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Laufberichte

Familienfest

 

 

Nach der Unterführung der L1100 erfolgt die Trennung von den Ultraläufern, die hier direkt nach Oberstenfeld laufen. Wir halten uns rechts auf dem Radweg an der Beilsteiner Straße entlang. Ein Orchester bestehend aus vielen Jugendlichen motiviert hier die Läufer. Etwas oberhalb kommen bereits die schnellen Läufer zurück. Ein paar Meter weiter intoniert ein einsamer Gitarrist englischen Folk. Wir sehen noch einmal  die Entgegenkommenden, die Strecken trennen sich dann und es  geht an der Straße entlang für uns weiter.

 

 

Trotz des vielen Verkehrs genieße ich diesen Streckenabschnitt, hat man doch einen schönen Blick auf die 326 m hoch gelegene Höhenburg Hohenbeilstein vor uns. Helfer weisen uns nach links; es geht zick zack erst durchs Beilsteiner Wohngebiet, dann in ein Industriegebiet. Hier macht Guggenmusik Stimmung. Wir drehen eine Schleife in der Siedlung. Viele Anwohner sitzen draußen und feuern uns an. Es geht am km 8 Schild vorbei, dann sind wir wieder bei den Guggenmusikern, diesmal von der anderen Seite. An der nun folgenden VP machen wir erst einmal ein Päuschen. Es ist doch warm geworden. Wasser, Cola oder Iso sind heiß begehrt.


Laura: Langsam fängt mein Knie an zu schmerzen  und auch mein Zeh tut richtig weh. Deshalb nehmen wir uns die Zeit, hier „in Ruhe“ ein Stück Banane zu essen und etwas zu trinken. Puh, die Banane war ein Fehler. Kurz drauf wurde mir übel. Zum Glück nur kurz, sodass dass das nicht auch noch zum Problem wird.


Hinter der nächsten Kurve geht es kurz steil bergauf. Oben halten wir uns links, wo uns ein torförmiges „Der Weg ist das Ziel“-Transparent in ein kleines schattiges Gartenparadies führt. Nanu, wir sind ja schon bei km 9 und auf dem Radweg, den wir vorhin von der anderen Seite gesehen hatten. Nun ist es nicht mehr weit und wir erreichen erneut Oberstenfeld. Es geht die lange Beilsteiner Straße hinunter, wo uns immer wieder Grüppchen von Anwohner anfeuern. Wie schon in den Vorjahren erwartet uns in der nun folgenden scharfen Kurve eine Percussion Gruppe mit vielen applaudierenden Zuschauern. Fetzig wird es dann ein paar Meter weiter im Ortszentrum vor dem historischen Rathaus. Hier ist richtig was los. Ein Moderator sagt die Namen der Läufer an. Dabei feiert der halbe Ort die Vorbeikommenden. Links geht es wieder ins Wohngebiet, von wo aus wir den Übergang über die L1100 erreichen. Es geht in einer Spirale hinauf, dann über die Brücke und in einer weiteren Spirale wieder hinunter.


Laura: Noch 2 Kilometer, dann habe ich die Hälfte geschafft. Langsam wird es auch richtig warm. Ich habe großen Durst und sehne den nächsten VP herbei. Die tolle Stimmung am Marktplatz von Oberstenfeld bringt mich auf andere Gedanken. Ich konzentrierte mich voll auf den Sprecher, der jeden einzelnen Läufer namentlich ankündigt. Raus aus Oberstenfeld geht es über eine Fußgängerbrücke, deren Steigung wir direkt wieder für eine Gehpause nutzten. Langsam beginnt das „Unternehmen Halbmarathon“  anstrengend zu werden. Meine Beine tun weh und bei meinen bisher gelaufenen Strecken wäre ich jetzt auch schon im Ziel. Aber das ist heute noch 11 km entfernt.

 

 


Am Sportgelände vorbei erfolgt die nächste Trennung der Ultrastrecke. Wir werden jetzt nach rechts geleitet (km 11 Schild). Wir lassen uns noch einmal von einer Kapelle anfeuern, dann geht es links auf den ruhigen Radweg nach Großbottwar. Hinter dem km 12 Schild sitzt Fotograf Matthias auf der Lauer und macht Bilder von den Läufern mit dem schönen Hintergrund von Burg Lichtenberg.  “Bitte Lächeln“. Laura wäre eine VP jetzt lieber. Der Radweg verläuft in der prallen Sonne. Schon von weitem hören wir Zuschauerapplaus und Musik. Bei Sauserhof gibt es die ersehnte Stärkung. Eine Pause muss jetzt sein. Auf den nun folgenden 2 km gehen und laufen wir abwechselnd. Das letzte Stück des Radweg verläuft auf einer Böschung und wir sehen unter uns Läufer - wie weit die wohl voraus sind?


Laura: Den Fehler mit der Banane machte ich nicht nochmal, lieber Wasser - und davon viel. 3 Becher und 2 Becher Cola sollten reichen. Natürlich bleiben wir dabei stehen, meine Beine brauchen eine Pause. Aber wir sind ja zum Laufen hier, also wurde aus einer längeren Pause nichts. Weiter geht es den Feldweg entlang. Links sehen wir trockene Maisfelder,  rechts sind ein paar Bäume, die uns ein bisschen Schatten spenden. So richtig genießen kann ich die Landschaft nicht mehr. Ich freue mich auf die nächste Steigung, um eine  Gehpausen einlegen zu können.

Km 13 km,  noch 8 km, wenn ich richtig rechne. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass wir schon lange nicht mehr beim geplanten 7er Schnitt sind. Eher so 7:30. Naja egal, Hauptsache ankommen. Da sich die Marathonis die Strecke mit uns teilen, sind wir  trotz unseres langsamen Tempos nicht alleine unterwegs. Es kommt  wieder eine Begegnungspassage,  die entgegenkommenden Läufer motivierten mich,  weiter zu laufen.


Hinter km 14 und einem kleinen Industriegebiet folgt ein kleiner Schlenker zum Areal der Winzergenossenschaft Großbottwar. Hier war in den Anfangsjahren Start und Ziel des Bottwartal-Marathons. Wer dabei war, wird den Anstieg vor dem Zieleinlauf nicht vergessen. Oben erwarten uns Trommler.  Jürgen, oder Homo Jürgensis, einer der Erfinder des Urmensch Ultralaufs, kommt, standesgemäß in Steinzeitkluft, von hinten. Weil der härteste Teil des Laufs hinter ihm liegt, ist er zügig unterwegs. Er scheint zufrieden mit der von ihm neu ausgesuchten Strecke zu sein.

Es geht bergab, bis wir rechts den Eingang zur historischen Altstadt erreichen. Das kleine Tor in der Stadtmauer gilt es zu durchlaufen. Sprecher und Publikum erwarten uns auf dem Marktplatz vor dem historischen Rathaus.

 


Laura:  Der Marktplatz ist voller jubelnder Zuschauer. Für einen Moment kann ich mein schmerzendes Knie vergessen  und die Atmosphäre genießen. Nach dem Zuschauer Hot-Spot kommt direkt auch wieder eine VP. Cola und Wasser haben sich bewährt, also so viel mitnehmen wie man kriegen kann und langsam weiter laufen. Würde ich jetzt stehen bleiben, könnte ich vermutlich nie wieder los laufen. Mittlerweile haben wir uns in einem langsamen 7:48er Schnitt eingependelt und wechseln zwischen Gehen und Laufen. Auch so kann man Kilometer für Kilometer hinter sich bringen. So schlappen wir (Mama entspannt, ich eher gequält) am 17er-Schild vorbei.

Wer kommt denn auf die Idee, direkt an die Marathonstrecke ein Schild mit der Aufschrift „ Schöner Biergarten in 200m rechts“  zu stellen? Jedenfalls lockert der Hinweis die Stimmung auf und zaubert mir ein kurzes Grinsen ins Gesicht. Es geht nun wieder eine Weile am Feld entlang, Weinberge und  Apfelplantagen wechseln sich ab.  Wäre ich nicht so kaputt, könnte ich diesen sehr schönen Streckenabschnitt mehr genießen.

 

Der Radweg nach Kleinbottwar liegt erneut voll in der Sonne. Komischerweise wird das Stück gar nicht so zäh wie befürchtet. Obwohl wir immer wieder Gehpausen einlegen, kommen wir gut voran und können sogar den einen oder anderen Geher einholen. Das motiviert. Ich verkünde bei km 18, dass der kurze Anstieg zu den ersten Häusern von Kleinbottwar nun die letzte Steigung ist. Im Ort schenken Kinder Wasser aus. Zuschauer feuern die müden Helden an, es ist wahrlich ein Fest zu Ehren der Läufer im Gange. Hinter einer Kurve geht es dann noch einmal bergauf. Mist - diese Steigung hatte ich wohl verdrängt.

Die Straße nach Steinheim liegt angenehm im Schatten. Noch vor dem Ortsschild laufen wir am km 20 Schild vorbei. Weil sich die meisten Interessierten im Zielbereich versammeln, ist auf der langen Geraden nicht viel los,  Beifall gibt es dennoch. Noch ein letztes Gefälle, eine letzte Kurve und das Ziel ist in greifbarer Nähe.


Laura:  Mit dem ersehnten Ortsschild von Steinheim kommt auch das 20 Kilometer Schild in Sicht. Ich denke, wenn ich den Rest komplett  laufe, bin ich in nicht mal 7:48 Minuten im Ziel. Also nehme ich nochmal die letzte Kraft zusammen und laufe das schier endlose gerade Stück bis nach Steinheim, noch ein letztes Mal den Berg runter, eine Rechtskurve und dann höre ich schon das Ziel. Noch ein kurzer Stopp für ein historisches Bild mit dem Kilometer 21 Schild und dann mit einem entschlossenen Schlusssprint ab ins Ziel.

 


Der Fotostopp beim km 21 Schild ist Ehrensache. Laura legt noch einen Endspurt hin. Chearleader stehen Spalier und feuern jeden Läufer an. Dann haben wir das Ziel erreicht. Es gibt eine Medaille und für jede Frau noch eine Rose. Norbert und unsere Lauffreundin Elli stehen zur Begrüßung bereit. Laura will nur noch trinken. Der Erdinger-Stand lädt ein, doch sie will lieber etwas anderes. Im Verpflegungszelt gibt es diverse Erfrischungsgetränke. Außerdem Banane, Riegel und Hefezopf und vor allem Sitzgelegenheiten. Der gesamte Zielbereich ist belagert mit müden, aber zufriedenen Läufern. Immer noch kommen Läufer, meist Ultras ins Ziel, jeder Einzelne wird vom Moderator begrüßt, von den Zuschauern bewundert und von den Chearleadern begeistert gefeiert. Wir entspannen einige Minuten. Dann machen wir uns auf den Weg zur Halle.


Laura: Papa begrüßt uns mit einem Erdinger Alkoholfrei in der Hand. Herzliches Beglückwünschen und ein paar Zielfotos,  dann auf direktem Wege zur  hochgelobten Zielverpflegung.  Man hat mir  nicht zu viel versprochen. Neben Wasser und Cola gibt es verschiedene Sorten Iso, Hefezopf, eine Auswahl an Müsliriegeln und das von Mama so ersehnte Erdinger Alkoholfrei.

 


Fazit: Auch wer einen flotten Halben laufen will, ist im Bottwartal gut aufgehoben. Alles ist auf Asphalt, die vorhandenen Steigungen lassen sich gut schaffen. Und wer beim Laufen gerne schöne Landschaften genießt, ist hier ebenfalls richtig. Es gibt romantische Burgen zu bestaunen, steil ansteigende Weinberge abwechselnd mit weiträumiger Felderwirtschaft und kleine Flüsschen die zum Durchatmen einladen.  Viele Zuschauer und Musikgruppen  sorgen für eine tolle Stimmung. Gut für diejenigen, die auch solches suchen.  Unter den beteiligten Orten scheint es diesbezüglich einen regelrechten Wettbewerb  zu geben. Durch die verschiedenen Streckenlängen ist für jedes Laufniveau das Richtige dabei.  Auf die familiäre Atmosphäre und die gute Verpflegung hatte ich schon hingewiesen.

Meiner Meinung nach einmalig: Als besonderer Anreiz für auswärtige Starter gibt es ab 200 Anreisekilometer bis zu  50% Rabatt auf das Startgeld.

 

Laura: Als Fazit kann ich nur sagen, eine für mich perfekte Mischung aus Natur und „Aktion“ und auch für langsame Läufer ideal, da man Dank des großen Starterfeldes nie alleine kämpfen muss. Weitere Erkenntnis: Schmerz geht, Stolz bleibt und es wird mit Sicherheit nicht mein letzter längerer Lauf gewesen sein.

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Informationen: Bottwartal-Marathon
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