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Laufberichte

Alte Liebe rostet nicht

 

Hoch in den Norden

 
In Grün gehüllt geht es aber weiter dahin. Kaum merklich ist ein Unterschied, als wir bei km 22,5 den Stadtpark erreichen und ein Stück weit seinem südlichen Saum folgen. In rauen Scharen haben sich zu meinem Erstauen Zuschauer selbst in dieses Naturidyll verirrt. Wobei „verirrt“ eigentlich nicht der richtige Ausdruck ist. Denn es ist kein Zufall, dass uns hier wieder Hunderte in dichtem Spalier unermüdlich anfeuern. Das dichte U- und S-Bahnnetz Hamburgs macht es möglich. Wo immer eine Station ist, kann man sicher sein: Hier sammeln sich die Menschen. Oder umgekehrt: Wo immer uns ein größerer Menschenauflauf erwartet, ist die nächste Bahnstation nicht fern.

 



Das Gefühl, in der Stadt zu sein, stellt sich eigentlich erst wieder jenseits der km 24-Marke ein. Vorstädtische Normalkost ist in Barmbek Nord angesagt, vom Wohnblock bis zum Einfamilienhaus, primär im Backstein-Look, was für einen Hamburger ganz normal sein mag, für einen Münchner aber eben ungewohnt ist. Meine Orientierung ist längst perdu. Den Streckenplan hatte ich zwar vorab eingehend studiert und ich weiß, dass es bis km 31 immer weiter gen Norden geht. Aber als Ortsunkundiger habe ich keinerlei Ahnung mehr, wo ich mich gerade befinde.

Eine Landmarke im Vorstadtmeer sind die Hochhäuser des Büroareals City Nord. Fernwehgeplagte werden an den Straßennamen ihre Freude haben. Ferne Städte dienen um den Überseering herum als Namensgeber. Aber es ist wie so oft: Je exotischer die Benamung, desto nüchterner die Realität. Trotz aller kühler Sachlichkeit in der Architektur hat auch hier wie eigentlich überall in Hamburg die Natur viel Raum. Wenn eine Stadt den Namen „Parkstadt“ verdient, dann ist das ohne Zweifel Hamburg.   

Bei km 29, nunmehr im Stadtteil Alsterdorf angelangt, treffen wir auf eine alte Bekannte: Die Alster, nunmehr auf die Normalbreite eines Flusses geschrumpft. Dem lauschigen eingewachsenen Ufer folgend begleiten wir den Fluss.  

Ich muss eigentlich gar nicht auf das Kilometerschild schauen. Als uns der nächste Massenempfang bereitet wird, weiß ich sofort: Wir sind in Ohlsdorf. Natürlich ganz in der Nähe: Der U- und S-Bahnhof. Der nördlichste Punkt ist erreicht, 31 km sind zurück gelegt. Kaum zu glauben ist, dass der Flughafen Fuhlsbüttel gerade einmal eine Bahnstation entfernt ist.

 

Die laaange Zielgerade


In Ohlsdorf heißt die Devise: Von hier geht es geradewegs ins Ziel. Dazu sagen muss man allerdings: Die Zielgerade misst 11 km. Fuhlsbüttel, Alsterdorf, Eppendorf sind unsere Stationen, die wir über endlose Alleen passieren. Immer mehr schätze ich die gut sortierten Verpflegungsstellen. Alle 2,5 km wird Wasser gereicht, alle 5 km habe ich zusätzlich die Wahl zwischen Iso und Cola, Bananen und Riegeln oder Gels. Und auch hier: Heerscharen von Helfern. 2.500 sollen es insgesamt sein, die als Garanten einer perfekten Organisation mitwirken. Ihnen sei auch an dieser Stelle gesagt: Ihr habt einen super Job gemacht!

 



In Eppendorf merkt man zunehmend die Nähe des Stadtzentrums. Geschlossene Fronten alter Bürgerhäuser säumen die Straße. Geschlossen ist aber auch etwas anderes: Das Zuschauerspalier. Mit dem Eppendorfer Baum erreichen wir bei km 37 eine geradezu legendäre Station des Hamburg Marathon. Tausende sind es, die uns fast einen Kilometer lang in dichtgedrängten Reihen einen unvergleichlichen Empfang bereiten, angeheizt von einer wirbelnden Trommlergruppe und lautstarker Musik aus der Konserve.

Zuschauer-Hot-Spots gibt  es in Hamburg ja reichlich, aber den diesjährigen Top Spot stellt der Eppendorfer Baum. Von angeblich hanseatischer Kühle oder Zurückhaltung ist nicht das Geringste zu spüren. Wie weggeblasen ist vor der Kulisse tosenden Beifalls und im Dauerfeuer der Anfeuerungsrufe die Erschöpfung in den Beinen. Hey, ist das geil! Mir fällt einfach nichts anderes ein, was die Situation treffender ausdrückt.

Sehr viel beschaulicher geht es zwei Kilometer weiter in Harvestehude zu. Wir haben wieder die Außenalster erreicht und spähen durch gepflegte Parklandschaft auf beschaulich im See treibende Segelboote. Auf der anderen Straßenseite dürfen wir einen Blick auf eine der edelsten Wohnlagen der Stadt werfen. Superchice vollverglaste Apartmenthäuser reihen sich hier neben prunkvolle alte Villen, selbstverständlich allesamt in nicht minder repräsentative Gärten eingebettet.   

In Rotherbaum angekommen, ist mit dem Fernsehturm das gar nicht mehr so ferne Ziel auszumachen. Der letzte Kilometer über den Gorch-Fock-Wall, vorbei am Alten Botanischen Garten, fällt gar nicht mehr so schwer. Dann: Die Karolinenstraße und damit das letzte kurze Stück der laaangen Zielgerade.

 

Finale   


Ein finaler Höhepunkt ist der Einlauf über den leuchtend roten Teppich, direkt dem Fernsehturm entgegen, vorbei an den menschengefüllten Tribünen, durch eine lärmende Klangwolke aus Applaus und Musik, zuletzt durch den großen Zielbogen.

 

Es ist ein Erlebnis von nur Sekunden und doch gehören sie zu den prägenden Eindrücken des Laufs. Es ist vollbracht. Unglaublich ist das Menschengewurle im und um das Ziel. Ein paar Zielfotos geschossen, die Medaille eingeheimst, ein wenig das üppige Obstbuffet geplündert, ein kühles Bierchen gezischt, eine heiße Dusche genommen, alles nahe beieinander. Auch der Abspann macht Freude. Danke, Hamburg, es war wunderbar. Vor neun Jahren und auch heute wieder.

 

Weitere Informationen und Bilder findet Ihr hier

 

Siegerliste

 

Männer

1 Dechasa, Shumi (ETH)    02:06:43
2 Ndiema, Eric (KEN)    02:07:00
3 Rono, Philemon (KEN)   02:07:07  

Frauen

1 Rono, Georgina (KEN)      02:26:47
2 Mekash, Dinknesh (ETH)     02:27:29
3 Jepkorir, Winny (KEN)      02:27:57

12858 Finisher

 

Hamburg-Impressionen

 

 

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Informationen: Haspa Marathon Hamburg
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