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Laufberichte

Mit Wind und Regen gewürzte 50 Kilometer

 

Beim Ultramarathon in Rodgau gibt es keine Teilnehmerlimit,  und es ist seit jeher üblich, das Startgeld erst bei Abholung der Startunterlagen zu bezahlen. Vermutlich hatte ich es deshalb nicht besonders eilig, Norbert und mich dort anzumelden. Als ich dann Ende Dezember die Starterliste einsah, traf mich fast der Schlag: bereits 1.100 Voranmeldungen. Das bedeutete, dass wir nicht das hochwertige Laufzubehörs bekommen würden, das für die ersten 800 Anmelder reserviert ist.

Natürlich ist das Anmeldegeschenk nicht der einzige Grund, warum wir dort das Läuferjahr beginnen wollen. Die Auswahl an Marathonveranstaltungen im Januar ist in Deutschland übersichtlich. Nach Rodgau-Dudenhofen, nähe Frankfurt, kommt man zur Not auch bei winterlichen Verkehrsverhältnissen, und der 5 km Rundkurs ist im Großen und Ganzen bei jedem Wetter laufbar. Kein Wunder also, dass sich die Veranstaltung so großer Beliebtheit erfreut.

Schon vor 9 Uhr sind die Parkplätze am Freizeitgelände Gänsbrüh voll. Wir werden über eine Brücke geschickt. Dort am Waldrand gibt es noch ein paar Ecken, wo man sein Fahrzeug abstellen kann. Zu Fuß geht es dann zurück zum Tennisheim, hier gibt es die Startunterlagen. Der kleine Raum ist bereits voll mit Menschen. Weil die Helfer zügig arbeiten, hält sich der Zeitaufwand für uns jedoch in Grenzen. Draußen hat sich mittlerweile eine Schlange gebildet; da haben wir nochmal Glück gehabt.

Der nächste Weg führt uns in die angrenzende Sporthalle. An langen Tischen sind die Sportler beschäftigt sich auf das Kommende vorzubereiten. Die Halle scheint hoffnungslos unterdimensioniert, aber das stört hier keinen. Man rückt zusammen und hat sogleich einen Aufhänger für zwanglose Gespräche.

Plötzlich leert sich die Halle spürbar, denn zum Start sind es ca. 850 m Fußweg, was man in seine Vorbereitung mit einbeziehen sollte. In Erinnerung daran, dass wir hier schon einmal rennen mussten, machen wir uns rechtzeitig auf. Der Weg führt wieder über die bereits erwähnte Brücke, direkt an unserem Auto vorbei, in den Wald. Immer der Läuferschlange nach kann man den Start/Zielbereich gar nicht verfehlen. Dort sind die meisten Läufer bereits versammelt. Ein Unterstand dient der späteren Zielverpflegung und als regensichere Ablage für die Taschen der Läufer. Die Zeitmessung mit großer Digitaluhr ist aufgebaut und Gabi Gründling, als Sprecherin in ihrem Wohnmobil, ist ebenfalls startklar. Sie wird, wie in jedem Jahr, den Lauf in ihrer unnachahmlichen Art fachkundig kommentieren.

 
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Zum wiederholten Mal werden wir aufgefordert, uns hinter dem Startbanner aufzustellen. Mir fällt es schwer, mich auf den Lauf einzustellen. Wir treffen nach der Winterpause so viele Bekannte, mit denen noch letzte Neuigkeiten ausgetauscht werden müssen, dass der Zweck unseres Hierseins in den Hintergrund tritt. Gerade als wir dann doch den Startbereich erreichen,  geht es auch schon los.

Ich bin überrascht, wie viele Zuschauer sich heute hier eingefunden haben. Es wird begeistert geklatscht und angefeuert. Das Rennen beginnt – wie immer im hinteren Teil des Feldes – langsam. Erst allmählich kommen wir in Schwung. Überholen ist bei der Masse an Menschen sowieso zwecklos. Bald folgt die erste scharfe Rechtskurve und es geht am Waldrand entlang. Weiter vorne in der Ferne kann man das Läuferfeld bereits um die nächste Kurve flitzen sehen. Norbert hat eine persönliche Zeitvorgabe und verlässt mich nun, um sich irgendwie nach vorne zu arbeiten.

Die Tische mit der Eigenverpflegung lassen wir links liegen und auch an der offiziellen Verpflegung haben die Helfer noch keinen Stress. Es ist alles aufs Beste vorbereitet: Becher mit Getränken und Schüsseln mit diversen Snacks sind bereits gefüllt. Es geht auf das freie Feld. In der Ferne können wir die bunten Shirts der Führenden sehen. Nach ca. 300 m und einem scharfen Abzweig nochmal rechts, kommt uns am Horizont der Wald schon wieder entgegen. Dort passieren wir das km 2 Schild und kurze Zeit später das Schild, das die Marathondistanz in der 9. Runde anzeigt.

 
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Der Weg ist lang und gerade. Jetzt ertönt Musik. An der Kreuzung zur Begegnungsstrecke sorgt ein DJ für heiße Rhythmen. Mehrere Helfer weisen uns links. Hier ist der Weg geteilt und auf der anderen Seite kommen bereits die Schnelleren. Es wird gegrüßt und angefeuert. Bald ist der Wendepunkt erreicht; wir laufen grüßend und anfeuernd zurück.

Am Musikzelt vorbei geht es jetzt geradeaus weiter (km 3). Im Zickzack verläuft der Weg über die Felder, bis wir erneut den Wald erreichen. Vor der einzigen kleinen Steigung der Runde steht das km 4 Schild. Nach der letzten Rechtskurve genießen wir die langgezogene leicht abfallende Zielgerade. Die erste Runde ist beendet.
Kurz vor der VP werde ich zum ersten Mal überrundet. Der Helfer auf dem Führungsfahrrad hat alle Hände voll zu tun, um im immer noch dichten Feld, Platz für seinen Schützling zu schaffen. Während ich hektisch zur Seite springe habe, verpasse ich den Spitzenläufer. Auch die Nächstplatzierten kann ich nicht erkennen. Sie müssen sich mit lauten Rufen behelfen und haben sichtlich Probleme, ungehindert zwischen den vielen Langsameren vorwärts zu kommen.

 
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Mit 8 °C sind die Temperaturen heute ganz angenehm. Der Wetterbericht verspricht allerdings ab Mittag ausdauernden Regen. Die Wolken hängen tief; das sieht nicht gut aus. Ein unangenehm böiger Wind fegt über die Felder. Nach der VP kommt er von hinten, hinter der nächsten Kurve von der Seite und ab km 3 dann von vorne. Es gelingt mir, in den ersten Runden einen geeigneten Windschatten zu finden. So geht es ganz gut.

Ab der 2. Runde ist die VP stark frequentiert. Es gibt Wasser, warmen Tee, Cola, Apfelsaftschorle und Iso. Außerdem Salz, Kräcker, Erdnüsse, Kekse, Schokolade, Früchte- und Müsliriegel in handliche Portionen geschnitten. Dazu die obligatorischen Bananenstücke. Ich esse und trinke nach Lust und Laune. Mit meinem 6:30er Schnitt fühle ich mich momentan ganz wohl.

Inzwischen hat mich auch die erste Frau überrundet. Es kommen immer mehr Läufer von hinten und so ist es kaum mehr auszumachen, wer wie viele Runden Vorsprung hat. Überholmanöver erweisen sich teilweise als schwierig. Wir versuchen zwar, Platz zu machen, aber gerade auf der Begegnungsstrecke ist es eng. Den Eliteläufern war das aber von vorneherein klar, und so kommt es, soviel ich weiß, zu keinen unschönen Wortwechseln oder gar Unfällen.

Bei km 20 treffe ich auf Konjit. Die gebürtige Äthiopierin war vor 2 Jahren zufällig zum Laufen gekommen und ist heute, nach dem Baden-Marathon im Herbst zum 2. Mal auf einer Langstrecke unterwegs. Aus einem kleinen Plausch wird ein intensives Gespräch. Das macht den Kurs kurzweilig. Wir verlassen gerade gemeinsam die VP in unserer 6. Runde, als der Führende Benedikt Hoffmann nach 2:57:26 bereits ins Ziel einläuft. Sogar hier auf den Feldern ist die Lautsprecherdurchsage deutlich zu hören. Im Nachhinein erfahre ich, dass er einen einsamen Start-Ziel-Sieg und Streckenrekord gelaufen ist. Herzlichen Glückwunsch! Erst knapp 12 Minuten später kommt Janosch Kowalczyk mit 3:09:14 gefolgt von Karsten Fischer mit 3:09:29 ins Ziel.

Den Sieg bei den Frauen holt sich wie auch im Vorjahr Tinka Uphoff. Nach ihrem vierten Platz bei den Deutschen Marathonmeisterschaften in Frankfurt im Herbst in der fantastischen Zeit von 2:42:06 Std ist dies eigentlich keine Überraschung. Dass sie dann auch noch mit 3:32:41 knapp 5 Minuten unter dem Streckenrekord von Constance Wagner aus dem Jahr 2004 bleibt, ist dann allerdings schon bemerkenswert. Zweite wird die Rodgau-Siegerin von 2014 Astrid Staubach in 3:52:00 vor Katrin Herbrik in 3:57:57.

 
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Wir freuen uns, dass es immer noch nicht regnet. Langsam leert sich die Strecke und auch im Zielbereich wird es jetzt übersichtlicher. Jedes Mal, wenn wir vorbeikommen, laufen Finisher ein. Aus dem Sprecherwagen beglückwünscht Gabi Gründling jeden Ankommenden und moderiert souverän auch nach Stunden immer noch unermüdlich.

Dann beginnt es doch zu regnen. Der Wind wird unangenehm kalt. Bei Konjit sind nun die Beine schwer, sie muss abreißen lassen. Jeder wieder für sich, kämpfen wir uns gegen den Wind und durch den Regen. Im Wald ist es deutlich angenehmer. Dann kommt meine liebste Runde, die 9. An der VP laufe ich auf Petra auf. Wir kennen uns von früher. Sie verrät mir, dass dies heute ihr 50. Marathon ist. Gleich wird sie ihn geschafft haben. Am Marathonschild halten wir dieses Ereignis in einem Foto fest. Neu motiviert, läuft sie mir nun auf und davon.

 
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Mir geht es immer noch gut und trotz anhaltendem Schauer kann ich die letzte Runde locker zu Ende laufen. Danke an die Helfer, die bereits mit dem Säubern der Strecke beschäftigt sind, danke an die, die uns immer noch am Wendepunkt anfeuern, danke an die, die mit ihrer originellen Musikauswahl mitten im Wald unsere letzten Kräfte mobilisiert haben.

 
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Im Ziel werden wärmende Folien verteilt. Ich bin patschnass. Während ich mir bei den Helfern an der Zielverpflegung Wasser und Bananen abhole, besorgt Norbert meine Tasche. Hier habe ich in weiser Voraussicht trockene Wechselklamotten deponiert. In einer geschützten Ecke sind auch andere dabei sich umzuziehen, bevor wir uns wieder in den Regen hinaus aufmachen. Auch Konjit ist da. Ihr ist die Freude über den ersten gefinishten Ultra deutlich anzusehen. Hat da wieder jemand den Laufvirus erwischt?

Gerade als wir das Auto erreichen, bricht ein richtiger Wolkenbruch los. Nochmal Glück gehabt. Norbert steuert das Auto durch die Regenmassen und wir bekommen einen Parkplatz direkt vor der Halle. Dort ist gerade die Siegerehrung in vollem Gange.

 

 

Fazit:

Der 17. Ultramarathon von Rodgau ist Geschichte. Mit 2 neuen Streckenrekorden wird er lange im Gedächtnis bleiben. Wichtiger finde ich jedoch, dass jeder Teilnehmer seine persönlichen Erinnerungen mit nach Hause nehmen wird. 620 Läufer haben das Ziel in 6 Stunden erreicht. Andere hatten sich 20, 30 oder 42 km vorgenommen, ein paar sind außerplanmäßig ausgestiegen und wieder andere konnten das Ziel selbst in 6Std30 nicht erreichen. Ich bin sicher, dass auch letztere in ein paar Tagen positiv auf diesen außergewöhnlichen Lauf zurückblicken werden.

Wieso außergewöhnlich? Bei der Siegerehrung fällt mir auf, dass es keinen so richtig zu interessieren scheint, wer da auf der Bühne geehrt wird. Das soll keine Respektlosigkeit gegenüber den Siegern, oder den Lauforganisatoren sein. Tatsächlich ist es den meisten hier wirklich wichtiger, sich zu treffen und gemütlich beisammen zu sein. Und wo kann man das besser als in Rodgau Ende Januar?

 

Fotos. Klaus und Margot Duwe

 

Siegerliste

 

Benedikt Hoffmann gewann in neuer Streckenrekordzeit  (2:57:26)  Stunden. Tinka Uphoff gewinnt wie im Vorjahr den  50-Kilometer-Ultramarathon des RLT Rodgau und brach ebenfalls die alte  Bestmarke.

 

 
Benedikt Hoffmann
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Männer

1 Hoffmann, Benedikt TSG 1845 Heilbronn 2:57:27
2 Kowalczyk, Janosch Phabene Laufteam/LT Höfingen 3:09:16
3 Fischer, Karsten SSC Hanau-Rodenbach 3:09:30

 

 
Tinka Uphoff
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Frauen

1 Uphoff, Tinka Spiridon Frankfurt 3:32:44
2 Staubach, Astrid Ultra Sport Club Marburg 3:52:00
3 Herbrik, Katrin TV Hergershausen  3:57:57

619 Finisher

 

Informationen: Ultramarathon Rodgau
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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