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Laufberichte

Nachwuchs für den Frauenfelder

 

Herbstzeit - „Frauenfelder“-Zeit. Für Norbert und mich steht der Frauenfelder Waffenlauf im November fix im Laufkalender. Und was wir unseren Lauffreunden gerne weiterempfehlen, soll nun auch Laura, unserer Tochter, näher gebracht werden. Nach ihrem erfolgreichen Halbmarathondebut im Bottwartal, steht einer Anmeldung beim Frauenfelder nichts mehr im Wege. So werden Laura und ich die Strecke gemeinsam unter die Füße nehmen, während Norbert lieber den Marathon bestreitet.

Den Halbmarathon gibt es schon seit dem Jahr 2000. Mit über 1600 Finishern ist er der zahlenmäßig stärkste Lauf in Frauenfeld. Gestartet wird in Wil, mit Finish, wie bei den anderen Läufen auch, in Frauenfeld. Der Transfer zwischen Start und Ziel erfolgt mit dem Zug; die Fahrkarte dazu ist bei der Startnummer dabei.

Die Frauenfelder Kaserne liegt mitten in der Stadt. Gerade als wir ankommen, nehmen die Waffenläufer Aufstellung im Hof. In der Schweiz hat das Militär einen ganz anderen Stellenwert als bei uns. Es gilt noch die Wehrpflicht für Männer, Frauen können sich freiwillig melden. Wehrübungen sind an der Tagesordnung und werden von der Bevölkerung als normal angesehen. Daraus entstand vor hundert Jahren die Tradition der Waffenläufe aus, der sich dann der Marathon- bzw. Ultralaufsport entwickelte.

Ich genieße die eigentümliche Atmosphäre im Kasernenhof. Nachdem die Marschkapelle zu Ende gespielt hat und die Jubilare bei den Waffenläufern geehrt sind, macht sich die gesamte Mannschaft auf den Weg zum mehrere hundert Meter entfernten Marktplatz. Im Vorbeigehen erkenne ich noch Daniel Steiner, unseren Schweizer Marathon4you-Kollegen und altgedienten Waffenläufer. Wir folgen der Truppe in einigem Abstand, es geht bergauf. Oben auf dem weiten Platz angekommen, löst sich die Formation. Bis zu deren Start um 10 Uhr können wir mit Daniel noch einige Worte wechseln.

Über Lautsprecher wird über den bevorstehenden Start informiert. Eine lange Linie aus Sägemehl und ein darüber angebrachtes Banner markiert die Startlinie. Die Zuschauer werden darauf hingewiesen, die Ohren zu schützen, denn der Startschuss wird laut. Abschließend wird herunter gezählt und der Knall der Artilleriekanone erschüttert den Platz. Die Menge jubelt, während die vorderen Läufer davon schießen. Das Feld ist noch dicht und schnell leert sich der Platz.

 

 
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Eine halbe Stunde später wiederholt sich das Schauspiel für die Marathonläufer, nur dass hier die Trikots deutlich bunter sind und die meisten keinen Rucksack auf dem Rücken tragen. Laura und ich verabschieden uns von Norbert und joggen zurück zum Auto. Uns ist kalt. Über Frauenfeld hängt immer noch dichter Nebel und es hat um die 5 °C. Wir hatten gehofft, dass die Sonne scheint. Aber bis 11 Uhr kann davon keine Rede sein. Es hilft nichts, wir packen die dicken Laufjacken ein. Der Bahnhof ist ganz in der Nähe. Unser Zug kommt pünktlich um 11 Uhr 19 und wird sofort von den Läufern geentert.

Nach halbstündiger Fahrt erreichen wir Wil. Mit einer Höhe von 571 m liegt der Ort etwas höher als Frauenfeld. Diese Differenz reicht aus: hier scheint tatsächlich die Sonne. Wir verlassen den Bahnhof und folgen dem Pulk der Läufer der sich Richtung Innenstadt wälzt. Bereits in der Fußgängerzone treffen wir auf die Laufstrecke. Waffenläufer kommen einzeln oder zu zweit und werden vom Publikum angefeuert. Wir haben Glück und sehen Franziska Inauen, die Führende des Marathon mit Fahrradbegleitung. Die junge Frau verfügt über einen wunderbar leichten Laufstil und hat sogar Zeit, mir in die Kamera zu winken.

 

 
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Laura und ich lassen uns in der Menge treiben und gelangen irgendwann zum Startbanner des Halbmarathon. Er liegt in einer Seitengasse, so dass die laufenden Wettbewerbe nicht behindert werden. Die Stimmung ist prächtig. Wir gelangen von der Rückseite auf den Marktplatz, wo die abgesperrte Laufstrecke verläuft. Leider hat die Kapelle gerade aufgehört zu spielen. Aber auch so ist das Ambiente entzückend. Die Wiler Altstadt gehört zu den schönsten und besterhaltesten historischen Gebäudekomplexen der Schweiz. Erbaut auf einer Erhebung, dem Wallberg, kann man besonders von oben sehen, wie genial die Konstrukteure von damals vorgegangen sind. Im flachen Oval, bestehend aus verschiedenen zusammengebauten Häusern, liegen Marktgasse, Kirchgasse, Rathausgasse und Metzgergasse.

Die Marathonstrecke führt standesgemäß durch die Marktgasse mit dem Hof, dem Wahrzeichen der Stadt Wil. Das Schloss der Fürstäbte von St. Gallen beherbergt in jüngster Zeit neben Gastronomie und Museum eine Bibliothek und die Volkshochschule. Rechts davon liegt das Schnetztor, hier kommen die Läufer herauf. Links schließen sich das Gerichtshaus mit den Wappen der sechs Gemeinden des Wiler Bezirks und das rosafarbene Hauptmannshaus an.

Wir beobachten ein Weilchen die Läufer, die sich an den Verpflegungstischen stärken und sichtlich das historische Flair genießen. Dann wird es Zeit unsere Taschen abzugeben, nicht benötigte Kleidung wird in Militärtransportern zum Ziel gebracht. Unser Start ist in der Kirchgasse direkt vor der spätgotischen Fassade der Stadtkirche St. Nikolaus aus dem 12. Jahrhundert. Die Läufer werden je nach Geschwindigkeit in drei Startblöcke eingeteilt. Laura und ich sind im hinteren Startblock C mit Startzeit 12 Uhr 34. Wir müssen nicht lange warten, dann geht es los.

 

 
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In der engen Gasse haben sich viele Zuschauer auf den Gehweg gequetscht und wir werden lautstark verabschiedet. Trotz des engen Feldes und des Kopfsteinpflasters sind wir zügig unterwegs, es geht ja schließlich abwärts. Rechts kann ich die Marathonstrecke erkennen, die nun mit unserer zusammenläuft. Die dortigen Läufer werden einfach von der Menge der Halbmarathonis geschluckt. Wir erreichen die Fußgängerzone. Auch hier sind die Zuschauer außer Rand und Band.

Achtung, es geht um eine scharfe Kurve, dann weiter in eine Seitenstraße. Ein kleiner Vergnügungspark ist verwaist, denn alle wollen die Läufer bewundern. Es folgt ein längeres Stück flach im Wohngebiet. Während die Waffenläufer und Marathonis rechts auf einen kleinen Radweg geleitet werden, geht es für uns parallel an der Straße weiter. In Bronschofen, das Feld ist mittlerweile auseinandergezogen, werden die Langstreckler wieder eingeleitet. Von nun an geht es gemeinsam weiter. Hinter dem alten Schulhaus überqueren wir die Bahn und müssen dann rechts über eine ziemlich matschige Wiese bergab und am Ende links auf den Feldweg. Vor uns ausgebreitet liegt idyllisch eine weite grüne Wieselandschaft mit vereinzelten Gehöften und Bergen im Hintergrund. Unser Weg führt flach mitten hindurch. Ich muss erst einmal durchatmen. Nach der Hektik des Starts finden wir langsam unser Tempo.

In St. Margarethen steppt der Bär. Vor der kleinen Stadtkirche stehen die Zuschauer mehrreihig und feuern uns an. Der Lauf wird wohl als Straßenfest genutzt, denn es gibt Bewirtung für die Gäste. Für uns folgt auch gleich die erste VP mit Tee, Bouillon, RIVELLA und Müsliriegeln. Das anschließende Teilstück führt abermals durch grüne Weidelandschaft, wobei wir die leichten Wellen gleich für erste Gehpausen nutzen. Wir sind schließlich schon bei km 6, das ging schnell. Nach einer kurzen Steigung hinter einer Kurve sehe ich bereits die nächste VP in einem kleinen Wäldchen. Die Helfer finden es toll, dass wir bergauf gehen. „So sehen Genießer aus“. Wie in den Vorjahren gibt es hier Kuchen. Weil ich früher dran bin als sonst, ist die Auswahl noch groß. Ich zähle 4 verschiedene Sorten und kann mich nicht entscheiden. Die braunen Schokokuchen locken mich, ich greife gleich zweimal zu.

 

 
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Es geht nun leicht bergab und wieder hinauf. Wir verlassen den Wald. Auf den Feldern vor uns liegen letzte Nebelfetzen. Die Sonne scheint mit ganzer Kraft und heizt uns langsam ein. In einer weiten Schleife gelangen wir bergab nach Lommis. Hier lassen wir es laufen. Überall stehen Zuschauer und klatschen. Es geht um eine Kurve ins Wohngebiet. Dort erwartet uns bereits die nächste VP. Neben den gewohnten Getränken werden auch Haferkekse angeboten, lecker. An der nächsten Kreuzung müssen wir über die Straße. Der halbe Ort ist versammelt und feuert uns an, es sind Bierbänke aufgebaut, Speisen und Getränke werden angeboten.

Ein älteres Ehepaar bietet an einem Tischchen private Getränke für die Läufer an. Cola und Wasser aber auch Whisky und Brandy sind im Angebot. Ich kenne den Mann von früher. Er hat in jüngeren Jahren den Waffenlauf 30 Mal gefinisht und verköstigt nun seine alten Kameraden. Ich bleibe für ein kurzes Schwätzchen stehen und habe anschließend zu tun, um Laura wieder einzuholen (km 10).

Bis Weingarten geht es zunächst flach, dann wieder leicht bergauf. Viele Fans stehen an der Strecke und klatschen ab. Schon von weitem kann man Festgeräusche hören. Erwartungsvoll biege ich um die Kurve. Zwei riesige Kessel dampfen und eine Menge Leute sitzen an Biertischen. Der Verein kochender Männer von Lommis bietet Biergulasch aus der Gulaschkanone an. Den Leuten gefällt die Mischung aus kulinarischem Angebot und Livesport. Kein Wunder, dass das Spalier hier eng ist. Dahinter geht es bergauf, ziemlich steil sogar. Oben, hinter der nächsten Kurve, kommt erneut eine VP.

Es geht auf der Weinbergstraße in Halbhöhe wellig dahin, immer mit traumhaftem Ausblick auf den tiefer liegenden Thurgau. Im Weiler Kalthäusern ist wieder ein Fest. Von einem Anhänger herunter bekomme ich ein Glas Bier gereicht. Unter dem Applaus der Zuschauer kann ich es leeren. Jetzt aber schnell weiter, bevor es wieder aufgefüllt wird. Oberhalb von Stettfurt steht ein Trio mit Treicheln, das sind die großen Kuhglocken, die man in der Schweiz oft sieht. Obwohl die Läufer nur noch vereinzelt vorbei kommen, sind die drei unermüdlich bei der Arbeit und haben sichtlich Spaß an ihrem Höllenlärm.

 

 
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Im Ort geht es nun bergab. An einer privaten VP verteilen Kinder Wasser an die Läufer. Ein paar Meter weiter ist schon wieder Party. Ich kann einen Blick in das kleine Zelt werfen. Hier kocht die Stimmung. Dafür geht es an der VP am Ortsausgang gemütlich zu. Die Helfer wärmen sich in der Sonne. Jetzt wird es wieder flach. An einer größeren Fangemeinde vorbei werden wir auf einen Feldweg geleitet. Wir laufen auf ein kleines Wäldchen zu (km 15). Hier kommt Musik aus einem Radio und auf einem kleinen Tischchen gibt es eine private VP. Der motivierte Herr mit Cowboyhut feuert uns an.

Hinter der nächsten Kurve gibt es erneut eine Steigung. Am Waldrand ist ein Fotograf auf Motivsuche, „Läufer im herbstlichen Wald“ oder so ähnlich. Laura und ich werfen uns in Mutter/Tochter Pose. Oben verlassen wir den Feldweg und gelangen auf die Straße und an der nächsten Kreuzung links weiter im Wald bergauf. Ich sehe schon die letzte VP auf dem Scheitel , hier gibt es Schokolade für den Endspurt.

Zuerst führt die Straße steil bergab. Dabei stelle ich erfreut fest, dass Laura noch ganz gut laufen kann (km17). Die letzte Steigung wird wieder gegangen, oben verlassen wir den Wald, Frauenfeld ist in Sicht. Viele Spaziergänger nutzen die gesperrte Straße für einen kleinen Spaziergang am Sonntagnachmittag und feuern uns an.

Am Ortseingang bei km 18 haben sich nochmals viele Schaulustige versammelt. An der Kreuzung geht es dann links und sofort wieder nach rechts. Über Nebenstraßen erreichen wir das kleine Wäldchen Pfaffeholz. Schon seit dem Start werden wir von einer auffälligen, großen Dose „Kartoffelwürze“ mit Beinen und Startnummer verfolgt. Es handelt sich um den Werbegag eines Schweizer Gewürzherstellers. Hier im Wohngebiet wird die Dose nun von Kindern belagert. Immer wieder laufen sie ihm vor die Füße. Außerdem kann er wohl nicht gut sehen und muss sich andauernd nach dem Weg erkundigen. Trotz diesem Handicap ist er erstaunlich zügig unterwegs.

 

 
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Ab km 19 geht es endgültig bergab. Die Straßen sind wie ausgestorben, nur die weithin sichtbaren Streckenposten feuern uns an. Noch einmal rechts herum, dann links, wir nähern uns dem Ziel. Dann hören wir den Sprecher. Die Straße ist nun großzügig abgesperrt. Es folgt die letzte Abzweigung und das letzte Stück bergab, dann liegt der Zielkorridor vor uns. Noch einmal ein Spurt und wir überqueren die Zeitmessung. Auch die Kartoffelwürze ist im Ziel, erschöpft nimmt der junge Mann die Verkleidung ab. Es wird heißer Tee angeboten und in der Halle RIVELLA. Jeder Finisher kann zwischen einer Medaillennadel oder einem Glas Honig auswählen. Außerdem bekommt man eine Tasche mit Präsenten des Sponsors MIGROS.


 

Fazit:

Mir gefällt es in Frauenfeld. Die Tradition der Waffenläufe bringt viele Menschen auf die Straße. Ob Läufer oder Zuschauer, alle haben ihren Spaß. Auch als Zivilist wird man angefeuert und wie ein Held gefeiert, das motiviert ungemein. Die Strecke ist wellig, aber gut zu laufen. Freundliche Helfer mit Verpflegung genau nach meinem Geschmack runden das Laufvergnügen ab. An der Organisation kann ich nicht meckern, alles hat super gut geklappt. Der Frauenfelder Waffenlauf hat übrigens seit diesem Jahr mindestens einen Fan mehr – unsere Tochter Laura.

 

Informationen: Frauenfelder Marathon
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