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Laufberichte

Die tun was

 

Der elfte Skatstadtmarathon steht an und ich gehöre fast schon zum Inventar des Events: Beim fünften Mal darf man das schon behaupten, glaube ich. Bei mir und meiner Holden gehört das Rennen in der über 1000 Jahre alten ehemaligen Residenzstadt Altenburg fast schon zum Pflichtprogramm. Wo liegt denn die Stadt, in der das Skatspiel im Jahr 1810 erfunden wurde?  Ganz einfach:  In der Mitte des Dreiecks von Leipzig, Chemnitz und Gera gelegen, ist der Ort verkehrstechnisch gut gelegen und mit dem Fahrzeug und der Bahn gut zu erreichen.

Man glaubt es vielleicht nicht, aber das Gebiet gehört bereits zu den Ausläufern des Erzgebirgsvorlandes und ist entsprechend hügelig. Wer ein Freund von Landschaftsläufen ist, die ruhig ein paar Höhenmeter haben dürfen, wird sich freuen. Genau kann ich es nicht sagen, aber ich rechne auf der Marathonstrecke mit den zwei identischen Runden mit 500 bis 600 Höhenmetern. Was die Altenburger gleich von Anfang an geplant haben, ist die Vielfalt an Läufen. Neben den Kleinsten, die beim Kinderlauf 400 Meter rennen dürfen, werden auch Schüler und Fitnessläufer (3,6 bzw. 5,4 Kilometer) beschäftigt. Läufer mit mehr  Ausdauer messen sich beim 13,3 Kilometer-Lauf und der harte Kern macht die 21 km lange Runde ein- oder zweimal. Als Paar kann man sich den Marathonkurs auch teilen. Stöckchenschwinger dürfen sich auf der 13,3 und der 21,1 Kilometerstrecke austoben. Man kann sich somit als Neuling langsam von Jahr zu Jahr (bei gutem Training natürlich) nach oben dienen.

Lanciert hat die Veranstaltung im Jahr 2009 der Kanu- und Laufverein Altenburg-Windischleuba. Mittlerweile wurde sie vom Skatstadtmarathon e.V. übernommen, doch die Hauptverantwortlichen um Helmut Nitschke, Heiko Krahnert und Monika Pohling sind geblieben.

Das sportliche Wochenende beginnt bereits am Freitag Spätnachmittag mit der Startnummernausgabe im Goldenen Pflug, einer großen Sport- und Kulturhalle. Merkmal ist hier, dass am Vorabend ein Vortrag einer bekannten Persönlichkeit aus dem Sport zu sehen ist. In diesem Jahr wurde Biathletin Kati Wilhelm verpflichtet. Der Ansturm dazu war so groß, dass Interessierte sogar abgewiesen werden mussten. Es waren schon Sportgrößen wie Nils Schumann, Florian Neuschwander, Heike Drechsler und Waldemar Cierpinski  zu Gast.

 

 

Wir sind zu viert unterwegs und haben es zeitlich nicht zum Vortrag geschafft, der Pfingstverkehr machte uns einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Zu guter Letzt haben wir uns bei der Anfahrt infolge Umleitungen gehörig verfranzt und sogar damit gerechnet, nicht mehr in unsere Ferienwohnung einchecken zu können. Zur Not hätte uns des Orga-Teams privat untergebracht. „Die tun was“, kann ich da nur sagen.

Rund eine Stunde vor unserem Einsatz beim Marathon (Stadt ist um 09.00 Uhr) sind wir am Goldenen Pflug, wo wir uns noch ein wenig umschauen wollen. Mich kennt man inzwischen, ich werde begrüßt wie ein alter Freund. Wer noch ein paar Andenken erwerben will, hat noch etwas Zeit dafür. Umkleiden kann man sich im Goldenen Pflug, die Kleidung kann abgegeben werden und wird auch bewacht.

Der Gegenwert für das günstige Startgeld ist immens. Neben der üblichen Infrastruktur auf der Strecke, die sich vor den großen Marathonveranstaltern nicht zu verstecken braucht, erhalten wir später im Ziel gleich die Urkunden ausgedruckt, eine schwere Medaille, ein Getränk und ein warmes Essen aus dem Suppentopf. Für Marathonis gibt es immer eine Zugabe, heuer ein Singlet-Shirt in Funktionsqualität. Bei den Anmeldezahlen bleibt man zwar knapp unter dem Vorjahresrekord, doch mit den Nachmeldungen werden die 4000 auf allen Strecken wieder deutlich überschritten.

Rund 30 Minuten vor unserem Einsatz marschieren wir vom Goldenen Pflug die 500 Meter hinunter zum Markt beim Rathaus und der Brüderkirche. Der Marktplatz ist das Wohnzimmer der Stadt Altenburg.
Das aus dem 16. Jahrhundert stammende Rathaus (von Nikolaus Gromann im Renaissancestil erbaut) dominiert den großen Platz. Die Außenfassade mit achteckigem Turm und Monduhr ist reich verziert, wochentags kann das dreigeschossige Gebäude besichtigt werden. Eine Einkehr ist im Ratskeller möglich.

 

 

Aber dafür ist es definitiv noch zu früh, das sportliche Leben tobt bereits. Moderator Stefan Bräuer unterhält die Zuschauer und Athleten auf seine ganz spezielle Art. Man behauptet, viele Zuschauer kämen nur wegen dem Stefan.  Vor ein paar Tagen ist er erstmals die Marathonstrecke mit fachkundiger Begleitung selber gelaufen und weiß jetzt, wie lange 42 km sind. 6,5 Stunden ist die Sollzeit für den langen Kanten, die erste Runde sollte nach 2.45 Stunden beendet sein. Anne List macht die Besenläuferin und bringt jeden noch „halbwegs“ Fitten ins Ziel. 

Startaufstellung ist in der Moritzstraße, einer Nebenstraße hin zum Markt. Knapp 150 Marathonis haben sich schon versammelt. Nur eine fehlt noch, Henny. Die wird doch nicht den Start verschlafen. Falls ja, könnte sie ja mit den rund 1800 Kindern mitrennen, die sich hinter uns schon auf dem Kornmarkt platziert haben. Aber dann taucht sie noch auf. Vorne spielt die Musik, sprichwörtlich, denn Stefan Bräuer bringt die Zuschauer und uns in Stimmung. Der Oberbürgermeister André Neumann gibt letzte Tipps und lädt die Startpistole. Der Herr OB hat schon eine Startnummer umgebunden und wird am Halbmarathon teilnehmen. Vorneweg, seine Zeit von 1:50 Stunden weist ihn als ausdauernden Sportler aus, was ihm als Politiker bestimmt zu Gute kommt.

Und dann wird das Rennen pünktlich angeschossen. Der 11. Skatstadtmarathon, die anspruchsvolle Herausforderung in Altenburg (so lautet der Slogan), kann beginnen. Von der Temperatur her wird es heute bestens werden. Der Himmel ist bedeckt, vielleicht gibt es ein paar Tropfen Niederschlag und gegen Nachmittags soll es aufheitern. Jetzt haben wir noch keine 20 Grad, wer kurz-kurz bekleidet ist, hat alles richtig gemacht.

 

 

Die ersten Meter auf Kopfsteinpflaster auf dem bunt geschmückten Marktplatz laufen sich wie von selbst, die vielen Zuschauer jubeln begeistert. Der Roßplan, den wir nach einer ersten Steigung erreichen, war früher ein Viehmarkt und wurde in den 90er Jahren umgestaltet und umgebaut. Über die Fleischergasse geht es weiter hinauf zum Nikolaikirchhof. Dort erwartet uns die Sambagruppe Como Vento mit schmissigem Sound. So wie es hinauf geht, so geht es gleich wieder hinunter. Der ganze Kurs ist ein ständiges Auf und Ab, ein längeres flaches Stück wirst du hier vergeblich suchen. Über die Langengasse und den Teichplan laufen wir hinunter zum Großen Teich. Kurz vorher ist am Capitolkino der erste Kilometer schon abgehakt. Der See wurde Ende des 16. Jahrhunderts angelegt, auf einer Insel gibt es einen Zoo, der schon einmal als der schönste in ganz Thüringen ausgezeichnet wurde.

An der Teichpromenade können wir auf einem rustikalen Naturweg laufen, oder auf einem geteerten Fußweg, der auch nicht besser zu belaufen ist. Auch das ist typisch in Altenburg: Man findet alles Mögliche: Teer, Pflaster und Asphalt,  Wald- und Feldwege, Trails, Steigungen, Gefälle und sogar Treppen! Noch auf der Promenade sehen wir zwei Cheerleadergruppen und dann verlassen wir das Wohngebiet in Richtung Südbad und Hellwiese. In der Kleingartenkolonie sehe ich das zweite Kilometerschild, Zuschauer sind nun fast keine mehr da. Wir wenden am Märchenbrunnen und rennen an der Blauen Flut (so heißt der Bach wirklich) wieder fast bis zum Großen Teich.

Die Markierung zeigt nun nach rechts, wir laufen durch den Stadtwald und hinauf zum Bismarckturm, der höchsten Stelle unserer Laufstrecke. Den Turm sehe ich dann rechterhand. 1914 wurde der als Denkmal an den Reichskanzler Otto von Bismarck errichtet. Ein Förderverein will ihn sanieren, um ihn künftig  wieder touristisch nutzen. Kurz zuvor überholt mich der Vier-Stunden-Zeitläufer. Der scheint mir ein wenig verhalten begonnen zu haben. Aber dieser Job ist aufgrund der Topographie der Strecke ein schwieriges Geschäft. Wie will man da gleichmäßig laufen, frage ich mich. An der höchsten Stelle erwartet uns ein Alleinunterhalter mit seiner Anlage. Das macht Spaß.

Wir überqueren die Zwickauer Straße und laufen, noch immer im Stadtwald, an der Skatbank Arena und am Klinikum Altenburger Land vorbei. Das Krankenhaus hat wieder viele Beschäftigte als Läufer an den Start gebracht. Karsten ist gar schon zum 11. Mal dabei. Kurz nach km 5 können wir zum ersten Mal verpflegen. Wasser, Iso, Cola, Melonen, Äpfel, Bananen, Schokolade, Riegel und Bier sind im Angebot. Und dabei habe ich bestimmt noch einige Dinge vergessen. „Bier“, rufe ich. Der freundliche Helfer holt die erste Flasche aus der Kiste und lässt den Verschluss aufploppen. Zum Wohl, auf die Altenburger Brauerei. Die haben aus ihrem Sortiment reichhaltig gestiftet. Helles, Schwarzes, Pils oder Radler. Da freut sich der Bayer.

Der Wald endet, wir laufen nun für gut 500 Meter auf einem rustikalen Feldweg bergauf. Ein wenig Konzentration schadet auf dem Streckenteil nicht. Jemand hat mich als Pacemaker ausgesucht - Tanya läuft schon geraume Zeit Windschatten. Auf der Paditzer Straße, der Untergrund ist asphaltiert und schneller, sehe ich dann die ersten Motivationsschilder. „Ich will hier überleben, ankommen und nicht fett werden!“ oder „Es geht nicht ums Besiegen, sondern darum, gekämpft zu haben!“

An der Stadtumgehung der Bundesstraßen 7 und 93 lese ich dann noch: „Ohne Verpflegung keine Bewegung“. Der Verein Motor Altenburg betreibt eine Trinkstelle (ich wollte schon schreiben, Trinkhalle). Jetzt verlangt Tanya nach einer untergärigen Hopfenschorle. Zwei Cheerleadergirls entlassen uns dann auf den zur Umgehung parallelen und gut laufbaren Feldweg. Die nächsten zwei, drei Kilometer bis zur Münsaer Straße können wir es rollen lassen, die Tendenz ist gefällig. Meine Blicke schweifen weit hinein in das Altenburger Land in Richtung des Erzgebirges. Nur einmal wird der abschüssige Teil unterbrochen, als wir mittels einer Unterführung auf die Westseite der Umgehung wechseln.

 

 

Bei Kilometer zehn können wir erneut verpflegen. Ich bin fast eine Stunde unterwegs. Es ist lustig, denn bei jeder Tankstelle laufen drei bis fünf Marathonis aufeinander auf, halten ein kurzes Schwätzchen, bevor jeder wieder für sich antrabt. Das Feld hat sich mittlerweile auseinandergezogen.

Tanya und ich lassen uns wieder ein Altenburger schmecken. Die Brauerei wurde 1871 gegründet und gehört seit 2016  zur Brauerei Leikeim in Altenkunstadt/Oberfranken. Behutsam wird nun modernisiert, der regionale Bezug soll auf jeden Fall bestehen bleiben.

Die Strecke steigt nun wieder entlang der Bahnlinie nach Gößnitz an. Anfangs nur moderat, an der Unterführung an der Stadtumgehung nehmen die Steigungsprozente aber deutlich zu. Der Osterländer Honda Club hat ein paar seiner Schlitten und noch heißere Musik im Programm. Mit entsprechender Dröhnung geht es den Wilchwitzer Weg hinauf. Sprüche wie „Du glaubst gar nicht, wie anstrengend es ist, locker auszusehen“ und „...nur noch ein paar Kilometer. Das schaffst du!“ sollen uns motivieren.

Etwa bei zwölf Kilometer warten die Tischtennisfreunde des SV Medizin Altenburg mit einer eigenen Medizin für den laufenden Reporter.  Letztes Jahr gab es nur Wasser, da habe ich mich beschwert. Heute bekomme ich ein Schwarzes. Über den Falkenplatz geht es dann in den Zick-Zack-Weg. Der hat seinen Namen nicht zu Unrecht, denn alle paar Meter wechseln wir die Laufrichtung. Mir wird fast schwindelig. Am Ende sehe ich den Turm der Neuapostolischen Kirche.

Auf die Schwanenstraße freue ich mich jedes Mal aufs Neue, denn die Anwohner feiern mit uns an der Strecke ein Fest. Es wird Wasser gereicht, ein Rasensprenger wird betrieben, Eis zur Kühlung angeboten und seit 11 Jahren grüßt die Familie Dünewald alle Läufer. Gleich danach erfolgt eine erneute Trennung, wo wir scharf rechts abbiegen in den Eselsweg. Auch dieser hat den Namen nicht zu Unrecht, der Untergrund ist störrisch.

Wir überqueren abermals die Eisenbahnlinie und rennen am Alten Schlachthof vorbei. Mit dem Anstieg auf die Poschwitzer Höhe wartet eine besondere Prüfung, besonders in der zweiten Runde. Jetzt kann ich mit reduziertem Tempo hochjoggen. „Gehen ist die langsamere Art zu laufen. Aber du kommst an!“ lese ich auf einem Schild. Wie wahr. Schaun wir uns das in zwei Stunden nochmal an. Am Ende warten Helfer des THW mit einer reichhaltig bestückten Tankstelle. Die Helferinnen und Helfer muss ich extra loben. Die sind alle gut drauf, freundlich und hilfsbereit. Und wenn sie dir nicht gerade einen Becher reichen, klatschen sie dir zu.

Nach einer kurzen Begegnungsstrecke von etwa 200 Meter laufen wir in den Poschwitzer Park. Es geht hinunter zu einem Teich und dann auf der anderen Seite wieder hinauf zum Gewerbegebiet Weißer Berg. 15 Kilometer sind zurückgelegt, 1,5 Stunden bin ich unterwegs. Ein nochmaliger Wendepunkt muss her, um genau auf 42,195 km zu kommen.

Der kurze, ruppige Wiesenweg führt uns zur Mozart- und Beethovenstraße, wo wir rechts die ASS (Altenburger und Stralsunder Spielkartenfabrik) sehen. Seit 1832 werden hier Spielkarten hergestellt, Kartenmacher werden in Altenburg aber bereits 1509 erwähnt.   

Nur 500 Meter lang dürfen wir uns an der Leipziger Straße erholen. Ein Autofahrer ignoriert ein Haltezeichen, der aufmerksame Polizeibeamte verpasst ihm einen Einlauf.

Und dann wird es ernst auf den letzten 3,5 Kilometer dieser Runde. Steigungen, riskante Bergab-Passagen und grandiose Aussichtspunkte rauben dir den Athem. Es fängt an beim Lindenau Museum (erbaut 1876), welches als kunsthistorisches Haus Werke von Bernhard von Lindenau zeigt. In einer Sonderausstellung sehen wir Fotografien von Matthias Schaller. Ich nehme ein Hopfengetränk,  Tanya springt davon. 500 Meter lang ist der Stich hinauf zum Teehaus des Schlosses. Beidseitig sehen wir die von Kindern gemalten Motivationstafeln. Ich erspechte Kati Wilhelms Schild, wo es heißt „Laufen, Schießen, Laufen“. Ich bin eifrig am Knipsen und kann mich nur langsam zu den Trommlern von Bassalação hocharbeiten.

 

 

„7 Mal musst du am Gipfel sein... doch danach wirst du ein König sein“, lese ich auf einem Transparent oben am Teehaus, wo ich statt Tee (gibt es welchen?) nochmals ein Bier nehme. Tanya hat auf mich gewartet und rennt jetzt auf 1000jährigem Pflaster die Jungferngasse hinunter. Am Ende hält man mir unten eine Flasche Becks hin, die prompt geleert wird. Die Zuschauer lachen. Haben die noch nie einen durstigen Läufer gesehen? gesehen.

Am Kunstturm, der 1844 im Stil eines italienischen Campanile  erbaut wurde, trommeln Como Vento sich in einen regelrechten Rausch hinein. Ich lasse mich anstecken. Auf der Wallstraße kann ich 500 Meter Anlauf nehmen, denn auf uns warten 200 Meter mit fast 20 Prozent Steigung auf der Schlosszufahrt. „Schieb halt an“, fordere ich einen Polizisten auf. Der lacht und meint: „Das packst du“. Am Ende wartet der Triumphbogen. Gänsehaut, wir laufen kurzzeitig an der Schlossmauer entlang.

Kilometerschild 20 steht am Torhaus. Hinunter geht’s auf unterschiedlich hohen Treppenstufen. Wenigstens ist der Boden trocken. Trittsicherheit ist von Vorteil, wenn man welche hat. Tanya hat sie und ist längst aus meinem Sichtbereich verschwunden. Sicher komme ich hinunter, sehe nur ganz kurz den Pauritzer Teich und die Blaue Flut. Wir überqueren die Rosa-Luxemburg-Straße hinein in ein schmales Gässchen, wo ein Mountainbiker kaum durchkommen wird, so schmal ist der Fußweg. Nach nochmaligem Anstieg wartet die Pauritzer Straße, beim Historischen Friseursalon kann man sich die Federn stutzen lassen.

Auf den letzten Metern sehe ich am Brühl, das ist der älteste Marktplatz in Altenburg, das 1724 erbaute Seckendorffsche Palais. Der Verleger Friedrich Arnold Brockhaus hat hier im 19. Jahrhundert gelebt, gearbeitet und den Grundstein für seinen Verlag gelegt. Den von Albert Steudemann gestifteten Skatbrunnen sehe ich in einer Baumgruppe ein paar Meter daneben. Die Plastik zeigt auf dem Sockel kämpfende Wenzel. Ich kämpfe mich durch den Straßenzug „Hinter der Waage“, wo ich am Ende von den Helfern zum Markt eingewiesen werde. Da geht es leicht bergauf bis zur Wende vor dem Zieltransparent. 2.07 Stunden bin ich nun unterwegs, es ist auf der ersten Runde gut gelaufen. Ich bin gespannt, wie es mir auf der zweiten Etappe ergehen wird, zumal die meiste Fotoarbeit getan ist.

 

 

Auf dem Markt ist eine Stimmung wie in einer Arena. Bei keinem Event in dieser Größe habe ich so etwas schon einmal erlebt. Sagenhaft. Noch am Markt schäkere ich zur Belustigung des zusendenden Volkes mit einer Sambatänzerin. Und dann mache ich mich auf die Verfolgung von Tanya, die schätzungsweise 500 Meter vorne ist. Am Nikolajkirchhof hole ich mir eine flüssige Jause und weiter geht es.

So langsam lockern die Wolken auf, die Sonne kommt heraus. Auf der Promenade am Großen Teich ann ich etliche Kameraden überholen, so auch Bodo. Mit ihm habe ich mir schon so manche Schlacht geliefert. Heute lasse ich ihn auf dem Anstieg im Stadtwald stehen. Noch an der Tankstelle im Stadtwald kann ich auf Tanya wieder auflaufen und gehe dann auch an ihr vorbei.

Jetzt zahlt sich das intelligente Zeitmanagement des Orgateams aus, denn an der Stadtumgehung kommen die Führenden des 13,3 Kilometer-Laufes auf unseren Kurs von hinten. Das ist belebend, wir pushen uns weiter. Natürlich ist das Tempo der Schnellsten für mich zu hoch, doch ich kann mitschwimmen, so dass ich nicht mitbekomme, als ich die Kilometermarke 30 passiere. Was ist los in meinem Kopf? Ich muss jetzt mal auf Cola umsteigen.

Bei den Hondafreunden, die weiterhin laute Rockmusik spielen, hängt ein Schild, wie wir einen Berg erlaufen sollen:

„Einen Fuß vor den anderen,
kleinere Schritte, dafür etwas schneller,
aufrechter Körper – Blick nach vorne, und
du darfst auch gehen – alternativ laut fluchen.“

Ein guter Ratschlag.

Kilometer 35, die Poschwitzer Höhe, da zieht es mir den Stecker, ich muss ein paar Meter gehen, trabe jedoch wieder an, als ich hinter mir Tanya sehe. Sie hat heute eine starke Performance zu bieten. Auf dem kurzen Wendestück hat sie weiter den Abstand verkürzt. Die Restkilometer sind längst einstellig, als sie vor dem Lindenau Museum auf mich aufläuft. Sie startet durch, als der Autor noch mal Pause macht.

Ich reiße mich am Riemen, kann mich mit Gehen/Laufen/Gehen zum Teehaus hocharbeiten, wo Tanya nochmals auf mich wartet. Am Anstieg sehe ich noch Jörg an seinem Motivationsschild stehen. Oben nimmt der Fotograf noch einen Trunk und das quirlige Energiebündel Tanya versägt den alten Sack auf dem kurzen Stück zum Kunstturm hinunter.

Kilometer 40, die Sambagruppe Como Vento spielt immer noch, toll. Einer zeigt seine Kunststücke und bearbeitet die Trommel über Kopf haltend. Dann muss ich zum letzten Mal den Schlossberg hinauf. Zeit zum Schauen habe ich jetzt nicht mehr. Groß erinnern an das letzte Wegstück kann ich mich auch nicht mehr, bin wohl in Trance.

Wieder hinunter und dann ins Ziel. Als ich von der Straße „Hinter der Waage“ in Richtung Markt abbiege, klopfen mir die Helfer auf die Schulter und sagen: „Toll gemacht.“ Ich freue mich und kann sogar noch kurz vor dem Ziel eine Läuferin überholen. Und dort wartet Tanya und strahlt wie ein Honigkuchenpferd über ihre Leistung. Ich drücke sie und sie drückt ein paar Tränchen weg.

 

 

Und dann wird gefeiert. Die Stimmung ist einfach klasse. Mike hat bei seinem Rennen über die halbe Distanz ganz ordentlich Gas gegeben  mit 1.31 Stunden und seinem Gesamtplatz 16. Tanya landet mit 4.14 auf dem zweiten Klassenplatz, ich mit 4.16 auf Rang vier. Im Zielbereich fließt das Bier in Strömen. Einige Damen haben sich Sekt reichen lassen. Stefan Bräuer prämiert die besten Teams und fängt dann mit den Mannschaften eine Polonaise an, als ich in der Ferne auf den Markt einen bekannten Schlappschritt ausmache. Henny kommt herangetrabt und überschreitet nach 5.32 Stunden die Ziellinie. Sie hat sich ihr Rennen gut eingeteilt und war sogar noch früher im Ziel, als sie geglaubt hatte. Respekt. In seinem Grußwort schreibt OB André Neumann: „Dieser Lauf macht süchtig und kann Ihr Leben verändern!“ Ja, das unterschreibe ich sofort.

 

Fazit:

 

120 Finisher beim Marathon. Diese Zahl ist noch ausbaufähig, aber absolut top sind die 3743 Finisher über alle Strecken, das zweitbeste Ergebnis überhaupt. Am Konzept und an der Planung gibt es keine Einwände und keine Kritik. Ich selbst bin nun fünf Mal in Altenburg gelaufen und komme bestimmt wieder. Der Skatstadtmarathon hat Suchtpotential.

 

Impressionen

(Klaus und Margot Duwe)

 

 

 

Ergebnisse


Marathon Frauen:

1. Patricia Rolle, LG Nord Berlin Ultrateam, 3.25.51
2. Jutta Stiegler, LG Erlangen, 3.28.53
3. Sylke Kuhn, LG Vellmar, 3.34.41

Marathon Männer:
1. Vincent Hoyer, LFV Oberholz/SPOORTH Leipzig, 2.44.52
2. Marco Möhler, Haida, 2.53.30
3. Norman Präger, Running Team Grafenberg, 2.59.04

 

Informationen: Skatstadtmarathon Altenburg
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