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Laufberichte

Der Ausweis kann zu Hause bleiben

 

Den 3-Lnder-Marathon hatte ich schon einmal ins Auge gefasst. Doch dann vereitelte eine Erkltung eine Teilnahme, in den Folgejahren passte der 'Terminnicht. Aber heuer ist es soweit, gnstige Wetterprognose inbegriffen. Judith und ich sind also bei der 12. Auflage des Laufevents am sdlichen Ende des Bodensees dabei. Start ist im bayerischen Lindau, dann am See entlang ins sterreichische Bregenz und weiter nach St. Margrethen in der Schweiz. Zum Ziel luft man dann wieder nach Bregenz zurck.

Am Samstagabend geht es zur Startnummernausgabe in die krzlich modernisierte Inselhalle der Stadt Lindau. Auf der groen Marathonmesse knnte man sich noch mit Sportutensilien versorgen. Die im Preis enthaltene Pasta-Party gefllt mir besonders, denn hier ist Selbstbedienung angesagt. Als gebter Buffetnutzer kann ich Judith mal zeigen, wie man Nudeln so kunstvoll stapeln kann, dass auch ein ausgehungerter Reisender satt wird.

Fr unsere Unterkunft haben wir ein Quartier in einem vierten Land reserviert: Nchtigen werden wir im nahen Kressbronn, das schon zu Baden-Wrttemberg gehrt.

Der Sonntagmorgen empfngt uns regnerisch. Schnell sind wir in Lindau auf dem Parkplatz P5 direkt hinter dem Bahnhof, quasi am Start. Die Eile war berflssig. Eine Stunde vor Beginn sind noch viele der 600 Parkpltze (8 fr24 Stunden) frei. Dafr kommen viele Zge aus Bregenz an. Sportler knnen die Bahn bis Lindau und St. Margrethen im Rahmen der Teilnahme kostenlos nutzen. Die schnste Anfahrt haben sicher die Kreuzfahrer. Diese kommen mit mehreren Sonderschiffen von Bregenz nach Lindau. Kurz vor dem Start luft die moderne und riesige MS Sonnenknigin ein. Zeitlich fast schon etwas knapp gehen auch dort noch Laufteilnehmer von Bord.

Auf der Insel Lindau leben heute 2.800 Einwohner, in der gesamten Stadt ca. 25.000. Ursprnglich handelte es sich um drei Inseln, der Parkplatz P5 wurde erst 1968 aufgeschttet. Lindau ist die grte der drei bayerischen Gemeinden am Bodensee.

Um mehrere Tausend Teilnehmer des Marathons, Halbmarathons und Viertelmarathons etwas zu verteilen, wird der Marathon um 10:30 Uhr gestartet, die anderen Wettbewerbe um 11:15 Uhr. Organisatorisch haben die Veranstalter das bestens im Griff. Vom Bahnhof, Schiff oder Parkplatz kommend wird man durch die Ludwigstrae am Startbereich vorbei zur Kleiderbeutelabgabe geleitet. Die LKW stehen vor dem sehenswerten Alten Rathaus mit Fassadengestaltung aus dem 19. Jahrhundert. Die schicken Nummernschilder an den Fahrzeugen knnten darauf hindeuten, dass DB/Schenker fter den Kleidertransport bernimmt.

Kurz nach der Kleiderabgabe sind wir dann am Lindauer Hafen. Der auffallende Mangturm war von 1180 bis 1300 als Leuchtturm in Betrieb. Rechts im groen Hotel Bayerischer Hof htte man natrlich auch absteigen knnen, einige Lufer kann man noch beim Frhstcksbuffet sehen.

Am Beginn des Hafenplatzes gibt es Toilettenhuschen in ausreichender Anzahl, praktisch ohne Wartezeiten. Weiter vorne am Mangturm beginnen die Startblcke. Momentan ist nur ein Zugang fr die Marathonis mglich. Ein Schiff dient als Umkleidebereich. In einem Truck am Startbogen vor dem Bahnhof macht die RocknRoll-Band The Monroes Stimmung. Wie der Snger feststellt, ist der Block 1 noch ziemlich leer, wir sind ein wenig zu weit hinten.

Judith und ich treffen auch hier einige Bekannte. Volker fungiert heute als 3:45 h-Pacer und lsst sich von meiner OP-Narbe an der Hand nicht beeindrucken. Er zeigt mir seine, die von einem Sturz beim Fuballspielen herrhrt. Aus Linz ist Gnther angereist, sein Laufkollege Herbert startet heute in Chicago. Aber ob das die bessere Wahl ist? Immerhin sind beim 3-Lnder-Marathon auch 51 Nationen vertreten. Die Skandinavier tragen wie blich ein Fhnchen am Trikot. Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen knnte die Stimmung nicht besser sein. Wer eine krzere Distanz gewhlt hat, lsst es sich in einem der vielen Cafs gutgehen. Und um 10:30 Uhr fllt dann fr uns der Startschuss.

Die Band luft zur Hchstform auf, als sich die Luferschlange in Bewegung setzt. Vorbei an unzhligen Zuschauern geht es Richtung Diebsturm von 1380. Das Bauwerk diente lange Zeit als Gefngnis. Inselhalle, Kino, Spielbank, dann an der Stadtmauer entlang und ber die Straenbrcke geht es zum Festland.

Kurz vor dem Gterbahnhof biegen wir rechts ab, an alten Lagerhallen vorbei. Der Bodensee liegt rechts von uns, meist aber unsichtbar durch einen breiten Grngrtel getrennt. Am Lindauer Strandbad vorbei. Eine Familie hat eine riesige deutsche Fahne aufgehngt. Hier ist noch nicht die Grenze! Weiter. Der Weg ist meist ausreichend breit, manchmal muss man sich bei schmaleren Stellen mit dem berholen gedulden. Judith und ich halten uns an die Vier-Stunden-Pacer. Trotzdem finde ich die Zeit, mit einem Lufer in Union-Investment-Shirt ber das Thema Fondsanlage zu diskutieren. Er versteht sein Geschft. Nach einigen Minuten bin ich berzeugt, bei seiner Gesellschaft in guten Hnden zu sein. Was wir nicht mehr besprechen knnen ist die Frage, ob es nun gnstig wre, noch schnell in Deutschland ein paar Anteile zu kaufen und diese dann in der Schweiz oder sterreich wieder zu verkaufen. Ich muss Judith einholen.

Erster und letzter VP vor der Grenze ist am Park-Camping. Die Leiblach markiert die Grenze zwischen Deutschland und sterreich. Ansonsten merkt man fast nichts davon ich liebe die EU. Wie war in der Ausschreibung vermerkt: Es muss kein Pass mitgefhrt werden. Dass wir in sterreich sind, zeigt sich auch daran, dass hier keine Plakate fr die bayerische Landtagswahl am nchsten Sonntag zu sehen sind.

Dann wieder ein schner Blick auf den See bei Lochau-Hrbranz. Am Yachthafen vorbei. Beim Kaiserstrand eine schne, mondne Wohnanlage, fr etwas weniger Betuchte werden hinter der Bahn und der Bundesstrae Wohnblcke hochgezogen. Vielleicht auch mit Seeblick. Am km 7- Schild stehen drei Damen. Die eine hlt ein Glas Weiwein in der Hand, die andere ein Glas Rotwein und die dritte ein Bier. Ich entscheide mich fr Bier. Aber die Getrnke sind zum Eigenverzehr und nicht als Sportlerverpflegung gedacht.

Jetzt wird es eng zwischen dem See und den Auslufern der Alpen. In einem weiten Rund sehen wir die Luferschar. In zwei Kilometern werden wir in Bregenz ankommen. Der Weg ist ausreichend breit, besteht aber aus groen Betonplatten, die noch sehr feucht und vielleicht glatt sind. Ich bin mal etwas vorsichtiger. Direkt rechts von uns ein schmaler Kiesstrand, links die eingleisige Hauptbahn, dann die Bregenzer Strae. Die Autobahn verluft durch den mehr als sieben Kilometer langen Pfnder-Tunnel um die Stadt Bregenz herum. Auf dem See einige Bootshuser auf sehr lang wirkenden Holzpfhlen. Anscheinend hat auch der Bodensee unter dem trockenen Sommer zu leiden gehabt. Von einer Yacht aus wird uns zugejubelt. Ich nehme mir vor, nach dem Lauf kurz in den See zu hpfen.

Die Stadt Bregenz beginnt fr uns mit dem Fhrhafen, dem bedeutendsten sterreichischen Bodenseehafen. Die Stadt selbst hat fast 30.000 Einwohner und ist Hauptstadt des Bundeslands Vorarlberg. Eine Dudelsackgruppe spielt Amazing Grace, viele Zuschauer jubeln uns zu. In einem Pavillon auf einer Seebrcke wird das Mittagsbuffet zubereitet. Ich freue mich auf das nchste Highlight: die Durchquerung des Bregenzer Festspielhauses am oder im See. Rigoletto von Giuseppe Verdi ist fr die nchste Spielzeit angekndigt. Im Durchgang hngen Fotos ehemaliger Bhnenbilder. Verdi stellt die Verbindung zum gleichnamigen Marathon in der Po-Ebene her, an dem Judith und ich Ende Februar bei Null Grad und strmischem Wind teilgenommen haben. Hier ist es eher schon etwas zu warm.

Wir laufen zwischen den Rngen auf gleichem Hhenniveau hindurch. Der Blick auf die Bhne im See ist ernchternd. Von einem monumentalen Bhnenbild, das zum einzigartigen Ambiente dieser Anlage entscheidend beitrgt, ist nichts zu sehen. Dafr hren wir eine Operndiva eine Arie singen. Am Ausgang frage ich zwei Ordner, was denn nun mit dem Bhnenbild los sei. Das Bhnenbild ist aus technischen Grnden nur alle zwei Jahre zu sehen, also 2019 wieder.

Es geht ins Freibad von Bregenz mit direktem Seezugang. Dahinter bei km 11 dann wieder mal ein Yachthafen. Davon kommen noch einige am heutigen Tag, bevor es durch einen grnen Wald geht. Die Bregenzer Ach wird auf einer neuen Brcke berquert, ein groer Fluss, der nahezu den gesamten Bregenzer Wald entwssert. Wir kommen nach Hard. Yachthafen, dann Halligalli im Ortszentrum vor der Kirche, ein wenig Industriegebiet, dann sind wir an der Dornbirner Ach mit VP samt privater Party. Die Fhrenden kommen uns entgegen, einige Bereiche der Strecke werden zweimal gelaufen. Der Verkehr der Bundesstrae 202 wird abgeleitet, die Brcke ber den Neuen Rhein haben wir ganz fr uns. Das Rheindelta ist ein groes Natur- und Vogelschutzgebiet. Ich erklre drei finnischen Lufern, wo sie im Internet ihre Fotos finden knnen. Leider sprechen sie kein Englisch.

Fuach ist ein nettes Dorf. Im Gedchtnis bleiben die drei Badewannen am Feldrand und die schicken Hte der Freiwilligen Feuerwehr. Ich bin froh, hier mitzumachen. Hatte sich mein Eindruck von Bregenz, Hard und St. Margrethen doch bisher auf die wenig hbschen Transitrouten beschrnkt. Auer Schnellimbiss und Tankstelle lerne ich heute viele schne Seiten der Region kennen.

Durch die Felder geht es zur Schweizer Grenze. Die Hgelkette im Hintergrund gehrt schon zum Kanton St. Gallen. ber den Kirchplatz kommen wir zur letzten Verpflegungsstelle in sterreich vor der Zollstelle Hchst. Das ist einer der bevorzugten Grenzbergnge fr Motoristen, heute wegen des Marathons fr diese gesperrt. Aber es gibt ja noch viele andere bertrittstellen. Endlich ist auch die neue Brcke ber den Alten Rhein und die schweizerische A1 fertig. Der Alte Rhein markiert die Grenze zwischen den beiden Alpenrepubliken. Daraus ergibt sich auch, dass es hier westlich noch ein gutes Stck mir unbekanntes sterreich gibt, da der Alte Rhein dort erst in den Bodensee fliet.

Der Abstecher nach St. Margrethen wird mit knapp 5 Kilometern kurz, bietet aber alles, was man von einem Marathon so gewhnt ist. 44% der rund 6000 Einwohner des Ortes sind Auslnder, die zumeist vom Balkan stammen. Ein Mineralbad ldt zum Entspannen ein. Aber zu Anfang unseres Schweiz-Ausflugs gibt es erst mal einen Sonder-VP mit Trockenobst. Die beiden Burschen von Righttime spielen gerade den Anton aus Tirol.

Weiter unter der Bahn hindurch ins Dorfzentrum. Cheerleader, es geht durch ein Festzelt, in dem wir gefeiert werden. Wohngebiet, Industriestrae, groes Einkaufszentrum. ber verschlungene Wege unten durch und oben rber. Eisenbahn, Autobahn. Sicher nicht jedermanns Sache, aber ich mag solche Stellen in einem Marathon auch mal ganz gerne. Man sieht halt alle Facetten der jeweiligen Gegend und kann gelegentlich noch fr Verkehrsberuhigung sorgen. Letzter VP in der Schweiz, wie die anderen grenzbergreifend gut ausgestattet: Wasser, Iso-Gernke, Sinalco, Cola, Bananen, Riegel, auf den spteren Abschnitten dann auch Gel. Dazwischen Getrnkestellen und immer viele freundliche Helfer.

Dieses Jahr werden im Rahmen des 3-Lnder-Marathons auch die Schweizer Meisterschaften abgehalten. Erkennbar sind die teilnehmenden Luferinnen und Lufer an ihrer Startnummer mit der Schweizer Fahne. Auch sie drfen nun ein zweites Mal nach sterreich. ber drei Kilometer geht es jetzt fast schnurgerade am oder auf dem Damm des Neuen Rheins Richtung Bodensee, aufgelockert durch viele Schilder mit Durchhalteparolen. Bei der Schrebergartenanlage Mhlwasen wird fleiig gegrillt. Ich bestelle ein Halsgrat und gehe schon wieder leer aus.

Judith hngt sich an den 4:30-Pacer, denn wir backen nun kleinere Brtchen und mussten schon vor einiger Zeit die 4:15-Pacerin vorbeiziehen lassen. Links ein tiefes rundes Betonloch. Vielleicht ein Tunnelbau? Fr uns geht es unter der Strae hindurch. Der Pacer bleibt mit seiner Fahne hngen, muss sich tief bcken, um weiterzukommen. Dann ber den Rhein und auf inzwischen bekannter Strecke durch Hard. Die Jungs von der Musikgruppe Of Horses and Men sind immer noch aktiv. Das nenne ich mal Ausdauer.

Entlang an hbschen Vorgrten mit noch immer schnen Sommerblumen geht es weiter. Ich weise auf vermeintliche Zicklein auf der Weide am Wegesrand hin, doch Judith macht mich darauf aufmerksam, dass es sich um Schafe handelt. Als Stadtkind hat man es nicht leicht. Hinauf auf den breiten Rad- und Fuweg an der Autobrcke ber die Bregenzer Ache. Auf einmal werden wir nach oben geschleudert. Schwindelgefhle kommen auf. Der Lufer vor mir klammert sich am Brckengelnder fest. Ich gehe vorsichtig weiter. Laufe wieder an. Unglaublich, wie sehr eine Straenbrcke ins Schwingen kommen kann. Dann endlich wieder fester Boden unter den Fen. Der Kopf gaukelt mir aber immer noch einen schwankenden Untergrund vor. Hoffentlich hrt das bald wieder auf.

Wir passieren das Zisterzienserkloster Mehrerau, das 1854 gegrndet wurde. Noch 1,5 km. Der Zielsprecher ist bereits in Hrweite. Durch dichten Bltterwald geht es am Freibad vorbei. Unter dem Hallenbad hindurch. Das wirkt fast wie ein Marathontunnel. Noch ein Stck weiter und dann endlich ins Stadion. Noch 200 Meter. Glcklich komme ich an und nehme meine Medaille in Empfang, deren innerer Kreis mit Motiven der Fahnen aus drei Lndern drehbar ist. Nette Idee.

Groer Verpflegungsbereich im Ziel. Ein Weibier wartet auf uns. Cola, Wasser, Tee, Iso, Nuzopf, Obst, Salzstangen, Msliriegel und noch viel mehr. Fr die Herren stehen die schicken Grohe Duschtrucks bereit. Die Damen drfen im Hallenbad duschen. Wer will, kann danach noch mal zur Zielverpflegung gehen oder sich massieren lassen.

Der Chef des Schweizer Laufsportverbands bringt es im Interview auf den Punkt: Das Wetter war zwar etwas zu warm, lockte aber viele Zuschauer an die Strecke, welche die Sportler zu guten Zeiten motivierten.

Judith und ich nehmen die schne S-Bahn nach Lindau, genieen noch mal den Blick auf den See und unsere Laufstrecke und machen uns auf den Weg nach Hause.

Ein schner internationaler Marathon durch drei Lnder, ziemlich flach und abwechslungsreich. Aus meiner Sicht perfekt organisiert und mit grozgig angelegten Versorgungseinheiten ausgestattet.

Finisher

Marathon: 1.006
Halbmarathon: 2.390
Viertelmarathon: 1.472

weitere Wettbewerbe, z.T. am Vortag: Frhstckslauf, Schlerlufe, Teamwettbewerb und Walking.

Gesundheitssymposium am Samstag
Marathon-Guide mit allen wichtigen Informationen im Starterbeutel enthalten

Sieger
1 Flckiger, Armin 02:22:44
2 Kosgei Toroitich, Isaac 02:24:00
3 El Jaddar, Ahmed 02:27:35

Siegerinnen
1 Urach, Sandra 02:47:57
2 Bernasconi, Claudia 02:50:35
3 Maurer, Arlette 02:57:18

 

Informationen: Sparkasse 3-Lnder-Marathon
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