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Laufberichte

Feuchtfröhlich durch die Sintflut

07.10.12

Ein Gefühl von Exklusivität vermittelt uns das Erreichen des Grenzübergangs zwischen Höchst und St. Margrethen. Denn der Übergang ist für mehrere Stunden für Fahrzeuge gesperrt, sodass wir völlig ungestört die Grenze passieren können. Zwischen den Zollstationen queren wir den vom Hauptfluss abgeschnittenen und zu einem dicht umwucherten stillen Biotop gewandelten Alten Rhein. Ein wenig leidet die Idylle des Grenzflusses allerdings durch den donnernden Verkehr auf der gleich dahinter verlaufenden Autobahn A 1.

Mit Cheerleader-Girls und Musik werden wir im Herzen von St. Margrethen empfangen. Dass trotz der bescheidenen Wetterverhältnisse so viele Leute den Weg an die Strecke gefunden haben, freut uns Läufer natürlich besonders. Nicht ganz so prickelnd ist allerdings der Rest unseres Schweiz-Ausflugs. Denn der führt in langen Geraden durch das Gewerbegebiet „Rheinpark“. Am interessantesten ist da noch der Rohbau einer neuen Stahlbrücke. Eine weitere Autobahnbrücke katapultiert uns bei km 28,5 zurück in die grüne Wiesenlandschaft entlang des Rheins und zurück nach Österreich. 

Der hier kanalisierte, schnurgerade dahin fließende Rhein ist auf den nächsten vier Kilometern  unser ständiger Begleiter. Zumindest gefühlsmäßig. Denn zu sehen bekommen wir den Fluss nicht. Die grasbewachsene Dammkrone zu unserer Rechten, an deren Unterseite das Asphaltband unseres Weges verläuft, verhindert jeden Blickkontakt. Die Farbe Grün soll ja beruhigen. So gesehen hat die 4 km-Gerade höchstes Meditationspotenzial, das allenfalls durch ein paar grasende Kühe gestört wird.

Ein Blick auf den Fluss ist uns dann aber doch noch vergönnt, wenn auch erst zum Abschluss der Geraden. Denn wie schon 12 km vorher müssen wir erneut auf der Rheinstraße, nur jetzt in umgekehrter Richtung, den Fluss queren.

Zehn Kilometer liegen noch vor uns. Der weitere Weg ist uns zum Teil schon vertraut. Immer wieder stoßen wir auf Streckenstücke, die wir auf dem Hinweg in Richtung Schweiz bereits zurück gelegt haben und vor allem die Passagen durch die Natur laufe ich gerne ein zweites Mal.

Das verbliebene Läuferfeld hat sich schon weit auseinander gezogen, die Kräfte lassen nach, es beginnt die Zeit, in der sich sich marathonisch die Spreu vom Weizen bzw. der Möchtegern- (gehende) vom wahren (durchlaufenden) Marathoni trennt. Allen gemeinsam ist jedoch die mit Länge der Laufstrecke zunehmende Vorfreude auf die Verpflegungsstationen. Und mit denen ist der Kurs selbst in der Einsamkeit reichlich bestückt: Alle 5 km erwartet uns „full service“ mit Wasser, Isogetränken, Tee, später auch Cola und Gels, Energieriegeln und Bananen. Ab km 12,5 ist dazwischen jeweils noch ein Getränkeausschank postiert, sodass man zwischen Start und Ziel stolze 14  Mal ein Alibi hat, einen Regenerationsstop einzulegen. So viel Wässerung ist zwar heute gar nicht nötig, aber es motiviert doch immer wieder, den nächsten Verpflegungsposten anlaufen zu dürfen. 

Ein Streckenhighlight auf unserem Rückweg ist bei km 40 die weitläufigen Territorialabtei Wettingen-Mehrerau, einem bereits im 11. Jh. gegründeten Zisterzienserkloster, das heute auch ein Sanatorium und ein Gymnasium mit Internat betreibt. Mitten hindurch führt unser Weg und weiter über eine wunderschöne Allee bis zu dem am Bodensee entlang führenden Strandweg. Von hier lässt sich das nahe Ziel schon erahnen. Eine Schleife halb um das Casino-Stadion herum müssen wir zuletzt noch drehen, dann erst öffnet sich für uns das Tor zum Zieleinlauf.

 

Einlauf ins Casino-Stadion

 

Schon der erste Blick ins Stadion lässt sämtliche Anstrengung verfliegen. Applaus brandet uns von der dicht besetzten Tribüne und entlang der Zielgeraden entgegen, über Lautsprecher werden die Ankömmlinge persönlich begrüßt. Die letzten Meter über die fahnengesäumte und bogenüberspannte rote Tartanbahn werden zum Triumphzug für jeden Einläufer. Was für ein mitreißendes Finale!

Sofort werden wir in Folie gehüllt und medaillendekoriert in den üppig ausgestatteten Versorgungsbereich geleitet. Obst, Kuchen und vieles andere gibt es hier in Hülle und Fülle. Nur der nächste große Duscher vom Himmel hält mich davon ab, hier länger zu verweilen. Dafür bietet aber die überdachte Tribüne beste Gelegenheit regengeschützt einfach mitzufeiern.

Feuchtfröhlich durch die Sintflut – so durfte ich in diesem Jahr den Marathon der 3 Länder erleben.  Es ist der vielleicht nachhaltigste Eindruck, den ich von hier mitnehme: Diese trotz Dauerregens von Anfang bis zum Schluss so überaus herzliche und ausgelassene Stimmung.

Gewonnen hat übrigens der Kenianer Titus Kosgei in 2:14:25, was zwar keine neue Bestzeit bedeutet, aber doch ausgezeichnet angesichts der Bedingungen ist. Erster Nicht-Kenianer an der Spitze ist der Österreicher Andreas Gehrer als Fünfter. Dass er fast eine halbe Stunde länger unterwegs ist, gibt einem aber doch zu denken. Der Streckenrekord fällt dagegen bei den Frauen: Die Kenianerin Kimayo Ednah läuft in 2:35:27 allen anderen davon. Hier hält die Schweizerin Astrid Müller als Dritte mit 2:54:13 die Fahne der Europäer hoch. Insgesamt erreichen trotz höherer Anmeldezahlen weniger Marathonläufer als letztes Jahr das Ziel. Da haben wohl einige gekniffen. Selbst schuld – die haben echt was verpasst.

Maarathonsieger

Männer

1 KOSGEI, Titus (KEN) SSV Ulm 1846 02:14:25
2 KIPKOECH, Robert (KEN) run2gether 02:18:29
3 MWANGI, Joel Maina (KEN) run2gether 02:20:52

Frauen

1 KIMAIYO, Ednah (KEN) SSV Ulm 1846 02:35:27
2 MURGI, Lucy Wambui (KEN) run2gether 02:40:14
3 Müller, Astrid (SUI) 02:54:13

1099 Finisher

123
 
 

Informationen: Sparkasse 3-Länder-Marathon
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