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Laufberichte

Joe´s 85ter (Marathon, nicht Geburtstag)

25.10.09
Autor: Joe Kelbel

Ruhe bis km 31, nein, da hat HR1 seine Boxen.  Gleich drauf gibt es „Bombastische Stimmung“ vom „Harheimer Musikcorps“  und lässt mir keine Zeit zur  Regeneration. Da fliegt mir doch das Blech weg! Keine Ruhe, denn selbst die Kleingärtner vom Gallus machen Riesen-Tamtam.

Aber jetzt ist Schluß! Am Rand steht der Pumuckel mit breitem Grinsen. Er hatte mich schon bei den Zuschauern angekündigt. So, jetzt habe ich eine herrliche Ausrede: Ich lass hier zusammen mit dem Pumuckel meinen 85ten Marathon ruhig ausklingen, ein paar Bierchen, tanzen, anfeuern und fünfe grade sein lassen. Wir singen Songs wie  „ mit 66 Kilometern, da fängt das Laufen an“, schunken und machen einen Riesenterz.

Der Pumuckel macht ganze Arbeit: die Läufer heben den Kopf und bekommen wieder Schwung. Die Zeit vergeht und sämtliche Pacemaker ziehen vorbei. Aber einer fehlt noch! Klar: der Stimmungspräsident Michel! Und da ist er auch schon. Die Beiden machen nun noch mehr Wirbel um die Läufer rum und ich tausend Fotos.

Die Stunden vergehen, der Michel muss weiter, er muss vor dem Letzten an der Festhalle sein. Der Pumuckel hat noch Zeit, der ist ja schnell, der wäre heute 2:30 gelaufen, wenn da nicht......aber Joe´s 85ter ist ja ein guter Anlaß.

Jetzt ist es auch schön ruhig. Nur das wenige „Tapp Tapp“, was mehr ein „Schlurf Schlurf“ ist und ein paar knarzende Becher an der Verpflegungsstation im Gallusviertel. Mehr hört man hier nicht. Früher wurde die Gegend „Kamerun“ genannt, wegen der vielen  rußverschmierten Arbeiter. Da heizt schon wieder ne Gruppe ein: es ist der legendäre Karnevalsklub FCG Kameruner: Klasse, daß die Musiker so lange durchhalten, aber schwarz sind die nicht.

„Q 2 Jim & Ally Quinn“ spielen „Lucky Day“. Ich schau unweigerlich auf die Uhr, so spät war ich noch nie bei einem Stadtmarathon unterwegs. Es ist schon recht einsam jetzt, aber auch lustig, wenn man jeden, aber auch jeden überholt: Die wenigen Zuschauer sind begeistert, brüllen und jubeln mir zu, als sei ich von den Toten auferstanden.

Ein tranfunzliges  Humtata vom „Musikzug Ronneburg“. Soll ich jetzt wirklich wieder Gas geben? Ich mag nicht, die Musik ist krumm und schief, anscheinend haben die gerade Probe.

Am Güterplatz spielt Thommy Scharf, der erinnert mich an Bruce, ja, ein bißchen Southerrock, der sieht cool aus und ist ne Großaufnahme wert, und dann gebe ich wieder Gas. Ja, da sind ja die Artemis-Frauen! Die größte Frauensportverein des Landes jubelt mir zu! Ja, ich werde Ehrenmitglied - hahahaah!

Ich halte Ausschau nach der Bahia Dance Group mit den kaffeebraunen Sambatänzerinnen. Ich wollte doch noch Bilder machen. Aber ich bin zu spät. Deren Rythmus ist vielleicht jetzt auch nicht mehr angebracht bei diesem Wandertag.

Km 36, hier sind sie wieder, die ultimativen Trommler: Kimba Djembe, jetzt fliegen mir die Kaugummis von den Sohlen weg! Das  Blut  wallt zwar nicht, aber ich mache zehn, zwanzig Plätze nach vorne gut, eine grandiose Aufholjagd.

Und gleich danach Bloco Baiano wieder, ey Leute ich dreh gleich durch!
Kilometer 37,5 - hier ist wieder Rick Mayfield. Passend singt er: „Ich fliege wie im Traum“ als ich vorbeiziehe und er mir Gelegenheit für ein Superfoto gibt. Da sind wieder die Mülltonnentrommlern  „Ten ON Tons“.

Oh Mann, km 38 - die „Womens on Drums“, jetzt packt es mich, jetzt will ich wissen, wieviel Power habe ich? An der Hauptwache ruft Jochen Heringhaus meinen Namen. Er ist selbst Marathonläufer und hat über 1500 Lauf-Events  betreut und moderiert. Der muss ja schon mindestens 2,5 Millionen Läufer angefeuert  haben! Eine Stunde beim Jochen und du weisst alles und dieses Wissen hat er aus meinen Berichten!

Zweihundert Meter weiter wieder die Street-Samba Band. Meine Achillessehne will nicht mehr, mein Fuß ist geschwollen und ich hüpfe mehr , als daß ich laufe. Doch es ist mir egal, es ist die Stimmung hier, die mich weiterreicht, als würde ich über die Köpfe der Zuschauer hinweggetragen Richtung Ziel, einfach nur weiter. Die „Crash Kidz“. Alex hat mich erkannt und winkt mir zu. Ich muss weiter. Das Restaurant vom Wilfred Kigen hämmert wieder  den Beat in einer Höllenlautstärke raus.

„Samba Areia“ die Sandsambagruppe, jetzt hält mich nichts mehr. Doch jetzt geht es wieder hoch zum Eschersheimer Turm, und ich dachte, ich laufe jetzt Richtung Messe. In großem Bogen geht es hinter der Börse vorbei zum Opernplatz. Ich will doch nur zum Ziel, warum muss ich jetzt wieder bergauflaufen? Da stehen die „Sambanana“ von heut´morgen! Yuppiiii!

Am Opernplatz moderiert  Artur Schmidt, „der Marathonmann“, ich kenne ihn vom Köln-Marathon, vom Mittelrhein, von Rostock und Dresden. Auf drei Großbildleinwänden bin ich zu sehen, live. Das ist schon lustig.

Es fetzt. Links ein Staffelläufer, rechts einer, ich überhole alle, die kriechen ja auch. Zielgerade, wieder die Mainzer Landstraße runter. Fototermin bei Lauf-News.de. Soviel Zeit muss sein. Jetzt kriechen immer mehr Staffelläufer . Aber kein Problem für einen Endspurt, da ist um diese Zeit viel Platz..

Viel zu klein ist das Portal der Festhalle. Ich bremse ab, stelle die Kamera auf Blitzlich um und  mache Fotos, genieße die Atmosphäre  und  tauche ein in ein riesiges, buntes Aquarium. So warm, so bunt und so voller Gewusel ist die Korallenwelt, bis weit hoch unter das Dach der Festhalle. Das Konfetti auf dem roten Teppich glitzert wie Millionen Neonfische im klaren Wasser . Wie riesige Schwerter durchschneiden die Scheinwerfer den Atemnebel in der riesigen Halle. Die Cheerleader wedeln mit ihren silbernen Pömpöms wie Anemonen mit ihren Tentakeln. Ein ohrenbetäubendes Tosen und Brausen, als mein Name auf dem riesigen Bildschirm erscheint, ich muss weiter über die Ziellinie, ich kann hier nicht stehen bleiben.

Es ist grandios, ich möchte bleiben, möchte genießen, doch ich kann nicht mehr atmen, die feucht-warme Luft ist wie tropisches Seifenwasser, ich möchte nur noch raus an die Luft, zu meinem Bindingbier. Doch die Stufen hinunter tun weh. Links im Sanitätsbereich ist Hochbetrieb, bloß raus zur Verpflegungsmeile. Dichtes Gedränge, Läufermassen bewegen sich wie Mondmenschen und drängen hinaus ins Freie, greifen hilfesuchend nach den silbernen Folien und nichts wie raus.

Und da steh´n sie dann alle. Wie jedes Jahr  umklammern die Gladiatoren ihre silbernen Umhängen und zwischen den Händen und Armen äugen die Bierdosen hervor. Ja, das ist Frankfurt: der Sieger wird gefeiert und  geht mit vollen Händen nach Hause! Und die Party geht heute Nacht weiter!

Vor dem Tor der Festhalle finde ich mein Fahrrad. Die Passanten gucken verstört, als ich glücklich rufe:  „Es will mer net in de Kopp enei, wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“

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Informationen: Mainova Frankfurt Marathon
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