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Marathon statt Burnout

28.05.12
Quelle: Andreas Butz

Zwei Studien sorgen derzeit für Gesprächsstoff. Eine neue dänische Studie belegt, dass Läufer länger leben. 6 Jahre haben Läufer länger vom Leben als Nichtläufer. Und das Manager Magazin veröffentlicht in seiner aktuellen Ausgabe „Deutschlands erstes Burn-Out-Ranking“ mit erschreckenden Ergebnissen.

Bis zu 8,4 Prozent der Beschäftigten einzelner Dax-Unternehmen sollen unter Burnout leiden. Aus meiner täglichen Arbeit heraus, mit Sportlern, Managern und Unternehmen, bin ich der festen Überzeugung, dass es Sinn macht beide Studien gedanklich zu verbinden.


1 Stunde pro Woche laufen – 6 Jahre länger leben


Auf dem Präventionskongress EuroPRevent 2012 am 3. Mai in Dublin, Irland wurden die Ergebnisse der "Copenhagen City Heart Study" vorgestellt. Das Ergebnis: Regelmäßiges Dauerlaufen verlängert die Lebenserwartung bei Männern um 6,2 Jahre, bei Frauen um 5,6 Jahre. Der Kopenhagener Studienleiter Peter Schnohr stellt fest: "Wir können mit Sicherheit sagen, dass Joggen das Leben verlängert. Das Gute dabei ist, dass man sich gar nicht überanstrengen muss, um die positiven Effekte zu haben." Schon 1 bis 1,5 Stunden langsames Dauerlaufen soll der Studie zufolge ausreichend sein. Das heißt: mit einer Stunde Joggen pro Woche kann man sich 6 Lebensjahre verdienen. An der im Jahr 1976 begonnenen Studie hatten 20.000 Männer und Frauen im Alter zwischen 20 und 93 Jahren teilgenommen.

Schon im Jahr 2008 kam eine Langzeitstudie der medizinischen Fakultät an der Stanford University in Kalifornien, USA zu einem ganz ähnlichen Ergebnis. Gut 500 Läufer und Nichtläufer, zu Beginn der Studie allesamt über 50 Jahre alt, wurden zwei Jahrzehnte begleitet und hinsichtlich ihrer Gesundheit untersucht. Nach 21 Jahren waren 34 Prozent der Nichtläufer verstorben, jedoch nur 15 Prozent der Läufer. Und selbst 90-Jährige, die regelmäßig joggten, waren deutlich fitter als ihre inaktiven Altersgenossen.


Manager Magazin veröffentlicht Burnout-Ranking


Das Manager Magazin zitiert in seiner am 25. Mai 2012 erschienenen Ausgabe 6/12 aus einer exklusiv vorliegenden Untersuchung von Asklepios, Europas führender privater Klinikkette. Diese hat auf Basis eigener Patientendaten ein Burnout-Ranking unter den 30 Dax-Konzernen erstellt. Aus dem geht hervor, dass in manchen Unternehmen jeder 12. der Beschäftigten an Burnout leiden soll. „Jede siebte Krankschreibung im ersten Halbjahr 2011 basierte auf Burnout oder Depression“, so das Wirtschaftsmagazin weiter.


Lebensstil mitentscheidend


Die Ursachen von psychischen Erkrankungen können vielfältig sein. Und manche Lösungsansätze, zum Beispiel eine stationäre Therapie, ein Jobwechsel oder die Trennung einer Partnerschaft, sind sehr weitreichende Entscheidungen und oft keine sicheren Heilsbringer. Ich bin aber überzeugt, dass es im privaten Bereich Lösungsansätze gibt, die sofort, ohne negative Nebenwirkungen und nur mit Selbstdisziplin aufgegriffen werden können: Die Hinwendung zu einem bewussten und aktiven Lebensstil. „Bewusst“ in dem Sinne, dass man sich wirklich damit auseinandersetzt, welche Eigenschaften des persönlichen Lebensstils positive und welche negative Auswirkung auf die Gesundheit haben können. Und „aktiv“ als klare Erkenntnis, dass in der Bewegung immense Heilkraft, Lebensenergie und Präventionschancen liegen. 

„Bei hoher Trainingsintensität werden ähnliche Effekte im Gehirn erzielt wie durch Antidepressiva“, sagt zum Beispiel Andreas Brooks, Chefarzt der Schweriner Helios-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Magazin Der Spiegel Wissen 1/2011. Und das Stern Magazin Gesund leben berichtet in seiner Ausgabe 1/2011 von einer Ambulanz der Berliner Charité, die „Motivation statt Medikamente“ anbietet und ihren Patienten „Strategien für einen heilsamen Lebensstil“ anbietet.

 

Lebensstil schlägt Gene


Burnout und weitere Zivilisationskrankheiten wie Herzkreislauferkrankungen, immer noch die häufigste Todesursache in Deutschland, sind zum überwiegenden Teil das Ergebnis unseres Lebensstils. 10 Prozent Veranlagung. 90 Prozent Lebensstil.

Dabei sind die am stärksten die Gesundheit beeinflussenden Lebensstil-Faktoren die Ernährung, das Gewicht, der Alkoholkonsum, das Nichtrauchen und die Bewegung. Alle fünf Faktoren sind starke Ansatzpunkte für mehr Gesundheit, mehr Lebensfreude und mehr Leistungsfähigkeit. Dennoch wirkt ein Ansatz deutlich stärker heraus als die anderen. Es ist die Bewegung. Genauer gesagt: Das Laufen. Denn wer läuft, macht auch in den anderen vier Bereichen das meiste richtig, wie viele der zitierten Studien belegen.


Warum ist Laufen so mächtig?


Warum ist das Laufen so mächtig? Laufen verändert den Menschen. Läufer entwickeln ein Gespür für einen gesunden Lebensstil. Viele Läufer verändern nach und nach ihre Einstellung zu Ernährung, Alkohol und Nikotin. So mancher hat als Raucher mit dem Laufen begonnen, doch schon nach einiger Zeit die Kippen für immer weggeworfen. So mancher hat nur wegen des Gewichts mit dem Laufen angefangen. Doch mit zunehmender Leistungsfähigkeit nicht nur das Gewicht betrachtet, sondern auch die Qualität der Ernährung. Und so mancher Läufer hat den Alkoholkonsum drastisch eingeschränkt. Wer vor der Arbeit läuft, kommt besser aus den Federn, wenn er am Vorabend wenig oder keinen Alkohol getrunken hat. Laufen ist der Königsweg zu einem gesunden Lebensstil. Wenn Läufer im Schnitt 6 Jahre älter werden, dann nicht nur wegen des Laufens an sich, sondern auch wegen der Auswirkungen des Laufens auf alle Lebensgewohnheiten. Ich spreche in meinem Vorträge von einem „Running Lifestyle“.


Marathon zur Selbstführung


Niemand muss Marathon laufen, um von den gesundheitlichen Aspekten des Laufens zu profitieren. 1 bis 1,5 Stunden Laufen pro Woche reichen für ein längeres Leben, der oben zitierten Kopenhagener Studie zufolge. Und für einen Marathon sollte man dauerhaft mindestens 5 Stunden Trainingszeit pro Woche laufend aufbringen, um wirklich gut vorbereitet zu sein. Dennoch kann das Ziel Marathonlauf ein Garant dafür sein, den Königsweg Laufen auch ja nicht zu verlassen. Viele Spitzenmanager bestätigen mir genau das.

Zurzeit treffe ich für ein neues Buchprojekt viele Marathon laufenden Unternehmer, Top-Manager und Aufsichtsräte und befrage sie nach ihren Motiven. Eine Auswahl an Interviews habe ich unter www.andreasbutz.com veröffentlicht. Die Motive zu laufen sind dabei sehr vielfältig, von Selbstmotivation, über Selbstvermarktung, der Vorbildfunktion bis hin um Laufen zur Teambildung zu nutzen.

Ein Motiv nennen aber fast alle der von mir befragten Spitzenmanager: Selbstführung. Das Ziel Marathon hält sie am Laufen und der Trainingsplan ist für die meisten Manager ein Element der Selbstführung. Ohne Marathonziel wäre für viele der Antrieb zum regelmäßigen Training deutlich schwieriger. Und tatsächlich gibt es deutlich mehr Menschen die das Laufen wieder aufgegeben haben, weil es ihnen an Motivation fehlte, als engagierte Marathonläufer.

Der Marathon kann ein zusätzlicher Motivationskick zur Führung eines aktiven und bewussten Lebensstils sein. So berichtete mir Jochen Spethmann (Milford-Tee, Meßmer-Tee) vom Morgenlauf als ersten  Sieg des Tages. Und der Schweizer Banker Jochen Schneider (Zürcher Kantonalbank) erlebt, dass ein Arbeitstag zwei Vormittage haben kann, wenn er es schafft, in der Mittagspause zu laufen. Und Ralf Klenk, Gründer der Bechtle AG, nutzt den Abendlauf, um den Stress wirkungsvoll abzubauen. Allesamt Trainingseinheiten für den Marathon und gleichzeitig aktive Vorsorge vor physischen und psychischen Erkrankungen wie Burnout oder Depression.

Die besten Quote im Burn-out Ranking der Dax-Konzerne hat - mit unter 3 Prozent - Volkswagen. Was mit dazu beitragen dürfte, ist die innovative „Blackberry-Regelung“. Eine halbe Stunde nach Arbeitsende schalten sich die Weiterleitungen vom Mailserver auf die Smartphones der Tarifmitarbeiter ab. Freizeiten sollen Ruhezeiten sein.

 
© Andreas Butz 5 Bilder

Aber wahrscheinlich ist es auch kein Zufall, dass der Volkswagen-Vorstand als sehr sportlich gilt und dies auch vorlebt. Personalvorstand Horst Neumann ist Läufer und Volkswagen-China Chef Karl-Thomas Neumann inzwischen sogar 9-facher Marathonläufer. Er war es auch, der den VGC Runners-Club in Peking gründete und seither so häufig wie möglich samstags mit der Gruppe trainiert. Die Fotos zeigen meinen Besuch im Juli 2011.

Fortsetzung folgt.

Liebe Lauffreunde von marathon4you.de, tut weiterhin gutes, lauft Marathon, und redet darüber. Führt eure Freunde und Bekannten zu Firmenläufen. Diese kurzen Herausforderungen über 5 bis 6 Kilometer sind die perfekte Einstiegsdroge in die gesundeste Sucht der Welt: Die Laufsucht. Ist der Laufvirus erst übergeschwappt, ist der Weg zum Marathon nicht mehr weit. Teilt daher eure Freude am Laufen mit möglichst vielen Menschen und werdet Botschafter eines „Running Lifestyls“, eines bewussten und aktiven Lebensstils.

Euer Andreas Butz
www.laufcampus.com
www.andreasbutz.com

 
 

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