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Laufberichte

run und fun - in the sun

14.06.09

Wäre meine elektronische Beifahrerin dabei, würde sie unaufhörlich, mit der ihr eigenen Penetranz, „Bitte wenden“ sagen. So wie sie programmiert ist, müsste sie das tun, aber wir müssen noch eine Schlaufe in die falsche Richtung zurücklegen, damit wir auf die Anzahl Meter kommen, die einen Lauf zu einem Marathon machen.

Nach der Überquerung der Donau geht es dann in die „richtige" Richtung. Auf diese Weise kommen bis zum anderen Ortsausgang schon viereinhalb Kilometer zusammen, Zeit für den ersten Verpflegungsposten mit Wasser und Apfelschorle.

Der größte Teil der Strecke verläuft im Schatten der Bäume, die Temperatur ist angenehm und der Blick durch die Blätter hindurch auf die als Kletterfelsen beliebten Felsformationen gibt Urlaubsgefühle. Der Untergrund des Donau-Radwegs, egal ob befestigt oder nicht, ist angenehm zu belaufen, sonst stünde er bei den Fahrradfahrern vermutlich auch nicht so hoch im Kurs. Obwohl Tuttlingen nur fünfzig Meter höher liegt als Hausen im Tal, haben wir kumuliert bereits so viel überwunden.

Nach zehn Kilometern führt uns der Weg über eine kleine Hängebrücke wieder ans andere Donauufer und kurz danach zur St. Maurus-Kapelle.
Ihr Bau geht auf die sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts zurück und während die Bauform den zweckfremden Stiltempelchen jenes Jahrhunderts verpflichtet blieb, bieten die Fresken echte christliche Bildkunst. Zur malerischen und skulpturalen Ausstattung hatte Lenz seinen Malerfreund aus der Akademiezeit, Jakob Wüger, und dessen Schüler Fridolin Steiner hinzugezogen. Sie gilt heute als ein wesentlicher Zeuge der Beuroner Kunstschule.

Die Fresken sind im starken Wechsel von Morgensonne und Schatten leider nicht deutlich zu sehen, dafür stehen ein paar rettende Engel mit Tranksame und Bananen am Wegrand vor der Kapelle.

Die eben gewonnenen Höhenmeter hinauf zur zweiten Verpflegungsstation werden gleich wieder eingebüßt, denn wenig später wechseln wir wieder ans andere Ufer. Nach drei weiteren, vorwiegend schattigen Kilometern kommen wir nach Beuron und laufen erst einmal um den Ort herum, bevor wir beim Kloster wieder verpflegt werden. Hier trifft das orange Singlet auf die schwarze Soutane, als mir ein Klosterbruder den Wasserbecher reicht.

Den Anblick des imposanten Klosterkomplexes gibt es nur den, der sich beim Weiterlaufen auf dem Feldweg Zeit nimmt, den Kopf nach hinten zu drehen. Den Kopf nicht zu drehen brauche ich um festzustellen, dass die Läufer, die jetzt von hinten heranbrausen, Teilnehmer der fünfzehn Minuten nach uns gestarteten Staffel sind. Zweimal versuche ich mich mit Anfeuerungsrufen, dann höre ich damit auf. Die guten Seelen wollen mir nämlich jeweils einen Frust ersparen und fühlen sich verpflichtet, darauf hinweisen zu müssen, dass sie „nur“ Staffelläufer und deshalb so viel schneller unterwegs seien als ich. Um ihnen die kostbare Zeit ihres Aufklärungsversuchs nicht weiter zu klauen, verzichte ich also auf weitere Zurufe.

Vorwiegend am Waldrand geht es weiter der mäandrierenden Donau entlang, dabei gleitet der Blick immer wieder hinauf zu den Felsen des schwäbischen Bryce Canyons.

Beim Jägerhaus, mittlerweile sind etwa 17 Kilometer zurückgelegt, gibt es wieder einen Verpflegungsposten und für Patric, den Zugläufer für 3:59, kein Gefolge mehr.

Bis zur Ziegelhütte bleibt die Charakteristik der Strecke und der Landschaft gleich. Beim dortigen Verpflegungsposten schütte ich wieder ordentlich Wasser nach, nehme noch einen Becher mit auf den Weg und überquere die Zeitmessmatte.

Nach der Halbzeit öffnet sich das Tal und es gibt keinen Wald in Streckennähe, der uns die Sonne und ihre Wärme etwas filtert. Ich spüre auch, dass ich etwas Substantielles bräuchte, um meine Beine weiterhin mit Energie versorgen zu können. Ich hoffe, dass es beim nächsten Posten ein isotonisches Getränk gibt. (Teilnehmern, die auf Zeit laufen, empfehle ich die Mitnahme von Gel oder das angebotene Hinterlegen von Eigenverpflegung).

Die Felskulisse wird auf diesem Abschnitt abgelöst von Blumenwiesen und Getreidefeldern mit ihren silbern schillernden Grannen und bald schon geht es in die erste Ortschaft hinein.

In Fridingen gibt es zuerst das von mir lang ersehnte Iso in mehreren Dosen, dazu lasse ich mir zwei Stücke Hefezopf schmecken und spüle mit einer Kamelportion Wasser. Im Gegensatz zur Donau, welche in Fridingen in einer der zwei Versinkungen größtenteils verschwindet und mehrere Kilometer weiter entfernt im Aachtopf – der größten Quelle Deutschland – wieder zum Vorschein kommt, wird das, was ich mir hier einflöße, in keinem Topf zum Vorschein kommen. Ich habe den Eindruck, es verdunste alles gleich.

Frisch gestärkt mache ich mich weiter in die Richtung, woher Lärm kommt. In einer geschwungenen S-Kurve vor der Kirche ist links und rechts eine Stimmung wie bei einem  Marathon in einer der Metropolen. Ich lasse mir dieses Konzentrat schmecken und nehme die nächsten achtzehn Kilometer in Angriff. Ausgangs Fridingen zeigt ein Wegweiser zum Hammerwerk. „Immerhin schreiben sie hier an, wo der Hammermann wohnt“, denke ich und bin froh, dass wir links abbiegen. Der würzige Duft des Holzes bei der Sägerei bietet mir ein olfaktorisches Feriengefühl und einen Vorgeschmack auf die bevorstehenden Bergläufe.

Bis zur nächsten Ortschaft gibt es nochmals etwas Sonnenschutz am Waldrand, von Mühlheim an der Donau an gibt es aber keine Schonung mehr. Dafür gibt es immer wieder etwas zu trinken und Zuspruch am Straßenrand. Die Duschen würde ich gerne intensiver benutzen als es mir die Kamera erlaubt, doch diese teilweise Abkühlung ist immer noch besser als keine.

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Informationen: Donautal-Marathon
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