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Laufberichte

Schweizer Spezialität

20.11.11

Seite an Seite mit den Waffenläufern

 

 

Etwa bei Kilometer 23 verlassen wir das nette Städtchen. Während für uns die Strecke alle fünf Kilometer markiert ist, finden die Halbmarathonis jeden Kilometer signalisiert. Nach einem kleinen Anstieg geht es etwa 150 Meter durch ein Wiesengelände. Durch die Trockenheit ist der Trampelpfad natürlich in einem rustikal-ruppigen und buckligen Zustand. Ein Athlet hat sich wohl den Fuß vertreten und steht an einem Baum. Oder es ist ein Muskelkampf. Von grasenden Kühen sind Minen verlegt. Ab Bronschhofen gehen die nächsten Kilometer gehen tendenziell bergab (bis Kilometer 30), man kann hier Tempo machen. Aber überziehen darf man (noch) nicht.

Nach 2.07 Stunden Laufzeit habe ich bereits 25 Kilometer hinter mir und bin schon fleißig am Überholen der Junioren und Frauen. Auffallend ist beim Frauenfelder die hohe Frauenquote beim Halben. Es sind über 25 Prozent. Auf der zweiten Hälfte hat die Stimmung unter den Zuschauern deutlich zugenommen. Fast an jeder Ecke stehen welche. Und was mich erstaunt: Es gibt einige Plätze in der freien Natur, wo sich ganze Hundertschaften versammelt haben. Die Fahrzeuge stehen derweil in den Wiesen oder an den Straßen aufgereiht. Das Messen mit den Waffenläufern und Halbmarathonis macht nicht nur mir Spaß und Freude.

 

„Es isch nüm so wit“

 

 

An einem Strommast hängt ein Motivator für Urban: „Es isch nüm so wit“, lese ich. Es ist nicht mehr weit, nur noch rund elf Kilometer. Die Häufigkeit der V-Stellen (sieben auf der zweiten Hälfte!) macht das Survival-Training auf der Marathonstrecke einfacher. Vor Stettfurt wartet noch mal eine Steigung auf einem Feldweg und anschließend im Ort. Früher wurde da an einem Feuerwehrhaus neben Aqua in purer Form auch Schnapswasser und Feuerwasser ausgeschenkt.

Wo bleibt denn die Spitze des Männerfeldes im Halbmarathon, frage ich mich mehrmals und rechne dann nach. Ich bin schneller unterwegs als 2010. Doch dann kommt der Führende Bruno Heuberger, der schon einen Vorsprung zu den Verfolgern hat. Aber da gibt es noch ein Gerangel um den Sieg, denn Bruno wird im Ziel als Zweiter erscheinen.

Sogar eigene Betreuer habe ich gesehen, denn zwei heben mir ein Schild hin: „Hopp Tony“ steht darauf, und mein Namensvetter dürfte kurz vorher durch sein, denn die beiden sind am Einpacken.

 

Mit Vollgas zum Endspurt

 

 

Nur mit ausgeschaltetem Hirn ist der Abschnitt zwischen Kilometer 36 und 38 zu bewältigen. Denn da warten noch zwei üble Steigungen. In einem Waldstück haben zwei eine private Tankstelle aufgebaut. Mit Volksmusik und Lagerfeuer hat man es sich bequem gemacht und reicht den Vorbeilaufenden eine Labe hin.

Kurz danach geht es lange bergan und dann biegen wir nach rechts auf die uns bekannte Strecke ein. Wieder ein Stimmungsnest von Zuschauern. Dann warten die Kamelbuckel. Einmal das Gefälle hinunter und dann hoch. Den Schwung müsste man mitnehmen können. Die Waffenläufer kämpfen, einige pfeifen aus dem letzten Loch. Ein anderer neben mir lässt einen fahren und nimmt den Turboschwung seines Nachbrenners gleich mit. Ja, mit Vollgas zum Endspurt ist auch eine Taktik auf den letzten vier Kilometern.

Kilometer 38, am Ende der Steigung warten nochmals die Samariter und reichen Getränke zu. Auf mein „Freibier“ höre ich nur „im Ziel“. Am Stadtrand Frauenfeld finden sich abermals viele Anwohner. Von einer Grillstation riecht es nach Schweinernem, mir knurrt sogleich der Magen.

Es geht nun nicht direkt zum Ziel, sondern wir biegen in ein Waldstück ein, es fehlen ja noch etwa zwei Kilometer. Es geht fast nur noch flach dahin. Auf einer Holzbrücke verlassen wir den Wald. Die Halbmarathonis haben ihr Tempo nun merklich angezogen.

Die letzten 1500 Meter gehen anfangs gefällig zum Ziel auf dem Oberen Mätteli. Auf den letzten Metern laufen bei mir schier die Bremsen heiß, so steil geht es hier hinunter. Dann biege ich auf das Zielgelände ein und renne unter dem Zielbanner durch. Die Zuschauer und Betreuer feiern ihre Finisher, egal ob Waffenläufer oder ziviler Läufer. Die Sportler werden gefeiert mit Schulterklopfen, Umarmungen, Blumensträußen und Glückwünschen.

Daniel schlürft gerade warmen Tee im Zielbereich. Sein Ziel hat er erreicht – er  ist vor mir da. 4.04.36 Stunden ist seine Zeit, er ist zufrieden. Für mich bleibt die Uhr bei 3.37.58 Stunden stehen, knapp vier Minuten schneller als 2010, passt.

In der Halle gibt es die Auszeichnung für alle Finisher. Medaille, Honig oder ein Geldschein, es kann gewählt werden. Wer die Flunze will, kann die 10 CHF als Refinanzierung seiner Startgebühr verwenden. Aber als Deutscher aufpassen und beim Grenzübergang deklarieren, nicht dass man sich auf einer CD wiederfindet und die Steuerfahndung im Genick hat, hahaha.

Im Kasernengebäude sind die Duschen warm, auch Massagen sind möglich. Im Speisesaal gibt es für 9,50 CHF Truppenverpflegung in Form von Suppe, Schweinebraten, Kartoffelstock (Püree), Erbsen und Rüben. Danach bin ich überfressen. Wer eine Grillwurst will, dafür ist auch gesorgt.

 

Zielimpressionen

 

 

Der Blick auf die Ergebnisliste lässt auch Daniel gewinnen. Er ist Dreizehnter und ich Vierzehnter. Ich glaube, wir beide werden nächstes Jahr eine Wurstsemmel herauslaufen müssen. Einen tierischen Zwischenfall gab es auch während des Rennens. Ein Rehbock rannte einen Läufer über den Haufen, der zwar in ein Spital eingeliefert werden musste, jedoch nicht gravierend verletzt wurde. Der verursachende Rehbock beging Unfallflucht und wird steckbrieflich gesucht.

TIPP für 2012:
Als Saisonabschluss im Marathon oder Halbmarathon absolut empfehlenswert. Mit 35 CHF bzw. 42 CHF ist das Startgeld für Schweizer Verhältnisse günstig, zumal vielleicht auch nächstes Jahr refinanziert werden kann.

Die neugestaltete Website www.der-frauenfelder.ch ist benutzerfreundlich und weist jetzt schon das Datum für den 78. Frauenfelder aus. Am 18.11.2012 geht es wieder auf die Strecken zwischen Frauenfeld und Wil. Wer übernachten muss, in der Jugendherberge Singen ist dieses günstig möglich. Und nach 30 Minuten Fahrzeit ist man in Frauenfeld.

Na, wie wär’s 2012 mit dieser Schweizer Spezialität?

  

Siegerliste

 

Waffenlauf 42 km
Männer

1. von Allmen Konrad, Olten                  2:53.30,6 
2. Wolf Etienne, Gundetswil                  2:55.57,6
3. Sdt Brennwald Adrian, Aeugst a.A          2:57.38,9

Frauen

1. Cina Barbara, Wölflinswil                 3:30.35,0 
2. Siegenthaler Jeanette, Ettenhausen TG     3:43.49,2
3. Balmer Marianne, Davos Platz              3:52.36,0

223 Finsher

Marathon
Männer

1. Hermann Dani, Münchwilen TG               2:43.19,5
2. Feremutsch Christoph, Kleinandelfingen    2:43.21,7 
3. Schenk Felix, Wigoltingen                 2:44.21,5

Frauen

1. Schild-Leuthold Juliette,Bern            3:14.09,8
2. Farner Monika, Lommis                    3:21.05,0
3. Altenbeck Melanie, -Ditzingen            3:26.50,6

222 Finisher

 

123
 
 

Informationen: Frauenfelder Marathon
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