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Laufberichte

Des hamma uns verdient

02.06.12

Zum Greifen nah thront die 800 Jahre alte Burg an der nächsten VP vor uns. Weht auf der mittelalterlichen Burg die blau-rote Fahne mit der goldenen Krone, dann ist der Fürst zu Hause. 1938 verlegte Fürst Franz Josef II als erster Fürst Liechtensteins seinen ständigen Wohnsitz aufs Schloss. Seither ist es der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Wir wollen auch gar nicht hinein, aber die Wasserstelle sorgt für willkommene Abkühlung bei steigenden Temperaturen.

Ein schöner Singletrail führt uns unmittelbar danach für einige Zeit durch den Wald. Hab ich mich noch im Vorjahr darüber gefreut, hier etwas Schutz vor dem Regen zu bekommen, ist es heuer genau anders rum. Auf den Serpentinen der Teerstraße bekommen wir einen grandiosen Überblick hinunter ins Rheintal und fast über den kompletten Zwergenstaat mit seinen 25 km Länge und 12,5 km Breite. Staaten, deren Größe so gering ist, werden als Zwergstaaten bezeichnet. Auf Platz sechs dieser Liste liegt Liechtenstein mit 160 Quadratkilometern Der kleinste Staat der Welt ist im Übrigen der Vatikan, dessen Fläche gerade einmal so viel beträgt wie etwa 60 Fußballfelder.

Auf der Silumer Höhe haben wir kurz nach der Halbmarathon-Markierung den längsten Anstieg auf 1539 üNN geschafft. Knapp 1100 Höhenmeter haben wir dabei absolviert. Auf den folgenden 4 Kilometern verlieren wir gleich wieder 250 davon. Es geht hinunter nach Steg zum Etappenziel des Halbmarathon PLUS.

Kurz vor dem HM-Ziel ist am Gänglesee wieder eine gut bestückte VP aufgebaut.
In den Vorjahren ging es immer geradeaus über die Brücke links am See vorbei, heute ist das ganz anders, sie ist gesperrt. Wir dürfen eine kleine Ehrenrunde nach rechts um den Gänglesee drehen. Das bringt uns ca. 300 zusätzliche Meter zu den Vorjahren ein. Das folgende 25er Schild steht aber an selber Stelle wie immer, den kleinen Umweg hat man bei der Beschilderung einfach unterschlagen, würde ich mal behaupten.

Ab km 26 beginnt der zweite Anstieg der Strecke, anfangs noch mit überwiegend leichten Bergaufstücken, aber selbst die fallen mir jetzt sehr schwer. Im ersten Teil hatte ich wirklich lockere Beinchen und so den typischen Anfängerfehler begangen. Bin im Flachen schnell angegangen und viel bergauf gelaufen, den 5:00 Stunden Pacer locker geschnupft und mich von meinem guten Gefühl treiben lassen. Aber jetzt ist die Luft gerade ziemlich raus. Ab Km 32 werden wir auf einen schmalen Trail geleitet, der sich in engen Serpentinen steil nach oben zieht. Bis Saasförkle auf 1.796 Höhe sind ab Steg wieder 500 Höhenmeter zu bewältigen. Als Wanderer marschieren hier alle nach oben.

Nicht nur bei mir, auch bei Liechtensteiner Bergsteigern wechselte letzte Woche Licht und Schatten. Schlecht erging es einem an der Ortler-Nordwand, er wurde von einem Eisabbruch überrascht und zertrümmerte sich dabei das Handgelenk und brach sich zudem sechs Rippen. Auf der Sonnenseite stand Peter Sprenger. Als vermutlich erster Liechtensteiner stand er auf dem Gipfel des Mount Everest. Auf dem höchsten Punkt des Kurses bin ich wieder einigermaßen erholt.

Überwiegend bergab führt der Weg in ein Seitental des Saminatals. Etwas oberhalb des Zieleinlaufes passieren wir auf einem Rundwanderweg Malbun. Minutenlang kann ich dem Zielsprecher lauschen. Ich bin voll konzentriert auf seine Ansagen um eventuell mitzubekommen, ob Jan vielleicht schon dabei ist. Jeder Finisher wird von ihm namentlich vorgestellt.

Der Name Malbun stammt aus dem Romanischen und kommt von val bun (schönes, ertragreiches Tal). Wer heute in den sonnenüberflutenden Kessel dieses Hochtals blickt,  kann, kann das gut nachvollziehen. Fast kitschig schön, wie auf einer Postkarte liegen die sattgrünen Wiesen der Hänge unterhalb Sareiserjoch, Silberhorn und Nospitz vor uns. Die Bergspitzen allesamt noch mit Schnee bedeckt. Im Winter vergnügen sich hier die Skifahrer, heute sind wir Marathonläufer dazu eingeladen, die Lustkurven dieses Tals zu erobern. Es macht unglaublich viel Spaß hier noch weiterzulaufen. Soll ja auch welche geben, die ein mentales Problem damit haben, nach Sicht auf das Zielbanner noch die restlichen 5 Kilometer motiviert anzugehen. Ich sage mal ausdrücklich, wir „dürfen“ fast noch den kompletten Kessel umrunden.

Nachdem ich heute lange Zeit die 5 Stunden im Visier hatte, kann ich immerhin noch unter 5:30 h ins Ziel kommen. Jan hat es leider auch nicht ganz geschafft, mit 5:07 hat er die Marke aber nur knapp verfehlt.

Lange halte ich mich im Zielbereich nicht mehr auf. In der Sonne liegend auf der Massagebank kann ich noch Joe einlaufen sehen, dann geht’s zur Dusche und noch etwas Füße hochlegen.

7 Stunden ist die Sollzeit beim LGT Alpin Marathon. Wir sitzen bereits im Auto, als pünktlich die Absperrungen aufgehoben werden, vorher gibt es keine Durchfahrmöglichkeit.

Wir haben es eilig, werden bereits im Elsass erwartet, zur zweiten Etappe an diesem Wochenende.

Endlich ist die Schlechtwetterserie gebrochen und der LGT Alpin Marathon hat mir sein wahres Gesicht mit fantastischen Ausblicken gezeigt. Meine Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt, ich komme gerne wieder zurück.

  

Marathonsieger

 

Männer

1. Wieser Patrick, 1979, CH-Aadorf 3:07.40,4
2. Kovacs Adam, 1986, H-Eger 3:12.54,0
3. Heuberger Bruno, 1971, CH-St. Margarethen TG 3:13.47,5

Frauen

1. Nunige Jasmin, 1973, CH-Davos Platz 3:39.28,7
2. Zimmermann Denise, 1975, CH-Mels 3:47.46,5
3. Wiesmair Stefanie, 1982, D-Pfungstadt 3:48.09,6

461 Finisher

12
 
 

Informationen: LGT Alpin Marathon Liechtenstein
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