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Laufberichte

Fünfzig Kilometer, na und?

31.01.04

Saisoneröffnung

 

Die 50Km von Rodgau sollten unsere Ultra-Saison eröffnen. Wir, das sind Bruno Schneiter, Jürgen Rodeland und ich.  Wir wollten sogar als Mannschaft starten, als „Clan von Rengsdorf“, und noch mehr, wir wollten alle unter 5:00 Stunden laufen.

 

Rodgau schien dafür prädestiniert, schöner flacher Rundkurs mit guter Organisation, lediglich die äußeren Bedingungen wie das Wetter könnte uns einen Strich durch die Rechnung machen. An eine mangelnde Vorbereitung dachte ich überhaupt nicht. 50 Km flach, was ist das schon. Dann ein Tag vor dem Start die erste Hiobsbotschaft, Jürgen Rodeland kann wegen einer Erkältung nicht starten. Was soll’s, mache ich es mit Bruno alleine, die Unterstützung von Jürgen durch Anfeuerung an der Strecke wird es uns leichter machen.

 

Am Samstag starte ich um 7:30h mit dem Auto nach Rodgau, die A3 ist frei und nach 160 km rolle ich so um 9:05 Uhr zeitgleich mit Jürgen, der aus Mainz kommt, auf den Parkplatz an der Sporthalle. Was für ein Timing!

Bruno ist in der Halle schnell gefunden und begrüßt. Auch er ist nicht ganz fit, er hat wohl eine Erkältung in den Knochen. Die Startnummer „50“ abgeholt (passt gut für die 50 km von Rodgau), und das Funktions-Shirt empfangen.

 

Dann pünktlich um 9:15 Uhr vor der Bühne das inoffizielle Treffen der Steppenhühner. Ich spreche kurz mit Marion, Manfred Iser und Bernhard Sesterheim, muss dann aber noch vor dem Start ein dringendes Bedürfnis erledigen und verpasse den Rest. So gegen 9:40 Uhr begebe ich mich mit Jürgen, der uns den ganzen Lauf hindurch anfeuern will, zum Start. Langsam füllt sich der Startbereich, Bruno gesellt sich zu uns, Gabi Leidner wünscht uns „Jungs“ noch viel Spaß, und schon zählt der Starter bis Null und ab geht‘s.

 

Während der 1. Runde lerne ich die Strecke kennen und bin noch guter Dinge unter 5 Stunden zu laufen. Noch liegt Schnee und die Temperatur geht auch noch. Es läuft wie ein Uhrwerk, Jürgen sehen wir unterwegs zweimal, er geht uns entgegen. Wir absolvieren die 5 km in 30 Minuten, also alles noch wie geplant. So weiter und dann in der letzten Runde ein Zielsprint und 4:59 sollte auf der Anzeige stehen. Bruno und ich laufen gut zusammen, lediglich durch das Trinken an den tollen Verpflegungsstellen laufen wir etwas auseinander, finden aber schnell wieder zusammen.

 

Inzwischen bläst uns ein warmer Wind am Teich entgegen, der Untergrund wird immer matschiger und meine Schuhwahl mit den TR8 WP erweist sich als gut. Der Ukraine-Express rauscht an uns kurz vor Km 8 vorbei, die Jungs sehen von hinten einfach klasse aus mit Ihrem Matschüberzug. Jürgen taucht fast an allen Stellen der Runde mal mit seiner Videokamera auf und spornt uns an. Die 10 km erreichen wir in exakt 1:00:00, alles im grünen Bereich, ich könnte noch stundenlang so weiter laufen. Die Luft wird immer wärmer, der Wind frischt auf dem freien Feld zwischen Km 3 und 4 auf, und wir erreichen die 15 km in genau 1 Stunde 28 Minuten.

 

Die Unterhaltung mit Bruno wird immer weniger, ein erstes Anzeichen von Schwäche? Jetzt liegt kaum noch Schnee, die Waldstrecke ist schon sehr aufgeweicht und der Feldweg an der Marathonmarke gleicht einer Seenlandschaft. Die Läuferschlange hat sich sehr weit auseinander gezogen, ich habe jetzt richtig Platz zum Laufen. Es läuft noch immer wie ein Uhrwerk, aber seltsam, immer mehr LäuferInnen überholen mich, und Bruno ist etwas vor mir. Die vierte Runde beende ich bei 1:58. An der Verpflegungsstelle wechsle ich jetzt von Wasser zu Tee und Banane um das Hungergefühl zu stoppen. Bruno habe ich jetzt aus den Augen verloren, halte aber noch an der Zielzeit 4:59 fest.

 

Es wird härter, den 6er Schnitt zu halten. Ich spreche nun mit niemandem mehr, ich brauche meine Luft zum Laufen. Jürgen kommt mir barfuss entgegen und fragt nach der Rundenzahl. Ich ächze "5", und daß es wohl sehr hart werden wird. Die Zwischenzeit bei Km 25 ist 2:30, aber mir wird langsam klar, dass ich das nicht noch einmal 5 Runden durchhalte. Diese 6. Runde wird die „Warum-Runde“, ich muss mal in die Büsche und merke, das mir diese kurze Pause sehr gut tut. Im letzten Waldstück schließe ich auf Bruno auf, er will nur noch eine Runde laufen, ich will aber noch nicht aufgeben und ziehe davon. 3:03 nach der 6. Runde, geht ja noch, den 1. inneren Schweinehund habe ich abgestochen, aber die 4:59 sind heute nicht mehr drin. Vielleicht noch 1 oder 2 Runden, dann ist genug. Die fehlenden langen Läufe über 30 und 35 km in der Vorbereitung rächen sich jetzt, ich denke immer öfter ans Aufhören. Das geht ja auch ganz einfach hier, das Zelt im Ziel hat eine magische Anziehungskraft.

 

Bei der Km-Marke 3 gönne ich mir eine Gehpause und bin fest entschlossen aufzuhören. Die Zuschauer und Betreuer im Zielbereich, und nicht zuletzt Jürgen, halten mich jedoch von einer Aufgabe bei Km 35 ab. Die Zeitanzeige zeigt 3:41. Jetzt noch 15 Km quälen, ich muss komplett verrückt sein. Das sagt meine Familie sowieso über meine Lauferei.

 

Mittlerweile kenne ich jede Pfütze und laufe wie in Trance weiter, alle 2 Minuten denke ich ans Aufhören. Ein Läufer vom M.U.T. Troisdorf mit Helgoland-Finisher-Kappe überrundet mich, - den hab‘ ich doch 2003 auf Helgoland auch gesehen, außerdem trage ich auch eine solche Kappe. Ich erwache aus meiner Lethargie und steche den nächsten inneren Schweinehund ab. Jürgen harrt unverdrossen an der Strecke aus und muntert mich bei jeder Runde auf. Irgendwie habe ich bei den folgenden „Ohren-Passagen“ doch immer die Kurve zur nächsten Runde genommen, laufe nicht ins warme Zelt, sondern ziemlich einsam weiter. Die letzte Runde macht sogar wieder richtig Spaß, vielleicht bin ich ja im Coca Cola Rausch. Einen ganzen Liter habe ich nämlich von dem Zeug in den letzten Runden in mich hinein geschüttet. Der Sprecher im Ziel begrüßt mich bei 5:34:18 zum überstandenen 50 km-Lauf und Jürgen gratuliert ebenfalls.

 

Ich erzähle ihm auf dem Weg zur Sporthalle von meinen 5 abgestochenen Schweinehunden und dem schweren Lauf. Wir amüsieren uns über den „ruhmreichen“ Clan von Rengsdorf, 1x DNS (did not started), 1x DNF (did not finished) und 1x FFOFH (finished far over five hours). Bei Weizenbier, sponsert by Rodeland, erhole ich mich sehr schnell von meinem 3. Ultra. Bruno, Jürgen und ich machen bereits schon Pläne für die nächsten Läufe.

 

Mein Fazit: eine schöne Veranstaltung, toll organisiert, für mich persönlich der härteste Lauf bisher, aber trotzdem den Spaß am Laufen nicht verloren. Wenn ich noch einmal eine bestimmte Zielzeit anvisiere, dann muss auch die Vorbereitung stimmen, das habe ich inzwischen gelernt, 50 km sind 50 km und nicht: na und?!

 

Informationen: Ultramarathon Rodgau
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