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Laufberichte

Maratón Cabberty Málaga – Immerwährende Fiesta

06.12.15 Special Event
 

Wir nähern uns meinem persönlichen Highlight. Zwischen noblen Wohnhochhäusern hindurch treffen wir auf eine Promenade am Meer. Malagueta heißt dieser Abschnitt. Palmengesäumt erstreckt er sich in Richtung des Sonnenaufgangs. Den sehen wir leider nicht, denn wir sind etwas zu spät dran und außerdem ist der Himmel bedeckt. Ideales Laufwetter also. Über uns kreischen unzählige grüne Papageien in den Palmen. Links gediegene Villen.

Nach km 12 erreichen wir das Stadtviertel El Palo mit netten alten Fischerhäusern. Oft sieht man Familien im Schlafanzug vor der Tür stehen. Geheimtipp für ein Trainingsläufchen: Nach dem Balneario mit den vielen alten Eukalyptusbäumen in die erste Gasse nach rechts zum Meer abbiegen. Entlang der Fußgängerpromenade reiht sich ein Restaurant an das nächste. Der dort servierte Fisch wird am Strand meist in alten Booten gegrillt. Die Entfernung zum Zentrum beträgt etwa 5-6 Kilometer.

Wir befinden uns jetzt aber im  Wettkampf und bleiben deshalb auf der Avenida Salvador Allende. Die Führenden kommen uns entgegen. Kurz vor der Stadtgrenze eine flotte Bläsergruppe und dann die Wendestelle. Judith und ich liegen ganz gut im Rennen. Hinter uns ist noch einiges los: Einen tätowierten Läufer im „Union Jack“-Hemd kenne ich noch vom Lauf 2013. Wahrscheinlich ist das einer der vielen Briten, die hier einen milden Winter verbringen. Die lokale Zeitung Sur erscheint auch in englischer Sprache. Mit dabei auch „Danny the Legend“, der laut Aufdruck auf seinem Shirt heute den 600. Marathon absolviert.

Großbritannien stellt hier die Mehrzahl der insgesamt 782 ausländischen Läufer aus 51 Ländern, gefolgt von Italienern, Franzosen, Schweden und Dänen. Bei Deutschen besteht offenbar noch Nachholbedarf. Die Teilnehmerzahlen beim Maratón Cabberty Málaga haben im Vergleich zum Vorjahr um 20% zugelegt. Bei der aktuellen 6. Ausgabe werden 2819 von 3750 angemeldeten Läufern ins Ziel kommen; bei den Frauen hat sich die Zahl der Starterinnen besonders deutlich erhöht. Kinderläufe und ein Wettbewerb für Rollstuhlfahrer komplettieren das Programm.

Der Rückweg bietet schöne Ausblicke auf das Stadtpanorama. Kurz nach Verlassen des Meers kann man rechter Hand die Stierkampfarena sehen. Außerdem eine Mutter und zwei Kinder mit einem kleinen Dinosaurier aus Plastik, die ihren persönlichen „Campeón“ laut anfeuern und ihm hinterherrasen.

Auf Höhe des Starts dann die Halbmarathonmarke. Viele Zuschauer bilden ein ziemlich enges Spalier. Wir könnten jetzt einfach das Ganze noch mal laufen, aber es gibt noch viel anderes zu sehen. Auf dem bereits bekannten Paseo de Antonio Machado geht es fünf Kilometer schnurgerade am Meer in Richtung Südwesten. Auch weiter draußen feuern uns an jeder Kreuzung Zuschauer an. Rechts sehen uns aus einem Hallenbad bemützte Schwimmer zu. Das Museo Automovilistico liegt hier in der Gegend. M4Y-Autor Herbert und Günther aus Österreich, die im selben Flieger wie wir angereist sind, werden später berichten, dass es wirklich einen Besuch wert ist. Bekanntermaßen bin ich ja eher Trambahnfan und habe die neue „Metro“ getestet. Für eine Stadt mit fast 600.000 Einwohnern ist das Netz durchaus noch ausbaufähig. Schön ist es hier: Neubaugebiete mit vielen Parks und ein Strand direkt vor der Tür. Aus dem Flugzeug konnte man auch unzählige Swimmingpools sehen. Die Sommer müssen wohl sehr heiß sein. Für uns wird es jetzt auch sonniger.

Heute habe ich wohl einen guten Tag erwischt.1:57 h für den Halbmarathon ist zwar nicht umwerfend, aber ich bin gut gelaunt und beschließe, es weiter mit einem 5:30er-Schnitt zu probieren, um unter vier Stunden zu bleiben. Judith ist knapp hinter mir. Wir kommen zum Rio Guadalhorce, an dem wir jetzt ein kurzes Stück durch die Pampa laufen. Endlich kann ich das ungarische Paar wieder einholen, das mich kurzzeitig abgehängt hatte. Die Läuferin im Röckchen lässt keinen Streckenfotografen aus. Da muss ich auch mal ein Bild machen.

Nochmals ein großes Hallenbad. Auf der Liegewiese spielen Jungs in Badehose Fußball. Wie war doch gleich das Wetter in Deutschland? Aufgelockert wird die Szenerie mit biblischen Figuren auf vielen Verkehrsrondellen. Es weihnachtet sehr.  Nur St. Nikolaus sucht man hier vergebens. Der 6. Dezember wird als „Tag der Verfassung“ gefeiert und wegen nichts anderem.

Vor uns das kommunale Leichtathletikstadion. Durch ein Tor geht es auf die Laufbahn, nach einer dreiviertel Runde wieder hinaus. Nette Idee, sonst sieht man solche Anlagen nur im Ziel – und doch beschweren sich hinterher spanische Läufer, dass keine Zuschauer im Stadionrund zu sehen waren. Wieder eine schmissige Blaskapelle. Um die von der Marathonmesse bekannte Sporthalle herum und dann gute zwei Kilometer durch Industriegebiet. Viele Autobahnen, Lidl, Aldi. Wie gut tut da die Anfeuerung des kleinen Grüppchens bei km 30.

Dann ruckzuck back in town. Das Viertel San Andrés wartet speziell auf mich. Einer der wenigen Radler stößt mich an, als er im Affenzahn an mir vorbeizieht. Ich schreie ihm etliche Verwünschungen hinterher. Verpflegungsstelle, Kraft tanken. Hier mit Bananen, Orangenstücken, Iso und Wasser.

Hupende Autofahrer warten auf uns. Sie haben wohl die vielen Hinweise zum Marathon am Straßenrand nicht gelesen und fühlen sich jetzt ziemlich ausgebremst.

Ein Wiedersehen mit vielen Schlachtenbummlern gibt es beim Kaufhaus El Corte Inglés, da dieses recht nah am Ziel liegt. Die Calle Don Juan de Austria führt über 1,5 Kilometer spürbar bergauf. Der Namensgeber, ein unehelicher Sohn Kaiser Karls V,  hat im Jahr 1571 die Flotte der „heiligen Liga“ in der Seeschlacht von Lepanto zum Sieg über die Osmanen geführt. So richtig flach ist der Marathon nicht. Ich messe so 100 Höhenmeter, meist sehr sanft, hier aber spürbar.

Das Estadio de Rosaleda, Heimat des in der Primera División spielenden FC Málaga, liegt vor uns. Die Brücke über den Rio Guadalmedina führt uns bei km 38 Richtung historisches Zentrum. Aus dem Fußballstadion tönt Blasmusik. Für mich beginnt der Kampf gegen die Uhr und den inneren Schweinehund. Leicht bergab gelingt es kaum, die beim Anstieg verlorenen Sekunden wieder wettzumachen. 

An der Markthalle Mercado Salamanca geht es in die Altstadt. Noch schöner ist das maurische Eingangstor zum Mercado Central Ataranzanas. Hier im nördlichen Teil des Centro Histórico sind eher die Einheimischen und Studenten unter sich. Ein deutscher Läufer spricht mich an. Er freut sich schon auf meine Fotos und saust davon. Am Plaza de la Merced, dem ältesten und berühmtesten Platz Málagas, laufen wir nun vorbei. In der Mitte ein Denkmal in Form eines Obelisken. Dieses wurde im 19. Jahrhundert zu Ehren des Generals Don José Maria Torrijos und seiner 48 Kameraden erbaut, die 1831 am Strand von Málaga erschossen wurden.

Wichtiger sind natürlich die vielen Kneipen und das Geburtshaus von Pablo Picasso, dem wohl bekanntesten Sohn der Stadt. Vor uns, über dem Straßentunnel, die Festung Castillo de Gibralfaro. In gut 100 Metern Höhe hat man von dort einen super Blick auf Spaniens sechstgrößte Stadt.

Nur wenige Reste der Stadtmauern aus den verschiedenen Epochen sind noch vorhanden, sodass man nur noch anhand der Straßenzüge deren ehemalige Lage erkennen kann. Wir biegen rechts in das Zentrum der Altstadt ein. Wunderbar renovierte Häuser warten auf uns. Vor uns ein lila leuchtender Baum. Links davon die Reste des römischen Theaters, darüber die osmanische Festung Alcazaba, verbunden mit dem Castillo. Von der Rückseite treffen wir auf die Catedral de Santa Maria de la Encarnación, eine der imposantesten Kirchen Spaniens, deren Bau 250 Jahre in Anspruch nahm. Die runden Türme an der Seite erinnern mich irgendwie an die Porta Nigra in Trier. Am Eingang der Kathedrale wieder eine große Bibelszene. Der barocke Palacio Episcopal (Bischofspalast) befindet sich gegenüber.

Kilometer 41 ist erreicht. Die Kilometertafeln zieren Durchhalteparolen auf Spanisch. Auf der Plaza Carbón überhole ich einen Barfußläufer. Abends steht hier immer eine große und laute Blechbläsertruppe. Leider nicht jetzt, aber wir hätten auch kein Trinkgeld dabei.

Unbeschreiblich ist das Treiben in der Altstadt an jedem Abend. Wie von einem großen Magneten angezogen strömen Einheimische und Besucher ins Zentrum. Kneipen und Restaurants sind bis auf den letzten Platz gefüllt. In den Straßen und Gässchen gibt es kein Durchkommen – und klein ist die Altstadt nicht. Bei Marathonreisen ins Ausland kann man halt ständig Neues erleben. Vermutlich hat unser Eindruck von „immerwährender Fiesta“ aber auch damit zu tun, dass wir ein besonders langes Wochenende mit „Brücke“ zwischen zwei Feiertagen erwischt haben...

An der Plaza de la Constitución wartet ein Weihnachtsbaum aus tausenden von Lämpchen auf die abendlichen Besucher. Wir unterqueren auf der schnurgeraden Calle de Marqués de Larios mit ihren noblen Geschäften einen Baldachin aus hunderttausenden von Lichtern. Der Aufbau der Lichterdekoration hat laut Bericht in der Tageszeitung übrigens drei Wochen gedauert.

Bei der Plaza de la Marina schwenken wir auf den Paseo del Parque ein. Die nächsten 600 Meter werden wir vom Jubel getragen. Mein Blick wandert hektisch zwischen Uhr, Kamera und dem Zielbogen hin und her. Nach 3:59:06 Stunden bin ich völlig erschöpft angekommen. Als ich mich umdrehe, passiert Judith nach 4:00:28 als Dritte ihrer Altersklasse das Ziel. Wir freuen uns über eine schöne Medaille und ein Finisher-Laufhemd. Nach der Verpflegung (Wasser, Iso, Obst) gibt es noch ein Victoria-Bier.

Aus unserem Hotelzimmer mit Blick auf die Laufstrecke sehen und hören wir später, dass auch die letzten Läufer noch mit großem Applaus gefeiert werden.

Wie schon bei unserer Reise 2013 kann ich Málaga als festen Termin im Kalender von Marathonreisenden nur empfehlen. Wo sonst erlebt man Mitte Dezember einen so schönen Stadtmarathon? Und in Andalusien gibt es genug zu sehen, um auch eine Ferienwoche außerhalb der Hauptsaison dort zu verbringen.


Ergebnisse
 

Männer

1. John Kipkorir Mutai (2.13:17, eigenen Streckenrekord vom Vorjahr um 7 Sekunden verfehlt)
2. Benson Waweru (2.18:34)
3. Abdelhadi El Mouaziz (2.19:10)


Frauen

1. Pennina Wanjiru (2.37:46, neuer Streckenrekord)
2. Anna Spagnoli (2.42:32)
3. Maite Maiora (2.49:39)

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