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Laufberichte

Jubiläumsrun auf den Berglaufolymp

09.09.12

 

Über die Eigermoräne

 

Weiter geht es auf dem ausgesetzten Pfad steil bergan. Fast schon zum Greifen nahe türmen sich die Bergriesen mit den daraus quellenden Gletscherzungen über uns. 

Und auf einmal ist er erreicht: der Grat die Eigermoräne, das mit Abstand berühmteste Teilstück, ja das Wahrzeichen des Jungfrau-Marathons. Es ist das Bild, das ich schon von vielen Prospekten kenne, das als Aufmacher fast jeder Werbung für den Lauf herhält: Das Bild jenes steil abfallenden, schmalen Grats, über den die Läufer wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht vor dem  Hintergrund des gewaltigen Gebirgsstocks mit dem Eigergletscher und überspannt vor einem tief blauen Himmel empor trippeln. Und jetzt bin ich auf einmal selbst mittendrin in dieser grandiosen Szenerie. Vor vier Jahren konnte ich sie mir wolkenumhüllt nur vage vorstellen, heute ist sie geradezu postkartenkitschig real.  

Die Gratwanderung währt allerdings nur wenige hundert Meter: Das Ende der Moräne und gleichzeitig das Erreichen des mit 2.205 m üNN höchsten Punktes der Laufstrecke signalisiert in alter Jungfrau-Tradition ein einsamer Dudelsackbläser in klassischem Schotten-Outfit. Leider macht er gerade Grinsepause anstatt aufzuspielen, als ich vorbeiziehe.

Nur einmal steigt der ab hier nur noch abwärts führende Bergpfad an, hinauf zu einem  Felsentisch, an dem wir – gleichfalls schon traditionell - Schokolade als Wegzehrung für den letzten Kilometer zu naschen bekommen. Ein Rudel Helfer hilft fürsorglich über den etwas ausgesetzten Untergrund an dieser Stelle. Einen letzten, fast schon sehnsüchtig langen Blick werfe ich zurück auf die dramatische Bergkulisse, vor der die über die Moräne ziehenden Läufer nurmehr als eine Kette kleiner bunter Punkte wahrnehmbar ist. 

 

Schlussspurt zur Kleinen Scheidegg

 

Dann biegt unser Weg um die Ecke und eröffnet urplötzlich eine ganz neue Perspektive: Wir blicken hinab auf das nun nahe Ziel, die Kleine Scheidegg, eingebettet in das Grün sanft geschwungener Berge. Hundert Höhenmeter verlieren wir ganz allmählich auf unserem letzten Kilometer. Das gestattet selbst Fußlahmen, mit einem Schlussspurt zum Finish ihr Ego wieder aufzurichten. Die Blöße, sichtbar als physisches Wrack einzulaufen, gibt sich dann doch niemand. Denn der Zieleinlauf wird begleitet von Hunderten von Zuschauern, die den Ankömmlingen spalierstehend ein überaus stimmungsvolles Finale bereiten.

Großes Menschengewühl erwartet mich jenseits der Ziellinie, was aber auch daran liegt, dass sich ein Großteil der Läufer sofort auf das ausgeschenkte Freibier stürzt. Alles Übrige ist auch im Ziel bestens organisiert: Erst die Finishermedaille, dann eine gefüllte Trinkflasche und schließlich gibt es gegen Rückgabe des Zeitnahmechips noch einen großvolumigen Jubiläums-Rucksack, sodass die Beute, die wir von diesem Lauf als Erinnerungsstücke nach Hause tragen dürfen, wirklich opulent ausfällt.

Ich mische mich noch ein wenig unter die Menschenscharen, die in der „chill out area“, sprich auf den Almen rund um das Ziel einfach das herrliche Wetter in dieser wundervollen Umgebung genießen. Irgendwann heißt es jedoch Abschied zu nehmen von der Kleinen Scheidegg. Zwar juckt es mich schon ein wenig, von hier aus mit der Zahnradbahn noch auf der spektakulär in den Fels gehauenen Trasse weiter zum Jungfraujoch, Europas höchstgelegenem Bahnhof auf 3.454 m üNN, zu fahren. Aber die 116 Sfr, die das selbst von hier oben aus noch kosten soll, erschrecken wohl nur Japaner oder hochpreisgewöhnte Skandinavier nicht. So begnüge ich mich mit der im Startgeld inbegriffenen Fahrt mit der Bergbahn hinab nach Interlaken, Ölsardinenfeeling inklusive.

Beendet ist das „Event“ Jungfrau-Jubliäums-Marathon damit aber noch längst nicht. Am Abend ist eine große Farewell-Party mit den Gaststars Stefanie Heinzmann und abermals DJ Ötzi und die Siegerehrung der Männern angesagt. Aber da bin schon auf dem Heimweg, voller Eindrücke von einem Marathon, der einmal mehr eindrucksvoll seine Poleposition unter den Bergmarathons unter Beweis gestellt hat.

Gewonnen hat bei den Männern übrigens der österreichische Vorjahressieger Markus Hohenwarter. Als Einziger bleibt er mit mit 2:59:42 haarscharf unter der Dreistundenmarke. Bezeichnend für die Internationalität des Laufs ist, dass die ersten Zehn bei den Männern aus neun Ländern stammen, darunter als Zehnter und bester Deutscher Marco Sturm. Bei den Frauen gibt es einen Überraschungssieg durch die in der Szene bislang eher unbekannte Amerikanerin Stevie Kremer. In 3:22:42 läuft sie der Konkurrenz auf und davon. Und ich selbst? Nun ja - als 2773. begnüge ich mich mit der Erkenntnis „dabei sein ist alles“ und lasse endgültig jede Hoffnung fahren, in diesem Leben noch Weltmeister zu werden.

 

Marathonsieger/Berglauf-Weltmeister (Langdistanz)

 

Frauen

1. Kremer Stevie,USA 3:22.42,9
2. Reiner Sabine,AT-Dornbirn 3:24.10,0
3. Dobson Kim,USA 3:26.58,3

Männer

1. Hohenwarter Markus,AT-Gundersheim 2:59.42,2
2. Kosovelj Mitja,Slowenien 3:00.47,3
3. Tuei Hosea,Kenia 3:01.24,4

6317 Finisher (davon 137 Doppel-Finisher)

 

 
 

Informationen: Jungfrau-Marathon
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