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Laufberichte

run und fun - in the sun

14.06.09

Bis zur nächsten Ortschaft ist es nur ein Katzensprung und auch hier wird dem „run und fun“ gebührend Beachtung beschenkt. Der eine oder andere einheimische Staffelläufer muss sich da schon mal einen bissigen Kommentar anhören, wenn er mit den harten Hunden verglichen wird, die bisher alle Kilometer selbst zurückgelegt haben und immer noch einen fitteren Eindruck machen.

Nach Stetten führt uns ein schmaler Weg nach Nendingen, wo ich mit einem Megaphon empfangen werde, aus welchem das Angebot einer Massage erschallt. Obwohl ich heute erstmals seit langem die Stützstrümpfe nicht hochgezogen habe (ein Läuferfreund wird dies nach seinem ewigen Spott entweder als Sieg – oder nach der langen bestrumpften Zeit als Wunder sehen), spüre ich keinen Bedarf geknetet zu werden.

Die neuen Schuhe, in denen ich heute das erst Mal laufe, versehen klaglos ihren Dienst. Ich erwartete zwar von meiner Leibmarke auch nichts anderes, deshalb habe ich wie verzweifelt danach gesucht. Irgendwie waren keine aufzutreiben, was mich an den Rand des Abgleitens in die Beschaffungskriminalität getrieben hat. Anscheinend haben auch andere Läufer bemerkt, dass es weniger beworbene Marken gibt, die Spitzenschuhe herstellen, und so für einen Lieferengpass gesorgt. Wie gut, wenn da der Chefredakteur ein paar Vertriebskanäle mehr kennt…

In der Hoffnung, dass die noch makellos, blütenweißen Treter keinen kosmetischen Schaden nehmen, gönne ich mir bei der Kapelle im Vorbeigehen eine halbe Feuerwehrdusche, klatsche noch ein paar Kinder am Straßenrand ab und ziehe wenig später um die letze Kurve Nendingens.

Am Dorfausgang ist ein kleines Volksfest mit Musikkapelle im Gange, vorgemeldete Läufer werden mit Namen begrüßt, nachgemeldete, die in meinem Tempo unterwegs sind, danach gefragt. Ich bin noch reaktionsschnell genug, um dem Namen gleich noch die Werbung für m4y anzuhängen.

Der endlos scheinende Weg, der uns nach Tuttlingen führt – die Kirchturmspitze liegt geschätzte dreißig Kilometer entfernt - trägt den Namen Bleiche. Mein Gesicht fühlt sich zu diesem Zeitpunkt alles andere als bleich an.

Wie ich so vor mich hintrotte, sehe ich knapp über dem Boden eine Inschrift „Es ist vollbracht“. „Wenn jetzt nur oben dran noch die Kilometertafel 42 stehen würde“, denke ich, denn ich hatte in diesem Jahr einfach noch keine Möglichkeit zum Training bei erhöhten Temperaturen – vom Trollinger-Marathon abgesehen. Ein bisschen geht schon noch; die Fitness vom Hals an abwärts ist nicht die Schwierigkeit, das Problem ist weiter oben. „Wenn ein Tag wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag, dann wünsche ich mir, dass die kommenden dreieinhalb Kilometer wie dreieinhalb sind“, schießt es mir durch den gebeutelten Kopf, als ich oberhalb der Inschrift das Kruzifix betrachte.

Viel kürzer erscheinen mir diese Kilometer nicht, zwei weitere Verpflegungsstationen sorgen aber für Linderung, bevor es nach Tuttlingen hineingeht und die Kilometertafeln vorne eine Vier zeigen.

Die am Donauufer postierte Guggenmusik macht nochmals richtig Dampf für den letzten Kilometer, auf welchem eine letzte Dusche den Beginn der kleinen Brücke markiert, auf welcher wir heute zum letzten Mal die Donau überqueren.

Um eine letzte Häuserecke herum geht es auf die Bahnhofstrasse und das Ziel ist zu sehen. Die letzten zweihundert Meter sind dicht gesäumt von Zuschauern und eine weitere Musikkapelle treibt an. Auch hier wieder Citymarathon-Ambiente kompakt. Vor der Zeitmessmatte beim Marktplatz stehen die Cheerleader-Girls und begrüßen die Finisher, die gleich danach die verdiente Medaille umgehängt erhalten.

Während der Marktplatz von einem riesigen Zeltdach überspannt ist und an den Tischen den Gastronomieangeboten zugesprochen wird, gibt es im abgesperrten Bereich für die Läufer eine reichhaltige Zielverpflegung. Hefezopf, Äpfel, Bananen und Wassermelone– ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so köstlich süße hatte - und verschiedene Getränke.

Gut verköstigt mische ich mich unter die Zuschauer beim Zieleinlaufe und warte auf die Ankunft von Florian. Sein Schlussspurt wirkt locker, seinem Gesicht sieht man die 42 Kilometer nicht an. Auch Franziska spürt man beim Interview nach dem Zieleinlauf die Strapazen eines Marathons nicht an – auch sie ist eine junge Läuferin und heute das erste Mal über diese Distanz gestartet. Die beiden Greenhorns haben der eingangs erwähnten Mär also kräftig entgegengehalten.

Dieser gut organisierte Marathon findet für mich mit einem nicht unwichtigen Detail einen guten Abschluss. Nachdem ich heute wirklich etwas getan habe, genieße ich im TuWass, der Tuttlinger Wasserwelt, einem Freizeit- und Thermalbad, die komfortable Duschmöglichkeit, die sich mir mit dem Vorweisen der Startnummer öffnet. Vom Badeangebot mache ich heute keinen Gebrauch, das spare ich mir für dann auf, wenn ich es noch nötiger habe. Zum Beispiel am kommenden Samstagabend?

Marathonsieger
Männer

1 Schur, Andreas (DEU)  gemeinsamfit Sigmaringen 02:41:20
2 Dreßler, Robert (DEU)  Böttingen - Marquardt 02:42:55 
3 Müller, Kay-Uwe (DEU)  TSV Ilshofen 02:44:40

Frauen

1 Schmidgall, Gudrun (DEU)  TSV Trochtelfingen 03:11:06
2 Lutz, Sonja (DEU)  SV Kirchzarten 03:12:07 
3 Hermann, Eva (DEU)  DAV Tuttlingen 03:35:14

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Informationen: Donautal-Marathon
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