grün der Bäume entlang der Dreisam.

Hier im Osten der Stadt, bei km 12 unserer Strecke, wird das Wasser der Dreisam für die „Freiburger Bächle“ abgezweigt, die im Mittelalter zur Entwässerung  dienten. „Ärgernis erregende Stoffe“ durften nur nachts entsorgt werden. Das „gebrauchte“ Bächlewasser erhöhte als nährstoffreicher Dünger den Wert der Felder außerhalb der Stadt. 

Über die Karthäuserstrasse geht es zurück  in Richtung Altstadt. Die Karthäuser sind ein erimitischer Mönchsorden. Das Kloster (Kartause) diente zuletzt als Altersheim. Wir laufen am  Schloßberg vorbei. Den  Bächlestollen, der uns linker Hand begleitet hat, verlassen wir jetzt, sein Wasser wird nun unter dem Berg hindurch  in die Altstadt geführt.

Vor der Altstadt biegen wir rechts ab Richtung Norden, zum Ortsteil Zähringen. Die Zähringer errangen im 12. Jahrhundert in Südwestdeutschland und der Schweiz, bis weit nach Burgund  eine bedeutende Machtstellung, der Silberbergbau im Schwarzwald bildete hierfür die finanzielle Grundlage.

Bei Kilometer 13 liegt der erste Läufer auf der Strasse. Grund für mich, erneut Tempo rauszunehmen.

Bei Hitze verlieren Sportler bis zu zwei Liter Flüssigkeit pro Stunde. Es drohen Krämpfe, da der Körper das Blut nicht mehr für die Beinmuskeln, sondern für überlebenswichtige Funktionen einsetzt. Zur Kühlung befindet sich viel Blut in der Haut, dazu trägt auch noch der beginnende Sonnenbrand bei. Wenn das Durstgefühl einsetzt, ist es bereits zu spät. Schon ein Wasserverlust von zwei Prozent des Körpergewichts reduziert die Leistungsfähigkeit deutlich, das Blut wird dicker und fließt langsamer. Dann muss das Herz stärker pumpen und der Puls steigt. Kollaps.

Bei Kilometer 18 liegt der Nächste. Und dann geht es Schlag auf Schlag: Alle 100 Meter sichte ich einen unfreiwilligen Aussteiger. Sanitäter haben viel zu tun, legen Infusionen, und verteilen Isolierfolien. Kein schöner Anblick. Es gibt alle 2,5 Kilometer Wasser und Isogetränke, doch im Magen blubbert es schon unangenehm.

Die Halbmarathonläufer biegen jetzt ab Richtung Ziel. Es wird nun ruhig, auch für die Sanitäter. Souverän ziehen die Marathonläufer in die zweite Runde, heute gibt es eh keine Spitzenzeit. Zeit seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Der Adler auf den mittelalterlichen Münzen Freiburgs wurde abfällig als Rabe (alemannisch= Rappen) genannt. Die Münze nannte man fortan „Rappenpfennig“. Im Jahre 1399 bildete  Freiburg mit Basel eine Währungsunion. So wurde der Rappenpfennig  Namensgeber für den Schweizer Rappen.

Bei Kilometer 27 berappe ich ein Bier am Streckenrand. Die Menge gröhlt. Komme ich aus einer anderen Welt?  „Cool Man!“  „Richtig so!“  „Willste auch ne Kippe?“ ich lasse mich feiern, es ist warm und ich bin vernünftig.

Unit 5, eine von 42 Bands an der Strecke, spielt „longtrain running“ von den Doobie Brothers, als ich über die Brücke laufe. Da lacht mein Läuferherz, doch die folgenden Kilometer sind ein konditionelles Auf- und- Ab. Immer mehr zwinge ich mich zur Langsamkeit.

Andy, der mit 1:34 die Hälfte hinter sich hatte, sitzt nun in der Altstadt, die Füsse im Bächle.  Die Zuschauer brüllen ihn an, er solle nicht aufgeben. Dabei lässt er nur fünfe grad sein, das darf man doch an solch einem wunderschönen sonnigen Tag. Andy ist vernünftig.

Viele Freiburger sitzen über den Bächle, wir sind verrückte Exoten, wie wir hier durchflitzen. Aber es ist eine gute Stimmung, zu gemütlich. Auch ich denke nach, ob ich gehen, mir ein nettes Café suchen und Pause machen sollte. Freiburg ist doch zu schön um sich zu quälen. ich möchte bleiben, nie wieder laufen.

Sonnenverbrannt aber ausgebrannt komme ich ins Ziel. 10, 20 Minuten hat heute jeder abgeben müssen von seiner Bestzeit. Heute hat die Vernuft gesiegt.

Marathonsieger

Männer

1 Schallner, Nils (GER) PTSV Jahn Freiburg  02:28:25 
2 Schneble, Gerhard (GER) TV Gailingen  02:34:59 
3 Köhler, Felix (GER) Laufsport Heinz/RSV  02:36:26

Frauen

1 Iseler, Judith (GER) FUN activ SEEend e.V.  03:06:21 
2 Kym, Sandra (SUI)    03:11:51 
3 Rougerie, Catherine (FRA) KM42 SAINT JUST LE MARTEL 03:14:33

12
 
 

Informationen: Mein Freiburg Marathon
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