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Laufberichte

Anker gelichtet und Segel gesetzt

02.08.14

Ein Neubaugebiet wartet auf uns. Vor einer kleinen Straßenbahn sitzen gut gelaunte Stimmungsmacher. Die Bahn entpuppt sich allerdings bei näherer Betrachtung als bemalter Stromverteilerkasten. Es werden noch mehrere Kunstwerke dieser Art folgen.

Zuerst einmal heißt es Häuser am Ankerring ansehen. Die meist jungen Familien verfolgen unseren schweißtreibenden Sport vom Vorgarten aus bei einem Aperitif. Die Kinder lassen sich gerne abklatschen und der Papi macht sich einen Spaß daraus, mit dem Wasserschlauch für Abkühlung zu sorgen. Ich weiche lieber aus, mit meiner ganzen Elektronik. Soll zwar alles wasserdicht sein, aber man weiß ja nie.

Kurz vor km 18 kommt uns der führende Marathonläufer Paul Schmidt entgegen. Der wird heute zum zweiten Mal in Folge siegen und den Streckenrekord auf 2:30:33 verbessern. Sarah Stuckenbrock gewinnt mit 3:31:50 bei den Damen.

Noch mal ein kurzer Abstecher zur Warnow. Auf der anderen Flussseite liegt der alte Fischereihafen. Dort erwartet uns später unser Nachtquartier auf dem Hotelschiff Severa.

Auf wenigen Metern geht es jetzt über einen Waldweg. Das unangenehme kurze Stück (200 m) durch die Olendorfer Tannen hat fast schon Trailcharakter. Das THW baut hier gerade Scheinwerfer für unsere Rückkehr auf.

Auf nahezu autofreier Landstraße Up'n Warnowsand führt der Kurs jetzt leicht wellig in Richtung Halbmarathonmarke. Der Start des Halbmarathons war hier für 20:00 Uhr angesetzt und ich war schon gespannt, wie das wohl sein wird, wenn 900 „frische“ Läufer an einem vorbeiziehen. Leider fordert das heiße Wetter seinen Tribut und wir kommen erst nach 2:05 Stunden dort an. Die Halbmarathonis sind schon unterwegs, Zuschauer gibt es an der Mautstelle des Warnowtunnels dafür noch recht viele und außerdem eine japanische Trommelgruppe. Das Tunnelmaskottchen, der Otter „Oscar“, ist immer auf den Richtungshinweisen zu sehen und gab wohl auch den Startschuss zum Halbmarathon.

Ich freue mich schon auf den Tunnel, ein privatwirtschaftlich finanziertes Projekt. Und hier soll eine Marathonstrecke verlaufen? Wo gibt's das sonst noch? Vielleicht in der Schweiz, aber auf jeden Fall in Hongkong. Lest mal den Artikel auf M4Y. Aber diese Röhre ist auch sehr beeindruckend. Es handelt sich um vorgefertigte Segmente, die am Flussboden zusammengeführt wurden. Die Trennstellen kann man gut erkennen. Eine Tunnelhälfte ist für uns reserviert. Viele Läufer kommen uns schon entgegen.

Das nächste Highlight folgt: Der Park der Internationalen Gartenschau von 2003 mit angeschlossenem Schifffahrtsmuseum. Am Kassenhäuschen werde ich von einem Zuschauer wiedererkannt: Er hatte uns kurz vor dem Start in einem Supermarkt viel Erfolg gewünscht. Norddeutsche Herzlichkeit verspricht der Laufprospekt völlig zu Recht. Viele Rostockerinnen und Rostocker sprechen einen an, wenn sie einen als Marathoni identifizieren. Sie freuen sich über die Veranstaltung. Mehr noch über Besuch aus dem Süden der Republik. Wobei man uns immer wieder auf die „Hanse Sail“ hinweist, die in der Folgewoche stattfindet. Einige Windjammern konnten wir schon sehen.

Der IGA-Park ist sehr schön. Gleich am Eingang gibt’s Tempel in einem chinesischen Garten zu bewundern. Danach viel maritimes Gerät und ein Museumsschiff, bevor wir diverse Schleifen durch den Park laufen. Die Vegetation hat hier einiges zu bieten, besonders die großen Farne gefallen mir. Und dann dieser schöne Sonnenuntergang. Vom angekündigten Gewitter ist weit und breit nichts zu sehen und zu hören.

Im Park kann man auch die Toilettenanlagen nutzen. Ansonsten gibt es viele Toilettenhäuschen an der Strecke. Nur so als Info.

Dann also wieder zurück zum Tunnel. Wir begegnen dem 5 Kilometer hinter uns laufenden letzten Läuferpärchen samt Besenwagen. Gerade als wir zum Tunnelmund hinablaufen, kommt oben eine Hafenrundfahrt vorbei. Nett anzusehen. Im Tunnel geht dann auf einmal das Licht aus, aber nur ein wenig, wahrscheinlich die Nachtbeleuchtung für die Autofahrer in der anderen Röhre. An der Mautstelle ist die japanische Trommelgruppe „Tengu Daiko“ immer noch in Aktion. Auf einmal zieht Judith an mir vorbei. Mich hingegen überfällt eine bleierne Müdigkeit.

Der Rückweg Richtung Zentrum entspricht dem Hinweg, nur die Schleife durch die Felder sparen wir uns. Die Dämmerung dauert lange. Die THW-Mädels und -Jungs basteln immer noch an der Beleuchtung des Waldwegs herum. Noch ist es hell genug. Die Zuschauer haben sehr gutes Sitzfleisch und freuen sich, wenn sie einen Läufer wiedererkennen („Da ist der mit der Kamera“).

Bei Kilometer 35 sind wir wieder gegenüber der Altstadt, die sich diesmal als Lichtermeer zeigt. Auch ganz nett, aber schwer zu fotografieren. Ich überlege bei jeder Bank am Wegesrand, ob ich mich ein wenig hinlegen soll. Für den letzten Kilometer habe ich mehr als 9 Minuten gebraucht. Aber ich bin nicht allein mit meinen Qualen. Wir werden von den Zuschauern immer wieder aufgemuntert. Der Sandweg beginnt und unzählige gelbe Batterielampen weisen uns den Weg. Jetzt täte ein Cola gut. Aber an den Verpflegungsstellen gibt es ausschließlich Wasser und ISO-Getränke vom Sponsor Hella. Ansonsten Bananen und Äpfel.

Mein Lebensmut kehrt ein wenig zurück, als es wieder in bewohntes Gebiet geht. Erneut kommen zwei Polizei-Motorräder vorbei: Die blauen Blitze können Läufer wegbeamen, so schmerzen sie in den Augen. Ich flehe die Herren an, das Signal zu dimmen und wache wieder auf. Im Neubaugebiet feiert die Jugend schon recht alkoholisiert den Samstagabend. Eine schicke Holzbrücke mit ebensolchen Planken macht in der Dunkelheit etwas Probleme. Bei den Rostocker Kanufreunden Greif ist das Grillfest in vollem Gange. Und wir werden mit La Ola angefeuert. Am Stadthafen sitzt man noch in den Lokalen, nimmt aber wenig Notiz von den Marathonis.

Der vorletzte Kilometer bringt Halbmarathon- wie Marathonläufer hinauf zum Neuen Markt. Und dann ist noch eine kleine Runde durch die Altstadt zu bewältigen, leider teilweise auf holprigem Kopfsteinpflaster. Auf dem Universitätsplatz sorgt die Sambagruppe Sambucus für Stimmung.

Direkt auf das Rathaus zu lege ich einen bejubelten Endspurt hin: 4:37 Stunden lautet das Ergebnis. Im Ziel erwartet uns ein Musikprogramm, weshalb auf dem Markt noch viel los ist. Für Läufer mit orangefarbenem Punkt auf der Startnummer gibt es die Marathonmedaille, für die anderen die HM-Version. Als Nachmelder fehlt mir der Punkt, doch kann ich glaubhaft versichern, dass ich die volle Distanz hinter mir habe.

Im Ziel ein letztes Mal Hella-Wasser in verschiedenen Geschmacks-Versionen. Das bayerische Sportbier hat es bis bisher noch nicht geschafft und das versprochene einheimische Pendant finde ich nicht.

In der Trambahn zum Hotelschiff kommen wir mit Herbert ins Gespräch. Er ist mit 4:22:47 in der AK75 Erster geworden. Judith hat es eine Minute vor ihm auf den ersten AK-Platz gebracht und ich habe einen sehr schönen erlebnisreichen Lauf hinter mir, der mir die Möglichkeit gibt, es beim nächsten Mal besser zu machen...

Zusammenfassend:

Freundliche und gut gelaunte Rostocker - Viele Wasserstellen, Verpflegung mit Bananen und Äpfeln - Laufstrecke wellig, nicht immer geteert, teilweise Unebenheiten (Dunkelheit!) - Sommerlauf mit entsprechend hohen Temperaturen - Daher zum Genießen und nicht für Bestzeiten geeignet - Streckenmarkierung, -sicherung und Streckenposten bestens - Keine Zwischenzeiten - Massage und Duschmöglichkeit - Wunderbar mit einem Kurzurlaub am Meer in Warnemünde zu verbinden. Die Ostsee hatte 20 Grad.

 

Marathonsieger

Männer

1.SCHMIDT Paul Fitness First Rostock 2:30:34
2.HILLER Christian hella-Team 2:57:27
3.LATZKE René LG Oberhavel 3:00:18

Frauen

1.STUCKENBROCK Sarah Triathlon Team Hamburg 3:32:08
2.PANKOW Sarah Hamburg 3:34:49
3.KUSATZ Patricia Berlin 3:48:10

274 Finisher

12
 
 

Informationen: hella marathon nacht rostock
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