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Laufberichte

Zum Fünfzigsten unter die Erde

20.02.11

In etwa bei der Hälfte werden wir zum zweiten Mal versorgt. Die Deckenbeleuchtung reicht aus, sich nicht die Haxen zu brechen. Trotzdem unterscheidet sich der Boden nach meiner Erinnerung deutlich von dem in Sondershausen: Die dort durchgehende, schneeähnliche  Salzstaubschicht fehlt hier weitestgehend, dafür ähnelt sie der Neuwieder Straße (der Hauptstraße) in Waldbreitbach: Es ist häufig eine Schlaglochpiste, Aufpassen ist also angesagt. Aber wer läuft schon blind durch die Gegend? Der Anton. Und das mit seinem Guide Peter in sehr sicherer Manier. Prima hast Du das (in 3:56 Std.) gemacht! Schnell wird er noch zu unserem Staffelmarathon am 3. Oktober, wo wir einen Schwerpunkt auf Sehbehinderte legen, eingeladen und weiter geht’s.

Die Strecke bietet des weiteren eine kurze Begegnungsstrecke und einen Wendepunkt, wo man sich kurz sehen kann. Sogar eine feste Toilettenanlage ist unterwegs vorhanden. Keine stillen und dunklen Nebenstollen, wie in Sondershausen, wo man mal eben abbiegen kann... Die zweite Hälfte besticht u.a. durch eine sehr lange Gerade, die eine gleichmäßige, von Runde zu Runde heftiger werdende Steigung bietet. Nach dem Scheitelpunkt stürzt der Weg 15prozentig in die Tiefe. Nichts ist mit Laufen lassen, auch hier muß zum Abbremsen wieder Kraft investiert werden. Km-Schilder fehlen (wofür auch?) und so kann ich meine Zeit erst beim ersten Zieldurchlauf checken. 17:33 min. ist sehr flott, aber irgendwie bekomme ich die Bremse (noch) nicht richtig gezogen. Das aber, seid gewiss, wird noch kommen. Und zwar nachhaltigst. Denn wer zu schnell läuft, den bestraft die Strecke.

Nach 7 Runden gibt es eine „Cut off“-Zeit: Wer nicht in 2:45 Std. durch ist, wird aus der Wertung genommen und als Halbmarathoni gelistet. Eine gute Einrichtung, welche die Enttäuschung mildern kann. Sigrid Eichner hat Bedenken, wie sie mir unterwegs erzählt, nimmt diese Hürde aber sicher. Ich bin nach 2:04 Std. durch und noch guter Dinge und habe Augen für meine Mitläufer und die Strecke.

Etliche der Kollegen sind alte Rennsteig-Haudegen mit 20 oder mehr Teilnahmen und ich bin froh verkünden zu können, daß ich in diesem Jahr dort erstmals meine Visitenkarte abgeben werde. Gelobt werde ich auch für die Qualität von marathon4you.de. Das nehme ich doch gerne an und gebe es hiermit an meine „Kollegen“ weiter. Uns macht es Freude, für Euch zu schreiben. Und wenn wir merken und hören, daß es Euch gefällt, motiviert das zusätzlich.

Wo denn der Durchgeknallte von uns wäre, der „völlig Durchgeknallte“, werde ich unterwegs noch gefragt. Nun ja, mehr oder weniger haben wir doch wohl alle einen an der Waffel, trotzdem verstehe ich sofort, wer gemeint ist. Nein Leute, heute gibt es leider keinen Freistart mehr zu gewinnen, das Thema ist durch! Und derjenige welche ist leider seit acht Monaten aus verschiedenen Gründen dauerverletzt und kann nicht so, wie er gerne würde.

Seitdem ich den Barfußlauf mit oder ohne Zehenschuhe für mich entdeckt habe, versuche ich, meinen Laufstil konsequent von Fersen- auf Mittelfußlauf umzustellen. Das ist ein ganz schön anspruchsvolles Unterfangen bei so einem alten Lackel. Noch traue ich mich ohne „richtige“ Schuhe noch nicht weiter als eine gute Stunde, aber das soll sich ändern. Jeder Lauf mit Schuhen, wie auch der heutige, birgt natürlich die Gefahr, daß sich der alte Schlendrian wieder einstellt. So versuche ich, möglichst konzentriert zu laufen.

In der großen Halle fällt mir beim Durchlaufen auf, daß hier mehr als Konzerte geboten wird. Ein Klettergarten ist installiert und lädt zur Akrobatik ein, hier hätten meine Pänz Spaß. Davor gibt es einen Hauch von Strandleben. Man hat ein paar bunte Holzhäuser aufgebaut, künstliche Palmen davor gesetzt und das Ganze mit Strandkörben und Liegestühlen garniert. Dort macht es sich vernünftigerweise ein weiblicher Fan gemütlich, liest und freut sich über den Dödel, der sie knipst.

Ab der 11. Runde wird es haarig, eine Minute benötige ich länger als vorher. Und nach der Verpflegung, eingangs der 12. Runde, am Beginn der heftigen Steigung zieht mir jemand den Stecker raus. Aus, Ende, vorbei, no go. Mühsam schleppe ich mich gehend hoch und falle oben nur äußerst schwer wieder in leichten Trab. Mehrere, vorher kaum wahrnehmbare Steigungen ziehen mir sämtliche Zähne und nötigen mich zum Gehen. Peinlich, peinlich, aber wat willse maache? Irgendwie bringe ich mit beginnenden muskulären Problemen diese Runde hinter mich, brauche wieder drei Minuten mehr und weiß eigentlich nicht, wie ich die letzte schaffen soll. Mir wird schwindelig und ich überlege ernsthaft, mich hinzusetzen. Kreislaufprobleme.

Ich schütte in mich hinein, was geht. Ich gehe gefühlt bald mehr, als ich laufe. Und werde immer wieder kassiert. Sch...gefühl, aber ich habe fertig, die lange Gerade gehe ich komplett. Jochen läuft auf mich auf und versucht, mich aufzuheitern. Will jetzt aber nicht getröstet werden, will leiden. Es ist schon interessant, wie bescheuert man sein kann. Dann ENDLICH sehe ich am Horizont den Eingangsbereich zur Halle, mobilisiere die letzten Kräfte und laufe aufrechten Hauptes durchs Ziel. Noch mal fast fünf Minuten verloren, 4:08:44 Std. stehen zu Buche. Als Medaille hat es schon mit den Startunterlagen einen speziell beschrifteten Fahrchip für den Aufzug gegeben, sehr originell.

Gott sei Dank haben wir einen Gutschein für eine Bockwurst oder ein Stück Blechkuchen bekommen, aber Jochen meint, ich solle erst mal zur Zielverpflegung gehen. Zielverpflegung? Ja, am ersten Versorgungspunkt. Und tatsächlich: Äpfel, Bananen, Riegel, Salzgurken, Schmalzbrote. Ich fresse wie ein Kriegsheimkehrer, schleiche nur von links nach rechts mit vollen Backen kauend. Schiebe die Bockwurst hinterher und kaum zehn Minuten später bin ich wieder oben auf. Klarer Fall: Hungerast. Und erfahre, daß das Essenangebot wohl schon seit einigen Runden parat stand. Ich aber habe es mit meinem zunehmenden Tunnelblick einfach nicht gesehen. Ein Stück Kuchen muß auch noch sein und schon geht es mir wieder prächtig.

Den Stimmungsumschwung nutzt Jochen und zieht etwas für mich aus der Tasche. Ich bin wirklich gerührt, als er mir ein T-Shirt überreicht. „50 Ultra- und Marathonläufe – Wolfgang Bernath“. Das kommt natürlich direkt auf die stolzgeschwellte Brust. Auch wenn mir natürlich klar ist, daß das für viele von Euch absolut nichts Besonderes ist. Für mich aber schon.

Bei der Siegerehrung haben Angelika und Eberhard doch tatsächlich ihre Altersklassen gewonnen. Davon können sie zwar nicht die zu erwartenden Geldbußen bezahlen, aber es geht doch bestimmt beschwingter wieder nach Hause. Die Veranstalter erzählen mir, wie wichtig ihnen unsere Arbeit als rasende Reporter ist und welche positiven Auswirkungen das für den Lauf im Speziellen, das Erlebnisbergwerk im Allgemeinen und die Region überhaupt hat. Über die Hälfte mehr Marathonteilnehmer als 2010 spricht doch eine deutliche Sprache, die letztjährigen m4y-Berichte werden daran nicht ganz unschuldig sein. Schön, wenn man die Folgen seines Tuns so freundlich geschildert bekommt. Wenn man eine solch prima Veranstaltung besuchen und davon berichten darf, freut uns das ja auch.

Dann geht es wieder übertage. Und uns trifft fast der Schlag, als wir bei –5° wieder ins Freie treten. Auf dem Rückweg fallen wir noch beim Fast Food-Laden unseres Vertrauens ein und füllen die Fettspeicher weiter auf. Aber wie sagt der Nordgermane so schön? Wat mutt, dat mutt.

Ihr merkt unschwer, daß es mir in Merkers sehr gut gefallen hat. Eine zwar nicht einmalige (Sondershausen lockt ja auch), aber sehr ungewöhnliche Veranstaltung, die noch deutlich mehr Teilnehmer verdient hätte. Platz ist da.

Drei kleine, aber wichtige Verbesserungsvorschläge muß ich abschließend loswerden: Der Verpflegungstisch mit der festen Nahrung gehört ins Blickfeld der Läufer. Ich komme, schon leicht schwächelnd, auf die Verpflegungsstelle zu und sehe mit zunehmendem Tunnelblick nur das, was sich mir ins Auge drängt. Und das sind die netten Helfer, die in bester Absicht die Becher anbieten und dabei vom Tisch ablenken bzw. diesen verdecken. Weiterhin bitte das nächste Mal Wasser ohne Kohlensäure anbieten. Wenn man so viel trinken muß, wie bei Euch, bläht sich der Bauch auf und das tut nicht gut. Und zu guter Letzt bitte daran denken, daß die Läufer hier ungewöhnlich viele Mineralien einbüßen. Die lassen sich ohne großen Aufwand wieder zuführen, indem Ihr zusätzlich Bouillon zum Trinken anbietet und die Schmalzbrote salzt.

Marathonsieger

Männer

1   BALDAUF, Marcus   Brotterode  02:55:38
2   SCHMITT, Matthias   LG Würzburg  02:58:24 
3   SEELE, Hartmut   medigreif  02:59:52

Frauen

1   GEIKEN, Annette   LG RWE Power  03:25:50
2   MARTIN, Alexandra   TSV Wiesentheid  03:46:46
3   HAMM, Carmen   jogmap  03:59:02

Streckenbeschreibung:
Profilierte 3,25 km-Runde mit knapp 60 Höhenmetern, die nicht unterschätzt werden sollten. Helm- und Lampenpflicht!

Startgebühr:
44 bis 50 €, je nach Anmeldezeitpunkt.

Weitere Veranstaltungen:
9,75 km-Lauf (3 Runden). Ausstiegsmöglichkeit mit Halbmarathonwertung nach 7 Runden.

Auszeichnung:
Medaille, Urkunde (für die zu Ehrenden sofort und für alle online), Sachpreise für die Schnellsten.

Logistik:
Bestens, kürzeste Wege, Duschmöglichkeit nach dem Ausfahren im Eingangsbereich des Besucherbergwerks.

Verpflegung:
Ca. alle 1,5 km mit Wasser, Cola und später Erdinger Alkoholfrei. An der ersten Station Äpfel, Bananen, Salzgurken, Riegel und Schmalzbrote.

Zuschauer:
Nur im Start-/Zielbereich durch mitgereiste Fans. Gegen deren Langeweile besteht die Möglichkeit, zwischendrin an einer Führung durch die Kristallgrotte teilzunehmen.

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Informationen: Merkerser Kristallmarathon
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