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Laufberichte

Heimspiel in Franken

 

Kilometer 10 bis 21

 

Ein Wort zur Strecke: Bisher ist sie sehr abwechslungsreich und kurzweilig. Aufgrund der Ecken und der vielen kleinen Wellen sind Bestzeiten wohl nur sehr schwer zu erzielen. Aber heute wird der Genussgedanke im Vordergrund stehen. Die vielen Helfer, sei es auf den V-Stellen oder an Abzweigungen, sind mit Begeisterung dabei. Und immer wieder sind kleine Stimmungsinseln darunter, die uns mit Tröten und La-Ola-Wellen motivieren. In einer Wohnsiedlung hat man ein Transparent aufgehängt. „Herzlich willkommen“, lese ich.

Unterfarrnbach liegt nordwestlich der Fürther Innenstadt. Schöne Fachwerkhäuser können wir an der Unterfarrnbacher Straße bestaunen. Und Staunen sehe ich auf den Gesichtern, die aus den Fenstern blicken. Eine Anwohnerin steht im Eingang ihres Hauses und klatscht, oben hängt eine Fahne herunter mit „weiter so, ihr schafft das“. Da bin ich mir sicher, auch für die, die im Schlepptau hinter dem orangenen Ballon hängen. Auf der Würzburger Brücke überqueren wir den Main-Donau-Kanal, ein paar Höhenmeter warten natürlich wieder.

Der 15. Kilometer bringt uns nach Unterfürberg. Eine Kindertanzgruppe steht mit ihren Puscheln am Rande des Kurses. Übrigens, an 23 Stellen auf der Strecke stehen Bands, Vereinen und Einrichtungen, und sorgen für Kurzweil. Und da warten Chöre, Sambatrommeln, Rock, Partymusik und Blues auf uns. Dance & Run heißt das Motto kurz und knapp.

Ich bin ruhig am Laufen, da tippt mir einer auf die Schulter. Mein Austria-Freund Gerhard Wally hat sich von hinten herangepirscht. Marathon Nummer 514 steht bei ihm an, er ist ein Marathon-Vielfraß auf zwei Beinen. Später lässt er sich nach hinten fallen, er ist halt ein Genussmensch. Ein paar Straßenzüge weiter haben Anwohner ein Zelt aufgestellt, um bei Bier, Bratwurst und Musik den Läufern zuzuschauen.

Am Badsteg neben der Rednitz gibt es Klarinettenmusik am Cafe Badehaus. Zum Baden taugen aber die Temperaturen nicht, außer man ist ein harter Hund. Langsam nähern wir uns der Altstadt. Nach ein paar Kurven laufen wir am Rathaus vorbei. Beim Anblick denkt man, man sei in Florenz vor dem Palazzo Vecchio. Zwischen 1840 und 1850 wurde das Rathaus nach Plänen von Georg Friedrich Christian Bürklein erbaut.

Das Ziel der ersten Runde ist nicht mehr fern, kein ganzer Kilometer mehr. Der verkehrsberuhigte Bereich in der Schwabacher Straße sowie die paar Meter in der Friedrichstraße dürfen wir noch belaufen, dann heißt es Streckentrennung. Die Halben nach links, und wir halten uns rechts. Von den Halbmarathonis ist natürlich noch nichts zu sehen, nur die Spitze des Marathons ist aufgelaufen.

 

Erste 10er-Runde (Kilometer 21 – 30)

 

Die führenden Marathonis sind nun gut zehn Kilometer weiter und beginnen ihre zweite Schleife über 10,5 Kilometer. Ich finde diese Streckeneinteilung passend. Eine Schleife über 21 Kilometer und dann die 10er-Runde zweimal, die Erste zum Schnuppern und die Zweite als Abschluss. 2.01 Stunden sehe ich auf der Uhr. Um die vier Stunden zu unterbieten, werde ich am Ende meine Pace schneller machen müssen.

Es dauert nur einige Straßenzüge, einige Meter und einige Kurven, dann laufen wir auf das Schlussfeld der  Nordic Walker auf. Und es ist, wie oft behauptet: Wenn gehen nebeneinander und brauchen die volle Straßenbreite. Wenigstens halten es nicht alle so, denn Erwin lässt immer wieder einen Ruf los, und die Stockerlgeher halten sich rechts. Für die jetzt überholenden Marathonis schaut es deutlich schwieriger aus. Denn sie sind eine Runde weiter und müssen uns noch dazu überholen. Einige schlagen bei ihrem Manöver Haken wie die Feldhasen.

Trotz der kühlen Witterung halten uns die Fürther weiterhin die Treue. Nun sind auch bei der Musikschule im Südstadtpark die Hausfenster von den Kindern in Beschlag genommen. Du bleibst stehen, fotografierst, sagst „hallo“ und bekommt dafür lachende und strahlende Gesichter zu sehen.

Von hinten kommt ein indischer Eisenbahner, Sidhappa Shivanur. Er muss auf seiner letzten Runde sein. Anstrengung ist in seinem Gesicht zu sehen, er muss schwer kämpfen, bis er sich von uns langsam lösen kann und wird dann immerhin noch hart an die drei Stunden heran laufen.

Erwin ist Profi als Zeitläufer. Bisher hat er bei fast jedem Marathon in Fürth seinen Dienst als Pacer zur Verfügung gestellt. Nun ist durch die Volks- und Staffelläufer (Start 10.15 Uhr) wieder auf der Strecke dichter. An den Tankstellen weist Erwin seine rund 20 Schäfchen an, zur Flüssigkeitsaufnahme zumindest ein paar Sekunden stehenzubleiben oder zu gehen. „So erwischen wir wenigstens das Getränk und versabbern nicht das Trikot“, stellt er die Vorteile heraus.

Die Volkslaufrunde über 10,5 Kilometer führt bis auf etwa einen Kilometer auf den bisher bekannten Wegen und Straßen. Lediglich im Nordwesten der Altstadt laufen wir ein Stückchen auf einem Uferweg neben der Rednitz. Unsere Strecke mündet dann in die Königstraße ein, wo nun von rechts die Halbmarathonläufer daherkommen. Wie auf Absprache taucht die Zweistundenläuferin Bernadette Obermeier auf. Auch sie ist just in time. Nach knapp zwei Stunden wird sie ihre Anhänger ins Ziel bringen.

 

Endspurt

 

Jetzt noch eine Runde, und der lange Kanten ist im Kasten. Die Straßen sind gerade fast abgetrocknet, da fängt es wieder zum Pieseln an. Und der Fotograf muss jetzt wieder öfter einen Blick auf das Objektiv werfen und dasselbe putzen.

Kurz nach Kilometer 35 verabschiede ich mich von Erwin und seinen Zwölfen nach vorne. „Ich erwarte euch im Ziel“ und weg bin ich. Ich drücke ein wenig auf das Tempo und bin laufend am Überholen. Ein Staffelläufer in einem Triathlonshirt muss auch dran glauben und kann nicht gegen halten.

Kilometer 39, Petrus dreht seinen Hahn immer stärker auf, für mich Ansporn, noch ein wenig mehr auf das Tempo zu drücken. Bei Kilometer 42 reitet mich der Schalk. Ein Zuschauer kommt gelaufen und knipst den Autor 195 Meter vor dem Ziel. Gleich ist's geschafft. Nur noch einmal um die Kurve rum, und dann stehe ich nach 3.56 Stunden im Ziel. Vorher muss ich noch Bernd van Trill abklatschen. Ich werde ihn noch ein Bild von mir schicken, denn er verwechselt mich mit unseren Chefredakteur.

 

Zielimpressionen

 

Im Zielbereich winke ich einem Mädchen aus der Cheerleader-Gruppe auf ein Bild zu mir. Und es kommt gleich der ganze Haufen gelaufen. Fotogen sind sie alle. In den drei, vier Minuten kommen dann fast alle aus Erwins Gruppe ins Ziel. Und er hat es auch fertig gebracht: Die zweite Hälfte rennt er geringfügig schneller als die erste. 3.59 Stunden und ein paar Sekunden, Maßarbeit.

Zwei Wahnsinnige (wie ich) kommen knapp unter 4.15 Stunden herein. Ingo Klaus und Harald Weigel haben nicht nur die Pace gemacht, sondern vor Wochenfrist auch noch den 100er in Ulm. Da waren beide schneller unterwegs, heute habe ich sich versägt. Das nächste Mal bin ich wieder dran, wetten?

Im abgesperrten Zielbereich erhalten wir reichhaltige Verpflegung: Apfelkuchen, Kirschkuchen, Obst, Äpfel. Für die durstigen Altbayern und Franken leckeres Weizen und Colaweizen, für das schwache Geschlecht gegen absackenden Blutdruck Prosecco. Und a rechter Durst muss da auch bekämpft werden, denn rund 20 Kisten Leergut von dem Sprudelwasser liegen herum. Soforturkunden können gleich mitgenommen werden. Zu den Duschen ist ein Pendelverkehr eingerichtet.

Ein sportliches Wochenende: Insgesamt waren knapp 6600 Läufer auf allen Distanzen unterwegs. Vom Enkelkind mit zwei Jahren beim Windellauf bis hin zum 79jährigen Opa auf der Laufdistanz. Die Meisterschaften der Eisenbahner und die bayerische Polizeimeisterschaft im Halbmarathon belebten die Szenerie. Die Deutsche Bahn, als einer der Hauptsponsoren, brachte allein 113 Staffeln auf die Strecke, darunter auch Bahnchef Rüdiger Grube. An die vielen Helfer und Sponsoren ein dickes Danke für das Heimspiel in Franken. Bernd lädt für 2015 heute schon dazu ein, ich werde mir den Termin merken.

 

12
 
 

Informationen: Metropol Marathon Fürth
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