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Laufberichte

Ein Familienfest für alle

 

Die Halbmarathonis ziehen

 

Zurück in Ernsbach kommt von rechts über den Kocher das Gros der Halbmarathonis entgegen. Die sind nun deutlich schneller als wir, ich schätze, die laufen in Richtung 1.40 Stunden. Wer schnell genug seinen Kopf nach links dreht, kann einen Blick auf die evangelische Johanneskirche werfen, die aus dem 18. Jahrhundert stammt.

Auf dem asphaltierten Feldweg nach Forchtenberg lasse ich mich nun von den Halbmarathonis ziehen. Ich kann mich zwar nicht direkt dranhängen, aber Zug um Zug kann ich auf einzelne Marathonis auflaufen. Die Kathi Schramm, M4Y-Edelfan, muss ich auf den Mauerweglauf in Berlin ansprechen. Stolz trägt sie das Finishershirt des 100Meilers. „Das kannst du auch,“ sagt sie mir, „alles eine Sache, die der Kopf entscheidet“. Wenn es so einfach wäre. Ich habe allerhöchsten Respekt.

Ein Stück weiter betreiben Jugendliche eine private Musikstation. „Wir glauben an Euch, Ihr schafft das!“ ist auf einem Transparent zu lesen. Schließlich kommen uns die Scottish Pipers erneut entgegen und am Ortseingang von Forchtenberg wartet die Sambaband Beo Beo bei Kilometer 20.

In der knapp 5000 Einwohner zählenden Stadt wartet ein längeres Wegstück durch das Industriegebiet. Durch die Nähe des Flusses und auch durch eine Getränkestelle gestalten sich die zehn Minuten eher kurzweilig, zumal unsere Halbmarathonmarke angekündigt wird.

Der Kocher wird abermals überquert und wir erhaschen einen Blick auf das Würzburger Tor, Teil der historischen Stadtmauer mit Wehrgang. Wenn jetzt die Strecke in die Altstadt oder gleich bis zur Ruine Forchtenberg führen würde, ich hätte nichts dagegen. Meine Mitläufer würden mich wahrscheinlich wie im Mittelalter dafür teeren und federn.

Dann läuft mir Michael Hohenadel über den Weg, auffällig ob seines Fürther Metropol-Marathon-Shirts. Er ist gerade um die Ecke zuhause, in Heilbronn. Auf Höhe Weißbach, jetzt auf der anderen Seite des Kochers, findet sich eine weitere Band.

Auf dem Hellasweg erreichen wir den Stadtrand von Niedernhall, wo wir eine Runde um die Stadtmauer drehen. Und dann sehe ich schon die Zielmarkierung, 27 Kilometer sind gelaufen. Die Halbmarathonis haben längst ihren Endspurt gesetzt und lassen es an der Ziellinie austrudeln. Die Helferin schaut zuerst verdutzt, als ich mein Fotogerät richte. Doch dann setzt sie zuerst ein Lachen auf und dann sich in Pose. Der Fotograf ist zufrieden.

 

„Deine zweite Schleife!“

 

Der erste längere Teilabschnitt ist abgehakt, jetzt folgt noch eine 15 Kilometer lange Strecke nach Künzelsau und zurück. „Deine zweite Schleife“, so schickt mich der Moderator weiter. Gleich hinter der Ziellinie können wir erneut verpflegen: Wasser, Iso, Apfelschorle, Cola und Bananen steht auf dem Speisezettel. Bei meinen nächsten Start werde ich hier einige Meter ausscheren und mir eine Halbe aus Erding mit auf den Weg nehmen.

„Die Einsamkeit des Langstreckenläufers“, so könnte man die folgenden Kilometer beschreiben, denn es gibt kaum Zuschauer und nur hie und da Mitläufer. Kopfarbeit und Disziplin helfen dir über die Stecke. Mir geht es gut, auch wenn schon der Tageskilometerzähler die 30 anzeigt.

Auf Höhe Criesbach kommen die führenden Duo-Läufer und Marathonis entgegen. Die werden in Kürze das verdiente Bier genießen. In der 5500 Einwohner zählenden Kleinstadt Ingelfingen wechseln wir mehrmals über den Kocher. Verglichen mit den umliegenden Weinbergen hat sich hier das Gewässer 190 Höhenmeter tief ins Gelände eingeschnitten. Wer an der Autobahn 6 über die Kochertalbrücke fährt, kann sich einen Eindruck von oben verschaffen, die Autostrada ist nämlich von hier nicht weit entfernt.

Bei der folgenden Tankstelle am Nagelsberger Sportplatz verlangt mein Körper lautstark nach Bier. Die Helfer vertrösten mich auf den Zieleinlauf und bieten stattdessen Cola an. Mittlerweile sind wir in Künzelsau angelangt, einer Stadt mit rund  15000 Bewohner. Große Arbeitgeber sind die Firmen Würth und Berner SE, die heute neben anderen Unternehmen viele ihrer Arbeitnehmer als Läufer auf die Strecke schicken. Firmen- und Teamläufe fördern das Zusammengehörigkeitsgefühl im Arbeitsleben. Frühzeitig kommt der 3.30 Pacer Reinhold Balbach entgegen, mit einem einzigen Läufer im Schlepptau.

 

Endspurt

 

Auf der Bahnhofstraße überqueren wir nochmals den Kocher. Auf geteerten Parkwegen laufen wir immer weiter Richtung Stadtmitte. Nur wenige Leute stehen an der Strecke oder sind beim sonntäglichen Spaziergang. Ich weiß mittlerweile nicht mehr, wie oft wir die Seiten des Kochers wechseln, denn ein Fußgängersteg bringt uns zu den Wertwiesen.

Im Schloss Bartenau, halblinks ein roter Bau, ist heute ein Gymnasium untergebracht. 1678 wurde es in der heutigen Form unter Graf Johann Ludwig von Hohenlohe errichtet. Etwas im Hintergrund sehen wir die evangelische Johanneskirche, es ist das älteste Gotteshaus der Stadt, Teile davon stammen aus dem Jahr 1617.

Gleich danach endet der Rundkurs, wir laufen auf dem gleichen Weg wieder zurück. Nun kann ich es genießen, die Restkilometer sind längst einstellig und mein Verfolgerfeld hebt häufig die Hand zum Gruß. Das tut mir gut, denn mein Rennen ist nun richtig schnell geworden. Wenn ich nicht mehr viel Zeit verliere, könnte noch eine sub 3.45 gelingen.

An der Getränkestelle Ingelfingen erinnern sich die Helfer an meinen Wunsch nach einem gehopften Getränk. Bevor man mir wieder einen Korb geben kann, sage ich, dass ich mir den Durst fürs Ziel aufhebe.  Auf einige Läufer kann ich auflaufen, wenige sind am Kämpfen. Bereitwillig gebe ich kurz vor dem Ziel einem von hinten kommenden Sanitätsfahrzeug freie Bahn, in der Hoffnung, dass da kein Sportler drin liegt.

Im Zielgelände drehe ich noch eine kleine Extraschleife, denn der Nachwuchs wird gerade auf sein Rennen in die andere Richtung losgelassen. So sehe ich von den Jungs und Madln gerade noch die Hacken. Ich bin glücklich, als ich über die roten Zeitmatten laufe.  Und die 3.45 habe ich auf den letzten Drücker noch um eine halbe Minute unterboten. Passt.

 

Zielimpressionen

 

Im Verpflegungsbereich zieht es den Bayern natürlich zu seinesgleichen. Mit einem Weißbier sammle ich weitere Fotos von den glücklichen Finishern. Es dauert nicht lange, dann kommt der Nachwuchs daher gewetzt.

Über die Brausen sind in der Halle oder im angrenzenden Freibad freut sich der verwöhnte Warmduscher. Derweil ist noch längst nicht Programmschluss, denn nach den Kindern gehen die Handbiker und die Inliner auf die Strecke. 

Knapp 3400 Teilnehmer werden gezählt, davon sind über 2400 als Läufer unterwegs. Auf der Festwiese betreuen viele Vereine eigene Stände für Essen und Trinken. Auf einem kleinen Rundkurs erlaufen Kids pro Runde einen Geldbetrag für einen guten Zweck. Bullriding für die Kleinsten sowie Wasserspiele oder sich mit einem schnellen Flitzer fotografieren lassen, da ist für jedermann gesorgt. Die Siegerehrungen werden abwechslungsreich mit einem bunten Programm abgehalten.

Am 12./13.09.2015 ist der 20. Marathon. Wem habe ich Appetit gemacht?

 

Siegerliste Marathon

 

Männer

1 Reissinger, Kai (GER) M. O. N.  02:40:50  
2 Dr. Koch, Matthias (GER) LAV Stadtwerke Tübingen  02:42:53  
3 Schwab, Martin (GER)  Fit mit Würth  02:46:43

Frauen

1 Fätsch, Sandra (GER)  Team ERDINGER Alkoholfrei  03:18:44  
2 Spurgeon, Victoria (GBR) LG Niederbipp  03:27:18  
3 Rolfes, Ingrid (GER)  Stuttgarter Marathonis  03:33:34

133 Finisher

12
 
 

Informationen: ebm-papst Marathon
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