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Laufberichte

Perfektes Marathon-Wochenende

08.05.11
Autor: Klaus Duwe

Da ist die Schrebergartensiedlung Im Orthfelde -  ein ausgesprochenes Stimmungsnest. Die meist älteren Herrschaften feiern sich und die Marathonis lautstark vor ihren mit bunten Fahnen geschmückten Häuschen.  Nicht nur wegen der reich bestückten Verpflegungsstelle möchte man hier verweilen.

Unmittelbar danach wird der 30. Kilometer angezeigt und die Zeit genommen. Blöd, wenn diese Zwischenzeit fehlt.

Dann, auf der  Kopernikusstraße, werden die Marathonis wieder von den „Halben“ verschluckt. Beim Anstieg nach der Bahnunterführung sieht man den Unterschied. Die einen haben 13,5 km in den Beinen, die anderen 31.  Ich mache ein paar Fotos  von dem merkwürdigen Turm und werde prompt angesprochen: „Ihr von marathon4you wisst doch über alles Bescheid.  Was ist das für ein Turm?“ Die Frage ist wie ein Elfmeter für mich, den ich traumhaft sicher verwandle. „Das ist ein Bunkerturm aus dem Zweiten Weltkrieg. Siehst Du die Einschläge der Geschosse?“ 

Eben noch ziemlich am Boden, kann ich jetzt ob des Erfolgserlebnisses mit stolzer Brust weiterlaufen.  Die vielen Zuschauer in der Nordstadt und ihre Anfeuerungen tun das Übrige. Einen langen Trainingslauf hätte ich längst abgebrochen. 

Wir sind auf der Nienburger Straße (km 33). In den prachtvollen Villen direkt an den Herrenhäuser Gärten lässt es sich bestimmt gut wohnen. Das dachte sich auch der König von Hannover und ließ nach den Plänen des Architekten Tramm das Welfenschloss errichten. Einziehen konnte er dort allerdings nicht. Kaum war das Schloss nämlich fertig, kam es 1866 zur Entthronung der Welfen durch Preußen und der Prachtbau stand zehn Jahre leer, bis nach einem Umbau die Universität einzog, die noch heute Nutzer ist. Vor dem Schloss steht übrigens das Niedersachsen-Ross. Die Bronzestatue findet man im Niedersächsischen  Landeswappen wieder.

Schloss und Ross sind so beeindruckend, dass ich gar nicht weiter will. Aber da ist ja noch der Georgengarten, den die Marathonis  jetzt gleich exklusiv  durchstreifen dürfen. Die „Halben“ rennen geradeaus und sind nach gut 3 km im Ziel.  Wie das Schloss ist der Georgengarten Teil der berühmten Herrenhäuser Gärten, die ihren Ursprung im Jahr 1638 haben. Wäre es nicht der 35. Marathonkilometer, ich würde die Allee aus leuchtend grünen Bäumen, die blühenden Kirsch-, Flieder- und Mandelbäume und die plötzliche Ruhe genießen. So aber ist es eine harte Prüfung. Rechts sieht man noch durch die Bäume die unendliche Läuferschlange, hört den Jubel und die Trommeln.  Im Park liegen im Schatten der Bäume die Menschen im Gras. Manchmal erheben sie das müde Haupt, schauen, wer da angeschnauft kommt. Ach so, ein Läufer. Selber schuld.

„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“ Wie wahr. Wilhelm Busch hat es gesagt. Der Dichter und Zeichner wurde 1832 in der Nähe von Hannover geboren und studierte hier Maschinenbau. Im Georgenpallais, am äußersten Ende unserer Schleife, hat man ein Museum für ihn eingerichtet.

Drei Kilometer sind noch zu laufen, als wir den Park verlassen. Ich erwische gerade noch die letzten Walker auf der Halbmarathonstrecke. Um Verwechslungen zu vermeiden, bleibe ich, so gut es geht, im Laufschritt. Brühlstraße, Versicherungen haben hier ihre Paläste. Dann die Nanas am Leibnitzufer. Als die merkwürdigen Skulpturen von  Niki de Saint Phalle 1974 hier aufgestellt wurden, hagelte es Proteste. Niemand (außer den Verantwortlichen) wollte die bunten Weiber mit den Riesenbrüsten haben. Dann wurden sie zur Attraktion, bis heute.

Wir sind beim Niedersächsischen Landtag, sehen davor die „Göttinger 7“. Das Denkmal  erinnert an sieben Göttinger Professoren, die vom König entlassen wurden, weil sie gegen die durch ihn verfügte Aufhebung der Verfassung protestierten.  Dann sind wir beim eingangs schon erwähnten Alten Rathaus, bis 1863 Sitz des Stadtparlaments.

Dann endlich der „Aegi“, der jetzt einer Arena gleicht. Tausende Zuschauer versüßen den Läufern die letzten paar hundert Meter bis ins Ziel. Die 10er beleben die Strecke zusätzlich. Kirmesstimmung auf dem Trammplatz, dichte Zuschauerreihen am Friedrichswall, ein grandioses Finale. 

Ich liebe Marathon. Besonders am Start und noch mehr im Ziel. Dazwischen nicht immer. Ich weiß, Ihr versteht mich.
 

Marathon-Impressionen

Start

City

Ziel

 

Marathon-Sieger

 

Männer

1 April, Lusapho (RSA) 02:09:25 
2 Kurui, Peter (KEN) 02:09:35 
3 Matui, Amos (KEN) 02:10:07

Frauen

1 Rono, Georgina (KEN) 02:31:19 
2 Kwambai, Irene (KEN) 02:33:09 
3 Quaglia, Emma (ITA) 02:33:23

1543 Finisher

123
 
 

Informationen: HAJ Marathon Hannover
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