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Laufberichte

Wenn die Fledermäuse schwirren

02.07.10

Nach Kilometer 5 geht es über die Lahn auf dem Lahntalradweg wieder zurück und nachdem wir direkt am Lahnufer an dem Universitätsgelände vorbeilaufen, kommen wir nochmals ins Zentrum von Marburg. Hier sind nun doch eine Menge  Zuschauer welche die Läufer auch anfeuern. Bei Kilometer 11 laufen wir in der Nähe des Universitätsstadions über die schmale Holzbrücke wieder auf die andere Lahnseite. Die Brücke schwankt bedenklich und ich ziehe unwillkürlich den Kopf ein.

Ein idealer Beobachtungspunkt für Interessierte und daher stehen hier auch dichtgedrängt entsprechend viele Zuschauer und feuern die Läufer an. Unter ihnen ist auch Inge und hat mich mal wieder sofort entdeckt. Hier ist der erste Wechselpunkt für die Staffelläufer und es wird etwas hektisch.

Jetzt geht es Richtung Cappel auf eine 10 KM Runde. Diese wird nun einmal von den Halbmarathon- und dreimal von den Marathonläufern unter die Füße genommen.
An den Lahnwiesen wird gegrillt und man nimmt das Läuferfeld noch als kostenlose Unterhaltung dazu. Der eine oder andere Läufer wird erkannt und aufgefordert sofort oder nach dem Lauf noch vorbei zu kommen. Bei diesen Temperaturen ist das eine verlockende Alternative.

In der Nähe der Steinmühle geht es über einen kurzen Wiesenpfad zurück. In den Vorjahren war es hier immer etwas matschig aber heute ist es knochenhart und staubig. Die Halbmarathonis können es rollen lassen, denn sie werden am Stadion ihr Ziel erreicht haben. Dafür können sie das Flair eines Nachtlaufes nicht erleben, denn jetzt ist es noch hell. Am Wegesrand ist eine Läuferin kollabiert. Mit bleichem Gesicht liegt sie auf dem Rücken, aber ein Läufer kümmert sich bereits um sie. Einige müssen heute mit Kreislaufschwierigkeiten behandelt werden, aber es gibt zum Glück keine ernsthaften Folgen.

Am Stadion stehen die Zuschauer immer noch dichtgedrängt und während die Halbmarathonis ins Stadion einlaufen, geht es für die Marathonläufer erneut über die Brücke in die  nächste Runde. Inge hat mich fotografiert und wünscht mir für die zweite Hälfte noch viel Glück.

Jetzt sind wir Marathonläufer unter uns und es gibt keine wilden Spurtläufe mehr. Wenn man 21 KM in den Beinen hat, muss man seine Kräfte einteilen. An den Verpflegungsständen ist es nun auch ruhiger geworden und ich kann nach Isogetränken und Bananen Ausschau halten. Einen Becher Wasser schütte ich zur Kühlung über den Kopf.

Jetzt gibt es auch Schwämme, mit denen man sich etwas länger Kühlung verschaffen kann. Alles was die gefühlte Temperatur herunterbringt ist willkommen. Auf dem Radweg geht es an der Straße lang bis wir in Cappel wieder auf den Weg direkt an der Lahn abbiegen. Eine Staffelläuferin schließt zu mir auf und ist beeindruckt, dass ich die volle Strecke laufen will. Sie wäre bereits jetzt ziemlich platt gesteht sie und bleibt auch bald wieder zurück.

Heiko Krause taucht als Fotograf an der Strecke auf und fordert mich zu vollem Einsatz auf. Ja, der hat gut reden, denn er ist mit dem Rad hierher gekommen.
Hinter Cappel ist für mich das schönste Teilstück, denn man läuft mit Blick auf das Schloss. Die Spitze des Marathonlaufes überholt mich und hat bald das Ziel erreicht.

Langsam gehen die ersten Lichter an und als ich wieder am Stadion in die letzte Runde laufe wird es schon dunkel. Inge feuert mich wieder an und braucht zum fotografieren jetzt schon den Blitz.

Das Läuferfeld hat sich weit auseinander gezogen. Vor mir wird wieder jemand zum Walker und ich kann zur Abwechslung mal überholen. Das baut mich wieder etwas auf, aber ich darf jetzt nicht überziehen. Auch meine Kräfte schwinden zusehends. Die  Autos an der Straße blenden mich manchmal mit ihren Scheinwerfern, doch bald biege ich von der Straße ab und habe wieder meine Ruhe.
Plötzlich fliegt etwas knapp an meinem Kopf vorbei. Habe ich jetzt schon Halluzinationen? Nein, es sind Fledermäuse, die jetzt am Lahnufer auf die Jagd gehen. Zum Glück suchen sie scih Insekten als Beute und keine erschöpften Läufer.

An den Verpflegungsstellen erhält man nicht nur Wasser und Cola sondern auch moralische Unterstützung. „Du siehst noch gut aus“ und „Es ist nicht mehr weit“ gibt man mir noch mit auf den Weg. In Cappel hat man eine geniale Duschbrücke aufgebaut und man kann kurz den ganzen Körper abkühlen.

Den Wiesenpfad hat man nun mit einem tollen Lichterbogen ausgeleuchtet. Ich laufe  mit kleinen Schritten weiter, denn jetzt habe ich ja auch die Dunkelheit noch als Ausrede, warum ich nicht flotter unterwegs bin. Trotzdem kann ich noch einige unfreiwillige Walker einholen und sogar die Schlussläufer überrunden.

Die Nachtluft  an der  Lahn ist immer noch schwülwarm. Das Schloss ist angestrahlt und bietet  einen sehr  schönen Anblick. Das Ziel im Universitätsstadion rückt immer näher und bald  kann ich durch das Tor einlaufen. Noch eine Runde muss ich im Stadion laufen, dann habe ich nach 4:19:59 das Ziel erreicht. Das bedeutet  Platz 1 in meiner Alterklasse M60. Der Moderator interviewt mich noch kurz und möchte gerne wissen wo denn Bergheide liegt. Auf Oberhausen im Ruhrgebiet wäre er nicht gekommen.

Ich erhalte eine schöne Finishermedaille mit dem Motiv des Marburger Rathauses. Inge hat mich schnell gefunden. Sie hat die Wartezeit gut überbrückt und ist mit meiner Zeit und meinem Gesundheitszustand zufrieden. Auch Wolfgang hat noch auf mich gewartet und wir erzählen uns noch unsere Erlebnisse von der Strecke. Dann erfolgt schon die Siegerehrung und auch mein Name wird aufgerufen. Ich erhalte meine Urkunde und einen schönen Pokal für meinen Altersklassensieg. Da sind dann alle Anstrengungen vergessen.

Schnellster war heute Frank Löschner welcher für  den TV Büschergrund startet in 2:48:17. Er hat heute als einziger Läufer die 3 Stundengrenze unterboten. Bei den Frauen siegte Iris Lenhard aus Sulzbach  mit 3:46:46.

Erst spät in der Nacht sind wir wieder zu Hause. Aber das ist ja kein Problem, denn am nächsten Tag können wir ausschlafen. Bis zum WM Spiel der deutschen Mannschaft sind wir dann längst wieder fit.

Marathonsieger

Männer

1 Löschner, Frank Freudenberg TV Büschergrund 2:48:18,7
2 Karl, Dirk Worms TSG Grünstadt 3:03:43,5 
3 Sanhji, Iamal Cölbe Fleckenbühl 3:08:54,7

Frauen

1 Lenhard, Iris Sulzbach   3:47:01,8
2 Hein, Susanne Hilchenbach Anlauf-Marathonteam 3:53:50,6
3 Schraub, Simone Kirchhain   4:15:59,0

142 Finisher

12
 
 

Informationen: Nachtmarathon Marburg
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