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Laufberichte

Ich zeig Euch meine Stadt

 

Der Münchner ist von Haus aus ein Grantler. Dieser Mentalität scheint sich der U-Bahnfahrer, der uns an diesem Sonntagmorgen zum Olympiazentrum bringt, schon bestens angepasst zu haben, obwohl er als „Zugereister“ vielleicht gar nicht weiß, was ein Grantler ist. In bestem Hochdeutsch und hörbar genervtem Ton weist er die Fahrgäste immer wieder darauf hin, dass der Zug mehr als eine Türe hat. Zum Schluss dann ein mürrisches „Alles aussteigen, Endstation“. Uns einen guten Lauf zu wünschen, vergisst der junge Fahrer. Aber auch so wird uns ein solcher bevorstehen.

Damit endet meine recht kurze Anreise zum Start des Generali München Marathons. Ich bin extra früh aufgebrochen, da die S-Bahn-Stammstrecke aus dem Jahre 1972 nun öfter einer Reparatur bedarf und man immer wieder Umwege einplanen muss. Dann ging es aber schneller als erwartet. Der Tross der Teilnehmerinnen und Teilnehmer Richtung Olympiastadion ist lang. Umkleiden auf der Tribüne, Taschenabgabe im Tribünenumlauf. Die Luft ist warm und sogar die Sonne zeigt sich.

Am Samstag bei der Startnummernabholung war es sogar noch sonniger. Wie letztes Jahr ist die Marathonmesse unter dem Zeltdach untergebracht. Ich plausche mit dem Herrn vom Hannover-Marathon und verhelfe ihm gleich zu ein paar neuen Kunden, indem ich die fantastische Stimmung in den Szenevierteln seiner Stadt lobe. Die Schlange an der Startnummernausgabe wird leider derweil nicht kürzer. Letztendlich geht es dann aber doch recht zügig und ich halte meinen Kleiderbeutel samt Sicherheitsnadeln und Startnummer in Händen. Auch ein schönes Infoheft ist dabei. Das mag ich immer gerne, da ich in einem Heft besser schmökern kann als im Internet. Positiv vermerke ich, dass auch die übrig gebliebenen Beutel aus dem letzten Jahr Verwendung finden.

 

 

Der Samstag ist traditionell der Tag des internationalen Trachtenlaufs. Die Teilnehmenden starten oberhalb der Tribünen und legen eine 3,5-km-Runde im Olympiapark zurück. In erster Linie sind Dirndl und Lederhosen vertreten; Kimonos oder Sombreros sind eher selten. Nach dem Lauf gibt’s noch ein zünftiges Frühstück, akustisch begleitet von den Neurieder Blasmusikanten.

Aber jetzt ist schon Sonntag: Ich gehöre der letzten Startgruppe an. Die Aufstellung ist dieses Jahr oberhalb der Ränge neben der olympischen Fackel. Von dort schaue ich dem Start des ersten Blocks zu. Toiletten gibt es im Stadion übrigens ausreichend. Dann reihe ich mich in meinen Abschnitt ein, Schnell wird klar, dass die lange Treppe hinunter auf die Tartanbahn zu einer Zeitverzögerung führt. Anscheinend geht es deswegen gleich durch das Starttor, natürlich mit Nettozeitnahme. Für mich ist das in Ordnung, da es nun auf dem ersten Kilometer kein Gedränge gibt. Aber irgendwie ist so ein Blockstart doch schöner. Die Anspannung und das gemeinsame Losrennen fehlen heute völlig. Vielleicht wird die Startsituation im nächsten Jahr wieder anders gelöst.

 

 

Der Sprecher heitert uns noch etwas auf, dann haben wir schon das Marathontor passiert und unsere Runde durch München beginnt.

Nach einem guten Kilometer kommen wir im westlichen Schwabing an. Hier bin ich aufgewachsen, kann mich noch an den Bau des Karstadt-Warenhauses erinnern, das inzwischen abgerissen wurde. Gegenüber das Nordbad im klassizistischen Stil. Auffallender ist die Musikgruppe an der Mauer davor: Eine Steelband beim Marathon habe ich schon länger nicht mehr erlebt. Erfreulich ist auch der Zuspruch der Anwohner.

 

 

Nächste Musik am Elisabethplatz. Kurz danach biegen wir schon in die Leopoldstraße ein. Vor uns das Siegestor. Dann auf die Ludwigstraße, den Prachtboulevard der Stadt. Oder eher eine breite Autoschneise? Nicht heute. Dann das Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität, Geschwister-Scholl-Platz und die Ludwigskirche als Kirche für die Studierenden. Wir biegen nach rechts, wo uns die schnelleren Läuferinnen und Läufer bereits entgegen kommen.

Natürlich darf die Technische Universität nicht fehlen. „Technische Hochschule“, so der frühere Name, steht über der Tür. Davor ein Denkmal mit der Skulptur des Physikers Georg Simon Ohm (1789-1854), dem vor allem Erkenntnisse auf dem Gebiet der Elektrizität zu verdanken sind. Ein Graffiti zeigt Turbinen. Rechts ein ockerfarbenes Gebäude, die Villa des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach (1836-1904). Er hatte schon zu Lebzeiten sehr viel Erfolg mit seinen Bildern und verfügte daher über die finanziellen Mittel, sich hier ein Refugium nach italienischem Vorbild zu bauen.

 

 

Vor uns die Propyläen. König Ludwig I als Bewunderer der griechischen Antike ließ es sich nicht nehmen, einige Nachbildungen griechischer Tempel und Portale in seiner Haupt- und Heimatstadt München bauen zu lassen. Er verfügte auch, dass der Name „Baiern“ mit hellenistischem Y in “Bayern” umgewandelt wurde. Anschließend noch mal Geschichte: Die Musikhochschule residiert im ehemaligen “Führerbau”.

Vor uns das Parkcafé ist seit Jahren eine In-Location mit Biergarten, Restaurant und später am Abend Tanz. Dahinter folgen einige Verwaltungsgebäude. Auch hierher haben sich ein paar Zuschauer verirrt. Nun vor uns der Karolinenplatz. Der Obelisk in der Mitte, erbaut nach Entwürfen von Leo von Klenze und eingeweiht am 18. Oktober 1833, dem 20. Jahrestag der Völkerschlacht in Leipzig, soll an die 30.000 beim Russlandfeldzug Napoleons gefallenen bayerischen Soldaten erinnern. Die Bronzeplatten stammen aus den erbeuteten Kanonen und nicht mehr benötigten bayerischen Geschützen.

Auf die napoleonische Besatzung gehen ja viele bayerische Begriffe zurück. So ist das Wort „Ticket“ bei mir verpönt. Wir Bayern sagen dazu Billett und  “Trottoir” zum Fußweg. Und noch ein Tipp: Der Ausdruck “Minga” für München würde einer echten Münchnerin oder einem echten Münchner nie über die Lippen kommen. Das ist ein Begriff, den nur Auswärtige verwenden. Die „fahrn auf Minga nei“, wenn sie mal wieder Großstadtluft atmen wollen.

 

 

Links die Hochschule für Film und Fernsehen. Dann gleich drei Pinakotheken. Die Alte, die Neue und die der Moderne. Davor ist gerade ein Yoga-Kurs im Gange. Das Museum Brandhorst für moderne und zeitgenössische Kunst, eingeweiht 2009, darf ich jetzt auch nicht vergessen. Gegenüber das Fünfziger-Jahre-Gebäude von Sep Ruf gefällt mir auch sehr gut. Davor wird gerade ein Tesla beladen. Der Besitzer flucht laut, anscheinend hat er noch nicht mitbekommen, dass jedes Jahr am Wochenende nach dem Oktoberfest hier der Marathon vorbei führt.

Dann rechts auf die Ludwigstraße und weiter Richtung Stadtmitte. Wende – hier kam es in der Spitzengruppe wegen verstellter Absperrgitter zu Irritationen - und wieder zurück nach Schwabing. Einige Staffeln sind nun schon an uns vorbei gezogen, nun folgen schon die „Zehner“. Das Siegestor ist einen Blick wert. Gebaut wurde es um 1840 mit dem Vorbild des Konstantinsbogens in Rom. Den Namen bekam es nach dem Sieg im Krieg 1871. Im Zweiten Weltkrieg wurde es in der Mitte zerstört und auf der Südseite ohne Schnörkel aufgebaut: „Dem Sieg geweiht, vom Krieg zerstört, zum Frieden mahnend“ lautet die Inschrift.

Man kann sich natürlich auch noch von der Band davor antreiben lassen. Der große weiße „Walking Man“, eine wie der Frankfurter „Hammermann“ vom US-amerikanischen Künstler Jonathan Borofsky entworfene Skulptur, steht rechts vor der Zentrale der Münchner Rück. Die Versicherungsgesellschaft, die zu den weltweit größten zählt, besitzt hier viele Gebäude, die alle unterirdisch verbunden sind.

Es folgt die Mandlstraße. Hier am Rande von Altschwabing und dem Englischen Garten lässt es sich gut leben. Der klassizistische Bau mit den Säulen ist das Standesamt, in dem meine Eltern am 6.10.1964 geheiratet haben, wie ich nun erkläre. Einige Läuferinnen klatschen. Der Läufer vor mir erhält einen Telefonanruf. Er sagt, er freue sich, dass er die Wohnung bekomme, müsse es aber kurz machen, da er gerade Marathon laufe. Noch mal wohlwollendes Klatschen. Ich traue mich nicht zu fragen, ob die Wohnung in Babelsberg ist, wie es groß auf seinem Laufshirt steht, oder vielleicht in München.

Wir machen die Stimmung quasi selbst. Obwohl auch hier ab und zu Bewohner vor ihrem Haus stehen und uns anfeuern. Die legendäre Surfwelle im Englischen Garten ist sicher bekannt. Auch im Winter sieht man immer wieder Radfahrerinnen und -fahrer, die ein Surfbrett dabei haben. Der hier wartende Radler wird sicher auch eine Lücke zum Queren finden, meint der Ordner.

Vor der Kirche St. Sylvester richtig Party, bevor es zur Osterwaldstraße geht. Der VP wartet wieder mit Wasser, Iso, Bananen und Riegeln auf. Alles immer von freundlichen Helfenden gereicht. Dahinter dann immer drei bis fünf Toilettenhäuschen. Neben dem Freibad der Bayerischen Landesbank geht es in den Englischen Garten, genauer in die Hirschau, den nördlichen Teil. Sieben Kilometer Park stehen auf dem Programm, von Kilometer 14 bis 21. Der Teerweg geht auf den Olympia-Marathon von 1972 zurück, ist aber noch gut in Schuss. Hier denke ich an die 20 Kilometer Park, die man beim Paris-Marathon zurücklegt. Dort steht alle 500 Meter eine Musikgruppe. In der Hischau sieht man dagegen jeden Kilometer ein paar Zuschauer.

Die Wendestelle am Aumeister-Biergarten ist dann doch bald erreicht, mit Musikkapelle und Wasserstelle. Ein idyllisches Ambiente ist das schon, auch der Bach, neben dem es entlang geht, heitert auf. Trotzdem freue ich mich über den Biergarten Hirschau links von uns. Denn nun laufen wir unter dem Mittleren Ring hindurch, in den eigentlichen Englischen Garten. Diese Parkanlage gibt es schon seit dem 18. Jahrhundert. Sie wurde, wie der Name sagt, einem ursprünglich aus England stammenden Landschaftsideal nachempfunden. Im Sommer herrscht hier im Südteil des Gartens Hochbetrieb. Am Seehaus vorbei und dann ist wieder mehr Abwechslung in Sicht. Auffällig das ab jetzt auch wieder ansteigende Zuschauerinteresse. Bei km 21 ist dann die Hölle los. Rechts von uns die Startaufstellung der Halbmarathonis, dahinter der Chinesische Turm inmitten eines der größten Münchner Biergärten.

 

 

Zweiter Staffelwechsel, recht eng bei über 600 Staffeln. Und dann über die Isar, wieder leicht bergab und dann den Isarhang hinauf über die Montgelasstraße. Der Franzose Maximilian von Montgelas war von 1799 bis 1817 Minister unter dem Kurfürsten und späteren König von Bayern, Maximilian I. Er hat Bayern eine tiefgreifende Reform der öffentlichen Verwaltung gebracht. Einige Italiener rufen sich aufmunternde Parolen zu und auch ich merke, dass ich wohl die ersten 21 km zu schnell angegangen bin.

Über die Oberföhringer Straße geht es stadtauswärts, immer an der Isarhangkante entlang. Beim Queren des Mittleren Rings kann man die Hochhäuser des Arabellaparks sehen und das schicke Hypo-Haus. Davor der Effnerplatz mit einer 52 m hohen Stahlskulptur aus dem Jahr 2011, benannt nach der Schauspielerin Mae West und konzipiert von der US-amerikanischen Künstlerin Rita McBride.

Nach einem Rechtsknick laufen wir über den historischen Salzenderweg. Der Salzhandel war einst eine wichtige Einnahmequelle der bayerischen Herzöge. Hier, in dem damals zu Freising gehörenden Oberföhring, gab es eine Isarbrücke. Diese zündete Herzog Heinrich der Löwe im Jahr 1158  an, um die Salztransporte über eine neue Brücke durch München zu leiten. Somit gilt 1158 als das Gründungsjahr der heutigen bayerischen Landeshauptstadt.

Von der folgenden Fußgängerbrücke aus kann man links einige Schuppen sehen. Eine alte Ziegelei nach dem Motto „Ohne Lehm dat's München net geb'n“. Und da, wo wir jetzt unterwegs sind, gab es viel Lehm. Als der abgebaut war, kaufte Josef Schörghuber viele brachliegende Grundstücke, baute die Hochhäuser im Arabellapark und legte so den Grundstein für das Imperium der Schörghuber-Unternehmensgruppe.

Durch Neubaugebiete nördlich davon laufen wir weiter. Jedes Jahr sieht man hier mehr Zuschauer. Und dann das: Vor einem Einfamilienhaus hat sich ein Grüppchen zum Frühstücken und Marathongucken versammelt. Ich bin gerührt. 20 Jahre lang hatte ich vermutet, dass sich die Bewohner der umliegenden Häuser während des Marathons im Keller verschanzen. Man sieht, die Welt verändert sich und auch der lokale CSU-Kandidat wird langsam vom Kandidaten der Grünen eingeholt. 2021 beim Berlin-Marathon konnten wir ja die langen Schlangen vor den Wahllokalen sehen. Damals war Bundestagswahl, hier steht heute ein neuer Landtag zur Disposition. Ministerpräsident Markus Söder, gleiche AK wie ich, schaut uns oft von den Wahlplakaten zu. Er will sich dafür einsetzen, dass „Bayern stark und stabil bleibt“, damit meint er wohl auch mich.

Es folgen zwei Kilometer Industriegebiet. Wer schon immer mal wissen wollte, wo unsere Geldscheine herkommen: von Giesecke und Devrient vor der Autobahnunterführung. Vor uns das Hochhaus der Süddeutschen Zeitung. 99 Meter hoch, weil ein Bürgerentscheid dies als Obergrenze vorgab. Und derzeit regt sich wieder Protest, denn es sollen doch tatsächlich zwei 150 Meter hohe Häuser gebaut werden. Die erforderlichen 30.000 Unterschriften von Hochhaus-Gegnern sind auch nach 13 Monaten noch nicht erreicht, aber ich habe den Eindruck, die Stadtpolitiker warten weiter ab.

Die Eisenbahnunterführung bietet eine gewisse Abwechslung, dann bei Kilometer 30 wieder eine mitreißende Band. Wir kommen langsam auf den zweiten Teil der Sightseeing-Runde. Am Ostbahnhof sehe ich eine alte DDR-Diesellok. Viele Zuschauer und der Neubaubereich „Werksviertel Mitte“ mit Büros für Kreative, Hotels und Party-Locations. Auch ein Riesenrad steht hier seit einigen Jahren.

Die Rosenheimer Straße, einmal im Jahr ohne Autoverkehr. Ansonsten kommen die Pendler hier von der Salzburger Autobahn Richtung Stadtzentrum vorbei. Kein Anwohnerfest, so weit ist man hier noch nicht, aber viel Stimmung gibt es schon. Die Wahlwerbung ändert sich. Auf einmal sieht man auch viele Plakate der eher satirischen Formation „Die Partei“. Letztendlich sind wir hier im mittleren Teil der Stadt, wo die Grünen mit fast 45 % das beste Ergebnis erzielen werden. Nur in Oberföhring und Englschalking liefen wir durch CSU-Gebiet. Die Freien Wähler und diese rechte Partei spielen in München keine Rolle. Da zeigen sich durchaus Unterschiede zwischen Stadt und Land. Und heute mussten nur 6.000 Wählerinnen und Wähler die Marathonlaufstrecke kreuzen, um ins Wahllokal zu kommen. Ich werde am späteren Nachmittag noch meine Stimme abgeben und dann auch andere „Nachzügler“ im Laufdress sehen. Das größte Problem wird sein, den dicken Wahlzettel in die fast volle Urne hineinzubekommen.

Hinter dem Wahlplakat nächster VP, der rote Kasten rechts ist das Kulturzentrum Gasteig aus der Mitte der 1980er Jahre. Inzwischen sanierungsbedürftig, stand es zwei Jahre lang leer und wird derzeit von Künstlergruppen zwischengenutzt. Die hier beheimatete Philharmonie ist auf ein Übergangsquartier ausgewichen und nun sucht man immer noch jemanden, der die milliardenschwere Sanierung übernimmt.

Vor uns der Turm gehört nicht etwa zu einer Kirche, sondern zum Müllerschen Volksbad. Der Ingenieur Karl Müller schenkte den Münchner Bürgern anno 1901 dieses neubarocke Jugendstiljuwel, damals das größte und teuerste Schwimmbad der Welt. Besichtigung nur in Badekleidung! An dieser Stelle befand sich übrigens die erste Isarbrücke Münchens. 1185 ließ Heinrich der Löwe sie bauen, nachdem die weiter oben erwähnte Brücke in Oberföhring zerstört worden war. Die Ludwigsbrücke wurde oft erneuert, da die Isar auch heute noch ein ziemlich reißender Fluss werden kann. Die aktuelle Brücke wurde 1934 in einem Jahr gebaut. Die Sanierung dauert jetzt schon fünf Jahre an. Außer Fernwärme kommen jetzt auch Fernkälterohre in den Untergrund der Brücke.

Zum Laufen bleibt uns genug Platz. Links das Deutsche Museum auf der Museumsinsel, weltweit eines der größten Wissenschafts- und Technikmuseen, eröffnet Anfang des 20. Jahrhunderts und 2022 mit einem neuen Eingangsbereich versehen. Leider steht schon seit Jahren nicht mehr die markante, riesige Schiffsschraube an der Straße.

 

 

Vor uns jetzt das Isartor, das östliche Stadttor der historischen Altstadt. Links abbiegend erreichen wir den Viktualienmarkt. An der Schrannenhalle, einer alten Markthalle, wartet wieder die vom Trachtenlauf bekannte Blaskapelle Neuried mit ihren Evergreens. Durch das Alte Rathaus kommen wir auf den Marienplatz. Hier stehen die Zuschauer in mehreren Reihen. Den Blick auf die Frauenkirche und das im neugotischen Stil errichtete Neue Rathaus kennt sicher jeder. Eine Sambaband erfreut Zuschauer, Touristen und uns. Um die Mariensäule herum. Hinter dem Dallmayr-Feinkostgeschäft treffen wir auf Florentiner Flair. Am Palazzo Pitti geht der Florenz-Marathon vorbei, hier am Nachbau, dem Königsbau der Residenz, der München-Marathon. Einen Stopp muss man als Münchner kurz einplanen: Die Nasen der vier Löwenfiguren an der Residenz zu reiben bringt angeblich Glück und mir hoffentlich Kraft.

Der Odeonsplatz mit der Feldherrnhalle erinnert auch an Florenz, an die Loggia dei Lanzi. Immer wieder Griechenland und Italien als Vorbilder - fast könnte man vermuten, dass bayerische Könige keine eigenen Ideen hatten und deshalb anderswo Inspiration suchten. Links vor dem Ministerium für Unterricht und Kultus ein VP mit Weißbier. Cola wäre auch nicht schlecht. 

Dann auf bekannter Strecke nach Schwabing und an einem Zuschauer-Hotspot links in die Franz-Joseph-Straße. Inzwischen bin ich zuversichtlich, die Zeiten meiner letzten zwei Teilnahmen einstellen oder gar unterbieten zu können. Aber es ist ein Kampf gegen den inneren Schweinehund. Dafür zeigen die Trommelnden am Elisabethplatz und die Steelband am Nordbad noch kein Zeichen von Schwäche. Das macht Spaß.

Die letzten 1.700 Meter werden hart. Am Olympiapark vorbei zieht es sich. Der Olympiaturm kommt immer näher und nach dem Schuttberg, der seit 1972 Olympiaberg heißt, sieht man dann auch das Stadion. Das wahrscheinlich schönste Olympiagelände der Welt erwartet uns. Staffeln suchen ihren Schlussläufer. Ich reiße mich zusammen. Der Weg zum Marathontor scheint so weit.

Dann Km 42. Lightshow im Tunnel. Bin ich froh, dass gleich rechts das Ziel kommt, die frühere Stadionrunde also entfällt. Geschafft und Ziel erreicht: Mit 4:27 Stunden bin ich sehr zufrieden. Damen und Herren in oberbayerischer Tracht hängen die Medaillen um. Die Marathonis bekommen die größte.

 

 

Das Ziel im Olympiastadion ist legendär. Die Verpflegung ist super, dem Andrang nach ist das Bier am beliebtesten. Es gibt auch allerlei andere Getränke sowie Kuchen und Laugenstangen, und man kann bei milden Temperaturen noch schön abhängen und das eine oder andere Schwätzchen halten. Ein Teilnehmer hat zusätzlich zur Münchner Medaille sogar seine Medaille vom diesjährigen Berlin-Marathon dabei.

 

Fazit:

Fantastisches Sightseeing auf weiten Teil der Strecke. Mehrere Bands, Musikkapellen, Trommelgruppen.

Gute Verpflegung. Duschen und Massagen in der Olympia-Schwimmhalle. Etwas weniger Strecke im Park würde mir gefallen und als Münchner Grantler hätte ich da noch diese Idee: Warum nicht mal über die Theresienwiese laufen? Aber die Strecke des München Marathons ist bewährt und blockiert die Automobilisten sehr wenig.

60.000 Zuschauer soll es dieses Mal gegeben haben, was ich auch positiv wahrgenommen habe, was aber im Vergleich mit anderen großen deutschen Marathons noch verbesserungswürdig wäre.

Das Wetter ist quasi seit vierzig Jahren zum Marathon immer gut, das Preis-/Leisungsverhältnis weniger.

 

Sieger

1. KATUI Bernard Muia       KEN   2:09:17    
2. NZIOKI Benson                KEN   2:09:21
3. CHESEREK Mica             KEN   2:09:26           

 

Siegerinnen

1. CHEROTICH Catherine               KEN   2:31:34       
2. CHEBET Teclah                            KEN   2:32:13
3. NGURASIA Flomena Chepkiach KEN   2:33:17           

 

Finisher

Marathon: 4.158
Staffel: 639
Halbmarathon: 7.192
10k: 2.469
Mini-Marathon 1.487

 

 

 

 


 
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